Weihnachten in London

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Weihnachten in London

Der Sound karibischer Steeldrums und feinfühlige Weihnachtslieder, das sind zwei Dinge, die nur wenig miteinander gemein haben und noch viel weniger miteinander zu harmonieren scheinen. Jedoch nicht so im vorweihnachtlichen Trubel der Weltstadt London. Die britische Hauptstadtmetropole, schon von jeher ein kosmopolitischer Schmelztiegel, treibt in der Adventszeit ungewöhnliche, gleichwohl äußerst unterhaltsame Blüten. Jamaikaner in roten Nikolauskostümen bringen zwischen eiligen und bummelnden Einkäufern neben der endlosen Schlange von Taxis, Bussen und Fahrradrikschas auf der Shopping-Meile Oxford Street nicht nur heimatliche Klänge lautstark zu Gehör. Auch traditionelles, der Jahreszeit entsprechendes Liedgut befindet sich in ihrem Repertoire, das dem klassischen Straßenmusikantentum völlig neue Dimensionen abgewinnt. Passanten im Einkaufsfieber nehmen sich leider viel zu wenig Zeit, die bizarre Performance zu genießen und hasten stattdessen vorbei an opulent dekorierten Schaufenstern, um weiter nach Geschenken zu fahnden.

Schwebende Nikoläuse und ein großer Weihnachtsbaum

Am Trafalgar Square, schon immer ein Mekka der Straßenkünstler, fallen gleich mehrere Exemplare des Nikolaus auf. Nur aufgestützt auf einen Hirtenstab schweben sie lässig über dem Boden und bieten sich, gegen Gebühr, als winterliches Fotomotiv an. Für Selfies und Portraits, die sogleich an die Lieben in der Heimat gepostet werden. Der Taubenflüsterer und seine gefiederten Freunde, die unter der Säule des Lord Nelson, üblicherweise der Hauptanziehungspunkt, ihre skurrilen Spielchen treiben und regelmäßig ein großes Publikum anlocken, stehen ob solcher adventlicher Betätigungen ein wenig abseits. Nelson befindet sich in Gesellschaft eines mächtigen Weihnachtsbaumes, der jedes Jahr aus Norwegen kommt.

Menschen im Nikolauskostüm: in London keine Seltenheit

Überhaupt ist die Verkleidung in einen Nikolaus, ganz in Rot mit passender Mütze und wallendem Rauschebart wie es einst eine amerikanische Limonadenfirma propagierte, ein echter Renner in der Stadt. Gleich rudelweise ragen sie mit ihrer Kostümierung aus der Menschenmenge heraus, wünschen lautstark „Merry Christmas“ oder sind selbst auf der Suche nach Präsenten für die Familie. Niemand, selbst die Polizei zu vorgerückter Stunde, ist vor der Ansprache des Heiligen Mannes sicher, unter dessen Maske sich zuweilen auch weibliche Wesen verbergen.

Oktoberfest-Stimmung auf dem Weihnachtsmarkt

Zwischen Hyde Park Corner und Buckingham Palace lockt das Winter Wonderland zum adventlichen Vergnügen auf britische Art. Statt eines bezaubernden und besinnlichen Weihnachtsmarktes stellt London hier einen wahren Budenzauber auf die Beine, der seinen deutschen Ursprung kaum verleugnen kann. In etwas vereinfachender, landestypischer Einfalt gehört das Klischee eines Oktoberfest-Ambientes mit Schuhplattler und Lederhose ebenso dazu wie Bavarian Bier, Pretzel oder German Bratwurst. Da wird geschwoft und gelacht, dass es den armen Rentieren des Weihnachtsmannes schlicht Angst und Bange werden muss.

Winter Wonderland zwischen Kommerz und Beschaulichkeit

Trotz des überbordenden Kommerzes bietet das Wunderland unter dem Riesenrad tatsächlich aber auch sehr viel Beschaulichkeit. Spielzeug, Holzfiguren, hochwertiges Handwerk, kunstvolle Sterne und vielerlei Dekorationsartikel für auf, an oder um den Christbaum finden sich in Buden skandinavischen Stils in einer etwas ruhigeren Ecke der Parkanlage. Hier im Park der Engel kann man bummeln und Inspiration suchen, wie sie sonst in ähnlicher Form in der Stadt nur schwer, mit Ausnahme des Southbank Centre´s Winter Festivals nahe des London Eye, zu finden ist. Das Magical Ice Kingdom bietet darüber hinaus eine Schau fantastischer Eisskulpturen.

Weihnachten in den Schaufenstern

Doch die Geschäfte Londons geben sich natürlich ebenfalls die allergrößte Mühe mit heimeliger Schaufenstergestaltung und bunter Beleuchtung aus Sternen, Lämpchen und Schneeflocken. Harrods, Fortnum & Masons oder das faszinierende Tudor-Kaufhaus Liberty in der Marlborough Street mit der Fachwerkfassade und den hallenartigen Innenräumen sind allemal ein optischer Genuss. Das Obergeschoss mit der rustikalen offenen Balkendecke widmet sich ausschließlich weihnachtlichen Dingen. Die Regale quellen über mit glitzernden, verspielten Christbaumkugeln jeglicher Couleur, mit Stofftieren von Elch bis Rotkehlchen, dem traditionellen gefiederten Weihnachtssymbol. Riesige Christmas-Cracker, kleine rote Telefonzellen und Londoner Doppeldeckerbusse für den Baum runden das vielfältige und üppige Angebot ab.

Die Markthallen des Covent Garden: von Weihnachtsmützen bis Schlittschuhlauf

Selbst in den ikonischen Markthallen des Covent Garden hat es den Weihnachtsmann verschlagen. Ein großes, silbernes Rentier begrüßt edelmütig die Besucher, aufgekratzte Kinder turnen auf den Geschenken darunter herum. An den Ständen kann man die begehrten roten Mützen erwerben, mutigere Zeitgenossen wählen die Mützenvariante mit filzigem Geweih und geben sich ohne Scheu der Lächerlichkeit preis. Unter den Decken der Markthalle stehlen riesige rote Kugeln den Gaslaternen die Schau und die Puppenspieler der Punch & Judy Show haben ebenfalls Pause. Wer des Schlenderns überdrüssig ist, findet Zerstreuung und kurzweilige Bewegung auf der Eisfläche im Hof des mondänen Somerset House. Jedoch sollte man vermeiden, gegen die allgemeine Laufrichtung zu fahren, was unweigerlich zu Karambolagen führen würde.

Information:
Stadt London www.visitlondon.com

Das Winter Wonderland ist bis zum 4. Januar 2015 täglich von 10-22 Uhr geöffnet, der Eintritt ist frei. Für einige Attraktionen (Eislaufbahn, Eisskulpturen, Riesenrad, Zippos Zirkus, Cirque Berserk, Eisbar) müssen Tickets erworben werden.
www.hydeparkwinterwonderland.com

Anreise:
Einen entspannten Tagestrip nach London bietet die Reederei Stena Line ab Hoek van Holland nach Harwich an. Im Reisepreis ab 84 Euro sind die Fährüberfahrt im Kreuzfahrtambiente, die Übernachtung in der Kabine an Bord sowie der Bahntransfer nach Liverpool Street Station enthalten. Wer einen zusätzlichen Tag in der Hauptstadt erleben möchte, der kann zu günstigen Konditionen im zentral gelegenen Royal National Hotel übernachten, Preis ab 44,75 Euro pro Person inklusive Frühstück.

Text und Fotos: Udo Haafke

Alle Angaben wurden von dem Autor nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Hinweis der Redaktion
Diese Reisereportage wurde unabhängig recherchiert, fotografiert und geschrieben. Die Reise nach London wurde organisatorisch unterstützt von Stena Line.

Städtereise nach London

Parks, Plätze und Paläste laden auch außerhalb der Weihnachtszeit dazu ein, London zu besuchen. Unterhaltung, Shopping und Essen kommen auch nicht zu kurz. Zahlreiche der berühmtesten Museen, Clubs, Restaurants und Geschäfte befinden sich dort.

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