Das Brandenburger Tor – ein symbolischer Ort

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Das Brandenburger Tor – ein symbolischer Ort

Von Frank Tetzel

Das Brandenburger Tor ist eines der bekanntesten Wahrzeichen Berlins. Es blickt auf eine mehr als zweihundertjährige Geschichte zurück und zeugt von den historischen Ereignissen einer bewegten Epoche.

Wenn meine Familie und ich mit Gästen aus „Westdeutschland“ – wie der Besuch aus Köln, Wuppertal, München oder Hamburg hier immer noch genannt wird – unterwegs sind, dann ist das Brandenburger Tor ein „Muss“ bei jeder Stadtrundfahrt.
Was hat dieses Tor schon alles erlebt: Siegesparaden und Love-Paraden, Demonstrationen, Fackelzüge, geschlagene und siegreich heimkehrende Truppen, Revolutionen, Machtergreifung, die deutsche Teilung und die Wiedervereinigung. Das Brandenburger Tor ist das Symbol der deutschen Geschichte, des Kalten Krieges und der deutschen Wiedervereinigung schlechthin.
Es ist als einziges der insgesamt 18 ehemaligen Stadtzugänge erhalten, die an der alten, längst verschwundenen Zollmauer errichtet wurden. Zwischen 1788 und 1791 wurde das Tor von Carl Gotthard Langhans auf Anweisung des Königs Friedrich Wilhelm II. zur Erinnerung an den Siebenjährigen Krieg errichtet. Das Brandenburger Tor bildet den Abschluss der Straße Unter den Linden, an deren anderem Ende sich einst das Berliner Stadtschloss und später der Palast der Republik erhoben.

Vorbild: Griechische Architektur

Das Brandenburger Tor ist 26 m hoch, 65,5 m breit, 11 m tief und aus Sandstein erbaut. Vorbild sind die Propyläen, die Vorhallen der Akropolis in Athen. Das Tor besitzt fünf Durchfahrten, von denen die mittlere etwas breiter ausfällt. Dieser war bis 1918 den preußischen Königen beziehungsweise dem deutschen Kaiser vorbehalten. Sechs 15 m hohe Säulen im dorischen Stil auf jeder Seite prägen das Äußere des Tores. Das Kranzgesims und die Innenseiten der Durchfahrten sind mit Reliefs versehen. Sie stellen unter anderem Heldentaten des Herkules, den römischen Kriegsgott Mars sowie Minerva dar. Zunächst wurden an den beiden Seiten des Brandenburger Tores Torhäuser für den Zoll und das Militär errichtet. 1867/68 wurden sie durch offene Säulenhallen ersetzt und dem Tor architektonisch angeglichen. Das Bauwerk wird gekrönt von der Friedensgöttin, die stehend einen von vier Pferden gezogenen Wagen – Quadriga genannt –in die Stadt lenkt. Johann Gottfried Schadow erschuf diese weltberühmte Kupferstatue, die heute auf eine bewegte Vergangenheit zurückblicken kann.

Bewegte Vergangenheit

1806 wollte Napoleon, dessen Truppen auch Berlin besetzt hatten, die Quadriga in Paris aufstellen. Also ließ er sie dorthin verschleppen. Bevor die Quadriga jedoch in der französischen Hauptstadt aufgestellt werden konnte, wurde Napoleon entmachtet. 1814 kehrten die noch verschlossenen Kisten nach Berlin zurück. Die Berliner – bekannt für ihren Humor – nannten die Statue daraufhin „Retourkutsche“. Bei der anschließenden Restaurierung ergänzte man den Eichenkranz am Stab der Göttin durch das Eiserne Kreuz. Am 30. Januar 1933 diente das Brandenburger Tor den Nationalsozialisten als Kulisse für einen riesigen Fackelzug uniformierter SA-Männer anlässlich der Machtergreifung Adolf Hitlers. Der berühmte Maler Max Liebermann, der unweit des Brandenburger Tores wohnte, sagte beim Anblick der vielen Braunhemden: „Ick kann gar nicht soviel fressen, wie ick kotzen könnte.“

Wiederaufbau

Zwölf Jahre und zig Millionen Tote später lag Berlin in Trümmern. Tor und Quadriga waren in der Schlacht um Berlin schwer beschädigt worden. 1956 beschloss man das ehemalige Stadttor wieder aufzubauen. Noch funktionierte die Zusammenarbeit zwischen den Teilen der Stadt leidlich und beide Seiten halfen bei der Restaurierung. Einzig das Eiserne Kreuz und der Adler fehlten nach der abgeschlossenen Wiederherstellung des Tores und der Quadriga, weil man diese in Ostberlin als Symbole des Militarismus ansah.

Symbol der Teilung

Zum Symbol nicht nur des geteilten Deutschlands, sondern einer bipolaren Welt wurde das Tor 1961, als die Führer des deutschen Arbeiter- und Bauernstaates eine Mauer um Westberlin und quer durch Deutschland bauen ließen. Das Brandenburger Tor stand mitten im Sperrgebiet und war bis 1989 nicht durchlässig. Diese Situation wurde von vielen Politikern immer wieder angeführt, wenn von der deutschen Teilung die Rede war. „Mr. Gorbatschow, open this gate! Mr. Gorbatschow, tear down this wall,” rief der amerikanische Präsident Ronald Reagan während seines Berlinbesuches 1987 aus. 1989 war es dann soweit. In einer friedlichen Revolution fiel die Mauer. Und am 22. Dezember 1989 wurde das Tor unter dem Jubel von hunderttausenden von Menschen wieder geöffnet.

Neue Restaurierung

Und wieder stand eine Wiederherstellung an: In der Silvesternacht 1989/90 war die Quadriga durch feiernde Menschen auf dem Dach des Brandenburger Tores stark beschädigt worden. 1991 erhielt sie im Rahmen der Restaurierung das Eiserne Kreuz zurück. Auch an den Sandsteinteilen des Tores hatte der Zahn der Zeit genagt. Nach einer fast zweijährigen Sanierung wurde das Brandenburger Tor am 3. Oktober 2002 feierlich wieder enthüllt.
Auch heute dient das Tor als Kulisse. Sei es für die alljährlichen Silvesterfeiern, für Treffen von Politikern und Staatsmännern oder für schnöde Werbepräsentationen. Seine ursprüngliche Funktion als Durchfahrt hat das Brandenburger Tor jedoch längst verloren. Heute ist der Pariser Platz verkehrsberuhigte Zone. Eine Durchfahrt mit dem Auto ist nicht mehr möglich.

Im nördlichen Torhaus befindet sich seit 1994 ein „Ort der Stille und der Reflexion“, der allen Religionen offen steht. Das südliche Torhaus beherbergt eine Touristeninformation.

 

 

Das Brandenburger Tor ist zu erreichen über:

 

S-Bahnhof Unter den Linden mit  S1, S2, S25

U-Bahnhof Mohrenstraße mit der U2

Bus-Haltestellen:
Reichstag/Bundestag mit den Bussen der Linie 100, M41
S-Bahnhof Unter der Linden: TXL (Flughafenbus nach Tegel)

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