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Thailand: Geister, Aberglaube, Glücksspiel

Südostasien-Wissen für Fortgeschrittene

(Foto: © carloscastilla/fotolia.com)

Wer Thailand zum ersten Mal besucht erlebt oft nur das was den Touristen geboten wird. Nicht immer, aber oftmals handelt es sich dabei um eine Art „Kultur light“, die zwar asiatisch ist, aber auf westliche Geschmäcker angepasst wurde. Auf der anderen Seite gehört Südostasien zu den ältesten Kulturregionen der Welt. Kein Wunder also, dass es dort hinter der touristischen Fassade faszinierende Eigenheiten gibt, die man als Pauschalurlauber in der Regel gar nicht mitbekommt – oder deren Gründe man zumindest nicht kennt.

Nicht ohne mein San Phra Phum
Dass in Thailand generell weniger streng gebaut wird, dürfte schon bei der Busfahrt vom Flughafen zum Hotel unübersehbar sein. Die Thailänder, bzw. die vielschichtigen Völker, aus denen sich das Land zusammensetzt, sind einfach wesentlich relaxter als die Euopäer. Eines aber würde kein Thai, der sich seine eigenen vier Wände bauen lässt, jemals zulassen: Dass sein Haus ohne San Phra Phum gebaut wird. Es sind diese kleinen  prachtvollen „Häuschen“, die zumeist in den Gärten zu sehen sind.


(Foto: ©  Angelika Bentin/ fotolia.com)

Dabei spielt der tiefe Geister- und Ahnenglaube der Thais eine zentrale Rolle. Geister (Phra Phum) leben inmitten der Menschen. Baut man jedoch auf einem zuvor (von Menschen) unbewohnten Grundstück, beraubt man jene Geister ihrer bisherigen Heimat. Ganz böses Karma – sowohl für das neue Haus als auch für seine Bewohner. Um das zu vermeiden, errichten Bauherrn als allererstes, noch vor dem ersten Spatenstich, einen kleinen Schrein – eben jenen San Phra Phum. Eine neue Heimat für die Geister. Und damit diese ihren neuen Unterschlupf auch annehmen, gilt die Grundregel, dass der San immer prachtvoller sein muss als das eigentliche Haus – sonst würden die Geister nämlich umsiedeln.
 
Thai-Massage – aber nicht aus Thailand
Man kann in keiner Region Thailands Urlaub machen, ohne mit mannigfaltigen Angeboten konfrontiert zu werden, sich mal so richtig schön die Muskeln durchkneten zu lassen. Und auch, wenn die Thai-Massage in all ihren Ausprägungen ein tatsächlich enorm entspannendes Vergnügen ist (auch wenn viele Anfänger sie als ziemlich „hart“ beschreiben), so ist sie doch keine thailändische Erfindung. Der Ausgangspunkt, die traditionelle Thai-Massage, entstand zirka 500 Jahre vor unserer Zeitrechnung in Indien. Von dort wurde das Wissen zunächst nach Sri Lanka weitergereicht, von wo es im 13. Jahrhundert ins heutige Thailand gelangte.

Spiel um des Spielens willen – und für den Aberglauben
Es dürfte in kaum einem anderen Land der Welt eine so große Diskrepanz geben zwischen dem, was der Staat vorschreibt und was die Bevölkerung tut, wie in Thailand. Die Rede ist vom Glücksspiel. Offiziell sieht es so aus, dass bereits seit 1935 Glücksspiel ziemlich rigoros untersagt ist und empfindliche Strafen drohen (weshalb man als Tourist auch niemals in die Eck-Spielhöllen usw. gehen sollte). Ausnahmen gibt es praktisch keine. Inoffiziell indes ist es in ganz Asien ein zutiefst kultureller Faktor zu wetten, Lotto zu spielen (in Thailand die große, staatlich erlaubte Ausnahme), die Würfel rollen zu lassen. Befeuert wird es noch dadurch, dass die Strafen zwar hoch, der staatliche Verfolgungsdruck aber enorm gering ist.


(Foto: ©  Igor/ fotolia.com)

Interessant: In weiten Teilen des asiatischen Raumes gilt die Acht als Glückszahl. Bei den Thais ist es hingegen die Nummer 9, von der man sich besonderes Glück verspricht. Und: Es gibt unzählige Dinge, in denen sich die Glücksnummer verbergen kann. Sprich, viele Thais glauben, dass sie ihr Glück durch Wohlverhalten und das richtige Deuten von Träumen, Tiersichtungen usw. beeinflussen können – mit ein Grund dafür, dass Wahrsager und Traumdeuter so große Bedeutung haben und von vielen Menschen in Thailand regelmäßig konsultiert werden.
In die gleiche Kerbe schlagen übrigens auch Farben. Sie sind Eigenschaften, Schutzgöttern und ähnlichen mythischen Themen sowie Wochentagen zugeordnet. Aus dem Grund sieht man beispielsweise montags viele Menschen in Thailand in gelben Kleidungsstücken herumlaufen, freitags in blauer usw.

Good Cop, Kitty Cop
In Thailand ticken die Uhren auch bei den Gesetzeshütern ein wenig anders, als man es aus Europa kennt. Bestes Beispiel, das Thema Pünktlichkeit und das auch persönliche Einhalten jener Gesetze, die man in Uniform repräsentiert. Würde ein deutscher Polizist zu oft zu spät kommen oder nicht genau nach den Regeln spielen, bekäme er einfach zunächst schriftliche Verweise, dann wahrscheinlich Probleme mit der Dienstaufsicht – und es würde funktionieren.
Wer sich, um zum Dienst zu erscheinen, quer durch den legendären Verkehr der thailändischen Metropolen quälen muss, für den ist ein Mahn-Brief nicht wirklich respekteinflößend. Aber Thailand ist auch in vielerlei Hinsicht noch eine patriarchalische Gesellschaft, in der noch viel männlicher Machismo gilt. Daher sind die thailändischen Behörden mittlerweile dazu übergegangen, den Polizisten, die sich kleinerer Fehltritte schuldig gemacht haben, statt wirkungsloser Ermahnungen zur Strafe ein leuchtend rosa „Hello Kitty“-Stoffband um den Oberarm zu wickeln und sie damit auf Streife zu schicken. Seit einigen Jahren macht man es bereits, mit immenser Wirkung. Wer also einen so markierten Cop sieht weiß, dass da  jemand nicht rechtzeitig aus dem Bett kam.

Politische Trennlinie mit Absicht
Sobald man Thailands Städte und Touristenregionen verlässt, erlebt man etwas, das so im ganzen südostasiatischen Raum einzigartig ist. Und zwar eine extrem unverfälschte, ursprüngliche Kultur, die sich vor westlichen Einflüssen viel besser „schützen“ konnte, als es bei anderen Ländern, etwa Indien, Vietnam, Laos usw. der Fall ist.
Das hat weit zurückreichende politische Gründe. Weite Teile des südlichen und südöstlichen Asiens waren im 19. und 20. Jahrhundert von europäischen Mächten kolonialisiert. Im Ostteil der indochinesischen Halbinsel, also der „Zipfel“, den sich Thailand mit Kambodscha, Laos und Vietnam teilt, waren das die Franzosen und ihr „Indochine française“. Westlich hingegen saßen die Briten mit ihrem „kolonialen Kronjuwel“ Indien. Nun hatten Briten und Franzosen damals nicht das beste Verhältnis zueinander. Eine gemeinsame Kolonialgrenze, so glaubten sie, würde zusätzliche Probleme heraufbeschwören. Also entschloss man sich, Thailand (damals Siam) als neutralen Pufferstaat zwischen den Kolonialmächten existieren zu lassen. Und obwohl Phra Chunlachom Klao als König von Siam viele westliche Einflüsse ins Land ließ, so waren diese in der Masse doch viel geringer als in den umgebenden Ländern, die zutiefst durch die Kolonialphase geprägt wurden – und schon „Thailand“ ist der Inbegriff dessen. Der Landesname bedeutet „Land der Freien“.


(Foto: ©  Witthaya/fotolia.com)

Ein unschöner Tourismuszweig
Die meisten Thailand-Urlauber, selbst diejenigen, die noch nie im Land waren, dürften vom Sextourismus in Thailand gehört haben. Als Hochburgen gelten Pattaya, Bangkok oder Chiang Mai. Doch die wenigsten wissen, woher diese Verbindung eigentlich kommt, von der die thailändische Regierung auch schon seit Jahren gerne loskommen würde.  
Tatsächlich ist der Sextourismus in Thaialnd der Beweis dafür, wie Krieg Länder beeinflussen kann, die gar nicht großartig daran partizipieren. In Thailands Fall der Vietnamkrieg in den 1960ern und frühen -70ern. Damals war Thailand nur verdeckt an diesem Feldzug beteiligt. Ziemlich offen war das Land jedoch Basis für US-amerikanische Kampfflugzeuge und „Feldzugsnaher“ Ort, an den US-Soldaten zum Urlauben geschickt wurden. Wie in jedem anderen Land auch, sorgte das rund um die Basen und Urlaubsorte dafür, dass Prostitution erblühte. Und weil mit dem Ende des Vietnamkriegs Thailand als eines der wenigen nichtkommunistischen südostasiatischen Länder verblieb, in das man als Westler gefahrlos reisen konnte, wurde es auch zum Zentrum für Sextouristen – leider bis heute.

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