Indien

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Indien: Eine Bahnfahrt und eine Tasse Tee mit Folgen

Eine ungewöhnliche Nacht

Eine Bahnfahrt in Indien ist immer ein aufregendes Erlebnis. Dass sich daraus ein erotisches Abenteuer entwickelt, ist eher die Ausnahme. Bruno Seitz denkt noch oft an eine Nacht in Udaipur

Als sich der Zug endlich näherte, nahm das Gedränge am Bahnsteig in Bombay enorm zu. Im Schrittempo schnauften die Waggons heran – nur zwei Stunden zu spät. Das war eine ganz normale Verzögerung, wie ich nach meiner ersten Woche in Indien bereits herausgefunden hatte.
Ein wenig nervös strich ich mir über meinen Dreitagebart. Gleich stand wieder der Kampf um einen Sitzplatz bevor. Die Menschenmenge am Bahnhof ließ befürchten, daß es im Zug heiß hergehen würde. Immerhin dauerte die Fahrt nach Udaipur fast 10 Stunden!
Die Lokomotive stieß einen schrillen Pfiff aus. In Udaipur wollte ich einige Tage bleiben. Ich hatte in einem kleinen Hotel ein Zimmer gebucht. Es war höchste Zeit für eine Rasur und eine heiße Dusche, um den Staub meines Vagabundendaseins von mir zu spülen.
Die meisten Fahrgäste waren Inder. Außer mir standen nur noch drei weitere westliche Touristen am Bahnsteig. Am auffälligsten war eine scheinbar alleinreisende rothaarige Frau in einem legeren weißen Baumwollkleid. Sie sah sehr gut aus, und ihre festen, runden Brüste zeichneten sich reizvoll unter dem dünnen Stoff ab. Obwohl ich den meisten Frauen seit meiner Scheidung vor einem Jahr aus dem Weg ging, warf ich ihr einen anerkennenden Blick zu. Sie erwiderte ihn mit einem Stirnrunzeln und wandte sich ab.

Das Gedränge wurde sehr massiv, als der Zug endlich hielt. Ich mußte mich konzentrieren, um nicht von der Menschenmenge völlig ins Abseits gedrängt zu werden.
„Geschafft“, dachte ich schließlich, als ich gerade meine Reisetasche auf einen der letzten freien Plätze wuchten wollte. Doch im allerletzten Moment schlüpfte jemand vor mir auf den Sitz . Es war die Frau im weißen Kleid.
„Verdammt noch mal, ich war zuerst hier!“ polterte ich wenig freundlich auf deutsch los, was mir sofort leid tat.
„Aha, ein Landsmann“, sagte die Frau spöttisch lächelnd. „Hätte ich mir denken können“, fuhr sie fort. „Zuerst werfen Sie mir einen Blick zu, als wollten Sie mich vergewaltigen, und als nächstes werden Sie unhöflich. Typisch Mann!“
Ich war sprachlos. Dann wurde ich wütend. Was hatte ich dieser Frau getan? Sicher, ich war unnötig laut zu ihr gewesen, aber sie hatte sich auch nicht gerade fair verhalten!
„Sie haben ja einen Vogel!“ hörte ich mich sagen. „Wohl zu lange alleine unterwegs gewesen!“ – Ihr entrüstetes Zusammenzucken war das letzte, was ich von ihr wahrnahm. Dann ging ich zum nächsten Wagen, wo inzwischen natürlich kein Sitzplatz mehr zu finden war.
Mehr als zufrieden lächelte ich über meine Antwort. Diese arrogante, kratzbürstige Frau hatte einfach nichts anderes verdient!

Über die folgende Zugfahrt möchte ich keine Worte verlieren. Zehn Stunden stand ich im Gang, die Hitze war enorm und das Gedränge ebenfalls. Am Zielort hatte ich jedoch endlich Glück. Ich bestieg eine Fahrradrikscha, und der freundliche Inder fuhr mich schnell und ohne Umwege zu meinem kleinen Hotel. Es lag ziemlich weit außerhalb und sah ein wenig heruntergekommen aus. Der Empfangsraum war düster. Über der Rezeption brannte ein schummriges rotes Licht.
Da ich niemanden sah, betätigte ich die Glocke. Nach einiger Zeit hörte ich lautes Klimpern, und eine alte Inderin kam herein. Das Klimpern rührte von den unzähligen Armreifen her, die sie trug. Ihre Haut war runzelig und sehr dunkel, ihr Haar jedoch immer noch schwarz mit einzelnen weißen Strähnen durchzogen.
„Sahib?“ sagte sie und sah mich fragend an. Ich nannte meinen Namen und erklärte auf englisch , daß ich ein Zimmer reserviert hatte. Sie runzelte die Stirn und erklärte mir schließlich in einem Gewirr aus verschiedenen Sprachen, daß sie kein Zimmer mehr frei habe. Es gäbe jedoch noch ein unbelegtes Bett in einem Doppelzimmer. Ob ich es mir anschauen wolle?
Ich war wenig begeistert. Aber nach der anstrengenden Zugfahrt hatte ich keine Lust auf eine langwierige Zimmersuche. Also willigte ich ein. Die Alte führte mich ins obere Stockwerk und öffnete eine Tür. Vor mir stand die rothaarige Frau aus dem Zug.

„Oh nein!“ rief sie aus, als sie mich sah. Ich habe zwar zugestimmt, daß jemand hier schlafen kann, aber nicht SIE!“
„Schon gut,“ sagte ich. „Ich ziehe ebenfalls ein anderes Hotel vor!“ Ich wollte mich abwenden, aber die Inderin hielt mich fest.
„Please,“ sagte sie mit beschwichtigender Stimme. Dann nahm sie uns beide am Arm und führte uns in einen Aufenthaltsraum. Sie deutete auf zwei Sessel und brachte uns unaufgefordert zwei Gläser mit heißem Tee. Dabei lächelte sie hintergründig.
Es wäre unhöflich gewesen zu gehen, und so tranken wir in eisigem Schweigen den Tee. Er schmeckte ein wenig seltsam: bitter und zugleich süß, und er brannte auf der Zunge. Kaum hatte ich ihn ausgetrunken, da fühlte ich ein wohlig entspanntes Gefühl in mir.
Ich blickte zu der rothaarigen Frau und lächelte. Zu meiner Verwunderung lächelte sie zurück.
„Ein köstliches Getränk“, sagte ich und stellte fest, daß der Raum um mich ein wenig verschwommen wirkte.
„Ja,“ nickte die Frau im weißen Kleid und schnalzte mit der Zunge. „Kommen Sie nach oben. Wir wollen nicht albern sein. Natürlich können Sie bei mir übernachten.“ Sie hakte sich bei mir unter, und ich sah die alte Inderin breit grinsen, wobei sie zwei riesige Zahnlücken entblößte.
Auf dem Weg nach oben ließ die Rothaarige wie zufällig ihre Hand immer tiefer gleiten, bis sie mir schließlich ganz ungeniert meine Jeans öffnete.
Obwohl ich mehr als überrascht war, reagierte ich sofort. Weich und behutsam streichelte sie mich am ganzen Körper, und ich spürte, wie mein Atem schneller ging. Sie verströmte einen betörenden Duft, den ich vorher nicht wahrgenommen hatte.
Kaum hatten wir das Zimmer erreicht, da rissen wir uns die Kleider vom Leib und standen nackt voreinander. Ihre runden Brüste bebten, als sie sich bückte, um ihre Strümpfe auszuziehen. Ich verspürte eine Gier in mir, wie ich sie lange nicht mehr erlebt hatte.
Einer Wildkatze gleich strich die geheimnisvolle Rothaarige mit ihren Fingernägeln über meinen Rücken und über meine Schenkel. Plötzlich verspürte ich ihre feuchten, warmen Lippen zwischen meinen Schenkeln.
Ich wußte kaum noch, wie mir geschah. Sie verstärkte den Druck ihrer Zunge und begann zu saugen. Ich hatte das Gefühl als würde ich sofort explodieren. Auf einmal hielt sie inne und ließ spielerisch ihre Finger über meinen Rücken gleiten.
„Nicht aufhören,“ stammelte ich. Sie lächelte, warf ihre langen Haare nach hinten und erfüllte meinen Wunsch... Es dauert nicht lange, bis das Zimmer um uns in einer einzigen blutroten Wolke versank.

Am nächsten Morgen erwachte ich nur zögernd. Es war, als wolle ich etwas festhalten, was man unmöglich festhalten konnte.
Auf dem Kopfkissen neben mir lag nur ein kleiner, weißer Zettel. „Eine Super-Nacht! Mich zieht es weiter. So long“. Nicht sehr romantisch, wie ich fand. Schade, dass sie weg war.
Die alte Inderin traf ich in den verbleibenden Tagen im Hotel nie wieder an. Ich hätte sie gerne gefragt, was sie in den Tee gemischt hatte.

Bruno Seitz

 

 

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