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Dänemark / Halbinsel Djursland: Die Nase im Meereswind

Malerische Landschaften hinter weißen Sandstränden, belebt von urigen Dörfern und charmanten Kaufmannsstädtchen. So einfach ist das Rezept von Dänemarks Halbinsel Djursland für perfekte Ferientage.

Beliebtes Urlaubsziel in Dänemark: die Halbinsel Djursland mit ihren urigen Dörfern (Foto: Sabine Mattern)
Ebeltoft, Djursland, Dänemark

Über zahllose Brücken und Fähren miteinander verbunden, verteilt Dänemark seine zerfledderte Landmasse zwischen Nord- und Ostsee – als schwer zu überblickendes Nebeneinander hunderter Inseln und „Beinahe-Inseln“, wobei einzig Jütland den Kontakt zum Kontinent hält. Zwischen der deutschen Grenze bei Flensburg und Grenen hoch im Norden zeichnet die Halbinsel ihre unverkennbare Silhouette ins Meeresblau: ein langgezogener Kopf, das Gesicht dem schwedischen Nachbarn zugewandt. Und wie ein knubbeliges Etwas sitzt dort mittendrin Djursland, Jütlands markante Nase.

Auch Djursland ist eine Halbinsel, gesäumt von 250 sagenhaft schönen Küstenkilometern, wo Angler auf steinigen Ufern und Badende an weißen Puderstränden ihr Glück finden. Und abseits des Meeres? Da bedecken Wälder, Felder und Obsthaine das Hügelland, unterbrochen von verträumten Städtchen und prächtigen Landsitzen. Als beliebte Feriendestination führt Djursland zudem eine ganze Riege aufregender Familienattraktionen ins Feld, die vom Vergnügungs- bis zum Safaripark reichen. Was die Halbinsel im Kattegat gar nicht nötig hätte, denn ihr größter Schatz ist die Natur.

Einladung zum Baden: Grenaas weiter weißer Sandstrand (Foto: Sabine Mattern)
Grenaa Strand, Djursland Dänemark

Nationalparkabenteuer in Wanderschuhen

Besonders der Süden der Region weckt unsere Lust auf Open-Air-Erlebnisse. Auf 180 Quadratkilometern breitet sich dort der Nationalpark Mols Bjerge mit Wald- und Heideflächen, mit Weide, Moor und Küste aus. Eine in grauer Vorzeit von Eis und Wasser geformte Landschaft, die erwandert werden will. Dabei perfekt für ein Kennenlernen: eine Tour zur Schlossruine von Kalø, die in der Egens Bucht wie ein verfaulter Zahnstumpf auf einem einsamen Inselchen nistet.

Hinter einem roten Viehgatter an der Gastwirtschaft Kalø Slotskro schält sich der anderthalb Kilometer lange Weg dorthin durch Wiesen, bevor er sich als wenig Schuh schonende Pflastersteinpiste über einen mittelalterlichen Damm fortsetzt. Gerade am Wochenende ist hier viel los. Menschen mit Picknickkörben balancieren, rechts und links von schmalen Strandstreifen begleitet, über dicke Steine – vorbei an einer vagabundierenden Kuhherde, die durchs seichte Wasser stapfend zwischen Fest- und Eiland pendelt, immer auf der Suche nach dem saftigsten Gras. Auf der Insel angekommen, erklimmt der Weg in weitem Bogen den Hügel, auf dem König Erik Menved Jütlands Bauern als Strafe für ihren Aufstand 1313 seine Burg errichten ließ. Oben werden schnell die Picknickdecken ausgebreitet und von der Ruine die Aussicht bewundert.

Wandern im Nationalpark Mols Bjerge: Zur Schlossruine von Kalø, die auf einem Inselchen thront, führt ein mittelalterlicher Damm (Foto: Sabine Mattern)
Djursland, Schlossruine von Kalø

Einfach nur schön: das Städtchen Ebeltoft

Bis ins nicht allzu ferne Ebeltoft, das innerhalb der Nationalparkgrenzen liegt, reicht der Blick dann aber nicht. Als Kontrastprogramm zur meditativen Stille von Mols Bjerge geht’s in dem alten Handelstädtchen gerade im Sommer hoch her. Direkt am Wasser zieht es Urlauber in den Museumshafen, wo die historische Fregatte Jylland im Trockendock liegt, und ins moderne Glasmuseum nebenan, in dessen Garten Glasbläser in der Hitze einer Werkstatt ihr Handwerk demonstrieren. Wer sich für die fragilen Produkte interessiert, muss in Ebeltoft übrigens nicht lange suchen. Inspiriert vom Licht und den Farben Djurslands, haben hier gleich mehrere Künstler mit ihren Ateliers ein Zuhause gefunden.

Glasbläser bei ihrer hitzetreibenden Arbeit ...
Glasmuseum, Ebeltoft
... im modernen Glasmuseum in Ebeltoft
(Fotos: Sabine Mattern)
Glasmuseum, Ebeltoft

Hinter der Hafenmeile spannt sich Ebeltofts Altstadt auf, ein Postkartenmotiv aus verwinkelten Gassen, schiefem Fachwerk und dem angeblich kleinsten Rathaus der Welt. Eine gerade Straße, die mehrfach ihren Namen wechselt, verläuft parallel zum Meer durch den Ortskern. Im unteren Teil folgen dem holprigen Weg niedliche Häuser, vor deren Fassaden eine Armee mannshoher Stockrosen aus den Ritzen zwischen dem Pflaster wächst und das Bild einer ruhigen Dorfidylle komplettiert. Erst am Marktplatz, an dem seit 1789 Det Gamle Rådhus thront, wird’s touristischer. Mit Läden und Restaurants, in denen die heimische Küche probiert werden kann.

Dorfidylle in Ebeltoft ...
Ebeltoft
... und mit aktivem Fischereihafen
(Fotos: Sabine Mattern)
Ebeltoft, Fischereihafen

Kulinarik des Nordens

Auch anderswo auf Djursland ist die Speisekammer mit besonderen Produkten wohl gefüllt, und etliche lokale Hersteller versorgen die Feinschmeckerrestaurants mit ihren Rohwaren. Besonders originell: das noch junge Unternehmen Nordisk Tang, das aus vor skandinavischen Küsten wachsendem Tang Delikatessen macht. „Algen sind sehr proteinreich, enthalten viele Mineralien und Vitamine“, erklärt Bjarne Ottesen. Und einen Schutz vor verschiedensten Krankheiten attestiert der Entwicklungschef dem maritimen Gemüse, das sich roh, gekocht, gebacken, getrocknet oder frittiert genießen lässt, auch.

Algen: vitaminreiche Delikatesse aus dem Meer (Foto: Sabine Mattern)
Algen, Djursland

Nordisk Tang hat seinen Firmensitz am Rande Grenaas, wo Besuchergruppen nach Anmeldung gern mal hinter die Kulissen gucken dürfen und auf Regalen neben Pesto, Senf, Öl auch Schnaps aus Algen entdecken. Das Spannendste ist aber sicher der praktische Teil der Besichtigungsrunde, wenn die Gruppe zum Leuchtturm Fornæs Fyr zum Algenernten fährt. Bjarne macht es vor. Bis zur Brust steckt er in olivgrünen Watthosen, als er vom steinigen Strand ins Wasser watet. Hinter sich her zieht er eine Wanne, mit einer Leine um den Bauch gebunden, die bald wie ein Spielzeugbötchen in den Wellen schaukelt. „Die Algen werden von Hand geerntet“, weiß Bjarne und schneidet ein Büschel Tang mit der Schere ab. Wobei der größte Teil seiner Ausbeute in die Wanne wandert, der Rest in unsere Mägen.

Grandiose Aussicht: auf den flachen weißen Strand von Bønnerup (Foto: Sabine Mattern)
Bønnerup Strand

Genauso köstlich wie Dänemarks Algen schmeckt auch sein Fisch. Und so verschlägt es nicht nur Einheimische nach Bønnerup an Djurslands Nordküste, wo sich täglich in der gemütlichen Atmosphäre eines aktiven Fischereihafens fangfrischer Fisch kaufen und essen lässt. Wie Krebsscheren umrahmen zwei lange Piers den Hafen und bieten eine willkommene Gelegenheit für einen Verdauungsspaziergang. Man teilt sich den Weg über die Mole, auf der Angler geduldig den Tag verbringen, mit riesigen Windrädern, deren Flügel unter stetigem Raunen die Luft zerschneiden. Am Pierende dann eine Plattform mit Bänken. Und einer grandiosen Aussicht: auf den flachen weißen Strand und auf das Ende des Meeres, wo eine tiefdunkle Linie den Himmel vom Wasser trennt und gerade der weiße Fleck eines Segelbootes ein Loch in den Horizont brennt.

Text und Fotos: Sabine Mattern
Die Reise wurde unterstützt von VisitDjursland und VisitDenmark.

Informationen

Unterkunft
In reizvoller Lage von Femmøller Strand steht das Badehotel Molskroen für luxuriöses Wohnen und erstklassiges Speisen. www.molskroen.dk

Das Gros deutscher Dänemark-Urlauber logiert in Ferienhäusern, die man in verschiedensten Preisklassen z.B. über Novasol (www.novasol.dk) oder Dansommer (www.dansommer.dk) buchen kann.

Mit hübschen Ferienwohnungen direkt am Wasser ergänzt das Ebeltoftstrand sein Hotelangebot. www.ebeltoftstrand.dk

Essen und Trinken
Als klein, aber fein erweist sich die Speisekarte im „Stockfleth“, dessen Gäste im modernen Ambiente köstliche Fleisch- und Fischgerichte genießen. Das Restaurant am Ebeltofter Fischereihafen ist beliebt, eine Reservierung empfiehlt sich. www.restaurantstockfleth.dk

Fisch satt gibt es bei „Frisk Fisken“ in Grenaa. Das sehr einfache Lokal serviert neben einem tollen Hafenblick Fangfrisches vom Tag zu zivilen Preisen. www.friskfisken.dk

Nordisk Tang
Wer Lust auf eine Führung durch den Betrieb mit anschließender Algenernte hat, muss sich anmelden. www.nordisktang.dk

Infos
Wissenswertes über die Region unter www.visitdjursland.com