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Erding: Ein Schiff auf dem Acker

Die weltgrößte Therme im bayerischen Erding hat Kabinen-Nachwuchs bekommen. Ein britischer Admiral wäre begeistert

Horatio Lord Nelson, der britische Haudegen zur See, wäre durchaus „amused“, wüsste er, welchen späten Nutzen sein letztes Flaggschiff ereilte. Die einstmals stolze HMS Victory ging auf einem Acker bei Erding vor Anker und wurde in ein Hotel gleichen Namens verwandelt, das viel mit Wasser zu tun hat. Denn der jetzt eröffnete Neubau schließt sich mit seinen 128 „Kabinen“ direkt an die Giganto-Therme Erding an. Vorteil für den an Bord stets schwankenden Admiral: Seekrank wäre er auf dem bayerischen Acker nicht geworden.

Eines der Highlights der Stadt: Weißbierbrauerei im bayerischen Erding (Foto: Alexander Richter)
Weißbierbrauerei in Erding

Erding, die große Kreisstadt unweit des zweitgrößten deutschen Airports vor den Toren Münchens, zeichnet sich nicht unbedingt durch viele Highlight-Stationen für Touristen aus. Mit drei Ausnahmen: Die City ist nett für einen gemütlichen Bummel und lädt zum Besuch des Bauernhaus-Museums ein. Und die örtliche (obergärige) Weißbierbrauerei gilt als die größte der Welt, kann nach Voranmeldung besichtigt werden und bietet im Weißbräu in ein brav-bayerisches Gasthaus mitten in der Stadt zu Tisch unweit des Flüsschens Sempt.

Der dritte Erding-Clou ist verdächtig für einen Weltrekord: Die Therme draußen vor der Stadt ist mit ihren Glasdächern und Kuppeln, die sich (fast) alle öffnen lassen, so groß wie mindestens 15 Fußballfelder. Es dürfte selbst in den USA keinen größeren Bade-, Rutschen- und Wellnesstempel geben. 

Therme in Erding, Bayern
Weltrekordverdächtig: die Therme Erding vor den Toren der Stadt (Fotos: Alexander Richter)
Therme Erding

Apropos USA: Angefangen hat alles mit Öl. Als Texaco in den 1980er Jahren in Bavaria nach dem schwarzen Gold suchte und bohrte, da träumte in der altbayerischen Herzogstadt schon so mancher von einem weiß-blauen Dallas. Aber statt Öl fand man im Erding zwei Kilometer tief im Erdreich „nur“ eine Thermalquelle. Der Frust war groß. Statt „JR“ doch nur Toni und Thusnelda? Nicht enttäuscht war Josef Wund (76), Architekt, Planer und kreativer Kopf aus der Zeppelinstadt Friedrichshafen am Bodensee. Der sagte sich: „Aus dem Wasser muss doch was draus zu machen sein!“

Recht hatte der Mann, der in seiner Referenzliste u.a. die Köln-Arena, den deutschen Expo 2000-Beitrag in Hannover sowie diverse Fußballstadien (u.a. Innsbruck und Arnhem) und Krankenhäuser nennt. Herausgekommen ist – die Gesamtinvestition soll bei rund 100 Millionen Euro liegen - eine komplett überdachte Vergnügungslandschaft mit Wasser, Wellen, Wellness, die jedes Jahr von 1,5 Millionen Besuchern überfallen wird.

Erding Therme: Vergnügungslandschaft mit Wasser, Wellen, Wellness (Foto: Alexander Richter)
Erding Therme

Bei der einen Therme blieb es nicht. Es folgten Bad Wörishofen, Titisee-Neustadt und Sinsheim. In Euskirchen (Voreifel) soll in diesem Jahr ein weiterer Wundscher Freizeit-Palast öffnen. Wer weiß, ob es bei dem einen Thermen-Hotel bleibt.

Das Wasser des 63 Grad heißen fluorid- und schwefelhaltigen Wassers der Ardeo-Quelle wurde vom Freistaat offiziell als Heilquelle staatlich anerkannt und ist die Grundlage des gesunden Heilbadens in der Therme Erding. In unterschiedlich temperierten, mineralhaltigen Becken bieten die Therme und eine Vital-Oase Erholung, Sport und Spaß sowie Gesundheit unter 300 (echten) Palmen und einer lichtdurchfluteten, auffahrbaren Kuppel an. Apropos Palmen: Die werden alle computergesteuert bewässert und stecken im Keller in riesigen Pflanzkübeln.

Die Therme hat nach bescheidenen Anfängen um die Jahrtausendwende heute solche Ausmaße angenommen, dass man sich – auch wegen der nicht optimalen Ausschilderung, die erneuert werden soll – manchmal wie in einem Irrgarten vorkommt. Was kein Wunder ist bei diesen Fakten: 30 Saunen und Dampfbäder, über 20 Rutschen, gut 20 Wasserbecken, ein Wellenbad, diverse Snack- und Poolbars, über 30 Spa- und Massage-Suiten. Vom Hotel bis ans Ende der Therme läuft man – auf Schläppchen oder black Föss - fast einen Kilometer. So freut sich jeder Gast, wenn er auf dem Rückweg die Hotel-Fassade erkennt und die Finger spreizt: Victory!

Lord Nelson lässt grüßen: im Hotelaufzug „Victory" (Foto: Alexander Richter)
Hotel Victory

Übrigens: Der wackere Nelson tut dies nicht, der gute Mann hatte in einer Schlacht einen Arm verloren. Dafür zwinkert sein Computer-Portrait in den Aufzügen den einsteigenden Hotelgästen zu, fast so als wollte er sagen: „Welcome on board!

Infos
Das neu eröffnete Hotel Victory bietet sechs moderne Zimmertypen im hochwertigen Yacht- und Kabinen- bzw. Palazzo-Stil zu Preisen ab 110 Euro pro Person an. Inkludiert ist neben Übernachtung/Frühstück auch der Thermenbesuch. Vital-Oase und Saunawelt kosten extra. Buchbar ist Hotel und Therme auch über den Reiseveranstalter FTI.
Extra-Tipp: Im A-la-carte-Restaurant kocht mit Elisabeth Englert (25) eine bei der Käfer-Gastronomie  erprobte „junge Wilde" – unbedingt probieren.
www.victory-hotel.de

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Text und Fotos: Alexander Richter

Alle Angaben wurden von dem Autor nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Hayit Medien-Redaktion  sowie von Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Hinweis der Redaktion
Diese Reisereportage wurde unabhängig recherchiert, fotografiert und geschrieben. Die Reise nach Erding wurde organisatorisch unterstützt von der Agentur RSPS.

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