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Rioja: Feste feiern mit Wein und Stieren

Von Alexander Richter www.ari-information.de

Rioja. Weinfreunde schnalzen bei diesem Namen mit der Zunge. Aber Rioja ist mehr als Tinto (Rotwein). Der Name steht auch für eine lebensfrohe Provinz, eine der kleinsten und zugleich wohlhabendsten der Iberischen Halbinsel. Viel Grün, das braune Wasser des Ebro, leichte Hügel und reichlich Genuss: Der wird vor allem jetzt zur Zeit der Weinlese feurig und lautstark ausgelebt. Olé und salud heißt es jetzt auf zahlreichen Fiestas und Weinfesten.

LogroñoAuf der touristischen Europakarte spielt La Rioja noch keine Hauptrolle, gilt eher als Geheimtipp für Spanien-Kenner. Denn wer die Gegend bereisen will, was zur Zeit nur auf eigene Faust geht, der sollte einige Grundkenntnisse der spanischen Sprache mitbringen. Die hat übrigens im kleinen Örtchen San Millán de la Cogolla ihren Ursprung. Denn im Kloster Yuso mit seiner großen Barockfassade, seinen schmucken Sälen, seinen Gemälden und einer ehrwürdigen Bibliothek staubt neben hunderten von Pergamenten auch die Glosas Emilianenses still vor sich hin, die als erstes Zeugnis der kastilischen und damit spanischen Sprache aus dem 10. Jahrhundert gilt. Der freundliche Pater Alfonso, der einst in Osnabrück das Priesterseminar besucht hat, erklärt den Besuchern aus Deutschland gerne und in einem abenteuerlichen Deutsch die Schätze des Klosters.

La Rioja ist ein Handtuch. Schmal und gerade mal 100 Kilometer eng. Von den 250.000 Bewohnern leben Zweidrittel in oder um die quirlige  Hauptstadt Logroñ o zu beiden Seiten des Ebro. 50 Prozent der Wirtschaftskraft der Region schafft der Wein - La Rioja bringt es auf gut 100 Weinfeste im Jahr. Mit anderen Worten: Irgendwo wird immer gefeiert, gesungen und getrunken. Zum Beispiel in Logroño. Da wird jedes Jahr Ende September zu Ehren San Mateos die Stadt auf den Kopf gestellt.

StiertreibenSo ein Fiesta- ist ein richtiger Stresstag. Frühmorgens gegen 8 Uhr ziehen Flötenspieler durch die Straßen, um die Feiergemeinde, die sich noch bis gegen 5 Uhr noch auf allerlei Plätzen und in allerlei Kneipen selbst gefeiert hat, zu wecken. Ein schwieriges Unterfangen, was man als Zuschauer im weiteren Verlauf des Vormittags merkt. Zum Beispiel, wenn beim Stiertreiben (Encierro) durch die Straßen und beim mutigen Spiel mit Jungstieren in der Arena einige übernächtigte junge Burschen ganz schön auf die Hörner genommen werden, um anschließend ihren Fans die blauen Flecken stolz wie Tattoos zu präsentieren.

WeinfesteRuhiger wird’s gegen Mittag, wenn Gigantes (Riesenpuppen) durch die Straßen zum Marktplatz vor der Kathedrale tanzen, wo es für zwei Euro Köstlichkeiten der Rioja-Küche zu probieren gilt. Organisiert wird das ganze Mateo-Fest von den acht Peñas (Vereine) der Stadt, die sich die anstehenden Aufgaben teilen. Die Peña „Aster“ ist so etwas wie der „Eier-Verein“: Die 55 Mitglieder braten alle Jahre wieder Tausende von Spiegeleiern, die mit einer pikanten Paprikasoße und einen Viertelliter Tinto die Bäuche füllen. Der auf spanischen Festen obligatorische Stierkampf am Nachmittag füllt die Arena gut: Stolze Spanier, stolze Toreros, stolze Eintrittspreise (um die 50 Euro). Nach zwei Stunden haben sechs Stiere verloren – und die Festgesellschaft widmet sich erneut WWG – Wein, Wein und Gesang.    

La Rioja kennt sieben anerkannte Rebsorten, von denen der kräftige Tempranillo die mit Abstand meisten Trauben liefert. Man unterscheidet vier Qualitäten: Joven (Jungwein), Crianza, Reserva und Gran Reserva. Jeder Rioja reift in der Regel für mindestens ein Jahr im Holzfass. Bodegas (Winzer) findet man in der Region beinahe an jeder Ecke. Viele Winzer sind offen für Besuche und Weinproben, z.B. Torres Librada in Alfaro, der Storchenstadt (an die 150 Nester). Charmant erklärt Alicia Torres ihre Produkte, von denen gerade der gehaltvolle Crianza von 2000 wie eine Rakete abgeht. Nicht fehlen sollte bei einer Rioja-Tour das neue, spannende Weinmuseum mit Weinkeller der Dinastía Vivanco in Briones sowie ein Besuch im zum größten Teil unterirdisch angelegten Weinpalast von Juan Alcorta oberhalb Logroños. Wer einmal sehen will, was Weinfabrikation im großen Stil bedeutet, der ist hier richtig: 327 Stahltanks für an die 30 Millionen Liter Wein sowie 70.000 Eichenfässer wollen erst einmal leer getrunken werden...

St. VincenteDer Wein soll jetzt auch Pate stehen für neue touristische Wege. Weinwanderungen, Bodegatrips und Gourmettouren sollen mehr Gäste vor allem aus Deutschland locken. „Wir wissen, dass wir Qualität bieten müssen, um interessant zu sein“, sagt Virginia Borges von der Tourismusagentur der Region, die Rioja nach vorne bringen will. Virginia, die sechs Jahre in München gelebt hat,  weiß, dass die Spanier dann auch sprachlich „eine Schippe“ drauflegen müssen. Denn außerhalb der küstennahen Sonne- und Suff-Meilen, also im echten, unverfälschten und lebendigen Spanien, ist das Fortkommen mit Englisch und erst Recht mit Deutsch nicht immer ganz einfach. Dafür steckt jeden Gast, zumal die Deutschen, die gute Laune, die Heiterkeit und das familiäre Miteinander der Gastgeber schnell an. Griesgrämige Gesichter, Pessimismus pur und Geiz-ist-geil-Rennereien kennt man in Spanien – zum Glück! - kaum.

Wer La Rioja bereist, kann auf dem legendären Jakobsweg, der die Region mit einem seiner Ableger mehrfach streift, wandern. Auf dem Weg bietet sich für eine Pause Santo Domingo de la Calzada an, wo in der Kathedrale nach einer alten Sage ein Hahn und eine Henne ein Wunder vollbracht haben sollen. Noch heute ist ein Hühnerstall inmitten der Kirche ein Kuriosum der spektakulären Art.

Infos

Von Deutschland aus gibt es keine Direktflüge nach La Rioja, dafür aber nach Bilbao oder Barcelona. Von dort geht’s mit dem Auto in ein bzw. gut zwei Stunden zum Ziel. Wann die nächsten Weinfeste sind und wie die Wein-Programme für La Rioja 2005 aussehen, weiß das
Spanische Fremdenverkehrsamt:
10707 Berlin, Kurfürstendamm 63, Tel. (030) 882 65 43, Fax (030) 882 66 61
40237 Düsseldorf, Grafenberger Allee 100, Tel. (0211) 680 39 80, Fax (0211) 680 39 85
60323 Frankfurt, Myliusstr. 14, Tel. (0 69) 72 50 33, Fax (0 69) 72 53 13
80051 München, Postfach 151940, Tel. (089) 530 746 12, Fax (089) 532 86 8

 

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