Oberhalb von Clermont L´Hérault in dem mittelalterlichen Dorf Lacoste am Jakobsweg nach Santiago de Compostela liegt das Weingut Germaine-Lacoste. Der Winzer Albrecht E. von Braun ist adeliger Herkunft und kultiviert hier mit seiner französischen Frau Chantal auf sieben Hektar vulkanischer Erde Weine. Nach 23 Jahren in Frankreich prägt ein starker französischer Akzent sein Bayerisch. Ein Leben in Deutschland kann er sich nicht mehr vorstellen. Winzer ist er erst seit sieben Jahren, aber dafür betreibt er den Weinanbau wie eine Lebensphilosophie. Sie drückt sich im Namen eines Weins wie „Les Copains d´Abord“ aus, zu Deutsch „die Freunde zuerst“. Von Braun widmete ihn den Freunden, die ihm bei der Ernte dieses Weins halfen und – Ehrensache – die ersten Flaschen (Jahrgang 2005, 15 €) geschenkt bekamen.
Wer Wein als Religion begreift, dabei aber nicht gerade an das Languedoc denkt, kann sich auf der Domaine de la Jasse in Combaillaux, 15 km von Montpellier, bekehren lassen. Bruno Le Breton und Michel Danten managen diesen Besitz eines Holländers. Der Clou: Man probiert ihre Cabernet Sauvignons und Merlots in einer ehemaligen Kirche, wo auch die Fässer lagern. Das Weingut befindet sich auf dem Gelände eines früheren Umerziehungsheims für straffällige Jugendliche, zu dem das Gotteshaus gehörte. Die Kirchenfenster gestaltete ein Glaskünstler aus Montpellier nach den Wünschen des Winzers.
Neuer Elan für das traditionelle Familiengeschäft
Doch nicht alle lokalen Erzeuger sind Zuwanderer. Der Schäfer Michel Carrie aus Saint-Martin-de-Londres trat in die Fußstapfen seines Vaters. Er kümmert sich um rund 140 Ziegen der vom Aussterben bedrohten regionalen Art Chèvres de Rôves. Seine Tiere mit den schwungvollen Hörnern sind schlank und gesund, ihr Fell glänzt. Sie werden von Hand gemolken. Das ergibt jeden Tag einen Liter pro Ziege und zwei Käse pro Liter. Eben genug für eine Produktion in kleinem, feinen Maßstab. Die Käse trocknet, wendet und salzt die Ehefrau zu Hause. An der Tür verkauft werden z.B. Brousse (Frischkäse), Tomme (so heißt die kleine runde Form) und der seit Jahrhunderten im Languedoc beliebte Pélardon (heute mit AOC). Schon ab 1,50 €.
Ihre Familientradition führen auch die Brüder Pierre und Roch Vialla auf der Domaine de l´Oulivie am Rand der Gemeinde Combailloux fort. Sie besitzen mit 17 ha den größten Olivenhain des Languedocs. Zur Domaine gehören zudem zwei Läden und eine der 18 Ölmühlen des Languedoc. Sie züchten die lokaltypischen Olivensorten Lucques, Pigale, Picholine und Violette de Montpellier. Innovativ zeigt sich insbesondere ihre Palette an Endprodukten: stilvoll verpackte Tapenaden, hochwertige Öle zum Kochen sowie für die Schönheit und das Wohlbefinden sowie Süßigkeiten auf Olivenbasis.