Wasserschlacht
Kreuzberg wäre nicht Kreuzberg und Friedrichshain nicht Friedrichshain, wenn die Verwaltungsreform nicht überall auf Gegenliebe stoßen würde. Die Animositäten der beiden Bezirksteile äußern sich in den berühmten Wasserschlachten auf der Oberbaumbrücke. Dann stehen sich die „Wasser-Armee-Friedrichshain“ und die „Kreuzberger Landwehr“ sowie andere feministische oder Kreuzberg-patriotische Gruppen gegenüber. Sie bewerfen sich mit allem was irgendwie glibberig, wabbelig und stinkig ist. Das geht von faulem Gemüse über Mehlbomben, Eier und ähnliches. Dazu gehört auch die große Rauferei, bei man sich gegenseitig mit Schaumstoffknüppeln verhaut. Ob nun "Unterfriedrichshain" oder "Ostkreuzberg" den Sieg davon trägt, ist natürlich jedes Jahr umstritten. Ein Kurzfilm über dieses Ereignis, “Wasserschlacht, the great Boarder Battle“ wurde im Februar 2007 mit dem Berlin Today Award ausgezeichnet. Und noch eine Kuriosität am Rande: Das Verwaltungsgericht Berlin entscheidet in diesem Jahr unter dem Aktenzeichen (VG 1 A 166.06) über die Kosten der Straßenreinigung nach der jährlichen „Wasserschlacht“ auf der Oberbaumbrücke. „In diesem Verfahren hat die 1. Kammer darüber zu entscheiden, ob den Teilnehmern an der jährlichen ‚Wasserschlacht’ auf der Oberbaumbrücke zu Recht die Kosten der anschließenden Straßenreinigung in Höhe von ungefähr 3.200 Euro auferlegt wurden“, heißt es bei Gericht.
Wowereits Fettnapf
Die Mischung macht’s, und zu dieser tragen auch die rund 50.000 Menschen mit „Migrationshintergrund“ bei, die in Kreuzberg leben. Sie stellen immerhin fast ein Drittel der 160.000 Einwohner. Vor allem der Wrangelkiez, in den jetzt McDonalds einziehen soll, ist von türkisch-stämmigen Bewohnern dominiert. Der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit ließ sich in diesem Zusammenhang dazu verleiten, öffentlich zu sagen, dass er, wenn er Kinder hätte, diese nicht nach Kreuzberg in die Schule schicken würde. Das Entsetzen war groß. Der Regierende kroch zu Kreuze und besuchte ein paar Monate später eine Kreuzberger Schule. In der Tat – dieser Teil Kreuzbergs gehört zu den ärmsten Stadtteilen Berlins. Und dennoch ist es hier anders, als etwa im benachbarten Neukölln. Nahezu zeitgleich mit Wowereits Äußerungen ließ der Grüne Politiker Cem Özdemir durch „spiegel-online“ die gesamte Republik wissen, warum er und seine Familie planen, gerade in den sozialen Brennpunkt S0 36 zu ziehen. „Die Antwort“, so Özdemir, „auf die Fragen im Freundes- und Bekanntenkreis, warum wir diesen Schritt ‚wagen’ – als ob wir auswanderten –, fällt uns nicht schwer: Kreuzberg ist ein lebenswerter Stadtbezirk. Auch und gerade in Kreuzberg gibt es gute und innovative Kindertagesstätten. In einem vergleichsweise kinderunfreundlichen Land ist Kreuzberg außerdem nahezu eine Insel der Glückseligen, ein Ort, wo wir uns nicht ständig rechtfertigen müssen, warum das Kind sich eben wie ein Kind verhält, und warum man als junge Eltern gelegentlich etwas Unterstützung und Verständnis braucht.“ Sucht man in der Onlinebibliothek Wikipedia einen Eintrag zu SO 36, erhält man über diesen folgende Information: „So ist SO 36 in den Augen seiner Einwohner lebenswerter als sein Ruf in der Öffentlichkeit. Geprägt ist der Kiez von einem starken Zusammenhalt der Bevölkerung. Einwohner von 36 zu sein, ist in hohem Maße identitätsbildend." Im Gegensatz zu Neukölln und Wedding gibt es den viel beschworenen Mythos Kreuzberg mit seinen alternativen Lebensentwürfen tatsächlich – trotz Hartz IV, der Drogenszene am Kottbusser Tor und sonstigen sozio-ökonomischen Verwerfungen.
Informationen zu Kreuzberg 36
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelangt man am besten mit der U 1 oder der U 15 sowie der U 8 Richtung Kottbusser Tor. Dieser scheußliche Platz, wo die Drogenkriminalität blüht, ist eine städtebauliche Sünde, aber auch der beste Ausgangspunkt für Touren durch den kleinen Teilbezirk. Das Künstlerhaus Bethanien, die Eisenbahnermarkthalle Pücklerstraße 43/44 bzw. in der Eisenbahnstraße 42/43 sowie die Oberbaumbrücke am Schlesischen Tor sind Stationen, die man auf der Tour besuchen sollte.
Restaurantempfehlungen:
Weltrestaurant Markthalle
Pücklerstraße 34
Tel: 030-6175502
www.weltrestaurant-markthalle.de
Öffnungszeiten:
Täglich ab 10 Uhr
„Am frühen Morgen ist es immer am schönsten im Weltrestaurant Markthalle in Kreuzberg 36. Häufig kam ich schon kurz nach neun und genoss die stille, zurückhaltende Schönheit dieses Raumes; die Ruhe, die schlichten Tische und Stühle, die 100 Jahre alten, ehrwürdigen Holzpaneele an den Wänden, das Geräusch der Kaffeemaschine und das immer freundliche Lächeln der Bedienung. Keine Musik lenkt die Gedanken. Ich komme immer wieder gern hierher. Nach Reisen in der Welt oder schlaflosen Nächten in meiner Kreuzberger Wohnung. Jetzt sind über zehn Jahre vergangen, das Weltrestaurant ist zeitlos und trendlos geblieben. Alles beim Alten. Ein ganzer Tisch für meine Zeitung, einen Kaffee und später kommt noch mehr. So manches Mal ertappe ich mich dabei, dass ich schon um 6 Uhr in der alten Markthalle nebenan am Kaffeestand bei Inge einen kleinen Weissen bestelle und nur so da stehe, gedankenlos, aber irgendwie neugierig, was in unmittelbarer Nähe geschieht. Mich begeistert diese kleine Marktatmosphäre. Ein paar Gestalten und die Schrippen." So heißt es auf der Internetseite des weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannten Lokals.
Anhalt
Vor dem Schlesischen Tor 2
Tel.: 030-61202360
www.anhalt-berlin.de
Öffnungszeiten:
Täglich 12-16 Uhr
In einer alten Tankstelle kurz vor der Grenze zum Bezirk Treptow gelegen wird hier eine preisgünstige und leckere Küche geboten.
Gerüchteküche
Oranienstraße 16
Tel.: 030-61653853
Öffnungszeiten:
Montags bis samstags 10-20 Uhr
Leckere und ausgefallene Suppen werden hier serviert
Mama Su
Oranienstraße 193
Tel.: 030-61107216
www.mamasu.de
Öffnungszeiten:
Täglich 12-24 Uhr
Wenn es um Essen aus dem Wok und um Sushi geht, ist das Mama Su eine gute Adresse.
Hasir
Adalbertstraße 10
Tel.: 030-6142373
Öffnungszeiten:
Rund um die Uhr an allen Wochentagen
Das Hasir in der Adalbertstraße ist so etwas wie die Mutter aller türkischen Restaurants in Berlin. Mit seinen Grillgerichten und Suppen ist es sowohl in der deutschen als auch in der türkischen Gemeinde bekannt. In diesem Restaurant wird rund um die Uhr an jedem Tag in der Woche gekocht und bedient.
Jolesch
Moskauer Straße 1
Tel.: 030-6123581
Öffnungszeiten:
Montags bis sonntags 10-1 Uhr
Angenehmes Ambiente. Es wird österreichische Küche in einem guten Preis-Leistungsverhältnis offeriert.
Garten Café Bar Heinz Minki
Vor dem Schlesischen Tor 3
Tel.: 030-69533766
mama@heinzminki.de
Öffnungszeiten:
Montags bis sonntags ab 12 Uhr
Ein wunderbarer Garten, knappe 1000 Quadratmeter groß, hinter dem Haus lädt zum Entspannen ein. Kleine Speisen und abends im ehemaligen Steuerhaus auf 50 Quadratmetern ein Barbetrieb.
Café Morena
Wiener Straße 60
Tel.: 030-24375331
kontakt@morena-berlin.de
Öffnungszeiten:
Täglich 9-3 Uhr
Das Morena eröffnete 1990 und ist seit dieser Zeit ein beliebter Treffpunkt. Das Ambiente wird insbesondere von den spanischen Fliesen geprägt. Damit verbunden ist auch der spanische Name. Bunt gemischtes Publikum. Von Sonntag bis Donnerstag wird Musik aufgelegt. Außer Techno wird fast alles geboten. Das spanische Frühstück mit Pfannkuchen und Obst sowie das englische mit Speck und Bohnen werden am häufigsten bestellt. Der Lammfleisch-Burger mit Pommes und Salat ist der Renner am Abend. Ein Espresso oder eine Cola kosten 1.30 Euro, ein Kaffee oder ein Saft 1,40 Euro. Frühstück gibt es für 3 bis 7 Euro, und alle Cocktails kosten jeweils 5 Euro.
Weitere interessante Adressen und Treffpunkte in Kreuzberg:
Kreuzberg-Museum
Adalbertstr. 95
Tel.: 030-50585233
info@kreuzbergmuseum.de
www.kreuzbergmuseum.de
Öffnungszeiten:
Mittwochs bis sonntags 12-18 Uhr
Hier befindet sich im Hochparterre die Historische Buchdruckerei Schneider, die einst in der Ritterstraße angesiedelt war. 1928 von Otto Schneider gegründet, zog sie 2001 hierher. Heute betreuen ehrenamtlich tätige Buchdrucker und Maschinensetzer zusammen mit Gerd Schneider, dem Sohn von Otto Schneider, die Druckerei. Diese verfügt über eine umfangreiche Ausstattung mit historischen Bleischriften, einen Heidelberger Tiegel und eine Automatic-Frontex-Schnellpresse.
Alevitisches Kulturzentrum
Anadolu Alevileri Kültür Merkezi
Waldemarstr. 20
10999 Berlin
Tel: 030-61658394
Ballhaus Naunynstraße
Naunynstr. 27
10997 Berlin
Tel: 030-25886646
Bona Peiser-Bibliothek
Oranienstraße 72
10997 Berlin
Tel.: 030-50586411
Familiengarten des Kotti e.V.
Aile Bahçesi
Oranienstr. 34 Hinterhaus
10999 Berlin
Tel.: 030-6143556
Jugendkulturetage Mosaik
Oranienstr. 34 Hinerhaus
10999 Berlin
Tel.: 030-6156493
Merkez Moschee
Merkez Camii
Wiener Str. 12
10999 Berlin
Tel.: 030-6186510
St. Simeon-Gemeinde
Wassertorstr. 21a
10969 Berlin
Tel.: 030-6146794
St. Thomas-Kirche am Mariannenplatz
Bethaniendamm 23-29
10997 Berlin
Tel.: 030-6123722