Berlins In-Lokale

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Wo die Promis essen gehen

Berlins In-Lokale und berühmte Gäste

Von Frank Tetzel

Die Hauptstadt ist am Puls der Zeit.
Dies macht sich besonders in der hohen Besucherrate bekannter Persönlichkeiten
bemerkbar. Begegnungen mit Prominenten jeglicher Art sind daher nicht selten – vor allem in Berlins angesagten Lokalen.

„Berlin ist hip!“ Wir Einwohner von Berlin merken relativ wenig von dem Berlin-Boom, der die Stadt ergriffen hat. Seien es diejenigen, die hier geboren sind oder einer wie ich, der vor nunmehr neun Jahren in die Stadt gezogen ist. Freilich, die Fußball WM und die Fanmeile im letzten Jahr waren der Hit, keine Frage. Doch wenn man wollte, dann hat man davon nichts mitbekommen müssen. Ich wohne beispielsweise vierhundert Meter Luftlinie von der wichtigsten Einkaufsmeile der Stadt, dem Kurfürstendamm und dem Tauentzien entfernt. Doch vom Boom spüren wir in unserem Kiez wenig. Einzig über häufig gesperrte Straßen auf dem Weg zur Arbeit regen wir uns auf, weil wieder einmal ein ausländischer Potentat durch die Straßen gekarrt wird. Oder wir erleiden unser Schicksal im scheinbar immer währenden Pendelverkehr auf der U-Bahnlinie 2, die den Westen der Stadt mit „Mitte“ und dem Prenzlauer Berg verbindet. Vom Boom erfahren wir lediglich durch die Vielzahl von Radiosendern, Zeitungen und Zeitschriften oder durch den „Spiegel“, der jüngst eine Titelgeschichte nebst DVD über das neue, normale Berlin veröffentlichte. Es sei denn, man ist gerade „irgendwie in den Medien oder in der Kultur“ beschäftigt. Und irgendwann beginnt man es auch selbst zu glauben.

Promis prägen das Gesicht der Stadt

Ein Gradmesser für die Entwicklung der deutschen Hauptstadt ist die Prominentendichte. Und die wird immer internationaler, wenn man den Klatsch- und Tratschblättern trauen darf. Jüngst überschlugen sich die Gazetten, als sich hartnäckig das Gerücht hielt, die beiden Hollywoodstars Angelina Jolie und Bratt Pitt hätten eine 600 Quadratmeter große Dachwohnung in Berlin-Mitte zwischen Alexanderplatz und Torstraße erworben. Im vergangenen Jahr waren Pitt und Jolie mehrmals in Berlin und haben sich auch mit den befreundeten Architekten Lars Krückeberg, Wolfram Putz und Thomas Willemeit getroffen.

Nicht nur zu den Internationalen Filmfestspielen ist die Dichte der Prominenz besonders groß. Zahlreiche internationale und nationale Veranstaltungen ziehen die Mächtigen und vermeintlich Wichtigen in die Stadt.

Otto Normalbürger kann diese Wichtigen der Republik erleben, mal mit viel, mal mit weniger Kleingeld beim Essen in Berliner Restaurants. Zwar gibt es tausende gastronomischer Betriebe in der Hauptstadt, aber nur in etwa zwei Dutzend trifft man die aus Funk und Fernsehen bekannten Persönlichkeiten. Das muss im Übrigen nicht immer witzig sein, mit Prominenten zusammen in einem Lokal zu sitzen. Spätestens dann, wenn Sicherheitsbeamte die umliegenden Tische belagern oder in Beschlag nehmen, ist das freundliche Tête-à-Tête vorbei, auf das man sich eingestellt hatte. Wobei dies nur in Ausnahmefällen vorkommt. Das politische Berlin und die Stars und Sternchen geben sich im Grunde ziemlich normal. Dass man einen Prominenten beim Genuss seiner Vorspeise nicht mit Autogramm- und Fotografierwünschen belästigt, versteht sich eigentlich von selbst. Wir Berliner, eingebürgerte oder geborene, sehen so etwas eh mit einem gewissen Gleichmut. Den Schauspieler Christoph Walz sehe ich hin und wieder beim Bäcker oder am Buddelplatz meiner Tochter, wie auch den einen oder anderen Mimen, die in unserem Kiez wohnen.

Berühmte bei "Borchardt"

Fixstern des Promilebens ist das Restaurant „Borchardt“ in der Französischen Straße. Als es 1992 anstelle des 1899 gegründeten Weinlokals von Roland Mary neu eröffnet wurde, hielten viele den Gastronomen zunächst einmal für verrückt. Noch war die Gegend rund um den Gendarmenmarkt recht unterentwickelt. Inzwischen ist das Haus eine Institution. Leonardo di Caprio, Michael Douglas und Jack Nickolson waren hier. Wirtschaftsbosse, Politiker, Sportler und Künstler sind hier immer wieder gern und häufig gesehene Gäste. Und die meisten von ihnen lassen sich das legendäre Wiener Schnitzel mit Kartoffel-Gurken-Salat munden.

Wo sich bedeutende und bekannte Persönlichkeiten zu Hause fühlen

Nur rund 300 Meter vom Brandenburger Tor entfernt findet man ein weiteres Wohnzimmer der Prominenz. Das „Cafe Einstein“ unter den Linden. Vor allem in den Tagungswochen des Parlaments sitzen hier die großkoalitionären Politiker in Eintracht Tisch an Tisch und schlürfen ihre Wiener Melange oder pellen an ihrem Frühstücksei. Dennis Hopper übrigens lobte das Wiener Schnitzel, Clinton soll angeblich nur Mineralwasser getrunken, aber Karten gespielt haben. Sein Freund Gerhard Schröder kommt regelmäßig, auch en famille mit Doris. Ebenso sein Vorgänger Helmut Kohl, der hier am liebsten das Wiener Saftgulasch zu sich nimmt. Unter den Augen des Autoren haben sich Gregor Gysi und Oskar Lafontaine hier getroffen, ohne dass damals von einer gemeinsamen Linken je die Rede gewesen war. Mittags sieht man dann Sandra Maischberger oder Maybritt Illner hineinschneien. Sie werden sicherlich jede etwas zu ihrer nächsten Sendung zu besprechen haben. Wer also wissen will, wer mit wem, der setze sich für eine gute Stunde in dieses Café im Wiener Stil. Doch das „Einstein“ ist nicht nur Politik. Chef und Impressario Gerald Uhlig präsentierte hier erstmals Fotos von Wim Wenders oder Zeichnungen von Udo Lindenberg.

Ein zweites, älteres „Einstein“ gibt es im Westteil der Stadt. In der ehemaligen Villa des Stummfilmstars Henny Porten herrscht ein einzigartiges, gediegenes Flair. Auch hier sieht man hin und wieder bekannte Gesichter: Minister, Künstler und Schauspieler. Die Promidichte ist hier allerdings nicht so hoch, wie im „Mitte-Ableger“, wo es einem passieren kann, zwischen einem Ex-Außenminister und einem ehemaligen Innenminister zu sitzen.

Treffpunkt für Politiker

Beliebt bei Politikern ob seiner Lage war das italienische Lokal „Il Punto“ an der Ebertstraße, unmittelbar neben dem Brandenburger Tor. Der sizilianische Wirt Guiseppe Perna war schon zu Bonner Zeiten eine beliebte Adresse, und so reihte sich der Italiener in den Tross der Berlin-Bonn Umzügler ein. Inzwischen hat das Lokal aber geschlossen. Ein neuer Betreiber wird gesucht und sicherlich auch gefunden werden, denn die Lage und der Blick sind einmalig.

Gleicher Beliebtheit erfreut sich das „Lutter & Wegener“ am Gendarmenmarkt. Die Dependance im nahe gelegenen Auswärtigen Amt ist vor allem beim britischen Premier Tony Blair und  vielen Außenministern beliebt.  In diesen gediegenen „Internationalen Club“ hoch über den Dächern der Hauptstadt  gelangt man nur auf besondere Einladung des Auswärtigen Amtes.

Zu Hintergrundgesprächen ziehen sich Politiker beispielsweise mit Journalisten gern in die „Habel Weinkultur“ an der Luisenstraße zurück. Benannt nach Johann Simon Habel, der 42 Jahre Kellermeister des Alten Fritz war, bevor er 1779 Unter den Linden 30 die Weinhandlung Gebrüder Habel gründete. Heute bereiten seine Nachfahren einen schönen Rahmen für vertrauliche Gespräche zwischen Ministern und Medienvertretern.

So speist die Kanzlerin

Angela Merkel, die im vierten Stock des Hauses Kupfergraben 6 gegenüber vom Pergamonmuseum wohnt, ist eher selten in den einschlägigen Lokalen des Regierungsviertels  zu treffen. Stammgast ist die Kanzlerin im Bistro „Chez Maurice“ in der Bötzowstraße im Stadtteil Prenzlauer Berg. Eigentlich ist das „Chez Maurice“ ein französisches Wein- und Feinkostgeschäft mit einigen Holztischen, an denen gut 40 Personen Platz haben, in zwei urig eingerichteten Zimmern. Lieblingsessen der Kanzlerin: „Boudin noir", französische Blutwurst, die tagsüber 7,50 Euro und abends 11 Euro kostet.

Die Mischung macht´s

Im „Bocca di Bacco“, übrigens nur einen Steinwurf vom Borchardt entfernt, tafeln regelmäßig A-, B- und C-Prominente aller Art. Ferfried Prinz von Hohenzollern oder Depeche Mode. Der regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, der dort mal mit Pop-Sänger George Michael auftauchte, und viele andere sind bei dem Edel-Italiener schon gesichtet worden.

Berlin im Wandel

Seit dem Regierungsumzug hat sich die Szene verlagert. Darunter haben unter anderem eine ganze Reihe von ehemals Westberliner Institutionen zu leiden. Allem voran die „Paris Bar“ in der Kantstraße. Viele Bilder berühmter Stars und Sternchen zieren noch heute die Wände. Den Stammplatz von Otto Sander markiert eine kleine Messingplakette. Doch die besten Zeiten hat die „Paris Bar“ bereits hinter sich. Ende 2005 meldete sie Insolvenz an. Es geht weiter, keine Frage, aber eben ruhiger und beschaulicher. Auch im „Diener“ in der Grolmanstraße unweit des Savignyplatzes ist alles so geblieben wie es war, das allerdings schon vor zig Jahren, als das Lokal dem ehemaligen Boxprofi Franz Diener gehörte. Auch heute verkehren hier – vor allem nach Vorstellungsschluss – noch viele Schauspieler und Musiker, wie etwa Max Raabe und andere.

Natürlich gibt es noch eine ganze Reihe anderer Lokale, wo „man“ sich in Berlin trifft. Sei es „Die letzte Instanz“, „Ana e Bruno“, „Das Alte Zollhaus“ am Kreuzberger Landwehrkanal, der „Gugelhof“ am Kollwitzplatz, in den Schröder Clinton ausführte, und viele mehr. Oder man hält es wie die Kanzlerin, die hin und wieder, wenn sie sich in ihrer Dienstlimousine nach Hause chauffieren lässt, Tüten des in der Nähe liegenden Spätkaufhauses und Billig-Discounters „Ullrich“ im Kofferraum liegen hat. Gegessen wird offenbar zu Hause.

 

 

Adressen:


Ana e Bruno
Sophie-Charlotten-Str. 101
14059 Berlin
Tel.: 030 - 325 71 10, Fax: 030 – 322 68 95
E-Mail: info@a-et-b.de
Internet: www.a-et-b.de

Altes Zollhaus
Carl-Herz-Ufer 30
10961 Berlin
Tel.: 030 - 692.33 00, Fax: 030 - 692 35 66
E-Mail: info@altes-zollhaus.com
Internet: www.altes-zollhaus-berlin.de

Bocca di Bacco
Friedrichstr. 167/168
10117 Berlin
Tel.: 030 - 20 67 28 28, Fax: 030 - 20 67 29 29
E-Mail: info@boccadibacco.de
Internet: www.boccadibacco.de

Borchardt
Französische Str. 47
10117 Berlin
Tel.: 030 - 81 88 62 62

Chez Maurice
Bötzowstr. 39
10407 Berlin
Tel./Fax: 030 - 425 05 06

Café Einstein
Unter den Linden 42
10117 Berlin
Tel: 030 - 204 36 32
Internet: www.einsteinudl.com

Café Einstein
Kurfürstenstr. 58
10785 Berlin
Tel.: 030 - 261 50 96, Fax: 030 – 261 91 76
E-Mail: contact@cafeeinstein.com
Internet: www.cafeeinstein.com

Diener
Grolmanstr. 47
10623 Berlin
Tel.: 030 - 881 53 29

Il Punto
Pariser Platz 6a
10117 Berlin
Tel.: 030 – 20 21 66 50, Fax: 030 – 20 21 48 62
E-Mail: info@ilpunto-berlin.de
Internet: www.ilpunto-berlin.de

Gugelhof
Knaackstr.37/Kollwitzplatz
10435 Berlin
Tel: 030 - 442 92 29, Fax: 030 - 44 35 95 40
E-Mail: gugelhof@t-online.de
Internet: www.gugelhof.de

Habel Weinkultur
Luisenstr. 19
10117 Berlin
Tel.: 030 – 28 09 84 84, Fax: 030 - 2809 8474
Internet: www.wein-habel.de

Paris Bar
Kantstr. 152
10623 Berlin
Tel.: 030 – 3138052

Zur Letzten Instanz
Waisenstr. 14-16
10179 Berlin
Tel: 030 - 242 55 28, Fax: 030 - 242 68 91
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