Von Frank Tetzel
Schöneberg ist nicht so quirlig wie andere Berliner Bezirke. Im Bayerischen Viertel begegnet man auf Schritt und Tritt der jüdischen Vergangenheit.
In Schöneberg zu wohnen ist natürlich nicht so „in“, wie in den Berliner Bezirken Mitte, Prenzlauer Berg oder Friedrichshain zu leben. Doch unsere Entscheidung, in einen ruhigen und doch zentralen Bezirk Berlins zu ziehen, war bewusst getroffen. Hier verbindet sich die Nähe des Kurfürstendamms und des Tauentziehns mit seinen Geschäften, Cafés, Kinos und anderen Annehmlichkeiten mit der fast kleinstädtischen Beschaulichkeit eines in sich geschlossenen Wohnviertels. Das Bayerische Viertel liegt zwischen dem KaDeWe im Norden und der Hauptstraße im Süden, zwischen der Bundesallee im Westen und Martin-Luther-Straße im Osten. Man vergisst leicht die bewegte Vergangenheit, wenn man an den herausgeputzten Fassaden des Viertels vorbeischlendert. Jeden Morgen, wenn ich zum Brötchenholen gehe, werde ich an das dunkelste Kapitel der deutschen Vergangenheit erinnert. Und zwar fast direkt vor meiner Haustür. Mal laufe ich achtlos, mal aufmerksam an einem „Stolperstein“ in der Bamberger Straße vorbei, den der in Berlin geborene und in Köln lebende Günter Demning dort in den Trottoir eingelassen hat. Diese inzwischen weit über Deutschland hinaus bekannte Aktion des Künstlers soll an die Juden erinnern, die früher hier in den Wohnungen gelebt haben. Bis sie von Nationalsozialisten deportiert und ermordet wurden. „Ein Mensch ist erst vergessen, wenn sein Name vergessen ist", sagt Gunter Demning.






