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Durchs wilde Andalusien
Wer Andalusien sagt, denkt dabei meistens an Flamenco, Strand und Stierkämpfe. Dass Andalusien noch ein ganz anderes Gesicht haben kann, beweist ein Ausflug in die Provinz Jaén.
Jaén ist der Name einer der acht Provinzen Andalusiens (Almería, Cádiz, Córdoba, Granada, Huelva, Jaén, Málaga und Sevilla). Gleichzeitig ist Jaén aber auch die gleichnamige Hauptstadt der Region, was manchmal für Verwirrung sorgt.
Die Stadt Jaén liegt nur etwa 100 km nördlich vom Flughafen Granada und ist in einer knappen Stunde über die Autobahn zu erreichen. Ein dichtes Straßennetz und viele Bahnverbindungen durchziehen die Provinz, die zwar touristisch gut erschlossen, aber keinesfalls überlaufen ist. Das macht sie zu einem Geheimtipp für Urlauber, die keinen Wert auf Touristen-Rummel legen, sondern sich für Kultur und Natur interessieren. Und von beidem hat die Provinz Jaén reichlich zu bieten.
Natur Pur
Da sind zum einen die Naturschutzgebiete. Andalusien hat 80 Naturschutzgebiete, 24 Naturparks, 28 Naturreservate und 32 Naturlandschaften, die vielen endemischen, also nur hier vorkommenden Tier- und Pflanzenarten einen Lebensraum bieten. Hier sind auch der Iberische Luchs und der Iberische Steinbock zu Hause.
Die Landschaft Andalusiens ist nicht nur spektakulär – sie ist auch enorm abwechslungsreich. Von Feuchtgebieten bis zur einzigen Wüste Europas, von fast 3.500 Meter hohen Bergmassiven der Sierra Nevada bis hin zu unberührten Küstengebieten, in denen Flamingos brüten, von schroffen Vulkanlandschaften bis zu lieblichen Auen und Wäldern, von Wasserfällen und Tropfsteinhöhlen bis hin zu Tauchparadiesen – Andalusien hat alles zu bieten.
Und davon nicht zu knapp: Rund 18% des gesamten Gebietes von Andalusien besteht aus Naturschutzgebieten.
 - Überblick über die größten Naturparks, Nationalparks und Naturschutzgebiete Andalusiens
Die nach dem Schwarzwald mit einer Länge von 100 km und einer Breite von 25 km zweitgrößte grüne Lunge Europas und größter Naturpark Spaniens ist die „Sierras de Cazorla, Segura y las Villas“. Dieser Park befindet sich im Osten der Provinz Jaén. Er ist auch von der UNESCO als Biosphären-Reservat und von der Europäischen Union als Sonderschutzgebiet für Vögel anerkannt.
Der Naturpark „Sierras de Cazorla, Segura Y Las Villas“ in Zahlen: • mit 214.300 Hektar der größte Naturpark der Provinz Jaén • verdankt seinen Namen den 3 gleichnamigen Gebirgszügen • hat 88.000 Einwohner, die in 24 Orten und Gemeinden leben • ist zu 70% mit Kiefernwald bedeckt
Leider sind die Braunbären, Löwen, Luchse und Bartgeier, die in dieser Region einst lebten, inzwischen verschwunden. Es wird zwar versucht, Bartgeier wieder auszuwildern, doch diese Bemühungen scheitern regelmäßig an der Gewohnheit der Bergbauern, vergiftete Köder für Füchse auszulegen. Die Geier fressen diese Köder und werden so ebenfalls vergiftet.
Trotzdem bietet dieses Naturschutzgebiet eine so reiche Artenvielfalt, dass fast jedes Jahr eine neue, bisher noch unbekannte Art entdeckt wird.
 - In den Nationalparks ist eine große Artenvielfalt beheimatet – viele davon endemisch wie das Veilchen „Violeta Carzolense“
Die Provinz Jaén liegt zwischen der Kastilischen Hochebene im Norden und dem Andalusischen Gebirgsmassiv „Sistema Bético“ im Süden. Sie hat zwar keinen Zugang zum Meer, aber die Tiefebene des 675 km langen Guadalquivirs, des größten Flusses Andalusiens, durchzieht die Region, teilweise in spektakulären Schluchten. Doch auch die Tiefebene ist geprägt von schroffen Felsformationen und Olivenhainen so weit das Auge reicht.
 - Typische Hacienda inmitten von Olivenfeldern in der Tiefebene
Diese Berge lagen vor Jahrmillionen auf dem Meeresgrund, und es ist nicht ungewöhnlich, dort versteinerte Muscheln zu finden. Auch die Sedimentschichten sind in dem bis über 2.100 m aufgefalteten Gebirge vielerorts noch gut zu erkennen.
 - Was vor Jahrmillionen noch auf dem Meeresgrund lag, faltet sich heute als Gebirge auf
Im Inneren dieses von engen Talschluchten mit kristallklaren, smaragdgrünen Wildwasserflüssen durchzogenen Nationalpark entspringt jedoch nicht nur der Guadalquivir, sondern auch der Segura und der Rio Madera, der „Holzfluss“.
Holz – das Fundament für ein Weltreich
Ab dem 16. Jahrhundert wurden die in den Wäldern der Region geschlagenen Baumstämme über diese Flüsse bis zum Mittelmeer transportiert, wo sie zum Bau von Schiffen verwendet wurden. Da die regionalen Kiefern jedoch meist einen krummen Stamm hatten, wurden aus Österreich Kiefern eingeführt, deren Stamm schön gerade wuchs und damit für den Schiffbau besser geeignet war.
Die Region Jaén war also immens wichtig für Spanien, dessen größte Macht seine Schiffe waren und das sich mit Hilfe seiner Flotte die ganze Welt erobert hat. Deshalb erhielt die Sierra de Seguna im Jahr 1748 von Ferdinand IV. den Rang einer „Seeprovinz“ verliehen, obwohl Jaén gar keinen direkten Zugang zum Meer besitzt.
 - Wie Juwelen leuchten die smaragdgrünen, kristallklaren Flüsse, die diesen Naturpark durchziehen
Schatzsuche in Jaén
Doch die Könige mussten nicht erst in die Neue Welt fahren, um Schätze zu finden. Denn auch der Nationalpark barg nicht unerhebliche Vorkommen an Blei und Silber. Inzwischen sind die Minen allerdings erschöpft. Die Schätze von heute liegen in der herrlichen, unberührten Naturlandschaft.
Um die Natur zu schützen – und die Menschen davor, sich zu verirren –, dürfen manche Teile des Naturparks nur mit Führer und einer besonderen Genehmigung besucht werden. Von der Tempelritterburg La Iruela in der Nähe von Cazorla aus geht es z.B. mit einem Jeep immer tiefer in die Berge, die einst schon Franco häufig aufsuchte, um dort zu jagen und zu fischen. Auf unasphaltierten, teilweise steil abfallenden Wegen bekommt man einen unmittelbaren Einblick in die wilde Schönheit dieser einzigartigen Landschaft.
 - Mit Jeep und Wanderstock geht’s in den Nationalpark
Abenteuer Wildnis
Auch Sportfreunde finden hier viele Möglichkeiten, Abenteuer zu erleben. Von Reiten, Bergsteigen, Wandern, gemütlichem Kanufahren auf den großen Stauseen oder Wildwasser-Rafting bis hin zum Paragliding oder Camping lässt sich diese Natur „live“ erleben. In anderen Ecken Andalusiens kommen auch noch Skifahren, Tauchen oder Surfen hinzu.
Mit ein bisschen Glück sehen sieht mam sogar einen Eisvogel in der Nähe eines Wasserfalls tauchen oder einen Adler über den Köpfen kreisen. Wer sich nicht auf sein Glück verlassen möchte, kann auch in Cazorla die tägliche Flugshow der riesigen Geier bewundern. Doch Vorsicht – Kopf einziehen! Sonst weht einem der Geier vielleicht die Mütze vom Kopf.
 - Spektakuläre Aus- und Einblicke in die Naturparks bieten sich überall
Vom Wirtschaftsweg zum Wanderweg
Wer es weniger wild mag, der kann auch eine Wanderung oder Radtour auf dem exzellent ausgebauten „Via Verde del Aceite“ machen. Dies ist eine stillgelegte Bahntrasse, die im Jahr 2001 zur touristischen Nutzung freigegeben wurde. Sie wurde früher zum Abtransport der Oliven von den Feldern zur Ölmühle genutzt, doch inzwischen werden LKWs eingesetzt, so dass die Bahntrasse nicht mehr benötigt wird. Die Schienen wurden entfernt und der Weg mit Schotter geebnet.
Von der Stadt Jaén führt der 55 km lange Weg in südwestlicher Richtung über Martos bis in die Nähe von Alcaudete quer durch die Olivenhaine, durch Tunnel und über Viadukte. Die Strecke ist auch für Untrainierte mit dem Fahrrad in ca. 5 Stunden sehr leicht zu bewältigen.
 - Der Rad- und Wanderweg „Via Verde del Aceite“ – eine 55 km lange, stillgelegte Bahntrasse
 - Gemütliche Herbergen entlang des Wanderweges laden zur Übernachtung ein
Fazit der Fernweh-Redaktion: Andalusiens Provinz Jaén hat für Naturfreunde und Sportler gleichermaßen viel zu bieten. Wer also mal in der Gegend ist, sollte auf jeden Fall einen Abstecher einplanen. Oder noch besser – seinen nächsten Urlaub hier verbringen. Denn es gibt eine Menge zu sehen und zu erleben.
Web-Adressen Eine Übersicht über alle Naturparks, Nationalparks, Naturschutzgebiete, Naturreservate, Naturdenkmäler, Parks und andere Naturgebiete in Andalusien finden Sie hier: http://www.andalucia.org/espacios-naturales/
Informationen zum Grünen Rad-Wanderweg finden Sie auf www.viasverdes.com. Die Informationen sind jedoch nur in Spanisch und Englisch. Dafür gibt es Übersichtskarten für alle Radwanderwege in Spanien mit Informationen über Länge und Schwierigkeitsgrad sowie Videos.
Informationen zu einer Vielzahl von Outdoor-Sportmöglichkeiten finden Sie in der Suchmaschine der Website Andalucia.org: http://www.andalucia.org/turismo-y-deporte/entidades-deportivas/busqueda/rapida/
Offizielle Seite der Provinzregierung von Jaén mit vielen Tipps und Informationen zur Region finden Sie hier: http://www.dipujaen.es/ (nur in Spanisch)
Fremdenverkehrsbüros Oficina de Turismo de Jaén Maestra, 13 Tel. 0034-953 24 26 24
Oficina des Turismo de Cazorla Paseo del Santo Christo, 17, bajo Tel. 0034-953 72 01 02
Oficina de Turismo de La Puerta de Segura Doctor Vigueras, s/n Tel. 0034-953 48 70 06
Oficina de Turismo de Segura de la Sierra Regidor Juan de la Isla, 1 Tel. 0034-953 48 07 84
Museen Museum des Oberen Guadalquivir Cazorla Tel. 0034-953 71 00 39
Museum für volkstümliche Kunst und Bräuche Castillo de la Yedra Cazorla
Naturpark-Besucherzentren Centro de Visitantes Vinas de Vinagre Parque Natural de la Sierras de Cazorla, Segura y Las Villas Tel. 0034-953 72 01 15
Centro de Visitantes Vinas de Panallana Parque Natural de la Sierra de Andújar Tel. 0034-953 54 90 30
Centro de Visitantes Puerto de Andalucía Ctra. A-4 km 257, Santa Elena Tel. 0034-953 66 43 07
Centro de Visitantes de la Sierra de Segura El Sequero Hellín, s/n. Siles Tel. 0034-953 49 11 43
Hotels Sierra de Cazorla http://www.hotelsierradecazorla.com
Sehr gepflegtes, rustikal oder exotisch eingerichtetes (Öko-)Hotel mit sehr schöner Spa-Anlage mit Sauna, Whirlpools, Innen- und Außenpools. Das am Hang gelegene Hotel bietet einen großartigen Blick ins Tal und auf die wild-zerklüftete Felsenlandschaft. Hier können Sie sich nach einer Wanderung eine Massage mit Olivenöl aus der Region gönnen.
Parador Nacional El Adelantado in Cazorla http://www.parador.es
Das Hotel im Hacienda-Stil befindet sich nicht in der Stadt Cazorla, sondern mitten im Naturpark. Wer Wildnis pur und viel Ruhe sucht, der wird sich hier sicherlich wohl fühlen. Die Küche bietet leckere lokale Spezialitäten, vor allem Wild.
Text und Fotos: Kiya Susanne Pack
Alle Angaben wurden von der Autorin nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.
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