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Niederlande: Ein Bayer braut auf Texel

Die kleine Insel-Brauerei zählt zu den beliebtesten Touristenzielen und macht zwölf saubere Biere

Bis zu 700.000 Touristen sind jährlich auf Texel zu Gast um Sonne, Strand und Meer zu genießen (Foto: Alexander Richter)
Texel De Slufter

Was für ein Glück, dass Schafe und Lämmer kein Bier trinken. Denn dann hätte Texel ein Problem. Die Ferieninsel vor Hollands Nordküste zählt nämlich mehr blökende Rasenmäher als Einwohner. Würden die Tiere Bier trinken, würde die kleine Texelse Bierbrouwerij aus allen Nähten platzen. Und genau das wollen die Insel-Brauer nicht – sie wollen seit 16 Jahren klein und fein bleiben. Und jedes Jahr wieder das beliebteste Ziel für alle Inselbesucher sein.

Als „Holland en miniature” dürfen auf Texel die charakteristischen Tulpenfelder nicht fehlen (Foto: Alexander Richter)
Tulpenfelder auf Texel

„Texel ist wie Holland en miniature“, werben die Insel-Touristiker. Das westfriesische Eiland ist flach, meerumtost, sturmerprobt und für eine Sommerfrische auch in NRW und Niedersachsen sehr beliebt. Alles gut - doch in zwei Dingen liegen die Werber schief. Texel kennt keine Grachten und: Die Insel hat das bessere Bier, das sich schmackhaft von den Gerstensäften der bekannten NL-Konzernbrauer unterscheidet. Cheers!

Texelse Brauerei-Kultur

Wir probieren im Strandpavillon Kaap Noord nahe der Ortschaft De Cocksdorp unser erstes Texel-Bier, ein „Skuumkoppe“, was übersetzt so viel heißt wie „Schaumkrone“. Ein Bier von hier, ein dunkles Weizen, das zischt, schäumt und seinem Namen alle Ehre macht – was für eine Krone. Die wiederum untypisch ist für Hollands Kneipen, wo die Gläser gerne bis an den Rand gefüllt werden und der Schaum abgeschlagen wird.

Flaschen- und kastenweise wird das bei Gästen beliebte Bier aus der Texelse Bierbrouwerij verkauft (Foto: Alexander Richter)
Texelse Bierparade

Die Schaumkrone schmeckt, ist lokal, da liegt es auf der Hand, die Texelse Bierbrouwerij zu besuchen. Die liegt auf halbem Weg zwischen der Inselhauptstadt Den Burg und Oudeschild, sieht von außen aus wie ein zu groß geratenes  Wohnhaus. Das ist jährlich das Ziel von über 30.000 Insel-Touristen, die die flüssigen Spezialitäten in der Brauereikneipe oder im kleinen Biergarten genießen und fast immer auch kistenweise Bier für daheim in den Kofferraum laden. Ein bieriges Souvenir mit dem Come-back-again-Sehnsuchtsschluck inklusive. Kein anderes Solo-Ziel auf Texel hat mehr Besucher. Dabei hat die Brauerei nur rund neun Monate geöffnet, im Winter wird dann vor allem geplant, geputzt und gewerkelt.

Peul van der Lee ist „Gastheer” der Texelse Bierbrouwerij (Foto: Alexander Richter)
Gastheer Peul van der Lee der Texelse Bierbrouwerij

„Hartelyk Welkom“ begrüßt Gastgeber („Gastheer“) Peul van der Lee die Besucher, und führt uns durch das bierige Labyrinth. Alleine würde ich hier nie wieder rausfinden. „Das war mal eine Käserei, bevor wir Ende der 90er Jahre im letzten  Jahrtausend als Brauerei anfingen“, erklärt der Gastheer und stellt uns den ersten Braumeister vor. Der heißt Valentin Kriesel (28), kommt aus München, sagt brav „Grüß Gott“, hat in Weihenstephan Brauwesen studiert und sich dann auf eine Stellenausschreibung in Texel beworben. Und wurde prompt genommen. Die Kombination „Bayern-Bier-Braumeister“ überzeugte die Holländer auf der Insel.

Valentin sagt, er wolle ehrliche Biere brauen „nach guter handwerklicher Tradition.“ Die Brautechnik, die er benötigt, kommt zu einem Großteil aus Deutschland: Der Braukessel z.B. aus Süddeutschland, die Abfüllanlage aus Köln. Gebraut werden ausschließlich obergärige Biere, zwölf an der Zahl, die in der Brauerei immer vorrätig sind, draußen in den Kneipen und Shops aber nur bedingt. Alle Biere sind „stark“, fangen bei fünf Prozent Alkohol beim Weizenbier (Texels Wit) an und hören beim „Stormbock“ mit satten zehn Prozent auf.  Dazwischen schmecken „echt lecker“, wie der Holländer sagt, Biere wie „Eyerlander“ (ein Amber Bier), „Springtij“ (mildes Frühlingsbier) oder „Donkerd“ (ein dunkles IPA).

Der studierte Braumeister der Texelse Bierbrouwerij Valentin Kriesel ist Bayer und braut nach handwerklicher Tradition (Foto: Alexander Richter)
Braumeister Valentin der Texelse Bierbrouwerij

Braumeister Valentin hat sein Glück gefunden auf Texel und hat bei aller Arbeit seine bayerische Bierruhe nicht verloren. „Alle ein oder zwei Jahre ein neues Bier, das ist unser Ziel“, sagt er und könnte sich vorstellen, dass demnächst ein alkoholfreies Weizenbier die Angebotspalette der Inselbrauerei bereichert. „Wir arbeiten dran, ‚bleifreie‘ Biere liegen ja im Trend“, schmunzelt er und antwortet auf die Frage, was ihm, dem Bayer, hoch im Norden Hollands denn fehle, spontan und direkt: „Ein g’scheiter Schweinsbraten mit Klößen und ein Biergarten wie in München.“

Und weil Erfolg bekanntlich süchtig machen kann, gibt’s auf Texel inzwischen eine kleine, zweite Craft-Brauerei, „De Boei“ (die Boje) auf dem Landgut De Bonte Belevenis im Süden der Insel. Joscha Schoots braut zusammen mit einem Kollegen ober- und untergärige Spezialbiere mit klangvollen, inselbezogenen Namen wie „Windkracht 8“ (Windstärke 8), „Dichte Mist“ (dichter Nebel) oder „Noorderzon“ - ein Lagerbier mit Honig. Wer’s mag...

Stärkere „Durstlöscher” wie selbsgebrannte Liköre und Texel-Whisky werden im Wijnhuis Texel in Oosterend angeboten (Foto: Alexander Richter)
Wijnhuis Texel in Oosterend

Informationen

Infos Brauerei:

Die Texel-Brauerei hat So und Mo geschlossen. Jeden Mi und Sa gibt es um 14.30 Uhr eine deutschsprachige Führung. Details auf www.texels.nl

Infos zur Insel:

Texel ist platt wie ne Flunder. Die westlichste und größte der westfriesischen Inseln in der Nordsee vor Nord-Holland bringt mit Sonne, Sand und Strand satt (30 km) Argumente vor, die jedes Jahr an die 700.000 Gäste anziehen, jeder dritte davon aus Deutschland. Es lohnt aber auch eine Inselrundfahrt, gerne und typisch holländisch mit einem Fiets (Fahrrad). Bei 140 km Radwegen kommt Freude an der Bewegung auf, sogar eine Bergwertung gibt’s: die Settingduin steigt stolze 25 Meter an…

Ziele auf Texel sind z.B. das mittelalterliche Städtchen Den Burg, der Hafen in Oudeschild, der Nationalpark „Dünen von Texel“, die älteste Seehunde-Aufzuchtstation in Europa (Ecomare) und das Strandräubermuseum, das vor allem Funde am Strand wie hunderte angespülte Tennisbälle oder Flaschen oder Gummihandschuhe oder andere schräge Dinge ausstellt. Im Wijnhuis Texel in Oosterend sollte man selbstgebrannte Liköre und Texel-Whisky probieren und bei Marc van Rijsselberghe auf der Salt Farm Texel u.a. Seekohl-Sprossen,  die der Profi-Landwirt auf schwierigen (z.B. salzigen) Böden anbaut und damit weltweit Beachtung findet.

Nur auf Texel gibt es auch Woolness-Wellness, was bedeutet, dass man einmal komplett in Wolle eingewickelt wird und 30 Minuten entspannt. Die wohlige Wärme entspannt Muskeln und Gelenke, man fühlt sich fit wie ein Turnschuh.  Übrigens: Die Wolle kratzt nicht, wird nur jeweils einmal verwendet und dann recycelt (www.hoteltexel.com).

Texel ist besonders bei Familien mit kleinen Kindern wegen der langen Strände und dem flachen Meer beliebt. Ein ausschweifendes Nachtleben gibt es nicht. Beliebt sind die sogenannten Strandpavillons, die oftmals als Gastro-Lounge mit Meerblick „places to be“ sind.

Fährhafen auf dem Festland ist Den Helder, die Überfahrt nach Texel dauert 20 Minuten.
Allgemeine Infos zu Texel gibt es hier: www.texel.net

Weitere Infos zu Texel: www.fahrtensegeln.de/nordsee-texel-watt

Text und Fotos: Alexander Richter

Hinweis der Redaktion
Dieser Reisereport wurde unabhängig recherchiert, fotografiert und geschrieben. Die Recherche zu diesem Report wurde unterstützt vom VVV Texel. 

Alle Angaben wurden vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

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