Guernsey und Herm – Traumstrände wie in der Karibik

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Kanalinseln Guernsey und Herm – Traumstrände wie in der Karibik

 Bingo! Fünf Lose für ein Steak

Feine Sandstrände und einsame Buchten auf der Insel Guernsey (Foto: Alexander Richter)
Insel Guernsey Sandstrand und Bucht

Wer erleben will, wie diese Insulaner ticken, wenn sie losgelassen werden und feiern, der muss an einem Samstagabend dieses Pub besuchen. Nein, nicht irgendeine Kneipe! Es muss die Public Bar in der Portelet Bay sein, die man in der äußersten Südwestecke der britischen Insel vor der französischen Küste findet. Nirgendwo im United Kingdom ist das Saturday Night Fever schräger als in diesem Pub auf Guernsey.

Monty’s (oder Breda Royal Lager), das einheimische Bier der kleinen Randall-Brauerei, fließt in Strömen, die hier in Pint ausgeschenkt werden (0,57 Liter). Die Stimmung steigt, man versteht kaum sein eigenes Wort. Denn beim „Meat Draw“, einer lokalen Tradition, ist Samstag für Samstag der Laden voll. Punkt 20 Uhr geht die große Schau los, die man sich als eine Art Naturalien-Bingo vorstellen sollte.

Man kauft für je ein Pfund von einem freundlichen Pub-Mitarbeiter mindestens fünf Lose, auf denen Zahlen stehen. Wird später am Abend eine dieser Zahlen gezogen, hat man gewonnen. Was? Na ja, mal ne Kiste Gemüse, mal in Folie verschweißte Steaks, mal fangfrischen Fisch und als Clou sechs Flaschen Rotwein. Die Gewinnecke ist gut bestückt, allein unser Tisch mit sieben Gästen war mit großem Hallo viermal bei den Gewinnern. Im Hotel hat die Küche uns dann die Steaks gebraten – lecker!

In der Public Bar in Portelet Bay gibt es jeden Samstag Naturalien-Bingo (Foto: Alexander Richter)
Meat Bingo in der Public Bar in Portelet Bay

Kanalinsel Guernsey: Raue Natur, schöne Sandstrände und verschlafene Dörfer

Guernsey also: Die Insel ist vielleicht Europas letzter Geheimtipp für eine unbeschwerte Reise ins Unbekannte. Albanien wäre auch so ein Tipp – allerdings ist das Land der Skipetaren um einiges mühsamer zu durchqueren. Der Archipel der Kanalinseln hält das Königshaus im fernen London in Ehren – und das schon seit der Normannenzeit. GBG (Great Britain Guernsey) ist autonom und sehr speziell: Man gehört wortwörtlich der britischen Krone, hat aber mit Englands und Brüssels (EU-)Politik nichts am Hut, kennt auch keine Parteien.

Die Natur ist rau, die Menschen lieben‘s gemütlich, pflegen mit sichtlicher Genugtuung ihre Lässigkeit und sind immer ein Stück weit stressfreier, gar langsamer als ihre benachbarten Mitmenschen auf dem Festland. Was auf den schmalem Guernsey-Sträßchen auch nicht weiter verwundert: Die amtlich verfügte Höchstgeschwindigkeit von 35 mph (Meilen) ist zuweilen noch zu schnell, wenn schier endlose Fuchsien- und Hortensienhecken eine weite Sicht unmöglich machen.

Bei aller Wucht der Wetter, die sich auf Guernsey vor allem an der heftig zerklüfteten Südküste austoben (auf Jersey ist der Norden eine wilde Klippenlandschaft) – seine landschaftliche Schönheit bezieht das Eiland zum Beispiel aus einem rasanten Wolkenspiel am Himmel. Oder aus über 2000 verschiedenen Pflanzenarten, von denen hunderte auch im Winter für Farbe im Einheitsgrau der schroffen Granitfelsen sorgen. Jetzt im Frühling gibt es viel „Natürliches“ zu entdecken: von Wildblumen gesäumte Klippenpfade zum Beispiel, verschlafene Dörfer mit wetterbewährten Cottages, eine begehbare Mini-Kirche aus Muscheln und bunten Porzellanscherben, die irgendwo zwischen Kitsch und Komik ihre Berechtigung beweist. Und immer wieder nehmen einen gastfreundliche Menschen bei der Hand und zeigen den Weg, wenn man sich im Linksverkehr mal wieder verfahren hat.

Für Sonnenanbeter hat Guernsey einige richtig schöne Strände zu bieten. „Feinsandig“ heißt dies dann gerne in den bunten Werbeprospekten, aber der Guernsey-Sand rieselt tatsächlich leicht und locker durch die Finger. Noch viel feiner sind die Strände auf der vorgelagerten Mini-Insel Herm (20 Minuten mit dem Boot für rund 24 Euro). Hier wie da lockt das Atlantikwasser mit mehr oder weniger ganzjährig 19-20 Grad, der Golfstrom ist halt ein Freund aller Bade-Fans…

Steuerspar-Paradies mit teurem Nachgeschmack

Guernsey und Jersey gelten hierzulande auch als Steuersparinseln. EU hin oder her: Die Inseln sind auch weiterhin ein Refugium für Firmen und Reiche, die eines nicht wollen: Steuern berappen. Der Gast merkt, was das Schlupfloch geschlagen hat, wenn er sich die Menge der Briefkästen und blank geputzter Messingschilder an diversen modernen Bürobauten anschaut oder wenn ihm mal wieder ein Luxusauto entgegenkommt - die beiden großen Kanalinseln weisen die wahrscheinlich höchste Rolls–Royce-Dichte der Welt auf. Allerdings: Die Kanalinseln sind kein billiges Vergnügen.

Ein Bier im Pub kostet locker um die vier Euro, für einen einfachen Lunch werden schnell um die zwölf Euro fällig. Tipp: Wer nur mal reinschnuppern will auf Guernsey, kann mit der Fähre von St. Malo (Bretagne) in zwei Stunden auf die Insel fahren (ca. 80 Euro) und dann mit einem Bus der Linien 91 und 92 eine Inselrundfahrt mit einem One-Pound-Ticket erleben. Übrigens: Untereinander mögen sich die Insulaner nicht besonders. „Du Donkey“ ist die freundliche Anrede für einen Guernsey-Mann, der seine Jersey-Nachbarn liebevoll-gehässig mit „Toads“ (Kröten) begrüßt.

Guernsey tut viel dafür, dass sich die Menschen, die „rüber gemacht“ haben oder auf Zeit hier leben, wohlfühlen: Man hat eigenes Geld (Guernsey-Pound), kann aber auch mit dem britischen Pfund bezahlen, kaum aber mit Euro. Die Einkommensteuer ist minimal, eine Mehrwertsteuer existiert nicht. Die Ausgaben für Essen und Trinken liegen deutlich über Festlandsniveau, was Chefkoch Gunter Botzenhardt, ein ausgewanderter Schwabe, in seinem Hauptstadt-Restaurant „Le Nautique“ an der Promenade so erklärt: „Vieles muss importiert werden.“ Ein Abendessen mit Wein kommt bei ihm pro Person nicht unter 50-60 Euro auf den Tisch.

St. Peter Port auf Guernsey ist ein belebter Hafenort und beliebter Yachthafen (Foto: Alexander Richter)
St. Peter Port auf Guernsey

Hier geben die Kühe flüssiges Gold

Ein paar Dutzend Fischer und auf den Kopf 15 Farmer sind neben einigen Gärtnereien (Blumenanbau) das Rückgrat der Inselwirtschaft. Vor allem auf ihre über 2000 Kühe, eine Rasse mit zierlichem Körperbau und blass-braunem Fell, sind sie stolz – die goldfarbene Milch dieser Rindviecher mundet ebenso köstlich wie weitere Molkerei-Spezialitäten, vor allem Käse, Butter, Eis.

Wer über die Insel radelt oder sie mit dem Auto erkundet (Linksverkehr), findet häufig kleine Holz- oder Plastikkisten neben Haustüren oder an Gartenzäunen. Beim „Hedge Veg“ kann sich der passierende Gast mehr oder weniger ganzjährig mit allerlei lokalen (selbstgemachten) Marmeladen, Schnäpsen, Likören, auch Obst und Gemüse, günstig eindecken. Der Preis steht dran, das Geld legt man einfach in die offene Kasse.

„Very british”: Inselhauptstadt St. Peter Port

Dieser Spontaneinkauf funktioniert natürlich nur auf dem Land, im quirligen St. Peter Port locken längst Supermärkte und Geschäfte. „Town“ heißt die verwinkelte Hauptstadt nur simpel bei den Einheimischen, die im Übrigen Englisch und kaum Französisch sprechen. Der große nahe Nachbar, von dem Victor Hugo im 19. Jahrhundert sagte, der Archipel habe sich einst von Frankreich abgelöst, sei ins Meer geplumpst und von England aufgefischt worden, ist nicht sonderlich beliebt auf den Inseln. Ziemlich beste Freunde sehen anders aus. So lacht man denn auch gerne über diesen Witz: „Was ist das schönste an Frankreich? Na, die Fähre nach St. Peter Port.“

Guernseys Inselhauptstadt St. Peter Port wird von den Einheimischen schlicht „Town” genannt (Foto: Alexander Richter)
Inselhauptstadt St. Peter Port, Guernsey

Die Inselhauptstadt ist ein richtiges Städtchen mit viel Verkehr, reichlich Läden und stolzen Granithäuschen, die sich gerne an einen der zahlreichen Hänge schmiegen. Auch die touristische Infrastruktur ist ordentlich. Vom Wasser her zeigt sich „Town“ von seiner lebhaftesten Seite als viel frequentierter Hafenort sowie als beliebter Yachthafen. Von der Uferpromenade hat man am späten Nachmittag den schönsten (Foto-)Blick auf Castle Cornet, die wuchtige Schutzburg in der Hafeneinfahrt. Apropos: Militär-Relikte findet man auf dem gesamten Kanal-Archipel reichlich – noch ganz am Ende 1945 hinterließ Nazi-Deutschland zahlreiche Scheußlichkeiten aus Beton, deren Sprengung viel zu teuer – damals wie heute – gekommen wäre.

„Alles im Blick” vom Victoria Tower

Zurück nach St. Peter Port: In der High Street, die mal „Grande Rue“ hieß, im angrenzenden Arcade-Viertel sowie in der Markthalle, die zur Shopping Mall umgewidmet wurde, findet man das, was für Guernsey typisch ist und was wenig bis nichts mit dem Touristen-Kitsch an den einschlägigen Buden und Shops zu tun hat. Nett ist ein Besuch im Wohnhaus von Victor Hugo, der hier, um vor Napoleon abzuhauen, gelebt, geliebt und gedichtet hat. Einen schönen Blick auf das Städtchen und die Inseln genießt man vom Victoria Tower, dessen mächtige Tür dem verschlossen bleibt, der nicht weiß, dass es den Schlüssel im nahen Guernsey Museum gibt.

Die City macht Spaß, was auch an den zahlreichen Pubs, Bistros und Cafebars liegen mag, wo immer was los ist. Gerne nimmt man „draußen“ Platz und fängt damit auch schon zeitig im Frühling an. Wer St. Peter Port zu Fuß erkunden will, wird die zusätzlichen Pfunde z.B. vom Meat Draw schnell wieder los – es geht bergauf, bergab : Kondition ist gefragt.

Einsame Buchten und Strände auf Herm

Das gilt auch für die kleine Nachbarinsel Herm, die besonders mit einsamen Buchten und Stränden punktet. Dabei ist Herm nur ein grüner Klecks: ein Hotel (White House), das oft ausgebucht ist (40 Zi.), die Mermaid Tavern, ein Tante-Lisbeth-Laden, ein paar Häuschen, 65 Einwohner und Natur pur, durch die eloquent „Inselchef“ Jonathan Watson führt. Nach maximal zwei Stunden kennt man „das bisschen Insel“ komplett und kann sein Relax-Programm beginnen: Sonne, Sand, Strand. Guernsey und Herm sind ein starkes, aber auch kostenintensives Stück GB im Atlantik…

Guernseys Nachbarinsel Herm liegt 20 Minuten mit dem Boot entfernt und besticht durch feinste Sandstrände (Foto: Alexander Richter)
Sandstrand auf Insel Herm

Infos

Anreise: In der Saison (Sommerflugplan) fliegt Air Berlin samstags von Düsseldorf und Stuttgart nonstop nach Guernsey (GCI). Flüge mit flybe, z.B. von DUS oder Amsterdam, gehen über Southampton. In der Nebensaison ist die An- und Abreise nach GCI via London, z.B. mit easyjet, sehr langwierig.

Geld: Auf allen Kanalinseln gilt das britische Pfund. Bezahlt wird aber auch mit dem Guernsey- bzw. Jersey Pound (1:1 zur GB-Währung).

Unterkünfte: Hotels in allen Preisklassen und Bed-&-Breakfast-Häuser gibt es reichlich. Die Kanalinseln werden von einigen Veranstaltern (z.B. TUI-Wolters, DER Tour) auch pauschal angeboten. Die Preise liegen zwischen 600 und 1000 Euro für eine Woche inkl. britischem Frühstück.

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Mitbringsel: Ein ziemlich robuster Guernsey-Sweater (Pullover) ist ein wetterfestes, aber sperriges Unikat, das um die 70 Pfund kostet. Auch Guernsey-Käse (Tipp: in Folie einschweißen lassen) ist ein köstliches Souvenir. Nur auf den Kanalinseln ist zudem eine One-Pound-Note (in GB nur als Münze) im Umlauf. Nicht lohnend ist das DutyFree-Shopping – zu teuer!

Aktivitäten: Wassersport, Golf, Radfahren, Wandern, Sea Kayaking, Coasteering. Spar-Tipp: Mit den Buslinien 91 und 92 kann man ab dem ZOB in „Town“ für ein Pfund einmal um die Insel fahren.  www.donkeysdaysout.co.ukwww.outdoorguernsey.co.uk

Ausflüge: Nur von Guernsey fahren Fähren und kleine Boote auf alle anderen Kanalinseln.
Reiseliteratur: Umfassend und gewohnt hintergründig informiert der neue Baedeker „Kanalinseln“.

ISBN: 9783 829 714006, 19,99 Euro.

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Auskünfte: www.visitguernsey.com

Text und Fotos: Alexander Richter

Alle Angaben wurden von dem Autor nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Hayit Medien-Redaktion sowie von Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

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