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Grasse: Die Stadt der Rosen

Im Hinterland der Côte d’Azur zieht es Urlauber nach Grasse, wo sie die „Welthauptstadt der Parfümerie“ in das große Reich der Düfte entführt.

Mittendrin im provenzalisch-italienischen Architekturmix der Altstadt von Grasse liegt die Place aux Aires (Foto: Sabine Mattern)
Place aux Aires in Grasse

Nicht weit vom Meer klammern sich in den Ausläufern der Seealpen die Häuser von Grasse an die Hänge der Hügel und baden im milden Sonnenlicht der Côte d’Azur. Nur in den Gassen seiner Altstadt bleibt es meist schattig, so dicht rückt die Bebauung dem mittelalterlichen Geflecht schmaler Wege zu Leibe. Damals entstanden die meisten der Häuser – mit Erdgeschoss und erster Etage, selten höher. Erst in späteren Jahren wurden weitere Stockwerke aufgesetzt und sogar Straßen überbaut, um der Zunahme der Bevölkerung innerhalb der Stadtmauern Herr zu werden. Anders als in den düsteren Zeiten des Mittelalters erleben die vielen Besucher Grasse’ alten Stadtkern heute als einen malerischen Fleck – als einen provenzalisch-italienischen Architekturmix mit hohen, bunt verputzten Häusern, an deren steilen Fassaden Klappläden und nostalgische Laternen für den nötigen Schuss Romantik sorgen. Alles ein bisschen verlottert, aber ungeheuer charmant.

Die Gerber machten den Anfang

Mittendrin im Auf und Ab der Gassen liegt die Place aux Aires. Wo sich zur Mittagszeit schnell die Tische der Restaurants füllen und die Kellner Teller über den Platz balancieren, gingen im Mittelalter die Gerber ihrer Arbeit nach, produzierten für den Export nach Genua und Pisa hochwertiges Leder und Pelze, was der Stadt Wohlstand und einen guten Ruf bescherte. Mit der Zeit der Renaissance hielt eine neue Mode in Grasse Einzug: parfümierte Handschuhe. Die kam aus Italien und Spanien und bot dem üblen Gestank der Gerbereien Paroli. Denn die Gerber nutzten diese gewinnträchtige Erwerbsquelle und bedufteten fortan Leder, Gürtel oder Taschen für ihre adlige und gekrönte Kundschaft. Damit war der Anfang gemacht für Grasse’ beispiellose Karriere als „Welthauptstadt der Parfümerie“.

Typisches Altstadtbild: die kleinen Läden in den engen Gassen (Foto: Sabine Mattern)
Altstadt von Grasse

Entsprechend eindrucksvoll ist in der Altstadt die Zahl der Parfümerien. Und auch das touristische Angebot rund ums Thema Parfüm, bei dem Besucher vom Rohstoff bis zum fertigen Produkt die ganze Bandbreite eines Industriezweigs erleben, kann sich sehen lassen. Einen ersten Eindruck einer 4000 Jahre währenden Geschichte, an der Grasse einen erheblichen Anteil hatte, vermittelt das Internationale Museum der Parfümerie. Auf über 3800 Quadratmetern erfährt man Wissenswertes über Herstellung, Industrie, Großhandel, Design, lernt Pflanzen kennen, deren Blüten, Blättern, Stielen, Wurzeln, Kernen, Früchten, Holz oder Schale geniale Parfümeure von gestern und heute durch Enfleurage (Extraktion mit Fett), Mazeration (warme Enfleurage), Auspressen oder Destillation ihre duftende Seele abtrotzten.

Einen Besuch wert: Das Internationale Museum der Parfümerie in Grasse, der „Welthauptstadt der Parfümerie” (Foto: Sabine Mattern)
Internationales Museum der Parfümerie in Grasse

In den Gärten duftet es nach Lavendel und Jasmin

Noch vor wenigen Jahrzehnten legten sich Blumenfelder wie Teppiche um die Stadt. Inzwischen sind viele Flächen zu Bauland geworden, und so gibt es nur noch wenige Felder, deren Erzeugnisse fast ausschließlich das Luxussegment bedienen und an Chanel, Dior & Co. gehen. Unternehmen wie das Landgut Manon lassen Touristen zu Blütezeiten bei Führungen reinschnuppern. Und auch die Gärten des Parfümeriemuseums im nahen Mouans-Sartoux eignen sich zwischen Frühling und Herbst bestens für den Anschauungsunterricht. Vor der Kulisse eines Hügels, aus dessen Grün sich die Umrisse von Zypressen, Pinien und Olivenbäumen schälen, versammelt sich da auf zwei Hektar Grund das „Who is Who“ der Parfümpflanzen und verströmt je nach Saison seine betörende Aura: Mairose, Jasmin und Tuberose, die einstigen Stars in der Parfümherstellung, dann Veilchen, Lavendel, Zitronenmelisse ... Dazwischen Blumen, deren Samen der Wind herbeigeweht hat.

Blumenfelder, wie hier in den Gärten des Parfümeriemuseums, bieten eine Vielzahl an Parfümpflanzen und können zur Blütezeit „beschnuppert” werden (Foto: Sabine Mattern)
Blumenfelder Parfümeriemuseum Mouans-Sartoux

Mittlerweile bekommen Grasse’ 60 Parfümhersteller von überall in der Welt ihre Rohmaterialien und komponieren aus natürlichen wie synthetischen Stoffen ihre Kreationen. Wer nun noch einen Blick in die Praxis werfen will, kann dies in einer der drei großen Firmen (Fragonard, Galimard und Molinard) tun, die Besucher durch ihre Produktionsanlagen führen und ihnen das Geheimnis der Duftgewinnung offenbaren.

Die typische Mai-Rose, wie sie in Grasse wächst (Foto: Sabine Mattern)
Parfümpflanze Grasse Internationales Museum der Parfümerie

Selbst einmal Parfümeur sein

Weit in die Geschichte zurück schaut dabei die Parfumerie Galimard, deren Gründer Jean de Galimard schon Mitte des 18. Jahrhunderts den Hof König Ludwigs mit Pomaden und Duftwässerchen eindeckte. Das Traditionshaus hat inzwischen auch eine Tür aufgestoßen, die für die Öffentlichkeit lange verschlossen blieb: in die Rolle einer „Nase“, also eines Parfümeurs, zu schlüpfen und selbst einen Duft zu entwickeln. Sachkundig angeleitet nimmt man dafür im „Studio des Fragrances“ vor einer Duftorgel Platz, schnuppert in unzählige Fläschchen, sucht nach eigenem Geschmack die Zutaten für Basis- Herz- und Kopfnoten aus, mischt die Essenzen und erntet das Ergebnis seiner Phantasie. Die Formel dafür wird bei Galimard aufbewahrt, so dass man sein persönliches Parfüm nachbestellen kann. „So lange es uns und Sie gibt“, wird versichert.

Im Studio des Fragrances sitzt man vor einer Duftorgel und wird selbst zum Parfümeur. Hier ein "Museumsstück" in der Parfumerie Galimard (Foto: Sabine Mattern)
Duftorgel Parfümerie Galimard in Grasse

Informationen

Unterkunft
Best Western Elixir Grasse, Rue Martine Carol: ruhig gelegenes 4-Sterne-Hotel mit guter Küche.

Internationales Parfümeriemuseum und seine Gärten
Musée International de la Parfumerie, 2 Boulevard du Jeu-de-Ballon, Grasse; Les Jardins du MIP, 979 Chemin des Gourettes, Mouans-Sartoux.

Besuch bei Galimard
Parfümerie Galimard (täglich geöffnet), 73 Route de Cannes; Le Studio des Fragrances (täglich nach Vereinbarung geöffnet), 5 Route de Pégomas.

Lesetipps
Reiseführer: Ralf Nestmeyer, Côte d’Azur, Michael Müller Verlag, 8. Auflage 2015. Buch bei amazon bestellen ...hier
Roman: Patrick Süskind, Das Parfum, Die Geschichte eines Mörders. Buch bei amazon bestellen ...hier

Weitere Infos
tourisme.grasse.fr

Text und Fotos: Sabine Mattern

Alle Angaben wurden von der Autorin nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Hinweis der Redaktion
Dieser Reisereport wurde unabhängig recherchiert, fotografiert und geschrieben. Die Reise wurde unterstützt vom Office de Tourisme Ville de Grasse, CRT Cote d'Azur und Atout France.

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