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Torno geht nur ohne Glamour

Am Comer See ist alles teuer. Alles? Nein, ein kleiner Ort trotzt dem Promi-Rummel

Der ganze Comer See ist von Schönen, Reichen und Promis okkupiert. Der ganze Lago? Nein: das kleine Städtchen Torno trotzt allen Versuchungen nach Glanz und Glamour und ist ziemlich normal geblieben.

Im Gegensatz zu vielen anderen Orten am Comer See, ist der kleine Ort Torno normal gebileben (Foto: Alexander Richter)
Torno am Comer See

Marco ist der Liebling aller Kinder. Er herzt sie, er scherzt mit ihnen, er gibt ihnen sogar Gelati aus. Marco, geschätzt Ende 30, der noch bei Mama wohnt, ist auch ein Frauenversteher – seine Gesten, seine Blicke und sein charmanter italienisch-englisch-deutscher Sprech verraten ihn. Und: Marco ist wichtig für Torno, ein charmantes und ruhiges Dorf am Lago di Como im Norden Italiens. Denn Marco ist, stilecht mit maritimer Mütze, Hafenmeister, verkauft die Fahrkarten für die Seeschiffe und ist Chef am klapprigen Bootsanleger. Ohne Marco wäre Torno ärmer.

Beschauliches Fleckchen ohne Promi-Protz

Eigentlich ist der Comer See, italienisch auch Lario genannt, ein sündhaft teures Pflaster. Diverse Promis wie Tom Cruise oder George Clooney besitzen hier Villen. Alles, was zählt, ist sehen und gesehen werden, Stars und Sternchen, auch viele Möchte-Gerne-Promis, die ihren VW in Como parken, sich im Maserati abholen lassen, um am 6-Sterne-Resort Castadiva vorzufahren wie die Geissens oder Graf Koks. Apropos: Auch Italiens Ex-Präsident Berlusconi (Stichwort: Bunga-Bunga) musste, so erzählt man es sich in den Lago-Bars, überteuert zwei Villen kaufen, weil der Verkäufer einige Dinge über den Mit-Siebziger gewusst haben soll. Anyway: Städtchen wie Bellagio, der Adenauer-Ort Cadenabbia (mit Denkmal) oder auch Cernobbio sind teure Touristenpflaster.

Liebling aller Kinder und Frauenversteher: Tornos Hafenmeister Marco (Foto: Alexander Richter)
Hafenmeister von Torno

Dass es auch anders geht, zeigt Torno, das zweigeteilt ist. Es gibt den Ort oben an der Provincial-Straße von Como nach Bellagio. Und es gibt das beschauliche, nur über Treppen erreichbare Fleckchen unten am See. Während man sich oben mit dem Nötigsten versorgen kann, hat Torno am Lago die Lizenz zur gepflegten Langeweile. Hier ist alles einfach ein bisschen mehr italienisch: leicht verträumt, nix perfekt, hier und da mal auch etwas schmuddelig. Aber immer liebenswert normal. Und kein bisschen Promi-Protz.

Der „Mal schauen-Faktor" ist groß

Torno tutto completto hat einige hundert Einwohner, ein Rathaus, zwei Kirchen, diverse Kapellen, einen Friedhof, mehrere Piazzas und Piazzettas, zwei Albergos, die auch als Ristorante zu Tisch bitten, eine Pizzeria, drei Bars, eine Eisdiele, zwei Bankfilialen, eine Autowerkstatt, eine Tanke – das ist es in etwa. Unten an der Anlegestelle der Comer-See-Flotte ist von der ganzen Infrastruktur kaum etwas zu sehen. Dafür ist hier der „Mal schauen“- sowie der Erholungsfaktor groß: Man sitzt auf der Piazza Giovio, gönnt sich in der Bar Italia einen Drink oder auch zwei und beobachtet das Leben um sich herum.

Beschauliche Piazza nahe der Anlegestelle der Comer-See-Flotte (Foto: Alexander Richter)
Piazza in Torno

Den quirligen Marco zum Beispiel, der immer dann, wenn gerade kein Schiff kommt (das passiert häufiger), am liebsten vom Anleger weg angelt. Und abends Mama stolz den Fang – in der Regel Quappen - präsentiert. Sie zaubert aus Marcos Arbeits-Angel-Fängen eine leckere Fischpastete.

Oder Paula, die fröhlich-pfiffige Kellnerin, die zum Apero immer auch einen ziemlich großen Teller mit köstlichen Canapés, Oliven und Chips auf den Tisch stellt. Hat man den Teller leer und zwei Aperos intus, ist man reif für die Siesta… Oder satt!

Vis-à-vis buhlen die freundlichen Italo-Türken vom Hotel-Ristorante „Vapore“ um Kundschaft. Oder den Lebensmittelmann Luca, der oben an der Straße einen kleinen Alimentari führt und alles hat, was man für die lukullischen Grundbedürfnisse so braucht.

In einer schmalen Gasse versteckt sich „Tornoalago” mit Weinkeller und einer Vermietung für Ferienwohnungen (Foto: Alexander Richter)
Tornoalago in Torno am Comer See

Oder Rainer und Cristina: Das deutsch-italienische Paar vermietet in Torno unter dem passenden Namen „Tornoalago“ ein paar schöne Ferienwohnungen, und die beiden sind kenntnisreiche und freundliche Gastgeber in ihrem kleinen Weinkeller. Oder man sieht beim Frühjogging auch dem Müllmann zu, der einmal in der Woche morgens um 6 Uhr mit seinem Trecker die Mülltüten einsammelt.

Schöne Aussichten vom Schiffsanleger in Torno (Foto: Alexander Richter)
Der Schiffsanleger in Torno am Comer See

Das PS-starke Landgefährt braucht er, denn runter zum Wasser ist das Städtchen autofrei. Oder – na ja, fast. Die meisten Einwohner und Besucher parken um Rathaus und Kirche oben, was sich oft mühsam gestaltet, da der Platz begrenzt ist. Einige wenige Mutige wie Rainer hoppeln mit ihren 4-Wheel-Pandas die Treppen runter, was irgendwie aussieht wie ein Känguru, das sich mit einem Schluckauf plagt.

Erholung im Rhythmus des italienischen „lazy vita"

Torno nimmt City-Maut, na ja, man zahlt gerne dafür, dass nichts los ist. Im Sommer werden mal auf der Piazza Open-air-Filme gezeigt oder es gibt ein kleines Klassik-Konzert mit Seeplätschern als natürlicher Hintergrundmusik. Aber das war’s dann auch an Aktivität. Und wer es gar nicht aushält vor Nichtstun, der kann Como entdecken, durch die umgebenden Hügel wandern oder mit Schiff und Bahn stressfrei nach Como (lohnt sich!) oder in 90 Minuten nach Mailand zur Expo fahren. Man kann aber auch zehn Tage im Rhythmus des italienischen „lazy vita“ verbringen – mühelos. Wie der geht? Ganz einfach: Lange schlafen, ausgiebig frühstücken – und schon ist’s Zeit für den ersten Aperol in der Bar Italia, in der die Mama den Fremden am dritten Tag schon beinahe wie einen Einheimischen begrüßt. Torno ist Wellness für die Sinne. Schön, dass es solche Flecken, die auch bezahlbar sind, noch gibt.

Infos:
www.lakecomo.it
www.tornoalago.it

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Comer See Reiseführer

Literatur

Auch im sehr informativen Reiseführer zum Comer See aus dem Michael Müller-Verlag hat das Städtchen Torno seinen Platz (zwei Absätze). Das Buch ist für die gesamte Region inklusive Mailand ein nützlicher Begleiter. ISBN: 978-3-89953-739-0

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Text und Fotos: Alexander Richter

Hinweis der Redaktion
Dieser Reisereport wurde unabhängig recherchiert, fotografiert und geschrieben.

Alle Angaben wurden vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

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