Eastern Oriental Express

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Mit dem Eastern & Oriental Express ab Bangkok durch Südostasien

Reisen wie zu Kolonialzeiten oder die Leichtigkeit des Seins

Ratternd schiebt sich der Luxuszug im angenehmen Reisetempo durch den südostasiatischen Dschungel von Thailand durch Malaysia nach Singapur, vorbei an Palmenhainen, Reisfeldern und kleinen Dörfern.

Einheimische stehen staunend am Straßenrand und winken den prächtigen grün-goldenen Wagen zu, die an ihnen wie aus einer anderen Welt vorbeiziehen. Auf dem offenen Panorama-Wagen wird nun Champagner serviert, man genießt das Flair der sanften Fortbewegung durch die urwüchsige Landschaft. Der Eastern & Oriental Express, sicherlich eines der spektakulärsten Fortbewegungsmittel zwischen Bangkok und Singapur auf dem Weg durch Malaysia. Mit ihm bin ich aufgebrochen, um Reisen zu genießen, wie es meine Vorfahren im 19. Jahrhundert taten. Und wahrlich, ein koloniales Flair breitet sich aus, wenn die meist in tropische-leichtem weiß gekleideten Passagiere mit einem Glas prickelndem Schaumwein jener ländlichen Bevölkerung zuprosten, die sich am Wegesrand zum Gruß eingefunden hat. Die Dekadenz dieser skurrilen Leichtigkeit des Seins erzeugt den Rausch der Extravaganz.

An Bord des Eastern Oriental Express fließt der Champagner in Strömen (Foto: Philip Duckwitz)

Luxus und Lebensfreude von Anbeginn der Reise – Start in Bangkok

Luxus und Wohlgefühl sind es, die meine Reise in Südostasien kennzeichnen. Bereits in der Heimat beginnt diese Pracht, ich schwebe mit der türkischen Airline über Istanbul als Stadt des originalen Orient Express in bequemen Sesseln, einem umfangreichen Unterhaltungsprogramm an Bord bei außerordentlich umsorgender Betreuung ausgeruht und sanft in der Thai-Metropole Bangkok ein.

Hier pulsiert das Leben in einer bunten, aber nicht unangenehmen oder unsicheren Atmosphäre. Die Freundlichkeit der Thailänder ist auffällig liebenswert und dezent, wie man sie in kaum einem anderen asiatischen Land antrifft. Dem Sinn nach Lifestyle folgend begebe ich mich auf Spurensuche nach der Landesküche und ihren Wurzeln und Zubereitungsarten. Wie gut dass ich eine Reiseleiterin an meiner Seite habe, denn der Weg zum bekannten Nang Loeng Market gestaltet sich im Großstadtgewirr schwieriger als erwartet. Ich durchquere Chinatown, ein Muss für jeden Bangkok-Besucher.

Auf Bangkoks Straßen pulsiert das Leben Tag und Nacht (Foto: Philip Duckwitz)
Einkaufen in Bangkok

Denn gerade das Markttreiben auf den Straßen und in den endlosen Markthallen dieses kaum zu verfehlenden Viertels mit seinen markant-chinesischen Fassaden ist sehens- und erlebenswert. Hier wird alles feilgeboten, das verkäuflich ist. Von eigentümlichen Gewürzen, Tee, Kräutern bis zu ungewohnten Fleischwaren, Gemüse, Obst und Kleidung Kunst und Kitsch. Es scheint das Paradies der Plastikwaren zu sein. Mir wird es schnell zu viel, daher setze ich meinen Weg fort zum  Nang Loeng Market, der im Gegensatz zu Chinatown nun tatsächlich von Thais dominiert wird und ein reiner Speisen-Markt ist.

Ruhiger, leiser, dezenter geht es hier zu, aber keineswegs leblos. Da wird gekocht und gebrutzelt, mitten im Geschehen kann man an sauberen Tischen Platz nehmen und die frisch zubereiteten, meist sehr pikanten Speisen zu sich nehmen. Exotische Zutaten gestalten die thailändische Küche zu einem besonderen Geschmackserlebnis mit fruchtigen, scharfen und sehr aromatischen Bestandteilen. Curry spielt dabei eine zentrale Rolle. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Fisch-Curry mit Ingwer-Vinaigrette? Oder eine in Bambusblätter gerollte Paste aus Schweinefleisch mit Reis, Curry und Kokosschaum? Dazu geschmortes Thai-Gemüse aus Wasserspinat und Baby-Paksoi. Ein Rinder-Curry mit Süßkartoffel-Kruste und eine Thai-Suppe mit roten Bohnen und Huhn an Soja runden die Mahlzeit ab. Das Dessert ist für europäische Zungen sicherlich gewöhnungsbedürftig. Denn eine Reispraline mit geröstetem Fisch und karamellisiertem Zucker sind nicht jedermanns Geschmack, in Thailand aber eine Spezialität.

Bangkoks Küche erlebt man am intensivsten beim Streetfood (Fotos: Philip Duckwitz)

Gut gesättigt setze ich meine Erkundungstour durch Bangkok fort. Unweit des großen Palasts, der nicht nur ein beliebter und sehenswerter Anziehungspunkt für Touristen ist, sondern auch der Sitz des kürzlich verstorbenen Königs war, befindet sich der Blumenmarkt. Duftig geht es hier zu und das Auge findet eine wahre Farbenpracht vor. Denn frische Rosen, Lilien oder Zweige des gelben Chaiyabruk-Baums finden sich hier ebenso wie der pinkfarbene oder weiße Lotus. Hibiskus, goldener Torch und Orchideen dürfen nicht fehlen. Blumige Gedanken kommen mir als Besucher dieses Marktes ob der wahren Blütenpracht in diesen Hallen.

Kaum habe ich diese verlassen, gerate ich erneut ins Staunen. Denn um die nächste Ecke herum entdecke ich eine Straße von Läden mit Buddhafiguren in allen Größen und Farben. Hier ist das Viertel, in dem diese Figuren in Bangkok hergestellt werden, erklärt mir Reiseleiterin Phum. Was für den Thailänder von Kaufinteresse ist, erzeugt bei mir als Besucher der Metropole den Reiz eines Museums. Ob groß und golden oder klein und filigran verarbeitet, alle Buddhas, Tempelwächter und Figürchen buddhistischen Glaubens finden sich hier. Reisende mit Hang zum Kitsch und Sammelleidenschaft dürften hier ihre wahre Freude haben.

Din eindrucksvolles Erlebnis: Eine ganze Straße voller Buddhas Figuren (Fotos: Philip Duckwitz)

Nach einem derart ereignisreichen Vormittag gelange ich zur Hualampong Station, wo mein Zug, der Eastern & Oriental Express, bereits zur Abfahrt wartet und das Luxuserlebnis für die Reisenden vorbereitet ist. Ein eigener Wartesaal steht mit seinen Annehmlichkeiten bereit die Passagiere zu empfangen, bevor es dann endlich an Bord des Zuges geht.

Der Eastern Oriental Express erwartet den Reisenden auf Bangkoks Bahnhof (Foto: Philip Duckwitz)
Freundliches Check-in
Los geht es in Bangkok

Der Zug, der Luxus und sein Erlebnis

17 Wagen unterschiedlicher Klassen für rund 80 Gäste treffe ich in dem 1972 in Japan gebauten Zug an, dazu ein Barwagen mit Piano-Bar, einen Restaurant-Wagen mit zwei Speise-Abteilen, und ein „Panorama-Wagen“, der sich am Ende des Zuges befindet und halboffen ist. Auch hier befindet sich eine Bar mit einem luxuriös gehaltenen Salon. Das Interieur des Zuges ist in vornehmen, dunklen Holzverkleidungen gehalten, Lampen, die dem Jugendstil nachempfunden wurden und gediegenes Licht verbreiten, ausladende Sessel mit kleinen Tischchen in den Barwagen, rote Lämpchen auf den Tischen und goldene Verzierungen allerorts.

Meine Kabine ist die kleinste Kategorie und nennt sich Pullman Cabin. Auf nur 5 Quadratmetern finde ich als Einzelreisender hier alles, was einen Aufenthalt angenehm gestaltet. Mein Bett ist tagsüber ein bequemes Sofa, dafür sorgt der Porter, der mit rund um die Uhr zur Verfügung steht und morgens aus meinem angenehmen Schafgemach eine Sitzgelegenheit formt. Ein Tisch, sogar ein kleiner Schrank und ein Gepäckfach sorgen für das Gefühl von Raum. Das zugehörige Bad überrascht mich mit seinen großzügigen Ausmaßen.

Luxuriös geht es in den Zug-Kabinen zu (Foto: Philip Duckwitz)
Eine luxuriöse Zug-Kabine

Paare reisen hier noch bequemer in einer State-Cabin, in der die Betten nebeneinander platziert sind und die mit 7,8 Quadratmetern genug Raum für einen angenehmen Aufenthalt bieten. Erlaubt es das Budget, lässt sich natürlich in einer Presidental Cabin reisen. Immerhin bieten sich hier dem Gast auf 11,6 Quadratmetern gleich zwei Räume mit einer großen Sitzecke und weiten Fenstern.

Der Zug ist das Erlebnis, die Reise das Ziel, denn diese spezielle Art der Fortbewegung bedarf des permanenten Genusses. Zu kostbar ist die Zeit von drei Tagen, als sie mit Schlaf in der Kabine zu verbringen. Ich beschließe, die Umgebung zu erkunden. Nicht ganz einfach, denn man muss wie in jedem anderen Zug auch, enge Gänge hinauf und hinablaufen, Wagen durchqueren und sich an den Wagen-Buchstaben orientieren, um am Ende wieder in seine Kabine zu gelangen. Adrett gekleidetes Personal in trachtenähnlicher Uniform begleitet den Zug und sorgt für eine ausgesprochen freundliche Stimmung mit Wohlfühlcharakter. Hier lässt es sich reisen.

Auch der Speisewagen vermittelt einen Eindruck von der Pracht des Zuges (Foto: Philip Duckwitz)
Speisewagen Eastern Oriental Express

Personen und Persönlichkeiten – mondäne Welt

Eine Fahrt mit dem Eastern Oriental Express wäre kein Erlebnis, träfe man nicht Mitreisende und Persönlichkeiten, denen man an keinem anderen Ort der Welt so nah begegnen könnte wie hier. Da ist zunächst mal der aus Singapur stammende Piano-Man Peter Consigliere, der seit 20 Jahren die Reisenden abends in der Bar mit Swing, Jazz und Evergreens unterhält und für eine mondäne Stimmung im Stil der 20er Jahre sorgt. Immer stilecht gekleidet mit Fliege und Tuxedo, passt er ausgesprochen gut in das Ambiente. Seine raue Stimme, mit der er seine Stücke begleitet, erweckt das Gefühl, man befinde sich in einer New Yorker Bar, in der Louis Armstrong sein Stelldichein gäbe. Seine Lieder reißen die Zuhörer mit, heben die Stimmung, Ausgelassenheit breitet sich rasch aus.

Der Champagner und andere geistreiche Getränke fließen in Strömen, ohne die Atmosphäre ins vulgäre abgleiten zu lassen. Erhabenheit und Hochklassigkeit, ein britisches Understatement ist an Bord selbstverständlich, in der Kommunikation gehört das stets zum guten Ton.

Im Salonwagen unterhält Piano-Man Peter Consigliere die Reisenden (Foto: Philip Duckwitz)
Piano im Salonwagen

Und so ist es auch kaum verwunderlich, dass die meisten Gäste aus England stammen. Da ist der alte englische General mit seiner Frau, der noch einmal auf den Spuren der englischen Soldaten des II. Weltkriegs wandeln will, wenn er nicht sogar selbst dabei war. Das englisch-bayerische Paar, das eigentlich in Frankreich lebt und diese Reise als Abschluss einer großen Asien-Tour erlebt. Ich treffe das Schweizer Ehepaar, das amüsanterweise aus dem Ort Zug stammt und sich für Zugreisen begeistert. Es unternimmt diese Reise als erste Tour durch Asien, bevor es weiter nach Australien zur Zugreise und zum Abschluss mit der Transsibirischen Eisenbahn Richtung Heimat geht.

Auch der Mittfünfziger Neuseeländer ist ein Unikum mit seiner viel jüngeren Frau, der einfach nur noch das Leben in nur sprichwörtlich vollen Zügen genießen möchte und ebenfalls ein echter Zug-Fanatiker ist. Manch ein Hochzeitspaar, wie ein Londoner Pärchen befindet sich hier auf Flitterwochen und genießt in dieser einzigartigen Atmosphäre die Vergangenheit, bevor es erfüllt in die Zukunft startet. Hier treffen Nationen und Charaktere aufeinander, die ganze Welt scheint hier auf engem Raum für ein paar Tage zu Hause zu sein. Geschichten und Geschichte finden hier ihren Einklang, die Realität bleibt außen vor, wie eine Reise durch die Zeitlosigkeit begegnet mir die Fahrt – es ist die temporäre Leichtigkeit des Seins.

Ausgelassen vergnügt sich die Society im Zug (Foto: Belmond)

Erster Stopp – Kanchanburi und die Legende vom River Kwai

Der Eastern & Oriental Express wird von Engländern sicherlich nicht zuletzt wegen des für sie so bedeutenden Stopps in Kanchanburi frequentiert, nahe der thailändisch-burmesischen Grenze am berühmten River Kwai und einer der 70 Brücken, die von englischen Soldaten in japanischer Kriegsgefangenschaft hier erbaut werden mussten. Wir halten an und landen dennoch nicht etwa in der Gegenwart. Die blutige Geschichte des II. Weltkriegs soll hier nahe einer der letzten noch erhaltenen Eisenbrücken, die von englischen Kriegsgefangenen gebaut wurde, aufgearbeitet werden.

Man begibt sich auf eine Holzbake auf dem Kwaeh Yai River. Entlang der Ufer sieht man nun typische Holz-Hausboote, wie sie in der Gegend nahe der burmesischen Grenze üblich sind, teils bunt, teils braun. Ein gigantischer Tempel erhebt sich aus dem Dunst des Flusses am Horizont. Ein Historiker beginnt an Bord der Barke eine große Landkarte auszurollen, auf der die Invasionsbestrebungen der Japaner eingezeichnet sind. Nun wird Geschichtsunterricht im Stil englischen Militärs vermittelt, die eigentlich schöne Umgebung der Flusslandschaft sinkt in die Bedeutungslosigkeit, die Zugreiseschar lauscht den Worten ihres Geschichtslehrers.

Der einzige japanische Gast an Bord folgt der deutlich englischlastigen Geschichtsdarstellung mit zusammengekniffenen Augen und Lippen, wird er doch gerade als Bösewicht dargestellt.

Am River Kwai ist die Vergangenheit erlebbar (Foto: Philip Duckwitz)
Die Brücke über den River Kwai

Wir erreichen das Ufer und begeben uns zum nahen Thailand-Burma-Railway-Museum, in dem die alte Geschichte noch einmal plastisch aufgerollt wird. Der angrenzende Militärfriedhof bildet für viele der Zugreisenden ein Ziel, hier nach Angehörigen zu suchen. Ich konzentriere mich da eher auf die Umgebung der Landschaft so nahe der Grenze zu Myanmar, das früher Burma hieß.

Zeit, in die Gefilde des Zugs zurückzukehren. Hier wird jetzt das Mittagessen gereicht, in zwei Seatings, wie es auch auf Kreuzfahrtschiffen meist der Fall ist. Drei Gänge sind selbst mittags obligatorisch. Der griechisch-französische Chefkoch Yannis Martineau vollbringt mit seiner vierköpfigen Mannschaft in der engen Zugküche wahre Wunder. Ein gerolltes Masala-Huhn mit Wasserspinat auf Kürbisnudeln, gefolgt von grünem Curry an thailändischem Gemüse und Jasmin-Reis, abgeschlossen mit Bananen-Eiscreme und Lychee auf Johannisbeer-Waffeln erfreuen das Herz des kulinarischen Genießers, während er die Landschaft mit Reisfeldern und Palmenhainen an sich vorbeiziehen lässt.

Kulinarische Köstlichkeiten erwarten den Gast zu jeder Tageszeit (Fotos: Philip Duckwitz)

Die Ubudiah Moschee und die Sultan Shah Galerie in Kauala Kangsar/Malaysia

Nach einer zunächst recht gewöhnungsbedürftigen Nacht im ratternden und wackelnden Zugbett passiert man am Morgen die Grenze zu Malaysia. Ist der Grenzverlauf selbst recht unscheinbar, ändert sich die Architektur und das Landschaftsbild sofort deutlich.

Bergig und wild kommt die Szenerie nun daher, sumpfig und wasserreich die Umgebung der Gleise, Reisfelder und Schilfhaine prägen die Region. Sogar ein Krokodil und Affen entdecke ich im Vorbeifahren. Moscheen mit goldenen Kuppeln ersetzen die vormals prächtigen, buddhistischen Tempel am Streckenrand. Wir erreichen Kuala Kangsar, unseren nächsten Stopp. Doch auch hier soll uns die Gegenwart nicht einholen.

Weithin sichtbar ist bereits die Ubudiah Moschee, mit ihrer markanten, goldenen Kuppel und den schwarz-weiß-gestreiften Minaretten, die 1913 im maurischen Stil erbaut wurde. Die Moschee gilt als Wahrzeichen der alten Königsstadt in Nordmalaysia. Wir passieren den Fluss Sungai Kangsar mit seinen wilden Ufern, der hier in den Sungai Perak mündet, bevor wir zum Hügel gelangen, auf dem die Moschee liegt. Wie aus tausend und einer Nacht kommt das imposante Gotteshaus daher. Es wurde während der Herrschaft von Sultan Idris Shah Murshidul Adzam errichtet, der nach einer Krankheit beschwor, er werde die Moschee bauen lassen, wenn er wieder gesund würde. Leider erlebte er die Fertigstellung nicht mehr. In dem Wissen, dass seine Tage gezählt waren, gab er die Planungen für die Ubudiah Moschee in Auftrag.

Es sollte das schönste und prunkvollste Gebäude der Stadt werden. Beauftragt wurde der britische Architekt Arthur Benison Hubback mit der Ausarbeitung der Konstruktionspläne. Sein Können hatte er bereits bei der Projektierung des alten Bahnhofs von Kuala Lumpur und des Bahnhofgebäudes der Stadt Ipoh unter Beweis gestellt. Der Architekt verband in der Gestaltung der Ubudiah Moschee maurische und indische Elemente zu einer Einheit und schuf auf diese Weise ein bemerkenswertes Bauwerk, das bis heute zu den schönsten Moscheen weltweit gehört. Nach Unterbrechungen durch den Ersten Weltkrieg erfolgte die Einweihung der Moschee schließlich im Jahr 1917; 2002 wurde sie auf Geheiß des damaligen Sultans renoviert.

Erfüllt von der prächtigen Bauweise sehe ich mir den nahegelegenen Palast Istana Kenangan an, in dem heute das Royal Museum von Perak untergebracht ist. Dieser Palast wurde 1931 errichtet, damals eigentlich als Übergangslösung. Der Palast wurde ohne Nägel und Schrauben errichtet, nur aus Bambuswänden. Einzigartig sind auch die pittoresken Holzverzierungen an der Außenseite des Gebäudes.

Zuletzt gelangen wir zur bekannten Sultan-Azlan-Shah Galerie. Dieser war es auch, der 2003 dieses Gebäude eröffnete, obwohl das Hauptgebäude bereits 1903 errichtet wurde. Zu sehen sind in dem prachtvollen Gebäude Sammlungen und Utensilien des inzwischen verstorbenen Sultans aus seiner Zeit als König. Das 28 Millionen Einwohner zählende Malaysia ist eines der wenigen Länder mit einer konstitutionellen Wahlmonarchie. Alle 5 Jahre wechselt hier der König, der Yang di-Pertuan Agong genannt und aus der Reihe von neun Adelsträgern ernannt wird. Sultan Muhammad V. ist seit dem 13. Dezember 2016 König von Malaysia.

Die Dekadenz des Sultan-Palastes und seiner ausgestellten Utensilien ist unverkennbar, darunter einige Rolls-Royce und andere Luxus-Karossen, Gold und Glitzer im Überfluss in einem Land, das als Schwellenland gilt. Auch für den kurzen Moment meines Aufenthalts lerne ich die sanfte Freundlichkeit der Malayen kennen und schätzen. Eine Stippvisite ist sicherlich nur ein Augenblick des Einhalts, doch der Wunsch, Malaysia erneut zu besuchen, erwächst bereits in diesem kurzen Zeitraum in mir.

Moschee und Palast: Erhabenheit und Luxus strahlen die Ubudiah Moschee und die Sultan Shah Galerie in Kauala Kangsar aus (Fotos: Philip Duckwitz)

Denn schon wenig später setzt sich die Reise in meinem Luxus-Zug fort. Ich genieße Ausblicke auf die malayische Landschaft und lasse die Tage an Bord des Eastern & Oriental Express gedanklich an mir vorbeiziehen.

Monthy serviert ein fantastisches Frühstück in der Kabine (Foto: Philip Duckwitz)

Schon morgen werde ich Singapur als Endstation meiner Reise erreichen. Davon ist an Bord jedoch nichts zu spüren. Das pralle Leben und die heitere Eleganz verströmen eine lebendige Atmosphäre durch alle Waggons.

Und so erreiche ich am kommenden Tag die malaysische Grenze. Noch einmal serviert mir Porter Monthy morgens im Anblick vorbeirauschender Palmenhaine ein köstliches Frühstück in meiner Kabine, bevor wir in Singapur am Bahnhof Woodlands eintreffen und es nach dieser atemberaubenden Zeitreise Lebewohl und Rückkehr in die Realität heißt.

Singapur - der multikulturelle Charme des Größenwahns

Singapur ist eine pulsierende Metropole, ein Stadtstaat am Zipfel Malaysias, benannt nach ihrer Sanskrit-Bedeutung „Löwenstadt“. Es war und ist ein Handelsplatz, einst gegründet von Thomas Stamford Raffles als Handelsagent der Ostindien-Kompanie und seit 1867 britische Kronkolonie. Erst 1965 erlangte Singapur die Unabhängigkeit. Was macht nun eine Nation, die ob der vielen Nationen, aus denen sie sich gründete – vor allem Chinesen, Inder und Malayen – kein gemeinsames Wahrzeichen hat, keine gemeinsame Geschichte? Was tun, wenn außer ein paar architektonischen Wundern, wie dem Marina Bay Sands Hotel als weithin sichtbares Bauwerk auf drei Stelzen mit dem welthöchsten Infinity-Pool auf dem Dach, dem historischen Raffles-Hotel, einem wasserspeienden Löwen und den muschelartigen Gardens by the Bay kaum etwas Markantes bleibt, das die Stadt auszeichnet?

Man beauftragt eine Marketing-Firma, ein gemeinsames Wahrzeichen zu finden, das sich besonders gut vermarkten lässt. So geschehen 1981, als die Orchidee zum Wahrzeichen des Stadtstaats erhoben wurde. Seither rollt der Singapore-Dollar in der Vermarktung jener Blume, die sich im Botanischen Garten auf 67 Hektar in 3000 Varianten bewundern lässt. Und in allen Variationen kann man sie als Souvenir mit nach Hause nehmen.

Das seit 1964 geltende eigentliche Wahrzeichen, der Fisch Merlion, dessen Form der Stadtstaat in etwa hat, ist längst in den Hintergrund getreten. Wer will schon einen Fisch, wenn man eine Blume haben kann?

Singapur zeigt sich von seiner architektonisch-pompösen Seite (Fotos: Philip Duckwitz)

Ein Stoppover in der pulsierenden Metropole, dem südostasiatischen Drehkreuz, reicht aus, um die Stadt kennen zu lernen. Überrascht war ich von der klaren Ansage, die mir das Tourismusamt Singapur auf Nachfrage durch seine deutsche Vertretung deutlich übermittelte, man habe kein Interesse an Stoppover-Touristen.

Doch scheint es tatsächlich so zu sein, als brauche man in dieser Stadt keine Reisenden. Die strikten, oft rigiden Verbote, die man allerorts antrifft und die auch gegen Touristen rücksichtslos durchgesetzt werden, zeugen von einer Kultur, bei der zu hoffen bleibt, dass die Singapurer anderswo in der Welt auf mehr Toleranz treffen, als sie ihren Besuchern entgegenbringen.

Verflogen scheint die südostasiatische Freundlichkeit, die ich in Thailand und Malaysia kennenlernen durfte. Eine gehörige Portion Überheblichkeit der Einheimischen und das Gefühl, hier besser nicht lange bleiben zu sollen, drängt sich mir auf. Singapur lebt eben nicht vom Tourismus, sondern vom Handel und bis diese Blase platzt, die aktuell einen übermäßigen Preisanstieg nach sich zieht, bleibt man auf hohem Niveau und pflegt den Größenwahn.

Die liebenswerte Dekadenz gepaart mit kolonialem Charme, die ich im Eastern & Oriental Express kennenlernen durfte, schlägt hier ins Gegenteil um und zeigt sich in zielgerichtetem Streben nach schnödem Mammon. Erfreut verlasse ich die Stadt schon am selben Tag wieder und träume mich in Gedanken zurück in die schöne Scheinwelt der glamourösen Zugreise der vergangenen Tage.

Eine besondere Reise geht zu Ende (Foto: Philip Duckwitz)

Kurz notiert

Buchung
Die Zugreise kann direkt beim Veranstalter Belmond gebucht werden:
http://www.belmond.com/de/eastern-and-oriental-express

In Deutschland ist auch eine Buchung über den Veranstalter Thomas Cook möglich im Segment Signature Finest Selection:
https://www.thomascook.de/signature/finest-selection
Preisbeispiel: Drei Übernachtungen in der Pullmann-Kabine mit Vollpension, inklusive hochwertigem Qualitätsreiseführer nach Wahl sowie Signature Connected-Service ab 2.186 Euro pro Person. Zum Beispiel am 1. September 2017 bei eigener Anreise.

Flug
Der 12-Stunden-Flug nach Bangkok und zurück von Singapur lässt sich bequem in der komfortablen Business-Class von Turkish Airlines ertragen mit einem Zwischenstopp in Istanbul. Die CIP-Lounge ist hier einen Besuch wert und lässt keinen Luxus vermissen.
https://p.turkishairlines.com

Unterkunft und Aktivitäten in Bangkok
Gut und zentral wohnt man in Bangkok im luxuriösen Boutique-Hotel Ariyasom Villa im gleichnamigen Stadtteil.
http://www.ariyasom.com

Für Aktivitäten unterstützt das Tourismusamt Bangkok gerne seine Besucher:
https://www.tourismthailand.org/About-Thailand/Destination/Bangkok

Citytour in Singapur
Wer in Singapur die Stadt erleben will, sollte sich besser nicht auf das Tourismusamt verlassen. Stattdessen empfiehlt sich eine Buchung der zahlreichen Touren des Veranstalters Viator:
https://www.viator.com/Singapore/d18-ttd

Diese Reise wurde durchgeführt mit freundlicher Unterstützung von Belmond Management Ltd. , Thomas Cook AG und Tourism Authority of Thailan.

Text und Bilder: Philip Duckwitz

Über den Autor

Philip Duckwitz

Der „Journeylist“ Philip Duckwitz arbeitet als freier Journalist und Autor in Köln. Auf seinen Reisen um den Erdball, die er am liebsten in wenig bekannte Länder und Regionen unternimmt, öffnet er seinen Lesern Türen zu unerschlossenen Blickwinkeln. Bekanntes neu entdecken und Neues bekannt zu geben, unter dieser Prämisse reist der Journeylist auf der Suche nach den Schätzen dieser Welt.

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