Ganz entspannt auf Langeland

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Dänemark: Ganz entspannt auf Langeland

(Stimmungs-)Bilder einer Rundreise durch die dänische Südsee

Treffen am Hauptbahnhof Hamburg, jemand möchte beim Einladen des Gepäcks in den Mini-Bus helfen und das, indem er sich damit entfernt. Er kann – ohne Beute – verjagt werden. Dann Stress um aus Hamburg heraus zu kommen, überall Stau und Baustellen. Das Navi spinnt und leitet uns zwei Mal in die selbe Sackgasse. Endlich sind wir dann doch auf dem richtigen Weg nach Puttgarden auf der Insel Fehmarn. Die Fahrt über die beeindruckende Brücke ist schön, aber dann schon wieder Stau und die Scandlinie-Fähre nach Rodby auf der dänischen Insel Lolland wartet nicht. Allerdings fährt die Fähre alle 30 Minuten ab. Schließlich stehen wir dann draußen auf dem Oberdeck und lassen uns auf der 19 km langen Strecke frischen Seewind um die Nase wehen. Das dauert gut 45 Minuten, und die kann man, jetzt schon wesentlich entspannter, an Bord genießen. Möglichkeiten dazu gibt es viele.

Runter vom Schiff und nach ein paar Minuten fällt der Stress ab. Kaum Verkehr, die umgebende Natur wenig dramatisch, viele Felder, etwas Wald, kaum Häuser. Automatisch fahren wir langsamer. Sollte man auch, Geschwindigkeitsverstöße hier sind sehr teuer.

In der „dänischen Südsee“ im südfünischen Meer, rings um die Insel Lolland gibt es mehr als 55 kleine und größere Inseln. Allein das Kerngebiet Dänemarks umfasst über 400 Inseln. Dänemarks Ostseeküste zeigt sich anders als der eher raue Westen. Zwischen dem Flensborg Fjord, der Insel Als im Süden und dem Fischer- und Ferienort Skagen im Norden liegen Sandstrände, die flach ins Meer abfallen. Auch auf anderen beliebten Urlaubsinseln wie Fünen, Lolland, Falster oder Møn hat die Natur ideale Bedingungen für Ferien mit der Familie geschaffen: In den Dünen findet man auch im Sommer immer einen Platz, an dem man seine Ruhe hat, sogar windgeschützt. Und das warme, flache Wasser der Ostsee garantiert auch Badespaß für die Kleinsten. Ein Strandbesuch ist kostenlos – überall  und jederzeit, denn im Urlaubskönigreich Dänemark gibt es keine Kurtaxe.

Ziel einer Tagestour ist die „Ortschaft“ Bandholm und dort in der Havnegade 37 das „Bandholm Hotel“. Ausgezeichnet mit einer durchschnittlichen Punktzahl von fast 6 von 6 möglichen Punkten in 2017 und 2018 zu Dänemarks bestem Hotel und Restaurant gewählt. Wer diese Art von Hotels aus dem „alten Europa“ liebt, ist hier genau richtig. Es wurde 1886 von der Grafschaft Knuthenborg erbaut, das ursprüngliche Gasthaus war schon 1692 königlich privilegiert. In den letzten Jahren wurde gründlich restauriert und erweitert, so dass heute 43 schöne Zimmer, von denen man in sieben auf das Meer blicken kann, zur Verfügung stehen. Dabei wurde der ursprüngliche Stil erhalten, hohe Decken, ausgesucht feine Möbel, schöne handgemachte Tapeten und Kronleuchter. Selbstverständlich ist Technik und Komfort „state of the art“.

Bevor es zum Abendessen ins Restaurant geht, gibt es einen Drink in der gemütlichen Bar des Hotels und mit Feuer im Kamin. Das Restaurant bietet am Wochenende sowohl exklusive Gourmetgerichte als auch eine gute Auswahl an Speisen à la carte sowie Drei- und Vier-Gänge-Menüs an sieben Tagen in der Woche. Der Grundstein der Hotelküche repräsentiert die lokale Gastronomie mit den Zutaten aus der Region Lolland-Falster. Schön wäre es, am nächsten Morgen nach einem opulenten Frühstück sich dem Wellnessangebot des Hotels hinzugeben. Oder am breiten Sandstrand in der gar nicht so kalten Ostsee zu schwimmen oder einfach spazieren zu gehen. Aber es geht weiter, das eigentliche Ziel wartet. Es kommt die „Faergen“ der Reederei „Faergen“, um uns nach Spodsbjerg auf der Insel Langeland zu fahren. Das dauert bei einer Geschwindigkeit von ca. 12,6 Knoten oder fast 14 km/h etwa 45 Minuten. Sanft gleitet das gut 100 m lange und etwa 19 m breite Ro-Ro-Boot aus dem Jahre 2012 durchs Wasser. Stündlich fährt es ab, zwölf Fähren hat die Linie in ganz Dänemark.

Kormorane haben sich zur Begrüßung am Hafen aufgereiht, davon gibt es noch mehr an der 140 km langen Küstenlinie, schließlich ist Langeland gut 50 km lang, bis zu 10 km breit und und stellenweise sagenhafte 46 m hoch. Am Hafen warten kaum Fahrzeuge, im Örtchen ist wenig Betrieb. Das bleibt so auf der weiteren Fahrt, ein paar Radfahrer, einige Spaziergänger, bis nach Skovsgaard in der Nähe von Rudkobing, umgeben von herrlicher Natur. Hier gibt es einen schön eingerichteten Bio-Herrenhof aus dem 19. Jahrhundert und eine Ausstellung mit vielen interessanten Dingen aus Leben in früheren Zeiten. 

Heute ist Skovsgaard ein moderner ökologischer Landwirtschaftsbetrieb, in dessen Umgebung mit Wäldern und Seen, schönen Alleen und Parkanlagen man erholsam spazieren gehen kann. Für die jüngeren Besucher gibt es das Programm „Küss den Frosch“, mit dem sie Natur spielerisch kennen lernen können. Man kann hier im Café auch rustikal essen und sich z.B. aus einer breiten Palette kalter Zutaten wie Nudeln, Hackbraten, Rührei, Gemüse, Käse, Salat, deftige Brotsorten usw. eine gefällige Riesenportion zusammenstellen lassen. Frisch gezapftes Bier gehört dazu.

Schön ist es an der Halbinsel Ristinge im Südwesten mit breitem Sandstrand und einigen bis zu 25 m hohen Klippen. Heute ist es etwas stürmisch, die Ostseewellen haben weiße Spitzen, ein Grund warum hier die Insel durch Sandanschwemmung tatsächlich immer noch wächst. Man sieht kaum Menschen am Strand, alles ganz friedlich. Mit Frieden hat das nächste Ziel wenig zu tun, oder doch? Es bleibt für ewig unklar, was hätte damals passieren können. Nicht nur für Militaria-Freunde ist das „Museum des Kalten Krieges“ ganz im Süden von Langeland in Bagenkop ein interessantes Ziel. Aus dem weitläufigen Gelände des Langelandsfort, gebaut 1952/53, wurde 1997 ein Museum. Von hier überwachten Dänen und NATO die Aktivitäten des Warschauer Paktes im westlichen Teil der Ostsee.  Zu sehen sind Kanonen, Luftabwehrgeschütze, Granaten, Panzerfahrzeuge, Schiffe, die klaustrophobischen Bunker, ein ebensolches U-Boot, ein Notkrankenhaus, Kommandozentralen und vieles mehr. Sogar eine Original MiG 23 steht in einer Halle.  Viele Informationen vermittelt die Dauerausstellung. Auch muss man gut zu Fuß sein, die Wege zwischen den Stationen sind recht lang.

In der Ostergade 15 im Hotel Bagenkop Kro im Örtchen Bagenkop gehört der Abend  wieder einem kulinarischen Highlight, versprochen wird „Fisch satt“. Und das ist keinesfalls über- eher untertrieben. Die Tische biegen sich förmlich unter einer überwältigenden Auswahl an Fischsorten aller Arten.

Auf unserem Abendspaziergang laufen wir auf einem schmalem Pfad und besuchen die Wildpferde auf dem Hügel Klise Nor. Weiter geht es an der Dovns Klint-Steilküste entlang, vorbei an einem Hünengrab. Langsam geht die Sonne unter und der Weg führt uns durch einen kleinen Zauberwald aus vom Wind geformten Bäumen und gebeugten Sträuchern. Hier räumt niemand auf und so recken sich tote Stämme und Äste in den sich allmählich rot färbenden Himmel. Auch die See nimmt Farbe an. Alles sieht wild und verwunschen schön aus, wie im Traum.

Vom Süden Langelands geht es am anderen Morgen bis fast in den Norden nach Tranekaer. Zwischen Wäldern, kleinen mal blauen, mal grünen Seen, Windmühlen, gelben Rapsfeldern, grünen Wiesen und einzelnen reetgedeckten Häusern erhebt sich unvermutet ein tiefroter mehrstöckiger Bau auf einem Hügel, Schloss Tranekaer. Es ist das älteste bewohnte Gebäude Dänemarks aus dem Jahr 1659 der Grafenfamilie Ahlefeldt-Laurvig. Nur Ende Juli kann man es besichtigen. Dafür aber immer die interessanten Medizingärten und den schönen Park rings um einen See mit der Kunstinstallation TICKON. Verschiedene Künstler schufen hier viele Strukturen und Werke. Diese dürfen nicht an anderer Stelle aufgestellt, nicht verkauft, nicht verändert werden und bleiben somit als Teil der Landschaft. Dass sich das alles im Lauf der Zeit verändert, ist gewollt, Vergänglichkeit ist ein Teil der Idee. Mir gefallen die zum Teil gigantischen Naturkunstwerke aus Holz, Stein oder Erde.

Nördlich der Stadt Tranekaer in Sønderskovvej 2 in Bøstrup gibt es zum Abschluss eine Segway-Tour.  Es geht hinaus auf Landstraßen, mal auf Schotter, mal auf Asphalt oder über hügelige Feldwege entlang der Ostküste. Und weil wir Geräte mit extragroßen und dicken Rädern haben, dann auch hinunter auf den Strand.

Es geht zurück nach Spodsbjerg, auf die „Faergen“ hinüber nach Lolland und zurück nach Hamburg. Dort kommen wir wesentlich entspannter an als vor der Reise. Das liegt an Dänemarks vielfältigen Naturschönheiten, den leicht zugänglichen feinen Stränden oder eindrucksvollen Naturparks. Nicht zuletzt trägt auch die dänisch-nordische Küche mit dem Luxus der heimischen Naturprodukte dazu bei. Dass die Dänen zu den glücklichsten Menschen der Welt gehören, belegt der jährliche „World Happiness Report“ der Vereinten Nationen immer wieder.
Und wenn man davon etwas abhaben möchte, einfach hinfahren.

Text/Fotos: Wolfgang Grüner

Die Recherche zu dieser Reise wurde ermöglicht mit der freundlichen Unterstützung der Rederei Faergen und Partnern.

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