Koh Samui

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Koh Samui: Abenteuer nach Mitternacht

Eine Urlaubserinnerung

Ein Traumurlaub in fernen Ländern ist oft mit spannenden Erlebnissen verbunden. Liebe, Nervenkitzel und Romantik sind die Themen. Unsere Leserin Marlene von Brüggestein erzählt, was ihr vor Jahren auf Koh Samui zugestoßen ist

Die Tür knarzte leise, als ich aus dem Bungalow trat. Trotzdem blieb ich ruckartig stehen und lauschte in die Stille der Nacht. Nein – im Schlafzimmer meiner Eltern regte sich nichts. Es dauerte dennoch eine Weile, bis sich mein Herzschlag wieder beruhigt hatte, und ich die Tür ganz hinter mir zuziehen konnte. Nicht auszudenken, wenn ich jetzt noch alles vermasselt hätte!
Ich atmete tief durch und genoß die angenehme Frische der Nachtluft. Da es ohnehin noch viel zu früh für meine Verabredung war, hatte ich es nun nicht mehr eilig. Mein Wecker stand auf ein Uhr nachts, doch ich hatte vor lauter Aufregung kein Auge zugetan und alle fünf Minuten auf die Uhr geschaut. Als meine Eltern nach dem Genuß von zwei Flaschen Rotwein ungewöhnlich früh zu Bett gegangen waren, hatte ich die Gelegenheit genutzt, um mich schon früher aus dem Staub zu machen.
Als ich mich schließlich 100 Meter von unserem Haus entfernt im schneeweißen Sand von Koh Samui niederließ um zu warten, klopfte mein Herz wieder bis zum Halse. Ich war so aufgeregt, wie es nur eine 18jährige sein konnte, die auf das größte Abenteuer ihres bisherigen Lebens wartet.

Der übliche Familienkrach

Vor einer knappen Woche war ich mit meinen Eltern zum Urlaub auf der thailändischen Insel aufgebrochen. Vorher hatte es den üblichen Familienkrach gegeben: Koh Samui war die Idee meiner Mutter gewesen. Ihre große Leidenschaft ist das Tauchen, und sie wußte, daß die Insel optimale Voraussetzungen für ihr Hobby bietet. Mein Vater war weniger begeistert, denn das Wasser ist nicht gerade sein Element. Schließlich hatte er unter der Bedingung nachgegeben, daß wir in den nächsten Ferien einen Wanderurlaub in den französischen Alpen machen.
Auch ich hatte keine große Lust auf die Reise verspürt. Mit meinen 18 Jahren fühlte ich mich zu alt für einen Urlaub mit den Eltern. Außerdem wäre ich lieber zu Hause bei Roman geblieben. Er war seit drei Wochen mein Freund und ich war glühend in ihn verliebt. Eine dreiwöchige Trennung erschien mir eine unglaubliche Qual.
Tja, was ich noch vor einer Woche für die größte Liebe meines Lebens gehalten hatte, war wohl nur ein Strohfeuer gewesen! Seit ich auf Koh Samui den jungen Fischer Kiku kennengelernt hatte, war mir Roman kein einziges Mal mehr in den Sinn gekommen...
Kiku! Schon bei dem Gedanken an seinen geschmeidigen braunen Körper durchzuckte mich ein wohliger Schauer. Nie zuvor hatte ich einen Mann wie ihn kennengelernt. Ich fand ihn ungemein attraktiv, doch das war nicht alles: seine Offenheit und Natürlichkeit waren eine wohltuende Abwechslung zu dem coolen Gehabe meiner Altersgenossen in Köln-Nippes.
Daß ich ihn nun heimlich und mitten in der Nacht treffen mußte, lag an meinen Eltern. Streng und altmodisch wie sie mir damals erschienen, hatten sie mir jeglichen Umgang mit Kiku schon bald verboten. Und sie ließen mich am Strand keine Stunde aus den Augen – je eindeutiger mir die Männer hinterherblickten, desto strenger wurden sie.
Ich war wohl so sehr in meine Gedanken versunken, daß ich nicht bemerkte, wie sich nur 100 Meter von mir entfernt die Tür unseres Ferienbungalows ein zweites Mal leise öffnete und wieder schloß...

Besser als alle Phantasien
„Du bist spät!“ sagte Kiku auf englisch, als ich schließlich am Strand erschien.
„Sorry,“ sagte ich und lächelte. Kiku lächelte zurück und seine braunen Augen nahmen einen warmen Glanz an. Er nahm mich sanft beim Arm und führte mich zu einem alten Holzboot, das leise in der Bucht auf und ab hüpfte.
„Come on,“ flüsterte er. „Let´s have a trip to the reef...“
Ich war begeistert. Das war besser als in meiner Phantasie! Ein kleiner Bootsausflug zum Korallenriff – mitten in der Nacht, und nur die funkelnden Sterne am Himmel würden unsere Zeugen sein! Das war genau das, was sich eine 18jährige unter Romantik vorstellt.
Meine Angst vor dem Abenteuer begann sich zu legen und wich einem unbekannten Gefühl der Wärme und Erregung. Zwar hatte ich bereits erste Erfahrungen in der Liebe gesammelt, aber das hier war neu.
Während Kiku das Boot geschickt aufs Meer hinaus manövrierte, betrachtete ich seinen nackten Oberkörper und das harmonische Spiel seiner Muskeln. Als wir endlich ruhiges Fahrwasser erreicht hatten, wurde ich mutig und legte ihm zögernd einen Arm um die kräftigen Schultern. Mit der anderen Hand begann ich, seinen Körper behutsam vom Bauchnabel abwärts zu massieren. Ich spürte seine Erregung, als er schließlich meine Lippen suchte und seine Zungenspitze zärtlich in meinen Mund gleiten ließ. Gleichzeitig schob sich seine Hand vorsichtig aber fordernd unter meine Bluse, wo sie mit großer Fingerfertigkeit an meinen Brustwarzen spielte, die sich sofort aufrichteten.

Der Ruck war gewaltig...
Mir stockte der Atem, als Kiku die andere Hand in mein Höschen gleiten ließ, und seine Bewegungen langsam drängender wurden. Dann spürte ich, wie Kikus Zunge um meine Brustwarzen kreiste und...
Der Aufprall machte keinen großen Lärm, doch der Ruck war gewaltig. Wir hatten beide die Strömung nicht bemerkt, in die das Boot geraten war. Als es auf die scharfe Kante des Korallenriffs auflief, gab es einen mächtigen Schlag, und das Boot kippte sofort um. Ich spürte, wie ein Strudel mich nach unten riß, um mich kurze Zeit später unsanft wieder nach oben zu schleudern. Kaum hatte ich nach Luft geschnappt, da wiederholte sich das Spiel der Wellen. Ich hatte keine Möglichkeit zu schreien oder einen klaren Gedanken zu fassen. Wo war Kiku?
Dann wurde mit schlagartig etwas klar: der Fischerjunge konnte gar nicht wissen, wie es um mich stand! Niemand außer meinen Eltern kannte mein kleines, unrühmliches Geheimnis... Das Wasser war am Chaweng Beach nicht tief. Man konnte gut und gerne 100 Meter ins Meer hinaus waten. Deshalb wußte Kiku genauso wenig wie irgendjemand sonst, daß ich nicht schwimmen konnte...
Als ich zum dritten Mal für kurze Zeit an die Wasseroberfläche gespült wurde, hörte ich in weiter Ferne den Fischerjungen meinen Namen rufe. Doch ich konnte nicht antworten, denn die Wellen schlugen erneut über mir zusammen und drohten mir die Sinne zu rauben.
Ich hätte nicht sagen können, wie lange ich so im Meer getrieben und wieviel Wasser ich geschluckt hatte, als plötzlich ein starker Arm meine Taille umfaßte und mich an die Oberfläche zog.
„Kiku“, stammelte ich – doch es war nicht Kiku. Es war ein fremder Mann im Taucheranzug und mit Sauerstoffflasche. Er sprach nicht mit mir, denn es schien seine ganze Kraft zu erfordern, mich aus der Strömung zu befreien und ans Ufer zu bringen. Langsam erwachten auch meine Lebensgeister wieder, und ich half dem fremden Mann so gut ich konnte. Ein Taucher mitten in der Nacht! Ich konnte es kaum fassen, denn ich wußte, wie knapp ich dem Tod entronnen war.
Dann fühlte ich Boden unter den Füßen. Am Strand stand Kiku pudelnaß und beobachtete die Rettungsaktion mit angehaltenem Atem. Als ich schließlich japsend im Sand lag, eilte er zu mir und schloß mich fest in die Arme. Wir waren beide nicht in der Lage zu sprechen, aber seine Nähe tat unendlich gut. Mehr noch als auf dem Boot erkannte ich, wieviel mir Kiku bedeutete.
Zu meiner Schande muß ich gestehen, daß ich mich erst nach vielen Minuten wieder an meinen geheimnisvollen Lebensretter erinnerte. Ich wandte mich ruckartig um. Er war verschwunden.

Wir schnappten nach Luft
Irgendwie gelang es mir, mein nächtliches Abenteuer am nächsten Morgen vor meinen Eltern zu verbergen. Es dämmerte bereits, als ich leise in mein Zimmer zurückschlich. Am folgenden Morgen schützte ich eine Erkältung vor und blieb im Bett. Meine Eltern fragten nicht nach.
In den verbleibenden zwei Urlaubswochen vollzog sich in der Beziehung zu meinen Eltern eine seltsame Wendung. Die beiden ließen mir nach und nach viel mehr Freiheit und behandelten mich wie eine Erwachsene. Ich konnte Kiku nun auch tagsüber problemlos treffen. Schließlich lud meine Mutter ihn sogar zum Abendessen ein, und alle schienen sich gut zu verstehen.
Am letzten Urlaubstag, als der schmerzliche Abschied nahte, verkündete mein Vater, er habe eine Überraschung für die Familie geplant. Er bat uns, einschließlich Kiku, am frühen Nachmittag zum Strand zu kommen. Als jedoch alle versammelt waren, fehlte von ihm selbst jede Spur.
„Da!“ rief Kiku plötzlich und deutete aufs Wasser. – Ein Mann kam in voller Taucherausrüstung an den Strand gewatet und winkte fröhlich.
Wir schnappten beide nach Luft. Das war doch... Unmöglich!
Ja, erklärte mein Vater stolz lächelnd. Er habe heimlich Tauchunterricht genommen, um seiner Frau eine Freude zu machen. Nachts habe er dann alleine geübt für seine heutige Vorstellung.
Ich schluckte, dann ging ich zu ihm und drückte unauffällig seine Hand. Mir wurde plötzlich klar, daß ich prachtvolle Eltern habe.

Marlene von Brüggestein

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