Romantische Nachtreise
Nach ein paar Tagen in Harare geht es weiter nach Victoria Falls. Der kleine Ort liegt im Länderdreieck Zimbabwe, Sambia, Botswana im Nordwesten des Landes. Man kann von Harare nach Victoria Falls den Flieger nehmen oder mit dem Auto fahren. Aber am preiswertesten reist man mit der Bahn. Man bucht einen Tag vorher am Bahnhof in Harare ein Zweier- oder Dreiercoupé (Schlafwagen) in der ersten oder zweiten Klasse. Die Züge fahren nur nachts. Das ist nicht nur romantisch, sondern es hat auch einen Hauch von Abenteuer. Am nächsten Morgen erreicht man das 440 Kilometer entfernte Bulawayo, die im Südwesten liegende, zweitgrößte Stadt des Landes (700.000 Einwohner). Wer gleich weiter will, bucht den Nachtzug ins nochmal 440 Kilometer entfernte Victoria Falls. Der von den Einheimischen Vic Falls genannte Ort besteht im Prinzip nur aus endlos vielen Hotels, Restaurants, Cafés, Souvenirläden und Safari-Agenturen. Hier ist alles teurer als im übrigen Teil des Landes. Wer keinen Platz mehr in den Lodges auf dem Campingplatz bekommt, muß europäische Preise für Hotelzimmer zahlen.
Siebtes Weltwunder
In Victoria Falls angekommen hat man die Qual der Wahl. Die gleichnamigen Wasserfälle werden aufgrund ihres Umfangs als siebtes Weltwunder bezeichnet: 150 Millionen Liter Wasser stürzen pro Minute hier hinunter! Kein Wunder, daß man beim obligatorischen Besuch der Wasserfälle selten trocken wieder zurückkommt. Es sei denn, man fliegt darüber
(Angebote in Vic Falls). Ansonsten stellt sich die Frage, ob man eine romantische Sundowner-Kanufahrt auf dem Zambesi bucht, sportlich durchs Wildwasser raftet, einen Bungeesprung von der 150 Meter hohen Verbindungsbrücke zwischen Simbawe und Sambia wagt, oder einen der zahlreichen Nationalparks besucht. Die Möglichkeiten werden hier nur vom Inhalt der Geldbörse begrenzt.Eine der schönsten Unternehmungen ist ein Trip in den Chobe-Nationalpark im Nachbarstaat Botswana. Man bucht diesen für rund 100 US-Dollar pro Person, wird morgens vom Hotel abgeholt , über die Grenze gebracht und abends wieder zurückgefahren.
Hippos und Nil-Warane
Der erste Teil der Safari findet auf dem Wasser statt. Man fährt den ganzen Vormittag über den Zambesi, sieht seltene Vogelarten und besucht Hippos und Nil-Warane. Nachmittags, wenn die Tiere der Savanne wach sind, geht es im offenen Landrover durch die Steppe, zum Anfassen nah
zwischen Elefanten, Büffeln, Giraffen, Löwen, Antilopen und diversen Affenrudeln hindurch. In der Nähe von Vic Falls befindet sich auch Zimbabwes größter Nationalpark – der Hwange Nationalpark. Wer keine Safari dorthin bucht, sondern auf eigene Faust hinfährt, braucht – wie zum Besuch aller Nationalparks – ein Auto. Affen trifft man in Zimbabwe übrigens überall außerhalb der Städte. Auf den Landstraßen (vor allem in Norden) können einem auch mal Giraffen, Elefanten oder Hippos über den Weg laufen.Eine weitere Attraktion im Norden Zimbabwes ist der Kariba-See. Mit einer Fläche von 5000 Quadratmetern, neunmal so groß wie der Bodensee, und einem Volumen von 150 Milliarden Kubikmetern Wasser ist er der größte Stausee der Erde. Fünf Jahre hat man den Zambesi -River aufgestaut, bis der See vollgelaufen war. Dadurch hat sich unter anderem das Klima verändert. Zwischen Vic Falls und Kariba liegen die Temperaturen zwischen 30 und 35 Grad, die Luftfeuchtigkeit ist höher, die Moskitos sind zahlreicher und die Malaria-Gefahr ist wesentlich größer als z.B. in Harare.
Relaxen ist angesagt
Der Weg von Vic Falls nach Kariba führt über Mblibizi. Hierher zu kommen ist nicht einfach, denn es gibt keine Busverbindung. Das Taxi für die rund 180 Kilometer lange Strecke kostet um die 100 DM. Mblibizi ist kein Ort. Es ist nur eine wunderschöne Gartenanlage am westlichen Ende des Sees mit Bungalows für bis zu 5 Personen. In einem kleinen Laden gibt es Lebensmittel. Um die Ecke ist ein Hotel. Das ist alles. Der Platz wirbt mit dem Slogan „The best place to do nothing“. Das trifft die Sache auf den Punkt. Relaxen ist angesagt: Ein bisschen angeln, Boot fahren, lesen und dösen. Eine Runde im Pool drehen. Einen Drink an der Cocktail-Bar nehmen. Abends im Hotel essen, ein kulinarisches Erlebnis. Den Sonnenuntergang genießen. Und sich vor den Hippos, den Flusspferden, in acht nehmen, die am Ufer spazieren gehen. Die meisten tödlichen Unfälle mit Tieren in Zimbabwe passieren mit Hippos, weil diese pflanzenfressenden tonnenschweren Säugetiere sich bzw. ihre Jungtiere schnell von Menschen bedroht fühlen.Ein- bis dreimal pro Woche legt in Mblibizi die Karibasee-Fähre an. Sie befördert Autos und Personen nach Kariba und umgekehrt (70 US$). Man sollte sie rechtzeitig in Harare buchen, weil während der Ferienzeit aufgrund der vielen Touristen aus Südafrika alles belegt ist. Das Schiff benötigt für die 300 Kilometer bis Kariba 22 Stunden. Nachts kann man auf Deck schlafen, die Milchstraße bewundern und die Sternschnuppen zählen.
Gediegener Rundum-Service
Kariba (15.000 Einwohner) ist ein typischer Urlaubsort im Nordosten. Man nennt ihn „die Riveria Zimbabwes”. Der Campingplatz (Zeltplätze und Zimmer) ist preiswert. Die Hotels sind so teuer wie in Vic Falls, bieten aber auch einen gediegenen Rundum-Service inclusive Unterhaltungsprogramm. Von Kariba Hights, 100 Meter über dem Ort gelegen, hat man einen grandiosen Blick über den Hafen und den See bis nach Sambia. Auf dem See kann man segeln, Boot fahren und fischen. Safaris in benachbarte Nationalparks werden organisiert. Das Leben in Kariba ist teuer, aber angenehm.Kariba ist der letzte Ort der Reise. Um ins 350 Kilometer entfernte Harare zurückzukommen, reist man am bequemsten im klimatisierten Luxusbus, der zweimal die Woche fährt. Wer die Strecke nicht komplett durchfahren, sondern noch ein paar Abstecher in die kleineren Orte am Wegrand machen möchte, benutzt die lokalen Busse und übernachtet vielleicht noch in Makuti, Karoi oder Lions Den, um die in der Nähe gelegene Löwenfarm zu besichtigen.Alles in allem braucht man für die Rundreise Harare – Bulawayo – Victoria Falls – Mblibizi – Kariba – Harare zwei Wochen, wenn man es locker angeht. Man kann sich (zu entdecken gibt es genug) auch mehr Zeit lassen. Und den Trip durch eine Reise in eines der interessanten Nachbarländer ergänzen. Zum Beispiel zum Krüger-Nationalpark in Südafrika oder zu den Traumstränden von Mauritius.
Text und Fotos: Peter Hetzler
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