Japans Südinsel Kyushu - Abstecher Tokio

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Japan: Im Minshuku des Samurai

Unterwegs auf Japans Südinsel Kyushu: Delfine, Vulkane und Natur pur

Auweia! Die cremeweißen Hausschlappen passen nicht. Und der Yukata erst recht nicht. Dieser kimonoähnliche Hausmantel würde wie auch die Schühchen einem kleinen, schlanken Japaner zur Zier gereichen. Nicht aber einem kräftigen Mitteleuropäer mit Bauchansatz. Genau in der Körpermitte spannt der dünne Stoff dann doch auch arg, was Seiichi Ogata, dem japanischen  Gastgeber, nur ein kurzes Nicken sowie ein stramm artikuliertes „Hai“ abverlangt.

Beides, das eine Wort und das Nicken, begegnen dem Gast in Japan täglich. Hier im Gemeinschaftsraum des Minshukus im Dorf Hagi in der grünen Abgeschiedenheit von Gokanosho bewegt sich kein Mensch – wir sind die einzigen Europäer – in Straßenkleidung. Im Haus zieht man Hausmantel und Hausschläppchen an, so will es die japanische Etikette, die uns auf dieser Reise noch viele Male begegnen und manchmal auch sehr fremd aufstoßen wird. 

Auf den Tisch kommt zum Dinner ein japanisches Allerlei. Viel vitaminreiches Grünzeug, auch Algen. Eine schwarz gegrillte Forellenart, auch Sushi , Tofustücke und kleine Happen vom Kobe-Rind, dem wohl teuersten Rindvieh der Welt. Dazu gibt’s grünen Tee und Asahi-Bier, das, im Gegensatz zum  japanischen Wein, lecker mundet. Später kommt auch noch Sake dazu – kanpai (Prost)!

Das Geschäft mit den springenden Delfinen

Wer sich für Kyushu als Reiseziel entscheidet, hat immer auch eine Portion Abenteuer im Gepäck. Die weltweite Tourismus-Karawane hat diesen schönen Flecken Erde noch nicht für sich entdeckt. Dabei hat die Südinsel, auf der auch Nagasaki (Atombombe 1945) liegt, einige „Touri-Tops“ zu bieten. Amakusa Island zum Beispiel. Im ostchinesischen Meer leben hier rund um die Insel hunderte Delfine in freier Wildbahn. Die Fischer, die Flipper und Co. ähnlich wie die Wale am liebsten im Wok oder auf dem Teller sehen, haben Frieden geschlossen mit den Tieren. Denn sie haben begriffen, dass springende und  singende Delfine ein prima Geschäft sind. Also haben sie Boote gekauft und offerieren für die Touristen „Dolfin-Tours“ – ein echter Renner. Das Geschäft floriert, man sieht’s an den noblen Automarken der Kapitäne auf dem Hafenparkplatz.

Kleine Fischerdörfer wie Sakitsu, grüne Berge und schöne Sandstrände, auch das ist Amakusa, wo auch die Japaner Badeurlaub machen. Allerdings immer nur bis zum 31. August, danach geht man in Japan einfach nicht mehr ins Meer. Warum nicht? Keiner weiß es, aber jeder hält sich dran. Disziplin nennt man so etwas wohl… Übrigens: Urlauber aus dem fernöstlichen Inselreich bleiben auch im eigenen Land in der Regel nur eine Nacht an einem Ort, dann ziehen sie weiter. Irgendwie kommt einem das bekannt vor. Asiaten erleben ja auch gerne ganz Europa in zehn Tagen!

Kulturell Interessierte erfahren in Amakusa-City und Hondo  im „Christian Museum“ viele spannende Hintergründe zur Christen-Verfolgung in Japan im 17. und 18. Jahrhundert. Einem im Süden Japans herrschenden Shogun waren damals die Christen zu mächtig geworden. Zudem verehrten sie einen Gott, den sie über ihn selbst setzten. „So geht das nicht“, befahl der Kriegerheld, verbot den Glauben und ließ Christen verfolgen und töten. Viele Christen, die entkommen konnten, versteckten sich auf Amakusa und gingen ihrer Religion im Verborgenen nach. Erst 1873 wurde das Verbot aufgehoben. Heute leben in Japan wieder rund 500.000 Menschen christlichen Glaubens, sind aber gegenüber der in Japan stark verbreiteten Shintoismus-Religion deutlich in der Minderheit. Die Shintoisten kennen Götter sozusagen für jede Gelegenheit – ihre Gesamtzahl ist sechsstellig…

Unzen Nationalpark: Viel wilde Natur

Ganz Japan besteht zu 80 Prozent aus Gebirgen und Vulkanen. Hier unten im Süden sind sie auch eine wichtige Touristenattraktion. Auf der Shimabara Halbinsel in der Präfektur Nagasaki zum Beispiel ist der Unzen Nationalpark eine erste Adresse mit viel wilder Natur. Der Mount Unzen spuckte das letzte Mal vor 22 Jahren Feuer und Verderben – die „Desaster Memorial Hall“ als einziges interaktives Vulkanmuseum Japans erinnert an die Tragödie und zeigt Hintergründe und Auswirkungen. Das Museum ist perfekt durchorganisiert –  alle 100 Meter steht eine uninformierte Museums-Maid mit Megaphon oder Lautsprecher und gibt ihre Anweisungen und Erklärungen ab – leider nur auf Japanisch. Zum Glück gibt’s in diesem Museum Headsets mit englischen Infos.

Wo es raucht und stinkt ...

45 Fahrminuten weiter raucht die Erde ununterbrochen. Und es stinkt erbärmlich nach faulen Eiern. Die Schwefelquellen von Unzen haben es tatsächlich in sich… Im Hotel Yumei kann man u.a. die natürlichen heißen Quellen im traditionellen Onzen genießen.

Spektakulär endet der Trip nach Kyushu am Mount Aso, einem der größten Supervulkane der Welt. Hier begreift man, warum Kumamoto, die gastgebende Präfektur, übersetzt „Feuerland“ heißt. Tatsächlich brummeln in einer riesigen, besiedelten Caldera (25 km Nord-Süd, 18 km West-Ost) vier Krater still und leise vor sich hin. Aktiv ist Vulkan Nr.5, der Naka-dake (1506 Meter). Der Krater ist touristisch erschlossen und einer der touristischen Highlights Japans: 17 Millionen Besucher kommen pro Jahr. Der letzte große Ausbruch war vor gut 20 Jahren. Danach hat sich im Krater ein See gebildet, aus dem es permanent raucht und dampft.  Die Farbe reicht von Smaragdgrün bis Türkisblau. Wobei man Pech haben kann: Steht der Wind falsch, ist der Rundweg, der bis knapp an den Kraterrand führt, gesperrt: zu giftig und gesundheitsgefährdend sind die aufsteigenden Gase. Der Naka-dake kann jederzeit wieder ausbrechen – Betonbunker am Kraterrand sollen dann Schutz bieten.

Zuletzt bebte 2016 hier unten im japanischen Süden die Erde ziemlich heftig um die Hauptstadt Kumamoto. 50 Menschen fanden den Tod, über 3000 Verletzte mussten notversorgt werden. Viele Häuser und Bauwerke wurden zerstört und beschädigt, darunter auch die Stadtburg und der bekannte Aso-Schrein.  

Im Hotel in Kumamoto, dessen deutsche Partnerstadt Heidelberg ist, schlägt dann noch einmal die japanische Lebensart zu. Ausgerechnet auf der Toilette. Auf die geht man im traditionellen Japan nicht mit Straßen- oder Hausschuhen, sondern mit speziellen Klo-Schlappen, die direkt hinter der 00-Türe platziert sind. Natürlich sind sie nur in Größe 36 vorhanden…  Und überhaupt: So ein japanischer Klo-Besuch ähnelt einem Hightech-Sitz-Seminar. Da kann man Knöpfe drücken für Massagen, zur Reinigung des Allerwertesten (gibt’s in der Variante hart und weich), zur Spülung (gibt’s in der Variante Springbrunnen und Durchfluss) und für einen warmen Toilettensitz. Es gibt noch weitere Knöpfe. Wofür die gut sind? Keine Ahnung. Die Erklärung gab’s nur auf Japanisch… 

Stippvisite in Tokio

Wer Japan besucht, landet meist auf einem der beiden Großflughäfen von  Tokio, dem stadtnahen Airport Haneda oder dem weit außerhalb liegenden Airport Narita. Meist haben wir Europäer nur wenige Tage für die japanische Giganto-Metropole (gut neun Millionen Einwohner), so dass man gut daran tut, sich Schwerpunkte zu setzen und sich auf diese zu konzentrieren. Zum Beispiel auf  das traditionelle Viertel Asakusa, das hippe Ginza, den Tsukiji Fischmarkt, den zentralen Bahnhof  von Tokio im Finanzdistrikt sowie den neuen City-Hotspot am Skytree im altehrwürdigen und jetzt neu belebten Stadtviertel Oshiage. Übrigens: Tokio wird nach 1964 zum zweiten Mal Gastgeber der olympischen Sportwelt sein – für 2020 laufen bereits alle Vorbereitungen auf Hochtouren.

SkyTree – Tokios „Himmelsbaum

Der Aufzug ist einer der schnellsten der Welt: In 50 Sekunden erreicht er die erste Besucherplattform in 350 Meter Höhe, wo man bleiben und den Ohrdruck ausgleichen kann oder umsteigen muss in Aufzug Nr. 2, der noch höher rast. Am Ende steht man genau 451,2 Meter über Null, und Tokio, Asiens Mega-City, liegt einem zu Füßen.

Der SkyTree, vor einem Jahr eröffnet und mit bislang 30 Millionen Neugierigen ein Besuchermagnet, ist mit 634 Metern der derzeit höchste freistehende TV-Turm weltweit und in der Hitliste der höchsten Gebäude der Welt die Nr. 2 (nach dem Burj Khalifa in Dubai). Übrigens: Der höchste Besucherpunkt auf Tokios „Himmelsbaum“ liegt genau einen schlappen Meter unter dem vergleichbaren Punkt in Dubai, was kundige, technikverliebte Japaner durchaus ärgert…  Und auch ohne Fuij-Blick, der wegen Dunst, Wolken und Nebel an den meisten Tagen im Jahr ausfällt, lohnt das Höhenabenteuer und der Blick in Weite und Tiefe unbedingt.

Knapp 20 Euro (2000 Yen) kostet der Spaß, die Wartezeiten an den Lifts (in der Regel 60 Minuten)  überbrücken junge japanische Mitarbeiter mit allerlei Verrenkungen, Grimassen und lustigen Ansagen (auch auf Englisch). Tipp: Für Ausländer gibt es ein Fasttrack, der etwas mehr kostet, aber viel Zeit spart. Infos: www.tokyo-skytree.jp  (gibt’s auch in Deutsch).

Text und Fotos: Alexander Richter

Infos

Anreise:  Nach Japan fliegen von Deutschland nur wenige Airlines direkt, u.a. das StarAlliance-Mitglied All Nippon Airways (ANA). Flugdauer Frankfurt – Tokio - Kumamoto: rund 15 Stunden.
Reiseveranstalter: Kyushu mit Gokanosho  wird derzeit europaweit exklusiv nur vom Berliner Reiseveranstalter Geoplan angeboten. Die Tour ist auch als individuelle Bahnreise ab 1890 Euro und für Selbstfahrer ab 2090 Euro möglich. Die Reise ist komplett durchorganisiert, und der Gokanosho-Teil ist bei beiden Varianten privat geführt mit Driver-Guide und Fahrzeug.
Infos: www.geoplan-reisen.de 

Sicherheit nach Fukushima:  Aus radiologischer Sicht ist ein Aufenthalt in Japan, außer in den gesperrten Gebieten um die havarierten Reaktoren von Fukushima, unbedenklich, heißt es in den Reiseempfehlungen des Auswärtigen Amtes in Berlin. Japanische Tourismus-Experten betonen sogar, dass die natürliche radioaktive Strahlung z.B. in Tokio geringer ist als in Deutschland.

Auskünfte allgemein: Die Japanische Fremdenverkehrszentrale JNTO (www.jnto.de)  bietet eine kostenlose Infobroschüre an. Auf 60 Seiten gibt‘s viel Wissens- und Lesenswertes für alle, die eine Reise ins Land der aufgehenden Sonne planen. Die Broschüre kann telefonisch unter 069-20353 oder per E-Mail: fra@jnto.de angefordert werden.

Buchtipp

Ein Stadtführer der etwas anderen Art verbirgt sich hinter dem Titel „Tokio“ aus dem Hölker Verlag in Münster. Genuss pur ist angesagt – auf gut 230 ansprechend aufgemachten Seiten gibt es zahlreiche auch Insider-Tipps fürs Shopping, für angesagte Bars und Restaurants, auch für das ein oder andere Museum.
Die Texte sind kurz und beschränken sind auf das Wesentliche. Zudem verraten die Autoren immer, wie man die jeweilige Adresse mit der perfekt organisierten und fast immer super pünktlichen Metro erreichen kann. Ein Führer mit viel Nutzwert, der für eine Tokio-Visite unbedingt ins Reisegepäck gehört. 
Tokio: Die besten Geheimtipps, ISBN 978-3-88117-156-4, 19,95 Euro.

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Die Reise nach Japan wurde unabhängig recherchiert, fotografiert und verfasst. Logistische Unterstützung gab es von Geoplan (Berlin) und ANA (Tokio).

Alle Angaben wurden von dem Autor nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Hayit Medien-Redaktion sowie von Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

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