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Marrakesch – Die Königsstadt am Fuße des hohen Atlas

Marrakesch – „Perle des Südens“: die pulsierende Stadt, die jeden Besucher in ihren Bann zieht, ist eine der faszinierendsten Städte der Welt

Wer nach Marrakesch kommt, will diese Stadt nicht so schnell wieder verlassen. Sie ist eine Stadt voller Kontraste, und das spürt man vom ersten Augenblick an. Gefangen in einem Sog sprudelnder Energie, wirkt sie wie eine Droge, die beruhigend und aufputschend zugleich ist und einen nicht mehr loslässt.

Majestätische Stadtmauern, chaotische Stadtviertel, ruhige Gärten zum Entspannen und bunte Märkte, enge Gassen, undefinierbare Gerüche – das alles ist Marrakesch. Ein Fest für die Sinne. Diese Stadt kann man nicht nur sehen und bewundern, sondern auch fühlen, riechen, hören und schmecken. Reisende sollten sich auf alle Fälle mehrere Tage Zeit nehmen für die Königsstadt. Um die Marktschreier zu hören, die unzähligen Gerüche zu schnuppern, um den typisch marokkanischen Minztee zu trinken, die schönen Stoffe zu berühren und  die alten roten Gemäuer der Häuser zu betrachten.

Pulsierendes Leben in den Straßen von Marrakesch

Aufgrund der roten Farbe der Gebäude wird Marrakesch auch die „Rote Stadt“ genannt und als das „Tor zum Süden“ bezeichnet. Denn die Stadt liegt in der fruchtbaren Haouz-Ebene zwischen der Ebene Beni-Mellal und dem Hohen Atlas im Norden. Mit seinen 4.000 Meter hohen Gipfeln, die am Horizont aufragen bildet dieser eine wunderschöne Silhouette. Vor den schneebedeckten Gipfeln des Hohen Atlas ist Marrakesch der ideale Ausgangspunkt für Ausflüge und Reisen in den Süden.

Für Touristen wird eine Stadtrundfahrt mit Kutschen angeboten

Marrakesch ist neben Marokkos Hauptstadt Rabat, Fès und Meknes eine der Königsstädte. Königsstadt bedeutet, dass die Stadt einst Hauptstadt des Reiches und Residenz des Sultans war. Marrakesch ist die zweitälteste Königsstadt nach Fès. Einst ein Karawanenlagerplatz, wurde die Stadt 1062 von der Berberdynastie der Almoraviden gegründet und entwickelte sich im Laufe der Zeit zu einem bedeutenden Handelszentrum. Mittlerweile ist die Stadt auf rund eine Million Einwohner angewachsen. Sie gilt als das kulturelle Zentrum Südmarokkos, in der die ursprüngliche orientalische Lebensweise immer noch spürbar ist und den Flair der Stadt wesentlich prägt. Man begegnet hier traditionell gekleideten Marokkanern, aber gleichzeitig auch immer mehr Menschen in Jeans oder Minirock. Marrakesch ist heute nicht mehr nur Königsstadt, sondern auch Touristenstadt.

Die Medina – versteckte Schönheiten in unscheinbaren Gassen

Die Medina ist die Altstadt Marrakeschs, die zum UNESCO-Weltkulturerbe zählt. Sie wird von einer 2 Meter dicken und 6 bis 8 Meter hohen und ca. 12 Kilometer langen, prächtigen Stadtmauer aus Ton und Kalk umrundet. Diese wurde von den Almoraviden ab dem 12. Jahrhundert gebaut, später u. a. von den Saadiern erweitert. Heute ist sie eines der Wahrzeichen der Stadt. Aufmerksame Besucher werden bemerken, dass in den Mauern Löcher vorhanden sind. Diese werden beim Reparieren und Erneuern für das Gerüst benützt, um es zu stützen und zu halten. Doch nicht nur die Stadtmauer selbst ist sehenswert, sondern auch die imposanten Stadttore, wie zum Beispiel das Tor Bab Agnaou.

Das prächtige Tor Bab Agnaou

In der Medina befinden sich die wichtigsten und beliebtesten Sehenswürdigkeiten: den Djamaa-el-Fna (Platz der Geköpften), die Kutubiya Moschee mit ihrem Minarett, die Saadier-Gräber, die Koranschule Medersa Ben Youssef und den Bahia-Palast. Nicht zu vergessen sind die traditionellen Riads in der Medina. Was kann man sich darunter vorstellen? Wer sie nicht kennt, den erwartet eine kleine Überraschung: hinter mancher unscheinbaren Holztür in einer noch unscheinbareren Gasse verbirgt sich ein kleines Paradies. Die so genannten Riads waren früher Wohnsitze reicher Händler oder Wesire. Heute bezeichnet der Begriff ein traditionelles Haus mit einem Innenhof, Garten und Springbrunnen, in dem die Zeit still zu stehen scheint und in dem man die Hektik des Alltags vergessen kann. Jetzt werden sie hauptsächlich als Hotel genutzt, mit wunderschön traditionell eingerichteten Zimmern. Auf den Dachterrassen hat man einen wunderschönen Ausblick über die Stadt.

Orientalische Märchenpaläste: die Riads
Riad in Marrakesch
Herrliche Aussicht von der Dachterrasse: Riads werden heute meist als Hotel genutzt
Riad in Marrakesch

Das Suqviertel – Ordnung im Chaos

Am besten erkundet man die Stadt, wenn man sich ihrem Treiben überlässt und auf die Menschen, Geschäfte und Gerüche achtet. Auch mit Stadtplan wird man wahrscheinlich früher oder später Schwierigkeiten haben, sich im Getümmel zurechtzufinden, vor allem am Wochenende, wenn viel los ist. Wer also Marrakesch erkunden will, muss sich durch verwinkelte, schmale Gassen arbeiten, vorbei an Läden und Händlern, die ihre Waren anpreisen. Eines der interessantesten Stadtteile sind die Basarstraßen von Marrakesch: das so genannte Suqviertel. Obwohl die Suqs die größten des Landes sind, sind sie im Gegensatz zu denen von Fès noch halbwegs gut überschaubar. Sie bestehen aus einem Labyrinth vieler enger Gassen. Diese sind bis oben hin gefüllt mit den unterschiedlichsten Waren unterschiedlichster Ladenbesitzer und unterschiedlichster Genres. Es gibt alles was das Herz begehrt: Neben traditioneller und moderner Kleidung, Schuhen und Textilien werden Tische, Stühle, allerlei Gefäße und schließlich auch eine enorme Auswahl an Gewürzen angeboten.

Kontraste in den Suqs von Marrakesch
In den Suqs von Marrakesch

Auch wenn man es nicht für möglich hält, in diesem Chaos herrscht Ordnung. Der Grund ist, dass auch die Suqs unterteilt sind in eigene „Sub-Suqs“. Soll heißen, dass Läden bestimmter Berufsgruppen eng beieinander liegen. Entlang der Rue Suq Attarine beispielsweise liegen die Geschäfte der Kupferschmiede, dann gibt es eine Suqs für Holzschnitzer oder Wollfärber und so weiter.

Hier kan man fast alles kaufen: In den Suqs von Marrakesch
Suqs in Marrakesch


Durch diese engen Gassen dürfen zwar keine Autos fahren, aber dafür gibt es flinke Radfahrer, Mopedfahrer und Eselfuhrwerke, die sich hupend und skrupellos an den Menschen vorbeidrängen. Die Gassen bieten also Reizüberflutung pur, man muss sie gesehen haben. Ein kleiner Tipp wenn man in der Gruppe unterwegs ist: immer beisammen bleiben und nie zu schnell gehen, denn man verliert sich leicht in diesem Gewirr. Falls man dennoch die Orientierung verlieren sollte, kann man sich an den wichtigsten Punkt der Stadt halten: die Kutubiya Moschee mit ihrem Minarett.

Kutubiya Moschee: schönste Moschee Nordafrikas
Sie gilt als eine der schönsten Moscheen Nordafrikas und ist eines der bedeutendsten Bauwerke der Stadt: die Kutubiya Moschee mit ihrem Minarett. Die Moschee wurde 1158 erbaut, das Minarett erst 1189. Das Minarett ist das Wahrzeichen der Stadt und ragt mit seinen 77 Metern (inklusive der vergoldeten Kuppel) majestätisch über die Dächer Marrakeschs. Daher ist es ein vortrefflicher Orientierungspunkt für jeden Bewohner und Besucher der Stadt. Egal wo man sich befindet, so ist man nie verloren, solange man den Turm sieht.

Das Minarett mit der goldenen Kuppel: Kutubiya Moschee in Marrakesch
Kutubiya Moschee in Marrakesch

Glanzvolle Bahia

Der Bahia Palast im maurischen und andalusischen Stil wurde um ca. 1880 von zwei mächtigen Großwesiren gebaut. Der Name Bahia bedeutet so viel wie „die Glanzvolle“, „die Strahlende“ und soll auf die Lieblingsfrau eines Wesirs zurückgehen, die einen Teil des Palastes bewohnte. Bei einem Rundgang durch die Empfangssäle, die Privatgemächer und die Innenhöfe kann man sich von der Pracht des orientalischen Palastes ein Bild machen. Die Räume stehen zwar leer und einst waren die heute z. T. kahlen Marmorwände mit kostbaren Textilien behängt. Aber jedes Zimmer ist beeindruckend. Geschnitzte Zedernholzdecken, Fayencen, phantasievolle Marmorfliesen, kunstvolle Mosaiken und Stuckarabesken schmücken fast jeden Raum. So ist es nicht verwunderlich, dass die Zimmer dieses Palastes und die herrlichen Innenhöfe mit Brunnen schon Schauplätze von Filmen (z. B. „Der Wüstenlöwe“) waren.

Im Innenhof des prächtigen Bahia Palastes
Bahia Palast in Marrakesch

Beeindruckende Gräber der Saadier-Dynastie

Die Saadischen Gräber von Angehörigen der Saadier-Dynastie wurden von Ahmed el-Mansour gegen Ende des 16. Jahrhunderts angelegt. Die Anlage enthält zwei Mausoleen. Das südliche Gebäude links neben dem Eingang ist das größere und wahrscheinlich prächtigere von beiden. Es besteht aus drei Sälen bzw. Räumen: den Raum des Mihab, dann den Saal der zwölf Säulen und schließlich den Raum der drei Nischen. Alle drei sind reich verziert mit Fayencenmosaiken, feinsten Stuckarbeiten und Zedernholzdecken. In den Gräbern finden sich Sarkophage von vielen Saaditen-Herrschern und ihren Familienangehörigen. Das zweite Mausoleum ist zwar kleiner und weniger reichlich ausgestattet, aber ebenfalls wunderschön. Hier wurden weitere Angehörige der Saadier-Dynastie bestattet. Im Innenhof findet man Gräber von Soldaten. Die Höhe der Gräber lässt auf den Stand der Offiziere schließen: je höher das Grab desto höher der Rang.

Eines der Mausoleen der Saadischen Gräber
Die Saadischen Gräber

Medersa Ben Youssef – prachtvolle Koranschule

Sehr prunkvoll ist auch die ehemalige Koranschule Medersa Ben Youssef. Die Schule wurde in merinidischer Zeit im 14. Jahrhundert von einem Sultan namens Abou el-Hassan gegründet und später durch den Saadier Sultan Moulay el Abdallah ausgebaut. Die Koranschule war sowohl eine Lehrstätte für theologische Studien als auch eine Wohnstätte für die Studenten. Erst 1960 wurde hier der Unterricht eingestellt.

Der prunkvolle Innenhof und die wunderschönen Gänge der Koranschule Medersa Ben Youssef
Marrakesch: Koranschule Medersa Ben Youssef
Koranschule Medersa Ben Youssef

Sehenswert ist vor allem der Innenhof mit seinem kostbaren Marmorfußboden, verziert mit Stuck und geschnitztem Zedernholz. Ebenfalls reich verziert ist das Erdgeschoss mit den Räumen zum Beten und Studieren. Einfach, karg und winzig  sind dagegen die Studentenzellen, die an Gefängniszellen erinnern.

Djamaa-el-Fna – Platz der Geköpften

Ein Höhepunkt für die meisten Besucher aber auch für die Einheimischen ist ein Besuch am Djamaa-el-Fna, dem Platz der Geköpften. Auf dem ehemaligen Gerichtsplatz wurden angeblich die Köpfe der Hingerichteten zur Schau gestellt. Heute ist der Platz – man glaubt es kaum, – der beliebteste in Marrakesch und zählt ebenfalls zum UNESCO-Kulturerbe. Er ist Treffpunkt und eine riesige Freiluftarena zugleich: Schlangenbeschwörer, Wahrsager, Musikanten, Tänzer und Geschichtenerzähler treten auf und auf dem gesamten Platz duftet es nach Essen. Achtung: Fotografieren ist zwar erlaubt, aber die Darbieter lassen sich nur gegen Bares ablichten. Von vielen Reiseführern wird empfohlen, sich das Spektakel von einer der Dachterrassen der Restaurants anzusehen.

Ruhe vor dem Sturm: Der Djamaa-el-Fna bei Tageslicht ist relativ ruhig, erst bei Nacht beginnt das Spektakel
Djamaa-el-Fna

Fazit der Fernweh-Redaktion

Es ist schwierig, die Vielfalt an Eindrücken und Schönheiten der Königsstadt in Worte zu fassen. Marrakesch pulsiert, lebt und berauscht –  ein Fest für alle Sinne. Wer hierhin kommt, sollte sich ein wenig Zeit nehmen, denn diese Stadt ist Erlebnis pur.

Text und Bilder: Judith Sophie Wagner

Marrakesch Praktische Informationen

Allgemein

Währungseinheit:
Dirham (DH)
1 Dirham = 100 Centimes

Stromspannung:
110-220 Volt/50 Hertz (je nach Stadt verschieden), es wird empfohlen, einen Adapter mitzunehmen.

Sprachen:
Landessprachen sind Arabisch, Französisch und die drei berberischen Hauptsprachen Tarifit, Tachelheit und Tamasirt.

Zeit:
minus 1 Stunde, während der europäischen Sommerzeit minus 2 Stunden

Staatsform:
Konstitutionelle Monarchie

Staatsoberhaupt:
König Mohammed VI.

Staatsreligion:
Islam

Vorwahl:
+212


Notrufnummern in Marrakesch:

Polizei: Tel 19
Touristenpolizei: Tel. 024 384601
Feuerwehr: Tel. 15

Wohnen

Wer nach Marrakesch kommt, sollte sich eine Nacht in einem traditionellen Riad gönnen. Sie sind meistens sehr klein und haben nur wenige Zimmer, liegen mitten in der Altstadt und sind wunderbar ruhig.

Riad Catalina (von der Autorin getestet)
21, Derb Abdellah Ben Hssaine
Bab Laksour
Marrakech, Maroc
Tel +212 5 24 42 67 01
Fax +212 5 24 42 67 02
www.riadcatalina.com

Weiterführende Literatur

CityTrip Marrakesch
von Astrid Därr
Verlag: Reise Know-How Verlag Rump
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