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Kiel: Meer erleben und Pötte kieken

Kiel, die Sailing City, hat mehr zu bieten als Wasser. Ostseesalz zum Beispiel oder Museen am Meer

Ganz klar: Es gibt viele Städte in Deutschland, die mit ihrem architektonischen Angebot mehr hermachen. Aber wohl keine Stadt in Deutschland lebt so eng und nah mit und am (Segel-)Wasser wie Kiel. Ein Besuch in der Sailing City im hohen Norden.

Kiel ist Start- bzw. Endpunkt des Nord-Ostsee-Kanals und Landeshauptstadt Schleswig-Holsteins (Foto: Alexander Richter)
Kiel

Hand aufs Herz: Was weiß man außerhalb Kiels von Kiel? Man kennt vielleicht die Meisterhandballer vom THW. Man weiß um die Kieler Woche. Man hat vielleicht schon einmal von den Kieler Sprotten gehört. Auch, dass der Nord-Ostsee-Kanal hier beginnt (oder endet) und dass die Gorch Fock in der Förde ihren Heimathafen hat, könnte bekannt sein. Vielleicht noch, dass die Landeshauptstadt von Schleswig-Holstein mit ihrem Landtag am Meer Ort mehrerer Politskandale der Neuzeit war (Stichworte: Barschel, Engholm, Simonis). Aber sonst?

Schon vom Kieler Hauptbahnhof aus kann das „Pötte kieken” beginnen (Foto: Alexander Richter)
Schiffe im Kieler Hafen

Wer in Kiel am Hauptbahnhof anlandet, staunt nicht schlecht, denn er wird direkt in die maritime Mitte der Stadt gebeamt: die großen Fähren (Kreuzfahrtschiff mit Autodeck trifft’s besser) mit ihren täglichen Fahrten nach Schweden (Göteborg) und Norwegen (Oslo) gehören zur Stadt wie neuerdings auch die erste Ostseesalz-Manufaktur im Norden. Die zündende Idee dazu hatten Christopher Walter und Dirk Münze, die immer schon gestört hat, dass ihr Salz in der Suppe nicht in der Ostsee, sondern im großen Atlantik gebadet hatte. Also machten sie sich ans Werk – und hatten Erfolg. In zwei großen Edelstahlwannen kann man das Ergebnis einer Produktionskette bestaunen: aus 1000 Litern Ostseewasser gewinnen die beiden Handwerker („Uns ist wichtig, alle Arbeitsschritte händisch zu erledigen, vom Abschöpfen bis zum Abfüllen in 100 Gramm-Weckgläser“) rund 12 Kilo Meersalz, das jetzt als wertiges Kiel-Souvenir Karriere macht (www.ostseesalzmanufaktur.de).

Christopher Walter und Dirk Münze hatten die Idee zur Ostseesalzmanufaktur (Foto: Alexander Richter)
Die Ostseesalzmanufaktur in Kiel

Von Frühling bis in den Herbst hinein leben die Kieler unter dem Motto: Meer erleben. Morgens zum Frühsport, abends zum After-Work-Auspowern und zwischendurch sowieso: Was ein Segel hat und schwimmt, kreuzt auf dem Wasser. Für die Touristen gibt’s Schnupperkurse, für die Kleinen macht das Camp 24/7 den Segelsport mit Spiel und Spaß erlebbar.

Eine brave Stadt verwandelt sich einmal im Jahr in einen Hexenkessel

Kiel ist eine brave Stadt, Ausflippen ist hier eher nicht angesagt. „Wir haben viel, uns fehlt aber was Szeniges“, sagen Insider, die sich um das  Wohl der Stadt an der Förde kümmern. Nur einmal im Jahr ist alles anders: Dann tanzen die Nordlichter Tango auf Tischen und lassen so richtig das Schweinchen raus  (z.B. in der Craftbeer-Brauerei am Alter Markt). Untrügliches Zeichen dafür, dass es mal wieder Zeit fürs Leistungssegeln ist.

Die Kieler lieben die Nähe zu Meer und Strand (Foto: Alexander Richter)
Strandkorb Kiel

Die Kieler Woche immer Ende Juni ist längst viel mehr als der weltweit größte  Wassersportevent. Das größte Sommerfest im Norden Europas zieht gut drei Millionen Besucher an und spült einiges Geld in die notorisch klammen Stadtkassen. Wer sich nicht aktiv auf dem Wasser vor dem Olympiahafen Schilksee tummelt, schlendert durch die City, nutzt die Stadt als großes Shoppingcenter, döst bei einem coolen Drink in einem der vielen öffentlichen Liegestühle vor sich hin und lässt sich ne Kieler Sprotte schmecken, die gar nicht aus „KI“, sondern aus Eckernförde kommt. Apropos Olympia: Kiel war zweimal (1936 mit Berlin und 1972 mit München) Gastgeber für die olympische Segelwelt – im Stadtbild ist dies kaum noch präsent. Die Box für die ausgestellte Olympia-Fackel vor dem Rathaus ähnelt einer Mini-Müllhalde.

Keine architektonische Schönheit aber mit viel Liebe zum Meer

Zur städtebaulichen Schönheit mutiert Kiel indes auch während der Segelwoche nicht, zu vieles ist im Krieg heftigst (weil großer Marinehafen) zerstört worden. Heute deshalb viel Backstein, viele 50er Jahre Bauten, ein Schloss, das aussieht wie ein Verwaltungsgebäude, auch eine kleine Schmuddelmeile am Hafen darf nicht fehlen. Und der Rathausturm (zugänglich, 64 m hoch) soll dem Campanile auf der Piazza San Marco in Venezia ähneln…

Da kommt keine Langeweile auf: Acht verschiedene Museen am Meer hat Kiel zu bieten (Foto: Alexander Richter)
Kiel Rundumblick

Was man sonst noch tun kann? „Pötte kieken“ zum Beispiel, was bedeutet, dass immer wieder große Kreuzfahrer  im Hafen festmachen. Man kann rausfahren ins hübsche Laboe (mit Marineehrenmal), man kann im Holtenauer Leuchtturm heiraten (knapp 700 Euro kostet die Party), und man sollte unbedingt eines (oder mehrere) der acht spannenden Museen am Meer (www.museen-am-meer.de) besuchen. Vor allem das Zoologische Museum mit seiner großen Walausstellung ist ein Hit.

Kiel, die Ostseestadt, ist keine Stadt, die fremde Herzen im Sturm erobert. Beim zweiten Hinschauen aber wird‘s einem schon warm uns Herz… 

Infos: www.kiel-sailing-city.de

Text und Fotos: Alexander Richter

Alle Angaben wurden vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

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