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Weinfranken am Main

Auf den Spuren des Bocksbeutels in und um Würzburg, Aschaffenburg und Schweinfurt

Die Tour durch das Fränkische Weinland beginnt in Schweinfurt mit seinem sehenswerten Rathaus (Foto: Alexander Richter)
Rathaus in Schweinfurt in den Weinfranken

Viel romantischer kann das Panorama hoch über dem Fluss nicht sein: Man sitzt auf blank polierten Bänken zwischen den Reben, schaut auf die stolze Festung und den träge dahinfließenden Main und genießt den flüssigen Stolz der Franken – ein Glas Müller-Thurgau. Eine Traube, die – nicht nur im Fränkischen Weinland – wieder im Trend liegt. Franken, das in diesen Tagen genau 200 Jahre die weiß-blaue Fahne Bayerns schwenkt, überrascht mit 15 Reiselandschaften, die erstaulich viel Vielfalt bieten. Wir starten eine Tour auf den Spuren der Bocksbeutel durch „Wein-Franken“.

Kleine aber feine Altstadt

Erste Station in Unterfranken ist die „Kugellagerstadt“ Schweinfurt. Lange nur als Industriestandort ernst genommen, bemüht sich die „Hochschulstadt“ (immerhin hat man eine Fachhochschule) seit einiger Zeit mit Kräften, ihre Wahrnehmung in der Öffentlichkeit auch in Richtung Kultur und Wein zu lenken. Mit einigem Erfolg. Die kleine aber feine Altstadt im Stadtteil Zürch ist ein ruhiges Bummelpflaster und das Museum Georg Schäfer eine erste Adresse in Deutschland für deutsche Malerei des 19. Jahrhunderts.

Albert Kestler – Schweinfurter Winzer und Weindozent in Franken, der sechstgrößten deutschen Weinregion (Foto: Alexander Richter)
Schweinfurter Weindozent Albert Kestler

Weintechnisch hat das Gemeinwesen, an dem einst Schweine durch eine Furt vom Land in die Stadt zum Metzger getrieben wurden, eine neue Qualitätsoffensive gestartet, was Winzer und Weindozent Albert Kestler seinen Gästen auch mit einem frischen Probeschluck beweist. Auch im Weingut Petersstirn startet Wein-Prinzessin Lena (18) charmant lächelnd den Versuch zu beweisen, dass die sechstgrößte deutsche Weinregion mit ihren typischen Bocksbeutel-Flaschen ein bevorzugter Genussplatz von Dionysos und Bacchus, den legendären Weingöttern der Antike, gewesen sein dürfte. Im Weinlexikon heißt es lapidar: „Der Frankenwein ist herzhaft erdig, sehr körperreich und meist trocken ausgebaut – mit keinem anderen Wein vergleichbar“.

Würzburg – die „Perle am Main” mit Spitzenwein

Nächster Stopp ist Würzburg, die Perle am Main, die auch im allgemeinen Ranking der schönsten deutschen Städte ziemlich weit vorne liegen dürfte. Die Domstadt, reich an Türmen (52 sind es insgesamt), verbindet locker und leicht Geschichte mit Zukunft. Hier der bauliche Glanz von gestern: die Residenz, der Weltkulturerbe-Prachtbau von Balthasar Neumann, die Festung Marienberg, die jeder Autofahrer mit einem Seitenblick von der hier gerne stauverstopften A 3 kennt. Die alte Mainbrücke, der St. Kilian-Dom, die Augustinerkirche (mit einer eigenwilligen Kreuzweg-Interpretation von Jacques Gassmann). Dazu viel traditionelle und urige Gastronomie wie das Backöfele, wo als zünftige Spezialität auch eine fränkische Würschtles-Parade auf dem Tisch kommt. Wozu man hier im Fränkischen Weinland (das sechstgrößte in Deutschland) auch mal ein fränkisches Bier trinken darf…

Mehr als fünfzig Türme überragen Würzburg, die „Perle am Main" und im Ranking der schönsten deutschen Städte ganz weit vorne (Foto: Alexander Richter)
Domstadt Würzburg in Weinfranken

Das Heute in Würzburg macht sich fest u.a. an der Steinburg, einem feinen Life-Style-Hotel auf dem Würzburger Stein. In nächster Nähe (zehn Laufminuten durch die Weinberge) führen Ludwig und Sandra Knoll in 5. Generation das auch architektonisch äußerst gelungene Weingut am Stein, das u.a. die Spitzenlagen Würzburger Stein und - Innere Leiste bearbeitet. Beim Hoffest im Juli und auch beim Tag der offenen Weinkeller (20. September) konnte und kann man die ganz besondere Atmosphäre „auf dem Stein“ mit allen Sinnen erleben.

Architektonisch beeindruckend: Weingut am Stein inmitten der Weinberge von Würzburg (Foto: Alexander Richter)
Weingut am Stein in Würzburg

Grundlage für die Qualität der Weine, die vielfach prämiiert wurden, ist die sorgfältige Pflege der Weinberge. Ludwig Knoll sagt es so: „Vollreifes gesundes Lesegut sind für Geschmack und Frucht unentbehrlich. Mit einer strikten Mengenbegrenzung und selektiver Lese setzen wir auch im Keller unsere Qualitätsmaxime bis zum Abfüllen des Weines fort.“ Tipp: probieren. Das gilt auch für viele andere Bocksbeutel-Tropfen der Region, etwa vom Juliusspital oder Bürgerspital – einfach lecker…

Atmosphäre und Aussicht des Weingutes lässt sich beim Hoffest und Tag der offenen Weinkeller erleben (Foto: Alexander Richter)
Weingut am Stein Würzburg

Auch die irakische Ikone unter den Welt-Architekten, Zaha Hadid (lebt in London), hat der Mainstadt ihren markanten Stil-Stempel aufgedrückt – ihr futuristischer Bürobau  mit viel Glas an der Luitpoldstraße wird vom Fraunhofer-Institut genutzt.

Für den Geschmack des Weines unentbehrlich: vollreifes und gesundes Lesegut (Foto: Alexander Richter)
Weinrebe in Weinfranken

Man muss Würzburg mögen und sollte sich treiben lassen. Und vor einer Bausünde in der City einfach die Augen schließen – das Heizkraftwerk mit seinen drei Glitzer-Schornsteinen ist das Gegenteil von einem Schmuckstück.

Etappenziel Aschaffenburg – „das bayerische Nizza”

Aschaffenburg, das finale Etappenziel unserer Reise, präsentiert sich als Stadt der netten Kuriositäten. Hier wurde vor gut 100 Jahren die erste deutsche Fahrschule eröffnet, hier werkelten pfiffige Ingenieure am ersten funktionierenden Airbag, hier kurvten vor kurzem auf dem Schlossplatz Gabelstaplerfahrer aus aller Welt auf ihrer ersten Weltmeisterschaft. Wir kraxeln den Badberg hinauf, den steilsten Rebenhang der Stadt, und haben den „Wilden Mann“ im Blick, ein leicht in die Jahre gekommenes Hotel, das mit seinen Um-, An- und Neubauten der wahrscheinlich größte Beherbergungsirrgarten Deutschlands ist. Überhaupt: Aschaffenburg, mehr ins nahe Hessen und zum Frankfurter Airport als zum fernen München orientiert, fehlen moderne Kettenhotels. Man arbeite daran, heißt es im Rathaus.

Schloss Johannisburg ist nur eine der historischen Sehenswürdigkeiten in der Kulturstadt Aschaffenburg (Foto: Alexander Richter)
Schloss Johannisburg in Aschaffenburg

Offene Gastronomie-Türen bietet die Stadt, in der 120 Nationen friedlich miteinander auskommen, dagegen reichlich. Die Kneipenvielfalt ist vor allem am Dalberg mit seinen engen, verwinkelten Gassen urig und dicht – man fällt sozusagen von einem Tresen an den nächsten. „Nur nicht schlapp machen“, könnte die Devise lauten, schließlich fließt als Muntermacher ein lokales Bier aus den Zapfhähnen, das auf den schönen Namen „Schlappeseppel“ getauft wurde.

„AS“ ist eine Kulturstadt: Der große Expressionist Ernst Ludwig Kirchner ist hier geboren, im Schloss Johannisburg sind zwei seiner frühen Gemälde zu sehen. Überhaupt das Schloss, die Dominante unter den Highlights der Stadt. 400 Jahre wird der nach 1945 stark restaurierte Prachtbau der Renaissance in diesen Tagen (Fototipp: im Abendlicht von der Mainbrücke), der einst als Zweitresidenz der Mainzer Erzbischöfe diente und – so heißt es – einer der Lieblingsplätze König Ludwigs I. war, der gar von „meinem bayerischen Nizza“ gesprochen haben soll.

Immerhin hat der blaublütige Regent, angeregt durch Ausgrabungen im italienischen Pompeji unterhalb des Vesuv, am Hochufer des Main den Nachbau eines römischen Wohnhauses unterstützt, um Kunstliebhabern das Studium der antiken Kultur ohne eine Reise über die Alpen zu ermöglichen. Das Pompejanum ist ein starkes Stück Aschaffenburg, was auch für die zehn Laufminuten entfernte Gastronomie „Pier 18" direkt am Fluss gilt – AS zum Wohlfühlen.

Buchtipp: Ein idealer Begleiter durch Franken ist der gleichnamige neue Baedeker, der auf 400 Seiten umfassendes Wissen vermittelt. Vorgestellt werden alle wichtigen Städte und Orte, dazu gibt es aber auch Tourenvorschläge und Kapitel unter dem Oberbegriff „Erleben und genießen“.

ISBN: 9 783 829 713696
22,99 Euro

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Infos:

www.frankentourismus.de

www.franken-weinland.de

www.info-aschaffenburg.de

www.schweinfurt360.de

www.wuerzburg.de

Text und Fotos: Alexander Richter

Hinweis der Redaktion
Dieser Reisereport wurde unabhängig recherchiert, fotografiert und geschrieben. Die Recherche Die Recherche zu diesem Report wurde unterstützt von Franken Tourismus.

Alle Angaben wurden vom Autor nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

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