Erlebnisreiche Reise zu den bedeutendsten Kulturstätten der Erde
Es klingt nach Abenteuer, ist aber – gut geplant – ein faszinierendes Erlebnis. Eine Reise zu den bedeutendsten Ausgrabungsstätten Libyens.
Ein letzter Blick auf die notwendigen Papiere – der arabische Übersetzungsstempel und das libysche Visum sind im Reisepaß eingetragen. Endlich! Wir können abfliegen. Während die mitgereisten Urlauber nach Ankunft auf der tunesischen Insel Djerba bereits in den Bussen sitzen und auf ihren Transfer zu den Strandhotels warten, verstauen meine drei Reisebegleiter und ich unser Gepäck in einem Taxi. Über den Römerdamm verlassen wir Djerba Richtung Osten und erreichen den Grenzübergang von Ras Ajdir. Dieser hat bewegte Zeiten hinter sich. Nach politischen Streitigkeiten kam es 1985 zur Grenzschließung und drei Jahre später wieder zur Öffnung. In den 90er Jahren wurde der Checkpoint weiter ins Landesinnere von Libyen verlegt. Seit 1994 wird die Grenzabfertigung wieder im neugebauten Gebäude von Ras Ajdir abgewickelt. Jedes Gepäckstück wird geöffnet und kontrolliert. Auf die Mitnahme von Schweinefleisch und Alkohol sollte man unbedingt verzichten!
Hauptstadt Tripolis
Wir haben es geschafft, die Grenze liegt hinter uns. Auf den ersten Blick unterscheidet sich das Land, das seinen Wohlstand der Erdölförderung seit Ende der 50er Jahre zu verdanken hat, kaum von seinen Nachbarstaaten. Die Häusersiedlungen sehen aus wie Neubauten, der Baustil erscheint uns wuchtig, an Beton wird nicht gespart. Der Straßenverkehr wird immer dichter. Viele alte PKW bestimmen das Gedrängel im Straßenbild. Vorfahrtsregeln gelten hier anders, und es hupt kräftig und fast ohne Unterbrechung aus allen Richtungen! Die Schäden des US-amerikanischen Bombenangriffs vom April 1986 sind in Tripolis kaum mehr auszumachen. Es wird stark gebaut. Neue Hotels und futuristisch anmutende Hochhäuser ragen abwechselnd mit Kranauslegern in den Himmel. Die Beschriftung von Straßen, Geschäften und Büros ist durchweg in Arabisch. Trotzdem fällt die Orientierung nicht schwer. Angesprochene Passanten geben uns jederzeit freundlich Auskunft.
Grandioses Kulturerbe
Ein zentraler Orientierungspunkt ist in Tripolis der Saha Al Khadra (Grüner Platz). Hier befindet sich das Nationalmuseum und davor eine Säule mit dem Hafendenkmal in Form eines kleinen goldenen Segelschiffes. Im Museum wird in vier Stockwerken anschaulich die Geschichte Libyens dargestellt. Besonders beeindrucken die Abbildungen und Modelle der historischen Ausgrabungsstätten Tripolitaniens und der Cyrenaika. Auch Wüsten-Fans kommen hier auf den Geschmack, denn einmalige Wüstenlandschaften und Felszeichnungen aus dem Süden des Landes sind dargestellt. Libyen ist im Besitz eines grandiosen Kulturerbes. In östlicher Richtung schließt sich an den Grünen Platz die Neustadt an, und nach etwa zehn Minuten Fußmarsch erreicht man die ehemalige Kathedrale, die zu einer Moschee umgewandelt wurde. Schräg gegenüber liegt die Hauptpost und in der Nähe ein Fernsprechamt sowie die Polizeidienststelle, welche die Registrierung und das Stempeln des Passes vornimmt. Tripolis besitzt auch eine ummauerte Medina. Die Souks vermitteln noch echte orientalische Atmosphäre.Vom Grünen Platz zweigt in südwestliche Richtung die Omar Mukhtar Street ab. Es handelt sich hierbei um eine Geschäftsstraße mit gutem Angebot an Mittelklassehotels in den umliegenden Seitenstraßen. Unterkünfte von der einfachen Absteige über die Jugendherberge bis zum Luxushotel sind reichlich vorhanden. Empfehlenswert ist das Hotel Tarabulus al Hadith. Mit großen Doppelzimmern für 30 LD mit Etagendusche und hilfsbereitem Personal. Achtung: Buchungen von Hotels gehobener Kategorie sind mit US$ oder in LD unter Vorlage der Wechselquittung einer libyschen Bank zu bezahlen.
Paradiesische Ruhe
Tripolis eignet sich gut als Standort für Ausflüge zu den antiken Kulturstätten Sabratha und Leptis Magna. Auf einer autobahnähnlich ausgebauten Straße fahren wir Richtung Al Khums. Im Dunkeln erreichen wir das Hotel Ain Nigazza und geben unserem Fahrer die vereinbarten 70 LD. Im Hotel (arab.: Funduq) kostet das Doppelzimmer 30 LD mit Frühstück. Nach einer erholsamen Nacht bestellen wir uns ein Taxi zur Fahrt in das 20 km entfernte Labdah. Hier befinden sich die Ruinen von Leptis Magna. Ein riesiges, teilweise stark bewachsenes Gelände liegt vor uns. Es duftet kräftig nach blühenden Kräutern und süßlich nach gelbem Ginster. Weitaus aufregender sind die freigelegten und gut erhalten gebliebenen Bauwerke – ein Genuß in paradiesischer Ruhe.Im 2. Jahrhundert nach Christus sollen hier in römischer Blütezeit 100 000 Menschen gelebt haben. Durch die Vandalen zerstört, fiel es im 7. Jahrhundert in einen Dornröschenschlaf. Erst in diesem Jahrhundert begannen verstärkt die umfangreichen Ausgrabungen. Die Ruinen sind in Englisch beschriftet.Nachdem ein Teil des Geländes durchquert ist, gelangt man zu einem zerfallenen Leuchtturm am Meer. Zu Füßen liegt ein antiker Hafen, heute eine schilfrohrbestandene Bucht. Vom Kalkfelsen hat man eine herrliche Aussicht auf große Teile der Ruinenstadt.
Skorpione & Schlangen
Bereits nach einer Autostunde erreichen wir die Ortschaft Tarhuna. Von hier aus sehen wir in der Ferne die hügeligen Ausläufer des Jabel Nafusah. Unser Interesse gilt hier, unweit der Sahara eine kleine Sensation, dem Wasserfall von Ain Sharshara. Weiter geht es von Tarhuna Richtung Süden. Nach dreißig Kilometern sehen wir am Straßenrand die ersten Sandwehen. Wir sind in der Halbwüste etwa 400 Meter über dem Meeresspiegel. Beim Durchstreifen des Geländes entdecken wir schwarze Käfer, die eifrig kleine Kugeln organischen Materials vor sich herbewegen – Pillendreher! Unter Steinen sitzen einige gelbbraune Skorpione, die erst den Giftstachel aufrichten, wenn sie mit einem Holzstab angestoßen werden. Unter anderen Steinen finden wir rötlich gefärbte Geckos. Dann gibt es noch etwas Aufregung. Eine kräftige Sandviper, sie trägt über jedem Augenschild einen Hornstachel, bahnt sich flüchtend ihren Weg zwischen Sand und Steinen. Lautlos verkriecht sich die Giftschlange in einem Nagerbau.




Nach einigen Gesprächen, die einem Verhör gleichkommen, erhalten wir die Antragsformulare für den Paßeintrag. Mit Hilfe von Mohammed werden die Formulare ausgefüllt. Zwei Stunden später sitzen wir wieder im Taxi.Die libysch-tunesische Grenze passieren wir diesmal, trotz Gepäckkontrolle, recht schnell, und am späten Nachmittag erreichen wir unser Hotel auf Djerba.