Griechenland

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Griechenland: Schöne Tage auf Lesbos (Folge 3)

In der letzten Geschichte hatte Günther Mahl von einem Segeltörn in der Türkei berichtet. Auf Lesbos verbringt er erholsame Tage. Und trifft überraschend eine Bekannte wieder

Traumhafte Segeltage längs der türkischen Küste lagen hinter mir, als ich die elterliche Segelyacht auf der Insel Lesbos verließ. Freunden des Wassersports kann ich solch eine Reise nur empfehlen. Herrliche, einsame Buchten, traumhafte Strände und nette Lokalitäten kennzeichnen einen Bootsurlaub in der Türkei. Mittlerweile können auch Segelunerfahrene auf einem türkischen Gulet (in der Türkei gebaute Motorsegler) anheuern und die sogenannte „Blaue Reise“ unternehmen. Allerdings muss man in der Lage sein, sich mit fremden Mitreisenden auf engstem Raum eines Bootes zu arrangieren. Sonst kann der Urlaub zur Hölle werden.
Die schönsten erotischen Erlebnisse lagen hinter mir, als ich die Türkei verließ. Die prickelnden Nächte mit Desiree werde ich wohl nie vergessen. Jetzt war mein Urlaub bis auf einige Resttage zu Ende, und ich wollte mich noch einige wenige Tage auf Lesbos umsehen, um dann mit der griechischen Fähre nach Athen zu fahren. Dort sollte es dann mit dem Zug nach München gehen.

Gedichte über die Liebe
Lesbos reizte mich nicht nur wegen seiner schönen Lage. Auch historisch hat das Eiland einiges zu bieten. Und natürlich schwingt bei dem Inselnamen etwas Erotik mit. Dass Lesbos der Ursprung der weiblichen homosexuellen Liebe sei, ist allerdings blanker Unsinn einiger Chronisten, deren Phantasie wohl etwas überdreht war. Tatsache ist, dass auf Lesbos im 6. Jahrhundert vor Christi eine äußerst gebildete Frau namens Sappho lebte. Sie gehörte der Oberschicht an und dichtete einfühlsame Texte. Es waren gefühlvolle Gedichte über die Liebe, einige davon auch über die Liebe zwischen zwei Frauen. Das war im alten Griechenland allerdings nichts Besonderes und gesellschaftlich damals durchaus akzeptiert. Sappho war mit einem griechischen Kaufmann verheiratet und hatte eine Tochter. Weil ihre Gedichte schon damals sehr beliebt waren, schickten die Eltern der Athener Oberschicht ihre Töchter nach Lesbos. Dort wurden sie von Sappho in der Dichtkunst unterrichtet. Auch Benimm-Regeln standen auf dem Stundenplan. Die gehobenen Töchter sollten so nach dem Willen ihrer Eltern auf die spätere Ehe vorbereitet werden. Ob die Kunst der Liebe ein praktisches Unterrichtsfach war, ist nicht erwiesen. Allerdings ist dies nicht abwegig. Denn im alten Griechenland lebten jede Menge Sklaven. So auch im Haushalt der Sappho. Meist waren diese Sklaven gefangene Soldaten. Welcher Tochter aus der verweichlichten Athener Oberschicht ist da ein kleines Liebesabenteuer mit einem knackigen, durchtrainierten Mann zu verübeln?
Von der Hafenstadt Mythilíni fuhr ich mit dem Bus zum Ort Mólivos, einer der schönsten Ferienorte der Insel. Rund um den Burgberg schmiegen sich entlang schmaler Gassen die vielen schönen Häuser des Ortes. Ich mietete mich in einem kleinen Privatzimmer ein und verbummelte die nächsten zwei Tage am ortsnahen Kiesstrand. Am Abend des dritten Tages wollte ich mit einigen Strandbekanntschaften im nahe gelegenen Hotel zu Abend essen. Zufällig schaute ich zum Rezeptionstisch und erstarrte. Mir schoss das Blut in alle Glieder, mein Atem stockte: Dort stand eine Frau, die sich in meinem Gedächtnis eingebrannt hatte.

Wiedersehen mit Samira
Es war Samira, mein One-Night-Stand aus Izmir. Oftmals hatte ich vergeblich versucht, Kontakt mit ihr aufzunehmen. Schüchtern näherte ich mich ihr und konnte nur ein leises „Hallo“ stammeln. Freundlich und mit ihren sanften Augen lächelnd erkannte mich Samira sofort und sagte: „Ich habe noch bis 23 Uhr Dienst, magst du dich danach mit mir auf ein Bier treffen?“ Und ob ich wollte. Ich nickte heftig. Samira lachte und sagte: „Na gut bis dann, wir treffen uns am Kiesstrand nach Arbeitsende“. Ich konnte es nicht fassen: Ich hatte Samira wiedergetroffen! Die Zeit bis zum Treffen wollte nicht vergehen. Endlich war es dann soweit. Samira kam auf mich zu. Sie umarmte mich herzlich, indem sie sich ganz eng an mich schmiegte. Dann gab sie mir einen Kuss und lachte ganz herzlich. Auch sie war noch ganz hingerissen, dass wir uns wiedersahen.
Wir setzen uns an den Strand und tranken fruchtigen Rotwein. In den langen Gesprächen, die wir die ganze Nacht führten, stellte sich heraus, dass Samira „Wirtschaft und Touristik“ studierte und zur Zeit ein Praktikum absolvierte. Dass es die Türkin auf die griechische Insel Lesbos verschlagen hatte, hat damit zu tun, dass es entfernte verwandschaftliche Beziehungen zu Einheimischen auf Lesbos gab.

Phantastische Nacht
Samira war in Wirklichkeit noch viel schöner als ich es in meinen kühnsten Erinnerungen gespeichert hatte. Ich begehrte sie von der ersten Sekunde unseres Wiedersehens. Am liebsten hätte ich sofort mit ihr dort weitergemacht, wo wir in Izmir aufgehört hatten. In dieser Nacht passierte aber nichts, wie man so schön sagt. Wir hielten uns nur die Hände und redeten, erzählten, lachten und schwiegen als die Sonne aufging. Und doch passierte in dieser Nacht alles. Liebe und Sex finden ja bekanntlich nicht nur körperlich statt, sondern auch im Kopf. Und unsere Köpfe sagten uns am Ende einer phantastischen Nacht ohne Sex, dass wir zusammengehörten. Dass die nächsten Nächte wild und leidenschaftlich waren, brauche ich wohl nicht zu berichten. Samiras Zärtlichkeit, ihre immer wieder fordernde Lust, ihre Unbekümmertheit im Bett und ihre grenzenlose Freizügigkeit faszinierten mich immer wieder.
Mehr, liebe Fernweh-Leser, möchte ich nicht erzählen. Nur noch, dass ich mittlerweile 47 Jahre alt und seit über 20 Jahren mit Samira verheiratet bin. Wir haben drei bildhübsche Töchter. Natürlich haben wir uns immer mal wieder heftig gestritten. Aber ich begehre und verehre Samira immer noch wie am ersten Tag unseres Treffens. Auf Lesbos sind wir übrigens nie wieder gewesen. Mittlerweile hat sich dort viel getan und wir wollen unsere Erinnerung an diese schöne Nacht am Strand in unserem Herzen bewahren.

Günther Mahl

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