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BUDAPEST: Ein langes Wochenende voller Nostalgie und Wellness

Am Donauufer in Pest (Foto: Anne Kotzan)

Keine fünf Stunden hat das Tragflügelboot von der Wiener Reichsbrücke bis zur Budapester Freiheitsbrücke gebraucht. Von ihrer Mitte eröffnet sich ein atemberaubendes Panorama auf das hügelige Buda mit der altehrwürdigen Burg und das tischebene, weitläufige Pest. Elegant überspannen die fahlgrünen genieteten Stahlarme den Strom.

Auf filigranen Toraufbauten thronen mythologische Turulvögel, die zwischen einer Goldkugel und der Freiheit des tiefblauen Himmels zu hadern scheinen. Unten kräuseln sich sanft die Wellen und glitzern im Sonnenlicht.

An einem Frühlingstag wie diesem ist die Donau wirklich blau, so blau wie man sie in der flirrenden Sommerhitze nie sehen wird.

Fischerbastei, Blick auf das Parlament (Foto: Anne Kotzan)

Das ist nun also Budapest, die Geburtsstadt von Ephraim Kishon, Zsa Zsa Gábor und Robert Capa; die Perle an der Donau, das Paris des Ostens. Für den aus großem Adelsgeschlecht stammenden und heute als Schriftsteller seine edle Herkunft an Berühmtheit übertrumpfenden Péter Esterházy ist sie eindeutig weiblich: „die Dame mit der Donau zwischen den Brüsten.“

Dazu präsentiert sie sich äußerst selbstbewusst. Als Schwesterstadt Wiens seit dem Ausgleich 1867 betonte sie ihre Eigenständigkeit mit Blick nach Osten, Richtung Ural, die Herkunft der Magyaren. Der Architektenkreis um Ödon Lechner verewigte dieses Gefühl in Jugendstilbauten mit eigenwilligem ungarischen Kolorit, so das orientalisch-maurisch angehauchte Kunstgewerbemuseum mit seinen bunt schillernden Keramiksteinen, Pyrogranit der Porzellanmanufaktur Zsolnay, und im Inneren ein Traum in Weiß.

Vom Eingang des Zoos blickt der Keramikkopf eines Elefanten zwischen Urtieren gütig herab und an Stickereien erinnernde Majoliken schmücken die Postsparkasse.

Einmal auf den Geschmack gekommen, suchen meine Augen bei Spaziergängen auf den boulevardartigen Ringstraßen zwischen westlichen Ladenketten, ungarischen Eszpresszós und Cukrászdas Dächer, Fassaden und Hauseingänge nach Fabelwesen und fernöstlichen Ornamenten ab. Heute sitzt die Grande Dame – ohne die Contenance zu verlieren – zwischen den Stühlen.

Noch immer eine verschlafene Kleinstadt und zugleich eine pulsierende Metropole, Morbidität und Modernismus treffen hier ebenso zusammen wie Nostalgie und Zukunftsglaube. Budapest lebt nicht nur geographisch vom Charme der Gegensätze.

Kettenbrücke (Foto: Anne Kotzan)

Die Löwen der berühmten Kettenbrücke werden immer kleiner, in wenigen Minuten hat die Standseilbahn den Burghügel erklommen. Hinter dem barocken Prunktor liegen die unter Maria Theresia erneuerten Palastbauten und weiter rechts ruht die Matthiaskirche unter einem bunt ornamentierten Majolikadach.

Aber meine neue Leidenschaft fürs Schachspielen lenkt meine Schritte auf zwei über ein Spielbrett gebeugte Herren. Im Schatten vor der schon stechenden Sonne bewegen sie bedächtig ihre Figuren auf den Spielfeldern. Herr Kovács lädt mich prompt ein, ein Spielchen mit ihm zu versuchen. „Schachmatt“, mein Anfängerglück lässt ihn Revanche fordern und wir verabreden uns für den frühen Abend in der Állatkerti út 11. Beim Sprechen wippt sein Schnauzbart lustig hin und her.

Versöhnt, beim Aperitif zwischen unzähligen Weinen aus Ungarns 22 Weingebieten erzählt er im mehrere hundert Meter langen Keller Borok Háza von seiner Kindheit im Burgviertel, den malerischen Gassen und den bunt gestrichenen Häuschen, deren Barockfassaden mittelalterliche Fragmente und Sitznischen bergen.

Seit der Burghügel 1987 zum Weltkulturerbe erklärt wurde, findet man statt im Wind flatternder Wäsche zunehmend feine Galerien und Lokale in den Innenhöfen. Doch nun muss Herr Kovács heim zum Mittagessen.

Fischerbastei bei Nacht (Foto: Anne Kotzan)

Wieder allein, zwischen Touristen aus aller Welt genieße ich von der Fischerbastei das märchenhafte Panorama über die Donau und das Dächermeer der Stadt. Verspielte Arkadengängen und neoromanische Türmchen geben ihr einen romantisch verkitschten Touch.

Verkehrslärm dringt aus weiter Ferne ans Ohr. Blickfang ist der 268 Meter lange Palastbau des Parlaments, eine „Kreuzung aus türkischem Bad und gotischer Kathedrale“ empfand der Schriftsteller Gyula Illyés. Tausend Arbeiter waren 17 Jahre mit der Realisierung beschäftigt. Wie eine majestätische Fortsetzung der Triumphbogen der Kettenbrücke wirkt der Jugendstilbau des jüngst im Gresham-Palais eröffneten Nobelhotels.

Äußerlich weniger ansprechend, aber mit einer langen Hotelgeschichte folgt das Marriott, in dem Elisabeth Taylor ihren 40sten Geburtstag gefeiert haben soll. Der hier beginnende Donaukorso war schon Ende des 19. Jahrhunderts mit seinen eleganten Hotels und Cafés eine beliebte Flaniermeile.

„Diese Stadt lässt jeden ein Lied anstimmen“, sagte José Carreras bei seinem Besuch 1994. Die Straßenmusikanten in der Váci utca nehmen ihn wörtlich.

Ich bahne meinen Weg vorbei an Souvenir- und Antiquitätenläden, Boutiquen und Restaurants zu der kleinen Haris köz und dem schuhschachtelgroßen Laden des Meister Vass, berühmt für seine handgefertigten Budapester. Nun sind die edlen Fußkleider auch für Frauen zu haben. Ich lasse mich von seiner Tochter Eva beraten, kann mich aber noch nicht zwischen dem praktischen Slipper oder dem schlichten wie eleganten Londoner Modell entscheiden.

Schwere Entscheidungen fällt man am besten in einem Kaffeehaus, aber auch hier fällt die Entscheidung schwer. Das neueste unter den alten ist das New York, das in einem schwülstigen wie faszinierenden Prunk daherkommt. Und während das plüschige Gerbeaud mit Kristalllüstern, lindgrünen Stofftapeten und einer Originaleinrichtung von 1884 lockt, meint man im nostalgischen Ambiente des Centrál noch immer den Geist der literarischen Stammkundschaft der 1920er Jahre zu atmen.

Cafe New York
Cafe im Jugendstil Fotos: (Anne Kotzan)

Ich nehme ein Taxi zum Centrál. Beinahe, noch ganz in Gedanken, wäre ich in der Tür mit einem blauäugigen weißhaarigen Herren zusammengestoßen. Irritiert frage ich den Kellner, ob das nicht Tony Curtis gewesen sei. „Natürlich“, und ob ich denn nicht wisse, dass er der Sohn ungarischer Eltern sei und für das Holocaust-Denkmal hinter der Großen Synagoge eine Stiftung gegründet habe. Die Synagoge samt der Prachtstraße Andrássy út stehen sowieso auf meinem Programmzettel für Morgen.

Nun kann nur noch ein entspannendes Bad im Gellért helfen. Bereits in der Eingangshalle empfängt mich ein von feinsten Mosaiken umgebener Nymphenbrunnen. Kleine Mosaiksteinchen fügen sich auch im Thermalschwimmbad zu einem kostbaren Bodenschmuck.

Das gelblich durch das Glasdach fallende Licht betont die reichen Ornamente der doppelstöckigen Säulen. Im heilsamen Nass koste ich die wohltuenden Mineralien ebenso aus wie die orientalische Üppigkeit. Budapest ist eine Bäderstadt. Die warmen Wasser wurden bereits von den Römern sehr geschätzt und von den Türken gerne übernommen.

Heute speisen rund 120 Quellen die traditionsreichen Bäder, beispielsweise das Lukács, einen Künstlertreff, das Király von 1565 als Relikt aus Tausendundeinernacht oder die eleganten Hotelbäder auf der Margareteninsel. Ein ganz neuer Geheimtipp ist das erst im Januar eröffnete „Veli Bej“, dessen Renovierung das orientalische Flair des 16. Jahrhunderts bewahrt hat.

Wählen kann man zwischen dem 36 Grad warmen Hauptbecken, verschiedenen kleinen Pools, Brunnen und Dampfbädern. Das Thermalwasser kann hier sogar chlorfrei bleiben, da es täglich vier Mal natürlich gewechselt wird.

Szechényi-Bad, Stammgäste, die Schachspieler
... nichts ist herrlicher als im warmen Wasser zu entspannen

Ich will Herrn Kovács nicht warten lassen und bestelle ein Taxi in die Állatkerti út 11. Vor einem lang gestreckten Palais in zartem Gelb mit weißen Stuckaturen steige ich aus.

Statt der erwarteten leckeren Gerüchen nach Gänsekeule, Paprikás oder gegrilltem Zander steigt mir feuchtwarme Luft in die Nase. Mein neuer Freund hat die Schachpartie ins Széchenyi Heilbad verlegt. Gut, dass ich in der Eile meinen Bikini noch in der Tasche habe.

Einige Frauen und Männer drängen sich um die auf dem Wasser liegenden Bretter. Die kühle Abendluft lässt Dampf aufsteigen. Mit schelmischem Lächeln zieht Herr Kovács sein Pferd bedrohlich nah an meinen König und fragt: „Und Frau Polgar, was nun?“ Der Name des Schachgenies Judit Polgar treibt mir die Röte ins Gesicht. Und, Sakk matt! –

Krönender Abschluss dieses reichen Tages ist das nahe gelegene Gundel. Es gehört zu Budapest wie das Sacher zu Wien und zählt bis heute zu den feinsten Adressen der Stadt was das Essen anbelangt. Ein Portier in Livree mit purpurner Schulterpaspel öffnet die Tür zu dionysischen Tafelfreuden. Jó étvágyat! (Guten Appetit!)

Text und Fotos: Anne Kotzan

Weitere Informationen

Infos Budapest (0036-1)
Ab Anfang April bis Anfang November verkehren täglich Tragflügelboote zwischen Wien und Budapest, Mahart Tours Budapest, Tel.: 3187740, www.mahart.hu. Flusskreuzfahrten verbinden Passau und Budapest, Auskunft in allen Reisebüros. Lufthansa und die ungarische Malév fliegen täglich nach Budapest, ab Köln auch Germanwings.

Informationen erteilt das Ungarische Tourismusamt in Frankfurt, Tel.: 069/9288460 oder www.ungarn-tourismus.de oder in Budapest: tourinform, Süto utca 2 (Zentral, Nähe Deak tér), Tel: 4388080, tägl. von 8-20 Uhr, suto@budapestinfo.hu oder Liszt Ferenc tér 9-11, Tel: 3224098, tägl. 12-20 Uhr, liszt@budapestinfo.hu, www.budapestinfo.hu

Hotels
Four Seasons Hotel Gresham Palace, edle Schlichtheit zeichnet das jüngst renovierte Hotel aus, vor allem nachts ein herrlicher Blick auf das erleuchtete Panorama von Kettenbrücke und Burg, Roosevelt tér 5-6, Tel.: 2686000, DZ ab 195,- €
Kempinski Hotel Corvinus, das 5-Sterne Haus liegt im Herzen der Stadt und bietet zum Liszt-Jahr 2011 besondere Zimmerangebote. Hervorragend ist das Frühstücksbuffet, außerdem beherbergt es das einzige Nobu-Restaurant in Zentraleuropa. Erzsébet tér 7-8, Tel: 4293777
Danubius Hotel Gellért, eleganter Jugendstilbau mit glanzvoll historischer Atmosphäre und dem berühmten Heilbad, hier wird Wellness groß geschrieben. Tel.: 8895500, DZ ab 150,- €,
Corinthia Grand Hotel Royal, die Fassade mit dem Charme der k. und k. Zeit verbirgt ein frisch modernisiertes 5-Sterne Hotel im Zentrum der Stadt, Erzsébet körút 43-49, Tel.: 4794000, DZ ab 140,- €.
art’otel Budapest, ein stilvolles Hotel mit herrlichem Blick über die Donau auf das Parlament, Tel: 4879487, DZ ab 66,- €

Restaurants
Gundel, traditionsreichste und feinste Adresse der Stadt mit romantischem Garten. Berühmt für seine hauseigenen Originalrezepte wie Gundel-Palacsinta (Palatschinken), Tel.: 4684040,
Mátyás Pince, für Gäste, die es gerne typisch ungarisch mit Zigeunermusik haben, empfehlenswert ist die Gänsekeule, Tel.: 3181693.
Columbus Hajó, Restaurant, Bar und Jazz-Club mit Life-Musik auf einem Donauschiff, Tel.: 2669013.
Erstes Pester Strudelhaus, hier dreht sich alles um Strudelgerichte, ob süß oder salzig. Man kann sogar Glück haben und eine Vorführung des hauchdünnen Teiges sehen. October 6. utca 22, Tel: 4280134, www.reteshaz.com
Kleine nette Restaurants und Cafés findet man am Liszt Ferenc tér und in der Ráday utca.

Große Markthalle, auch wenn man nur schauen möchte, unbedingt ein Erlebnis. Vámház körút 1 (direkt an der Szabadság híd/Freiheitsbrücke).

Maßangefertigte Schuhe: Vass Cipobold, Haris köz 2, Tel.: 3182375, hier werden Schuhklassiker für Sie und Ihn noch handgefertigt.

Antiquitätenläden gibt es in der Falk Miksa utca und das kostbare Herender oder Zsolnayer Porzellan in der Kígyó utca 4 und 5.

Das Musik-Frühlingsfestival findet noch bis zum 3. April statt. Im Mai gibt es zum diesjährigen Liszt-Jahr einen Liszt-Marathon, Info bei Tourinform.

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