Bath - Wo die feine Gesellschaft ihr Wässerchen trank

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Bath: Wo die feine Gesellschaft ihr Wässerchen trank

Ein glanzvoller Architekturauftritt und eine 2000 Jahre alte Badekultur werben für einen Besuch in der Welterbestätte Bath, die Großbritanniens einzigartiges Thermalwasser berühmt machte.

Durchscheinend wie ein Schleier schweben die Dampfwölkchen über dem Viereck des Dachpools und trennen die kühle Morgenluft von dem 34 Grad warmen Inhalt des Beckens. Erste Badegäste steigen in das mineralreiche Wasser und überlassen ihren Körper einer wohligen Schwerelosigkeit, während ihr Blick ungehindert über das dunkle Dächermeer von Bath und das sanfte Auf und Ab der umliegenden Hügellandschaft wandert – ein wunderbares Erlebnis und wahrscheinlich auch der Höhepunkt eines Besuchs im Thermae Bath Spa, das mit Massageangeboten, Dampf- und Thermalbädern die moderne Version eines Badewesens verkörpert, das sich wie ein roter Faden durch die Geschichte der Stadt in der englischen Grafschaft Somerset zieht.

Es ist das Wasser, dem Bath nicht nur seine Berühmtheit, sondern auch seine Existenz verdankt. Wasser, das hier wie nirgendwo sonst in Großbritannien natürlich und heiß und satt an Mineralien über mehrere Quellen im Stadtzentrum aus der Erde tritt. Ein Geschenk der Natur, dessen erster Nutznießer im 9. Jahrhundert v. Chr. der keltische Prinz Bladud gewesen sein soll. Ausgestoßen wegen seiner Lepraerkrankung und zu einem Dasein als Schweinehirt verdammt, entdeckte er durch Zufall die heilende Wirkung des Wassers und genas. So jedenfalls erzählt es die Legende. Als im Jahre 43 n. Chr. die Römer Britannien eroberten, blieb auch ihnen die Bedeutung dieses wundersamen Ortes nicht verborgen. Nur einen Steinwurf vom heutigen Thermae Bath Spa entfernt stießen sie bei ihrer Ankunft auf einen von Dampfschwaden umwehten Weiher, in dem heißes Wasser sprudelte. Hier musste eine Gottheit leben, so ihr fester Glaube. Die heilige Quelle wurde eingefasst, ein Dach darüber und ein prächtiger Bäder- und Tempelkomplex drum herum errichtet. Wo die neuen Herrscher mit den unsterblichen Göttern kommunizieren und in Gesellschaft entspannen konnten, lag der bedeutendste Ort von Aquae Sulis, der römischen Stadt, aus der später Bath werden sollte. Doch mit dem Abzug der Römer fand auch die Badekultur ihr vorläufiges Ende und die Anlage verfiel. Folgende Generationen überbauten die Ruinen und die antiken Bauwerke verschwanden tief in der Erde, bis sie im ausgehenden 19. Jahrhundert entdeckt und zu einer touristischen Attraktion ausgebaut wurden.

Eine antike Sensation im Heute

Am Abbey Churchyard, dem belebten Platz im Herzen der Stadt, dem die spätmittelalterliche Bath Abbey, eine einstige Abteikirche, ihre reich verzierte Westfassade zuwendet, liegt der Eingang in die Römischen Bäder. Für die Besucher beginnt das Staunen schon beim ersten Schritt auf die erst 120 Jahre alte Terrasse, von der man einen perfekten Blick in die Tiefe hat: auf das große, von Säulen umstandene Becken, in dessen olivgrünem Wasser sich die Wolken spiegeln. Ein luxuriöser Swimmingpool, in dem sich die Römer wohlig im warmen Wasser aalten und nebenbei Freunde trafen oder Geschäfte machten. Menschen aus dem ganzen römischen Reich kamen nach Aquae Sulis, um in einem der schönsten Spas der antiken Welt der Badekultur zu frönen, aber auch, um die keltisch-römische Göttin Sulis-Minerva zu verehren. Die Gäste der Gegenwart brauchen allerdings schon etwas Fantasie, um die Größe der Anlage zu begreifen, wenn sie das Badehaus besichtigen und die heilige Quelle, die einmal ein feuchter, dunkler, geheimnisvoller Ort war. Wenn sie vorbei an Tempelruinen Wege betreten, die die Römer vor 2000 Jahren beschritten.

Lassen wir die Römer hinter uns und überspringen den weiteren Lauf der Geschichte. Machen wir erst wieder Halt gegen Ende des 17. Jahrhunderts, als die königliche Familie das Kurstädtchen für sich entdeckte. Und, wie soll es anders sein: Angelockt vom Glanz der Royals ließ sich auch die upper class nicht lange bitten und kam in großer Zahl – vielleicht weniger zum Kuren als zum Sehen und Gesehen werden. Bath’ kometenhaftem Aufstieg zum mondänen Saisontreff des 18. Jahrhunderts folgte zwangsläufig ein Bauboom, dessen Ergebnisse bis heute das Stadtbild prägen. Begnadete Architekten, allen voran Vater und Sohn Wood, waren beim Ausbau der Stadt sowohl von der Baukunst der Antike, als auch von den Werken des Italieners Andrea Palladio inspiriert und entwarfen einen Traum aus honiggelbem Kalkstein – mit weiten Straßen und eleganten Plätzen, mit Villen und Häuserreihen im unverwechselbaren Stil ihrer Epoche.

Bath geht in die Literatur ein

Der Hype um das Modebad näherte sich schon seinem Ende, als Jane Austen erstmals die Bühne der Schönen und Reichen betrat, die mit „Northanger Abbey“ und „Persuasion“ (Überredung) gleich zweimal zum Schauplatz ihrer Romane werden sollte. In der Gay Street widmet sich ein kleines Museum Englands berühmter Schriftstellerin und zeigt eine Momentaufnahme ihrer Zeit in Bath. Vor der Tür des georgianischen Stadthauses mit der Nr. 40 steht ganz comme il faut Martin Salter mit Backenbart und Zylinder, Stiefeln, Stock wie feinem Wams und begrüßt die Museumsbesucher als Mr. Bennet – jener Gentleman, den Austen-Leser als Elizabeths Vater in „Stolz und Vorurteil“ kennen.

Nur ein paar Häuser weiter wohnte Jane mit Mutter und Schwester nach dem Tod des Vaters einige Monate zur Miete. Von hier muss sie unzählige Male die wenigen Schritte zum Circus gelaufen sein, einem der Meisterwerke der Wood’schen Baukunst. Das Architektenduo ließ hier ein Ensemble stattlicher Reihenhäuser, lediglich unterbrochen von der Einmündung dreier Straßen, der kreisrunden Form des Platzes folgen. Dabei gleichen sich die Häuser wie ein Ei dem anderen: die mehrstöckigen Fassaden aus gelbem Stein leicht verschmutzt, gegliedert durch Säulen und Gesimse, bestückt mit uniformen weißen Haustüren inklusive Türklopfer, auf den Dächern mächtige Kamine, die Souterrains eingefasst von schwarzen Gittern.

Ein Laufsteg für die Prominenz

Im ähnlichen Design, wenn auch nicht so opulent, präsentiert sich eine Straße entfernt die sündteure Adresse des Royal Crescent, bei dem die Häuserreihe als weitgestrecktes Halbrund vor dem Grün eines Parks liegt. „Beim einheitlichen Fassadenentwurf der 30 georgianischen Häuser waren der Wood-Familie drei Punkte wichtig“, erklärt Guide Nicholas Gane bei einem Spaziergang durch die Welterbe-Stadt, „Symmetrie, Proportion und Gleichgewicht.“ Im Innern seien die Häuser dagegen völlig unterschiedlich und von den Hausherren nach eigenem Geschmack gestaltet.

An Crescent und Circus konnte die feine Gesellschaft des 18. Jahrhunderts, die für wenige Tage oder gar Monate in Bath weilte, herrlich promenieren. Vorausgesetzt, die Herrschaften waren nicht gerade anderweitig beschäftigt. „Um 6 Uhr früh stand man auf und wurde mit einer Sänfte zum Baden gebracht“, weiß Nicholas. Daneben wurden im Kurhaus täglich pro Kopf viereinhalb Liter warmes Heilwasser getrunken, alles zum Wohl der Gesundheit. Die Abende gehörten dem Vergnügen. In den Assembly Rooms, in die man als Tourist einen Blick werfen darf, wurde getanzt, geflirtet und Karten gespielt. Bis der Zeremonienmeister um 23 Uhr das Ende des Amüsements verkündete.

Gaumenfreuden auf britische Art

All diesen Spuren der Vergangenheit, aber auch den Verführungen der Gegenwart kann man in Bath wunderbar zu Fuß folgen. In der Stadt, die wie ein Freilichtmuseum wirkt und doch so lebendig ist, mischen sich die Besucher unter den geschäftigen Strom der Einheimischen, flanieren zum Schaufenstergucken durch hübsche Straßen wie die Milsom Street und testen das große Restaurantangebot – vielleicht bei einer Portion Fish & Chips im „Cœur de Lion“, Bath’ kleinstem Pub, oder auf ein Chicken Bun in „Sally Lunn’s Historic Eating House“, dem ältesten Haus der Stadt. Oder man kehrt ein in Nicholas’ Lieblingscafé auf der italienisch inspirierten, beidseitig bebauten Pulteney Bridge, unter der die Möwen im dunklen Wasser des Flusses Avon baden.

Doch kein Aufenthalt in Bath darf enden ohne einen Besuch im historischen Pump Room, dem vornehmen Kursaal neben den Römerbädern. Solange man noch auf einen freien Platz unter funkelndem Kronleuchterlicht wartet, kann man nebst einem Blick auf die heilige Quelle auch einen Probierschluck aus selbiger genießen. Danach lässt sich der gewöhnungsbedürftige Geschmack des heißen Wassers am schnellsten beim Afternoon Tea vergessen. Während ein klassisches Musikertrio Mozart und Chopin intoniert, darf man sich da zum Tee Gurkensandwiches und dick mit clotted cream bestrichene Scones zu Gemüte führen und sich einfach nur very british fühlen.

Text und Fotos: Sabine Mattern

Hinweis der Redaktion
Dieser Reisereport wurde unabhängig recherchiert, fotografiert und geschrieben. Die Reise wurde unterstützt von Bath Tourism Plus und VisitBritain.

Informationen

Anreise
Flug z.B. nach Bristol. Bath liegt rund 33 km vom Flughafen entfernt (ca. 50 Minuten mit dem Mietwagen).

Unterkunft
„The Gainsborough Bath Spa“, Beau Street: Luxushotel in zentraler, aber ruhiger Lage, Restaurant mit Spitzenküche, Spa mit natürlichem Thermalwasser.
www.thegainsboroughbathspa.co.uk

„Abbey Hotel“, North Parade: Mit seinem Restaurant „Allium” liegt das Hotel der Taylors im Herzen der Stadt.
www.abbeyhotelbath.co.uk

„Brocks Guest House Bath“, Brock Street: historisches Stadthaus mit wenigen Gästezimmern in Circus-Nähe.
www.brocksguesthouse.co.uk

Unternehmungen
www.thermaebathspa.com
www.romanbaths.co.uk
www.janeausten.co.uk

Infos
www.visitbath.co.uk

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