KaDeWe – Feinschmecker und Erlebnis

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KaDeWe – Feinschmecker und Erlebnis

Von Frank Tetzel

Von Kleidung über Haushaltswaren und Lebensmitteln – im KaDeWe in Berlin ist so ziemlich alles zu haben, was das Herz begehrt. 2007 feiert Europas größtes Warenhaus sein hundertjähriges Jubiläum. Und die Zeit bleibt nicht stehen: Es wurde in den letzten Jahren renoviert und umgebaut.

Immer dann, wenn ich auf meinen Kontoauszügen die paar Kröten sehe, die mir mein Verleger für diese Kolumne überweist, stellt sich mir die Frage: Was tun mit dem Geld? Auf der Bank lassen oder die deutsche Wirtschaft ankurbeln? Ich entscheide mich für das Letztere, hole meine Tochter vom Kinderladen ab und frage sie: Na Sophie, wollen wir heute mal wieder ein schönes Eis essen? Nicht, dass es nicht die Möglichkeit gäbe, am Ecksupermarkt zwischen Kinderladen und unserer Wohnung die süße Speise zu kaufen und sich, ein „Flutschfinger“ in der Hand, auf eine Parkbank zu setzen. Nein, meine Tochter und ich lieben es ein wenig bourgeois. Deshalb laufen wir dann Hand in Hand die vierhundert Meter zu Europas Gourmet-Tempel Nummer eins, die Feinschmeckeretage im Kaufhaus des Westens.

Fress-Etage und Erlebnis

Der ganze sechste Stock ist hier „Fress-Etage“, und zahlreiche Gourmets und Gourmands geben sich ein Stelldichein. Papa und Tochter gehen zielstrebig zu „Lenotre“, einem der dreißig Kochstände. Wir werden freudig mit einem: „Ach, Sie auch mal wieder da!“ von den netten Damen hinter dem Tresen begrüßt. Und nicht nur meine Tochter bekommt am Süßspeisenstand leuchtende Augen. Verschiedene Mousse und Cremespeisen, Halbgefrorenes, Crepes in Variationen von süß bis pikant und natürlich diverse Sorten Eis. Die Feinkostabteilung des KaDeWe ist immer noch die erste Adresse, wenn es um gutes Essen geht. Hier oben im sechsten Stock und siebten Himmel des Genusses findet man 34.000 verschiedene Artikel: davon allein 1.300 verschiedene Käsesorten, 400 Sorten Brot, 3.400 verschiedene Weine sowie Champagner, der für 4.500 Euro die Flasche zu haben ist. Und obwohl die Kaufkraft in unserer Stadt bekanntermaßen niedrig ist, geht es dem KaDeWe gut. Man trifft die Leute mit Geld an der Austernbar des Konsumtempels. Den Samstagmittag sollte man hier meiden, denn dann wird geprotzt was das Zeug hält.

Service und Auswahl werden groß geschrieben

500 Mitarbeiter, davon 150 Köche und Konditoren, kümmern sich um die kulinarischen Vorlieben der Gäste. Mein Vater, ein Freund von Meerrettich im Glas, fand hier eine sagenhafte Auswahl von – ich glaube – dreißig verschiedenen Sorten, so dass er sich aus Angst vor der Qual der Wahl dazu entschloss, nichts zu nehmen. Es gibt hier in der Tat nichts, was es nicht gibt: lebende Fische, von der heimischen Scholle oder dem Havelzander bis zu edlem Meeresgetier. Fast 500 lebende Hummer, 300 Lachse, 150 Kilogramm handgeschälte Grönlandgarnelen und 10.000 Austern gehen in guten Wochen über die Verkaufstheken. Außerdem gibt es Exoten wie Papageienfische von den Seychellen, Seeigel, Meeresspinnen und Langusten. Darüber hinaus Obst und Gemüse der besten Provenienz: Am Stand für exotische Früchte werden Kokosnüsse und Papayas neben so unbekannten und unaussprechlichen Früchten wie Nashi-Birnen, Kaki, Guaven, Ugli, Zuckerrohr oder Kochbananen angeboten. Ganz zu schweigen von der Schokoladenabteilung, die nicht nur Kinderherzen höher schlagen lässt. Man findet Kochstände mit Hummerangeboten, aber auch heimische Klassiker wie „der Berliner Kneipenteller“ oder Eisbein. Schweizerische, japanisch-chinesische und italienische Spezialitätenstände oder der beliebte Stand „Kartoffelacker“ machen einem die Wahl nicht leicht.

Europas größtes Kaufhaus

Und dabei ist die Feinschmeckerabteilung nur ein kleiner Teil des 60.000 Quadratmeter großen Hauses. Heute ist es das Flaggschiff der Karstadt-Gruppe und hat von der Krise des Mutterkonzerns so gut wie nichts zu spüren bekommen. Es ist einer der größten Konsumtempel und wird in einem Atemzug mit „Harrods“ in London oder den „Galeries Lafayette“ in Paris genannt.

Jubiläum

In diesem Jahr feiert das KaDeWe seinen 100. Geburtstag. Als Emil Jandorf das Haus im Jahre 1907 eröffnete, gehörte die Gegend am Wittenbergplatz noch gar nicht zu Berlin. Doch nach der Anlage des Kurfürstendammes in den achtziger Jahren und die verstärkt vornehme Bebauung in Schöneberg, Wilmersdorf und Charlottenburg, war die Gründung eines Hauses für den gehobenen Einzelhandel geradezu konsequent. Und Jandorf sollte den richtigen Riecher behalten. Das Haus hat dennoch eine wechselhafte Geschichte. In den späten zwanziger Jahren übernahm die jüdische Kaufmannsfamilie Tiez das KaDeWe und wurde nach der Machtergreifung durch die Nationalsozialisten enteignet. Im Krieg stürzte ein amerikanisches Flugzeug in den Innenhof des Kaufhauses, das fast vollständig ausbrannte. Der Aufbauwille nach dem Zweiten Weltkrieg machte es möglich, dass 1950 schon auf zwei Etagen Wiedereröffnung gefeiert werden konnte. Unvergessen bleiben mir die Szenen, als ich Mitte November 1989 nach Berlin kam. Unzählige DDR-Bürger stürmten das Kaufhaus. Viele waren vom Angebot der Waren völlig überwältigt und konnten einfach nicht glauben, was sie sahen.

Täglich 50.000 Besucher zählt das KaDeWe heute, die von der Ansichtskarte für einen Euro bis zur goldenen Damenhandtasche von Louis Vuitton für 150.000 Euro die gesamte Palette des Warenangebotes erstehen können. Seit drei Jahren erlebt das Haus eine Metamorphose, wie es in den Werbebroschüren heißt. Für rund 46 Millionen Euro wird es modernisiert und noch luxuriöser.
Im Erdgeschoss, im so genannten Luxusboulevard, laufen meine Tochter und ich allerdings immer konsequent an den Markenartikeln von Gucci, Dior, Chanel, Cartier oder Bulgari vorbei. Das Honorar für diese Kolumne reicht dafür einfach nicht.

KaDeWe
Tauentzienstraße 21-24
10789 Berlin
 Tel.: 030 - 21210
 Fax: 030 - 21212620
www.kadewe.de
info@kadewe.com

Öffnungszeiten:
montags bis donnerstags 10-20 Uhr
freitags 10-22 Uhr
samstags 9.30 bis 20.00 Uhr

Verkehrsanbindung:
U-Bahnhof „Wittenbergplatz“ mit U1, U2 und U3
Diverse Buslinien

 

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