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Toledo: Eine Stadt voll kultureller und historischer Vielfalt

Ein Ort reich an Historie, Heimat dreier Weltreligionen und einstige Hauptstadt Spaniens, all dies ist Toledo.

Ein Trip nach Toledo kommt einer Reise in vergangene Zeiten gleich. Anstelle von modernen Wolkenkratzern und begradigten breiten Straßen versetzen hier enge Gassen mit Kopfsteinpflaster, historische Kirchen, Stadttore oder Reste eines Verteidigungsrings die Besucher zurück ins Mittelalter. Dabei beherbergt die Hauptstadt der autonomen Region Kastilien-La Mancha aber mehr als nur spanische Historie. In der „Stadt der drei Kulturen“, wie Toledo genannt wird, haben sowohl Christen, Mauren als auch Juden überall ihre Spuren hinterlassen. Und weil Toledo mit all den epochalen Bauten wie ein einziges großes Museum wirkt, wurde der ganze Ort vom spanischen Staat zum Nationalen Monument und von der Unesco zur Welterbestadt erklärt.

Blick auf den Fluss Tajo und die Welterbestadt Toledo mit der Festung Alcázar (rechts) sowie der gotischen Kathedrale (mitte).
Überall in der Stadt sind Relikte der Vergangenheit auszumachen.

Hauptstadt eines Weltreichs

70 km vor den Toren Madrids gelegen, thront Toledo auf einem Hügel, der vom Fluss Tajo umflossen wird. Diese topographisch exzellente Lage inmitten der Iberischen Halbinsel erkannten sowohl die Römer als auch die Westgoten, die hier ihre Lager errichteten. Zahlreiche Moscheen und das noch heute existierende Straßennetz entstanden unter der Herrschaft der Araber, die hier im 8. Jahrhundert Einzug hielten. Jahrhunderte lang machte Toledo seinem Beinamen „Stadt der drei Kulturen“, alle Ehre. Mauren, Juden sowie Christen lebten friedlich miteinander. Selbst unter der Herrschaft der Christen (Alfonso VI. eroberte Toledo im Jahr 1085) blieb dieses versöhnliche Zusammenleben bestehen. Noch heute sind Zeugnisse der damaligen Zeit auszumachen, Beispiele hierfür sind die Synagogen oder Kirchen wie die beeindruckende Kathedrale. Aber auch Bauformen oder Stuckornamente aus der islamischen Architektur sind allerorten präsent. Alfonso VI. war es dann auch, der hier seinen Königssitz errichtete und Toledo damit zur Hauptstadt seines Reiches machte. Von der Festung Alcázar aus herrschte später Kaiser Karl V. über sein Weltreich. Die große Bedeutung Toledos gipfelte im 15. Jahrhundert, bevor Philipp II. Madrid zur Hauptstadt ernannte.

Toledos gotische Kathedrale beeindruckt nicht nur durch ihre detaillierten Ausschmückungen im Inneren, sondernauch mit wertvollen Gemälden in der Sakristei.

Kirchen über Kirchen

Heutzutage stellt der Tourismus die Haupteinnahmequelle Toledos dar. Am besten erkundigt man den Ort und seine Sehenswürdigkeiten zu Fuß. Am Plaza Zocodover ist nicht nur die Touristeninformation angesiedelt, der belebte Platz mit dem arabischen Namen beherbergt auch einige Cafés und Bars. Generell lässt sich sagen, dass Toledo über kein explizites Viertel zum Weggehen verfügt, sich die Möglichkeiten zur Abendgestaltung eher auf die ganze Stadt verteilen. Vom Plaza Zocodover gelangt man über die Calle Comercio immer weiter hinein in die Altstadt. Der Name ist übrigens Programm: In der Calle Comercio, also der „Straße des Handels“, sind zahlreiche Bekleidungs- und Schuhgeschäfte oder Souvenirläden untergebracht. Ihr folgend gelangt man zur gewaltigen Kathedrale. Sie besticht nicht nur durch ihre immense Größe, sondern auch durch ihre Ausschmückung. So zeigt der Hauptalter, eine Schnitzarbeit aus Lerchenholz, die mit Goldplatten ausgeschmückt ist, Szenen aus dem Leben Jesu und Marias. Das bemerkenswerte Chorgestühl fasziniert einen jeden Besucher mit detaillierten Schnitzereien. Mehr als 750 bemalte Fenster lassen die Kirche in einem diffusen Licht erscheinen. Dass der Bau des Gotteshauses mit all den Einzelheiten über 250 Jahre in Anspruch nahm, dürfte keinen der zahlreichen Besucher verwundern. Sie gilt als reichste sowie bedeutendste gotische Kathedrale Spaniens und verfügt im Inneren über eine nahezu einzigartige Sakristei. Sind solche Räume doch normalerweise sehr schlicht gestaltet, beherbergt diese hier eine der wichtigsten Privatsammlungen Spaniens mit Gemälden von Goya, Van Dyck sowie El Greco. Die Kathedrale kann montags bis samstags zwischen 10.30 und 18.30 Uhr besichtigt werden. Am Sonntag ist sie von 14 bis 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt kostet 6 Euro, am Mittwochnachmittag ist dieser aber frei.

Die älteste Synagoge Spaniens: Sinagoga de Santa María la Blanca

Ebenfalls einen Besuch wert ist die Sinagoga de Santa María la Blanca, ein Relikt der jüdischen Bevölkerung Toledos. Die älteste Synagoge Spaniens zeigt sich recht bescheiden. Es fehlen Sitzbänke, aber mit ihren Halbbögen erinnert sie stark an die berühmte Moschee von Córdoba. War sie zwischendurch eine christliche Kirche, wird sie heute als Museum genutzt. Die Synagoge öffnet täglich von 10 bis 18 Uhr. Ein Besuch kostet 1,90 Euro, aber auch hier ist der Eintritt am Mittwochnachmittag frei.

Ketten ehemaliger christlicher Sklaven hängen an der verschnörkelten Außenfassade des Monasterios de San Juan de los Reyes. Königin Isabel ließ die Ketten dort anbringen, als Zeichen dafür, dass Christen nie wieder zu Sklaven der Mauren werden dürften.

Im Inneren des Franziskanerklosters sind die kunstvolle Kuppel und die Kreuzgänge absolut sehenswert.
In Toledo befinden sich fast 80 Kirchen. Vielen von ihnen kommt heute aber eine andere Funktion zu. So manche Diskothek ist in einem ehemaligen Gotteshaus untergebracht.
Toledo zählt zu den meistbesuchten Zielen in Zentralspanien, rund 2 Millionen Gäste kommen jährlich in die Universitätsstadt. Die meisten von ihnen sind Tagestouristen aus Madrid. Deshalb sollte erwähnt werden, dass sich tagsüber zwar Vieles entdecken lässt, richtig „historische“ Stimmung aber erst in den Abendstunden aufkommt, wenn die Souvenirstände geschlossen werden und die Touristenbusse abreisen.

Ein Bauerngericht und viel Wild


Die Küche der Region ist schlicht und geprägt von der langen Tradition des Jagens. Auf den Karten der Restaurants stehen häufig Gerichte mit Wachteln oder Lamm, Zieglein oder Hirsch.
Eine Spezialität von Kastilien-La Mancha ist das Gericht „Migas“, zu Deutsch „Krümmel“. Brotkrumen werden für dieses einstige Bauerngericht geröstet und dann mit Chorizo-Wurst, Speck, Paprika sowie pochierten Eiern serviert.
Tapas gibt es in Toledo natürlich allerorten. Wer sich allerdings einmal von einem bekannten Koch Spaniens verwöhnen lassen möchte, der sollte in Adolfo Muñoz Restaurante einkehren. Das „Adolfo“ in der Calle Hombre de Palo, ganz in der Nähe der Kathedrale, tischt Steinbutt mit grünen Bohnen oder Hirsch mit Trüffeln und Rotweinsoße auf. Dabei achtet der Chefkoch auf natürliche Produkte und deren schonende Garung. Zudem verfügt das Familienunternehmen über einen unterirdischen Weinkeller aus dem 11. Jahrhundert mit über 40 000 Flaschen.

Tausende Flaschen Rot- und Weißwein lagern im unterirdischen Weinkeller der Familie Muñoz.
Ein Souvenir für Zuhause.

Eine Ritterrüstung für zu Hause

Wer Toledo besucht, der sollte definitiv zwei Dinge kosten, für die die Stadt berühmt ist: Manchego-Käse und Marzipan. Es wird vermutet, dass es die Araber waren, die das Rezept für die Süßware aus Mandeln und Zucker mit auf die Iberische Halbinsel brachten. In den Schaufenstern der Konfisserien sind häufig kleine Kunstwerke aus Marzipan zu bestaunen. Einmal wird die Kathedrale nachgebildet, Blumen und Blätter werden aus der Süßspeise angefertigt und in so mancher Auslage sieht man sogar Koteletts aus Marzipan. Das wohl bekannteste wird bei Santo Tomé verkauft, so zum Beispiel am Plaza Zocodover. Der Queso Manchego ist ein Produkt der Region Kastilien-La Mancha. Der Hartkäse aus Schafsmilch fand sogar Erwähnung in Miguel de Cervantes „Don Quijote“.

Als berühmtester Sohn der Stadt gilt der Maler El Greco. Der Name deutet auf sein Geburtsland hin, Griechenland. Die meisten seiner detaillierten Gemälde entstanden aber in Toledo. So hängt sein bekanntestes Werk, „Die Beerdigung des Conde de Orgaz“, auch in der Iglesia de Santo Tomé in Toledo. Viele seiner Gemälde können im Casa-Museo El Greco, Samuel Leví 3, betrachtet werden.

Toledo hat sich auch einen Namen in der Eisenwarenherstellung gemacht. Messer, Schwerter, sogar Ritterrüstungen stehen in vielen Geschäften zum Verkauf.

Fronleichnam


Jedes Jahr im Juni, genauer gesagt am zweiten Donnerstag nach Pfingsten, verwandelt sich Toledo zum kirchlichen Zentrum Spaniens. Fronleichnam gilt als das bekannteste Fest der Stadt, Mitglieder der Regierung reisen dafür extra aus Madrid an. Dem volkstümlichen Brauch folgend, werden die Straßen der Altstadt die ganze „semana santa“ - also heilige Woche - über mit Girlanden, Laternen und Blumen geschmückt. Die Balkone und Außenfassaden der Gebäude sind mit Flaggen oder bunten Teppichen behangen. Die Luft ist erfüllt von einem Duft nach Lavendel, Rosmarin sowie Thymian, mit welchem die Gassen ausgelegt werden. Den Höhepunkt der Festwoche setzt die große Prozession, die sowohl an Fronleichnam, also donnerstags, als auch sonntags stattfindet. Religiöse Musik schallt dann über die Lautsprecher, Gebete werden verlesen. Gegen Mittag setzt sich die große Corpus Christi-Prozession in Bewegung, ausgehend von der ebenfalls geschmückten Kathedrale. Begleitet von Bruderschaften, Priesterschülern, Reitern der Guardia Civil und den Kommunionkindern wird die beeindruckende Monstranz durch die Menschenmenge getragen. Ihr Weg gipfelt auf der Plaza Zocodover. Die drei Meter hohe und gut 160 kg schwere Monstranz aus vergoldetem Silber kann das ganze Jahr über in der Kathedrale besichtigt werden.

Die Monstranz wird an Fronleichnam durch die Gassen getragen. Im Hintergrund sieht man die geschmückten Häuserfassaden.

Zusätzlichen Reiz erhält die Festwoche durch zahlreiche Abendveranstaltungen, wie Flamenco-Darbietungen auf dem Rathausplatz gegenüber der Kathedrale. Ein weiteres Highlight der „heiligen Tage“ versteckt sich hinter den Häuserfronten. Denn viele der eigentlich privaten Hinterhöfe, für die Toledo bekannt ist, sind in den Abendstunden zu besichtigen. Auch sie werden mit Blumen geschmückt und häufig sind diese Patios dann Veranstaltungsorte für Konzerte oder kleinere Aufführungen

Die Hinterhöfe öffnen an Fronleichnam ihre Pforten.

Auf den Spuren Don Quijotes


Wer in Toledo urlaubt, der sollte sich auf die Spuren Don Quijotes begeben. Auf einem Berg über dem Städtchen Consuegra (gut 60 km südlich von Toledo gelegen) thronen die wohl berühmtesten Windmühlen der Welt. Die gut erhaltenen sieben „Riesen“, gegen die Don Quijotes zu kämpfen pflegte, tragen alle Spitznamen aus Cervantes Meisterstück. Zudem genießt man von dort oben einen herrlichen Blick über das trockene Land von Kastilien-La Mancha.

Die „Riesen“, gegen die Don Quijote zu kämpfen pflegte, befinden sich in Consuegra.

Weinliebhaber, die schon immer einmal wissen wollten, wie gute Rioja-Weine entstehen, sollten eine Tour in die Bodega Casas de Valle nach Yepes unternehmen. Das neue Weingut der Olarra-Group liegt inmitten von Weinbergen und Olivenbäumen gut 25 km vor den Toren Toledos. Bei einer Tour durch die Weinberge erhalten die Besucher Informationen zu den verschiedenen Rebsorten oder der unterirdischen Bewässerung. Im Weinkeller des Landhauses befinden sich die Abfüll- sowie Etikettieranlagen und auch die hölzernen Fässer lagern hier. Aber natürlich darf die Verkostung von Weinen wie Merlot oder Shiraz auf solch einer Führung auch nicht zu kurz kommen.

Fazit von fernweh.de


Geschichte zum Anfassen, das ist Toledo. Wo andernorts Straßen verbreitet oder alte Häuser zugunsten der industriellen Revolution abgerissen wurden, glänzt die Stadt am Tajo mit Original-Plätzen aus vergangenen Zeiten. Und damit ist Toledo genau das richtige Reiseziel für diejenigen, die gern durch historische Gassen flanieren, Kirchen besichtigen und die Atmosphäre einer romantischen Stadt, in der die Zeit stehen geblieben zu sein scheint, einatmen. Um dieses Flair, ohne die immensen Touristenströme aus Madrid, genießen zu können, sollte man auf jeden Fall die Abendstunden in Toledo verbringen, idealerweise ein verlängertes Wochenende.

Im Schnellzug nach Toledo


Gut 77 000 Menschen leben in Toledo, der Hauptstadt der Provinz Toledo sowie der autonomen Region Kastilien-La Mancha. Die Stadt beherbergt eine Universität und ist Sitz eines Erzbistums. Toledo liegt südlich von Madrid und seit kurzem von dem dortigen Bahnhof Atocha dank eines Schnellzuges in nur 30 Minuten zu erreichen.


Text und Bilder: Kristin Hühnergarth

Praktische Infos zu Toledo

Toledo ist die Hauptstadt der spanischen Provinz Toledo sowie der autonomen Region Kastilien-La Mancha.

Koordinaten
Breite: 39° 51' 24'' N
Länge: 4° 1' 28'' W
Höhe: 499 Meter über Seehöhe

Einwohner

ca. 77 000

Fläche
231, 1 Quadratkilometer

Adressen


Toledo Touristeninformation

Hauptbüro
Puerta de Bisagra, s/n
45071 Toledo
Tel. 0034 925 220843
Fax 0034 925 252648
infoturismotoledo@jccm.es
www.turismocastillalamancha.com
Öffnungszeiten: Mo-Sa: 09:00 – 19:00 Uhr / So: 09:00 – 15:00 Uhr

Büro Plaza del Ayuntamiento
Plaza del Ayuntamiento, s/n
45002 Toledo
Tel. 0034 925 254030
saisonal unterschiedliche Öffnungszeiten

Büro Plaza de Zocodover
Plaza de Zocodover, 6
45001 Toledo
saisonal unterschiedliche Öffnungszeiten

Tagungen und Konferenzen
Toledo Convention Bureau
Plaza San Vincente, 3
45001 Toledo
Tel. 0034 925 213112
Fax 0034 925 213365
congresos@toledo-congresos.org
www.toledoconventionbureau.com

Restaurante Adolfo (vom Autor ausprobiert)
Calle Hombre de Palo, 7
45001 Toledo
Tel. 0034 925 227321
www.adolfo-toledo.com
Im Herzen der Altstadt, unweit der Kathedrale, gelegen. Chefkoch Adolfo Muñoz legt Wert auf natürliche Produkte sowie Aromen. Gerichte ab 30 Euro. Gilt als eines der Top-Restaurants der Region.

Restaurante Belvís im Hotel Palacio Eugenia de Montijo (vom Autor ausprobiert)
Plaza del Juego de Pelota, 7
45002 Toledo
Tel. 0034 925 252694
www.grupoadolfo.com/belvis.html
Das 5-Sterne-Hotel beherbergt das Restaurante Belvís. In dem historischen Gewölbe wird die traditionelle La Mancha-Küche zu absolut fairen Preisen serviert. Empfehlenswert. Mitbesitzer ist übrigens wieder Adolfo Muñoz.

Bodega Casas del Valle (vom Autor ausprobiert)
45313 Yepes
Tel. 0034 925 155533
Fax 0034 925 147019
enoturismo@bodegacasadelvalle.es
www.grupobodegasolarra.com/esp/home_casavalle.asp
Wer sich für die Herstellung von Wein interessiert, der ist hier richtig. Siehe Text oben.

Vorwahlen
Spanien nach Deutschland: 0049
Spanien nach Österreich: 0043
Spanien in die Schweiz: 0041
Vorwahl Spanien: 0034
Vorwahl Toledo: 0034 925

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