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Emirat Katar: Nach Gas- und Ölboom sollen die Tourismusquellen kräftig sprudeln

Noch nicht fertig, schon prämiiert: das „Al Wakrah-Stadion“ (Foto: Katar Tourism Authority)

Sport und Kunst am Persischem Golf

Das Stahlgerippe auf der Großbaustelle erinnert an eine Riesenachterbahn. Nur die Loopings fehlen  noch.  Aber es wird  keine nervenkitzelnde Kirmesattraktion  was dort entsteht, sondern ein Stadion für die Fußball-Weltmeisterschaft 2022 im Emirat Katar. Fußball gehört seit 60 Jahren neben Kamelrennen zu den beliebtesten Sportarten der Saudis  im aufstrebenden Wüstenstaat am Persischem Golf. Von den 3,6 Millionen Einwohnern leben 1,7 Millionen in der Hauptstadt Doha.

Wie eine Kirmesattraktion wirkt der Rohbau eines Fußball-Stadions (Foto: Dierichs)

Mit acht neuen Stadien rüstet sich Katar für das Kickerfestival.  Zwei Arenen haben  es bereits  in die Liste der „verrücktesten Stadiondächer“ geschafft. Damit würdigt die US-Technikzeitschrift „Wired“ herausragende architektonische Leistungen. Das „Al Wakrah-Stadion“, von der jüngst verstorbenen irakisch-britischen Architektin Zaha Hadid entworfen, erinnert an die traditionellen Dhau-Schiffe der katarischen Fischer und Perlentaucher. Den Zelten und der Gastfreundschaft der Beduinen entlehnt ist das kühne Design des „Al Khor“. Sein Cabrio-Dach kann in 20 Minuten geschlossen werden. Beide Stätten sollen 2018 fertig sein.

Ebenfalls mit „verrücktem Dach“: das „Al Khor“ in Form eines Beduinenzelts (Foto: Katar Tourism Authority)

Mit ausgefallenen Ideen punkten auch andere Projekte. Das „Doha Port“ auf einer künstlichen Insel im Hafen wird mit Meerwasser gekühlt, das über die Fassade fließt. Es erhält 44.000 Plätze. Nach der WM soll es abgebaut und an ein Entwicklungsland gespendet werden. Für das ebenfalls vom Wasser umgebene „Lusail Iconic-Stadion“ wurde eigens eine Küstenstadt im Norden gegründet. 86.250 Zuschauer können dort die Eröffnungsfeier und das Finale erleben. Wie ein Wüstenfort wirkt das „Umm Salai“, wo Achtel-und Viertel-Finale ausgetragen werden. In Diamantenform soll „Education City“ strahlen, „glitzern am Tag und leuchten bei Nacht“, wie es in der Baubeschreibung heißt. Später soll diese Arena den Universitäten Katar und Bahrain als Trainings- und Wettkampfzentrum dienen. Alle Stadien werden in Modulbauweise errichtet. Das hat den Vorteil, dass sie verkleinert oder demontiert und woanders wieder aufgebaut werden können. Fußballruinen soll es in Katar nicht geben.

Im reichsten Land der Welt
Das Emirat, das reichste Land der Welt, investiert nicht nur Unsummen in den Sport. Ebenso große Priorität räumt Scheich Tamim bin Hammad Al Thani (36)  dem Tourismus für die Zukunftssicherung  ein. Die Gas- und Ölvorkommen reichen nur noch  rund 100 Jahre. Spätestens 2030 will sich  Katar als „Weltklasse-Destination mit tiefen kulturellen Wurzeln“ positionieren. Dabei wird Kunst eine besondere Rolle spielen. Die Weichen sind gestellt. Schier endlose Kolonnen von Baufahrzeugen rollen in Richtung Wüste, wo neben neuen Autobahnen, Wohnquartiere und Hotels riesige Betonträger und Trassen für ein dichtes Netz von landesweiten Metrolinien als Hoch- und U-Bahn aus dem Boden schießen.

Ohne das Heer der zigtausend Gastarbeiter aus Nepal, Pakistan und Indien wäre das ehrgeizige Ziel nicht zu schaffen. Viele sind Opfer skrupelloser Schlepper aus ihren Heimatländern geworden. Sie versprachen gutes Geld, zogen die Pässe ein und zahlten nur einen Hungerlohn. Nach massiver internationaler Kritik an teils menschenunwürdigen Arbeitsbedingungen setzt sich der Emir verstärkt für eine Verbesserung ihrer Lage ein. Die Katarer verehren ihn. Krankenversicherung und Schulbesuch sind kostenlos. Junge Ehepaare erhalten ein Baugrundstück.

Wiederaufzucht der Oryxantilope
Die Kunststationen beginnen schon am Wüstenrand. 80 Kilometer nördlich der Hauptstadt hat der amerikanische Bildhauer Richard Serra vier stählerne Stelen in den Sand gerammt. 14 Meter hoch ragen die rotbraunen Kolosse in der tristen Einsamkeit, die nur mit Geländewagen zu erreichen ist. Über einen Kilometer lang erstreckt sich die kühne Installation „East West/West East“ durch das karge von Dünen durchzogene Terrain des Naturreservats Brouq. Früher belebte die Oryxantilope als größtes Landtier auf freier Wildbahn die spärliche Vegetation. Dann wurde die Rasse ausgerottet. Seit 1980 bemüht sich die Oryx-Farm um die Wiederaufzucht. Doch das Programm braucht Zeit. Noch scheuen diese Tiere die menschliche Nähe. Nur ein paar neugierige Strauße recken ihre langen Hälse.

Kunststation im Wüstensand: Stelen aus Stahl, Installation von Richard Serra (Foto: Dierichs)

Auf der Rückfahrt nach Doha kreuzen schicke Geländewagen unseren Weg. Am „Chaur al Udaid“ hat die Wintersaison begonnen. Ein Uferabschnitt des Binnenmeers in der Wüste ist für die Camper reserviert, die bei angenehmen Temperaturen um die 25 Grad Erholung im Freien suchen. Viel Gepäck brauchen sie nicht in ihre Offroader laden. Im Wüstencamp gibt es alles, was man in der Freizeit braucht. Den Strand säumen luftige Zelte mit Polstern und Liegen. Bequeme Rundsitzgruppen laden in der zweiten Reihe zum Chillen, Grillen und Schlafen unterm Sternenhimmel ein. Mehr Komfort bieten Familienzelte mit Küche, Bad und Toilette. Die „Saharabar“ sorgt für Speis und Trank. Wer es ganz einfach mag, rollt seinen eigenen Teppich zum Picknick aus.

In Doha gehen wir auf Museumstour. Nirgendwo sonst in Nahost finden sich so bedeutende Kunsthallen auf engstem Raum. Der amerikanische Bauhausschüler I. M. Pei (Glaspavillon des Pariser Louvre, Neues Preußisches Museum Berlin) krönte noch als 91-jähriger sein Lebenswerk mit dem „Museum für Islamische Kunst“ (MIA). 2008 eröffnet, bewahrt es die einzige Sammlung im arabischen Raum. Die Schatzkammer des Orients aus Silber, Gold und Edelsteinen, Keramiken, Waffen und Dokumenten aus 14 Jahrhunderten füllt die Hallen des lichtdurchfluteten Kuppelbaus. Auf fünf Flure verteilen sich die Exponate aus der Türkei, Zentralasien, Iran, Ägypten, Syrien und Indien, viele davon aus dem Privatbesitz des Emirs. Im „Idam-Restaurant“ im 3.Stock wird französische Küche vom Feinsten serviert.

Auf künstlicher Insel: Museum für Islamische Kunst, rechts im Vordergrund traditionelle hölzerne Dhauen (Foto: Dierichs)

Äußerlich wirkt das Gebäude wie ein Modell aus einem Steinbaukasten. Quadrate, Rechtecke, Bögen und Türme, auf und nebeneinandergestapelt, vereinen sich zu einer genialen Stilmixtur aus Tradition und Neuzeit. Ein Garten aus Palmen und Springbrunnen umschließt die künstliche Museumsinsel im Hafen. Die Flotte der hölzernen Dauen erinnert an die einst stolze Seefahrer- und Handelsnation. Von der Terrasse erschließt sich der beste Blick auf die Büro-, Hotel- und Einkaufsmeile gegenüber. Sieben Kilometer lang ist die Uferpromenade der Corniche. Gepflegtes Grün lockert die Häuserschluchten von Dohas Manhattan auf. Noch hält das 2016 eröffnete „Shangri La“ mit 272 Zimmern und Suiten auf 42 Etagen den Höhenrekord unter den diversen Nobelherbergen. Die Aussicht aus dem „Horizont Club“ mit rundum Panorama auf das funkelnde Lichtermeer der Metropole ist atemberaubend. Gleich neben der Wolkenbar verwöhnt der Chefkoch im „Shanghai Club“ mit chinesischen Köstlichkeiten.

Südostasiatische Spezialitäten bietet das „W-Hotel“, das zweite Haus, das wir kennenlernten. Die besonders von Touristen geschätzte Adresse, bietet südostasiatische Spezialitäten bei Kerzenschein. Touristen bleiben im Durchschnitt 3,2 Tage in Katar. 36.000 Deutsche reisten 2016 an. Tendenz steigend. Das Ende letzten Jahres eingeführte kostenlose 96-Stunden für Passagiere von „Qutar Airways“ dürfte für noch mehr Gäste sorgen, so PR-Managerin Jenny Türnau von „Qutar Tourism Authority“. Ein Stoppover-Programm macht sie mit dem Emirat bekannt.

Von der Wasserseite: die Skyline von Dohas „Manhattan“ an der Corniche (Foto: Dierichs)
Modernistische Skyline von Doha

Als Brücke von Morgenland und Abendland versteht sich das „Arab Museum of Modern Art“ (Mathaf). Das von dem Franzosen Jean-Francois Bodin (Gagoslan Galerie Paris) gestaltete Haus besteht seit 2002 und stellte u.a. Arbeiten des chinesischen Dissidenten Ai Weiwei aus.

Kein Landeplatz für Ufos, sondern das künftige Nationalmuseum (Foto: Katar Tourism Authority)

Völlig neue Kunsterlebnissee verheißt das im Aufbau befindliche „Nationalmuseum“. Wie ein Landeplatz für fliegende Unterassen wirkt der langgestreckte futuristische Gebäudekomplex. Der aus weit über 400 Bewerbern prämiierte Entwurf für „das größte Museum der Welt “ stammt von dem Franzosen Jean Nouvel (Pariser Philharmonie, Pudong New Art Museum Shanghai). Der restaurierte Palast des heutigen Nationalmuseums an der Corniche wird in das Bauwerk eingebunden.

In „Pearl Quatar“, vor der Küste im Norden, ist die Zukunft schon allgegenwärtig. Das neue Ressort, auch dies auf künstlicher Insel im Meer, prunkt mit architektonischer Multikultur und mediterraner Lebensart. In mehrere Stadtviertel unterteilt, verströmt es toskanisches, katalonisches, andalusisches, provenzalisches und arabisches Flair. Die Stadt ist für 30.000 Bewohner angelegt, neben Urlaubern auch Einheimische und Ausländer. Sie wählen die exklusiven Villen am Strand als Residenz oder Kapitalanlage. Bunte Paläste wie in Venedig schmücken das „Quabat Quartier“. Die Rialtobrücke überspannt den Kanal. Vor den Cafés und Marinas genießen Touristen die italienischen Momente. Läden und Boutiquen schwelgen in Nobelmarken „Made in  Italy“. Motorboote pflügen die Wellen. Die Gondolieri üben noch…

Venedig am Persischen Golf: die Rialtobrücke über dem künstlichen Kanal (Foto: Dierichs)

Eine 20 Meter hohe Statue vor dem Kempinski Hotelpalast „Marsa Malaz“ zeigt einen Araberhengst. Auf den Hinterbeinen reckt er sich zur „Hohen Schule“. Die besten Züchtungen dieser Rasse kommen aus Katar. Über 980.000 Quadratmeter groß ist das Gestüt „Al Shaquab“: 400 Ställe, Trainings- und Turnierplätze, Veterinärstationen und Wellnessanlagen mit Pool für die vierbeinigen Gäste. Das überdachte Stadion mit 6000 Plätzen übertrifft sogar Olympiamaße. Katars Reiterequipe ist Weltrangniveau.

Auch kleine Tiere haben am Golf eine große Fangemeinde: Araber begeistern sich für Falken. Mit Autos bringen sie ihre Greifvögel zum Freiflug in die Wüste. Die Falkenjagd, ein Relikt der Beduinenzeit, ist heute in den Emiraten streng verboten. Wer jagen will, düst mal eben mit seinen gefiederten Schützling nach Pakistan oder Usbekistan. Bis zu 30.000 Euro kosten die „Jäger der Lüfte“, die vorwiegend in Deutschland und Österreich gezüchtet werden. Im „Falcon-Store“ in der Altstadt warten sie auf Käufer. Nebenan praktiziert die Falkenklinik, eingerichtet wie ein modernes Krankenhaus mit Wartezimmern, Sprechzimmern, OP-Sälen und einem Team spezialisierter Tierärzte und Pfleger. Über Bildschirme können die Besitzer die Behandlung verfolgen, gebrochene Flügel, verletzte Krallen oder innere Eingriffe mit der Sonde. Eine Chipkarte speichert alle für die Ärzte relevanten Daten.

Mit dem Geländewagen zur Falkenjagd in die Wüste (Foto: Katar Tourism Authority)

Von uns sind es sechs Flugstunden nach Katar. Mehrmals täglich ist „Qatar Airways“ von Frankfurt, München und Berlin auf der 6000-Kilometer-Route nach „Doha Hamad International  Airport“ unterwegs. Die  1997 gegründete Staatslinie ist mit 191 Flugzeugen auf allen Kontinenten präsent. Mit Maschinen der Typen Airbus und Boeing gehört sie zu den modernsten Flotten der Welt. Doha ist Drehkreuz für Anschlussflüge nach Fernost, Südostasien und Ozeanien. Für hervorragende Leistungen im Service wurde die Airline bereits mehrfach prämiiert. Die britische Ratingagentur Skytrax zeichnete kürzlich Hammad Airport als ersten Flughafen in Nahen und Mittleren Osten mit fünf Sternen aus. Er ist seit 2014 in Betrieb.

Text: Karl-Hugo Dierichs

Über den Autor

Karl-Hugo Dierichs ist nach über 50 Jahren als Redakteur und Reporter bei großen Tageszeitungen noch als Freelancer unterwegs. Sein Wahlspruch lautet „Reisen hält jung". Wer ihn näher kennt, wird es bestätigen. Er lebt in Wuppertal.

Hinweis der Redaktion

Diese Reportage wurde unabhängig recherchiert, geschrieben und fotografiert. Grundlage und Unterstützung dazu war eine Einladung von Qartar Tourism und Qatar Airways.

Kontaktinfos: qatartourism.gov.qa / www.qatarairways.com

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