Berlin Kreuzberg SO 36 McDonalds

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SO 36 - Die Mischung lebt

Sie ist wieder da, die kapitalistische Gefahr in Kreuzberg SO 36. Klammheimlich versucht sie sich einzuschleichen in den Stadtteil, der nach wie vor eine Hochburg der links-alternativen Szene ist. Die Gefahr hat einen Namen: Sie heißt McDonalds, und will eine Filiale in der Skalitzer Straße / Ecke Wrangelstraße errichten. Unser Berlin-Autor Frank Tetzel hat den Fall unter die Lupe genommen.

Bislang war dieser Teil des Kreuzberger Kiezes eine „Mc-Donalds-freie Zone“. Die nächstliegende Filiale befindet sich am Hermannplatz, aber das ist ja schon Neukölln. Was die Kids der umliegenden Schulen eher freut, löst bei anderen Anwohnern ablehnende Reaktionen aus. Ein wenig erinnert die Situation an das kleine gallische Dorf, das der Ausbreitung des Kommerzes standhalten will. Die Inhaber traditioneller Dönerbuden, die Pizzerien und kleinen Lokale im Wrangelkiez fürchten um ihre Existenz, wenn die Burger-Braterei ihren Geschäftsbetrieb aufnehmen sollte. „Sie werden uns das Geschäft kaputt machen. Die ganze Wrangelstraße wird von Einbußen betroffen sein", teilt ein aufgebrachter Kaffeehausbesitzer einer Berliner Tageszeitung mit. Inzwischen hat sich das Thema schon bis in die „Spiegel-online“-Ausgabe hochgearbeitet.

Kreuzberger Mischung
Es zeigt sich, dass man es in Kreuzberg mit einer besonderen Mischung von Menschen zu tun hat. Es sind nicht die spektakulären Sehenswürdigkeiten wie der Kreuzberg, Checkpoint Charlie, die Oberbaumbrücke und das Jüdische Museum, sondern die hier ansässigen Menschen, die diesen Teil Berlins so interessant machen. Seit der Verwaltungsreform von 2001 gehört auch das Ostberliner Friedrichshain, getrennt durch die Spree und verbunden durch die Oberbaumbrücke, dazu.

Wasserschlacht
Kreuzberg wäre nicht Kreuzberg und Friedrichshain nicht Friedrichshain, wenn die Verwaltungsreform nicht überall auf Gegenliebe stoßen würde. Die Animositäten der beiden Bezirksteile äußern sich in den berühmten Wasserschlachten auf der Oberbaumbrücke. Dann stehen sich die „Wasser-Armee-Friedrichshain“ und die „Kreuzberger Landwehr“ sowie andere feministische oder Kreuzberg-patriotische Gruppen gegenüber. Sie bewerfen sich mit allem was irgendwie glibberig, wabbelig und stinkig ist. Das geht von faulem Gemüse über Mehlbomben, Eier und ähnliches. Dazu gehört auch die große Rauferei, bei man sich gegenseitig mit Schaumstoffknüppeln verhaut. Ob nun "Unterfriedrichshain" oder "Ostkreuzberg" den Sieg davon trägt, ist natürlich jedes Jahr umstritten. Ein Kurzfilm über dieses Ereignis, “Wasserschlacht, the great Boarder Battle“ wurde im Februar 2007 mit dem Berlin Today Award ausgezeichnet. Und noch eine Kuriosität am Rande: Das Verwaltungsgericht Berlin entscheidet in diesem Jahr unter dem Aktenzeichen (VG 1 A 166.06) über die Kosten der Straßenreinigung nach der jährlichen „Wasserschlacht“ auf der Oberbaumbrücke. „In diesem Verfahren hat die 1. Kammer darüber zu entscheiden, ob den Teilnehmern an der jährlichen ‚Wasserschlacht’ auf der Oberbaumbrücke zu Recht die Kosten der anschließenden Straßenreinigung in Höhe von ungefähr 3.200 Euro auferlegt wurden“, heißt es bei Gericht.

SO36 und 61
Der Kernbezirk Kreuzberg zerfällt in zwei Teile: Kreuzberg 61, der das Zeitungsviertel um die Kochstraße und den Checkpoint Charlie, den Kreuzberg, die Yorckbrücken, die Bergmannstraße, die Gneisenaustraße, den Südstern bis zum Hermannplatz umfasst und das kleinere, östlicher gelegene SO 36. Nach dem Mauerfall wieder in das Zentrum gerückt, war es zur Zeit der deutschen Teilung von drei Seiten von der deutsch-deutschen Grenze eingemauert. Zwischen Spree, Landwehrkanal, dem Kotti, wie der U-Bahnhof „Kottbusser Tor“ genannt wird, entwickelte sich ein eigenes Biotop aus links-alternativer Szene, Hausbesetzern, und Zugezogenen aus Westdeutschland. Hier siedelt Sven Regner seinen Roman „Herr Lehmann“ an und beschreibt auf liebenswürdige Art die Menschen dieses Bezirks vor dem Mauerfall 1989. Auch im 18. Jahr nach Öffnung der Grenzen haben die Gegend um den Moritzplatz und die Adalbertstraße ihren ursprünglichen Charme erhalten. Auch wenn heute Spreebrücken wieder befahrbar sind und sich der Verkehr durch die Adalbertstraße nach Friedrichshain quält. Früher hieß es einmal: „Der 61er fährt Mercedes und der 36er bricht ihm den Stern ab.“

Wowereits Fettnapf
Die Mischung macht’s, und zu dieser tragen auch die rund 50.000 Menschen mit „Migrationshintergrund“ bei, die in Kreuzberg leben. Sie stellen immerhin fast ein Drittel der 160.000 Einwohner. Vor allem der Wrangelkiez, in den jetzt McDonalds einziehen soll, ist von türkisch-stämmigen Bewohnern dominiert. Der Berliner Bürgermeister Klaus Wowereit ließ sich in diesem Zusammenhang dazu verleiten, öffentlich zu sagen, dass er, wenn er Kinder hätte, diese nicht nach Kreuzberg in die Schule schicken würde. Das Entsetzen war groß. Der Regierende kroch zu Kreuze und besuchte ein paar Monate später eine Kreuzberger Schule. In der Tat – dieser Teil Kreuzbergs gehört zu den ärmsten Stadtteilen Berlins. Und dennoch ist es hier anders, als etwa im benachbarten Neukölln. Nahezu zeitgleich mit Wowereits Äußerungen ließ der Grüne Politiker Cem Özdemir durch „spiegel-online“ die gesamte Republik wissen, warum er und seine Familie planen, gerade in den sozialen Brennpunkt S0 36 zu ziehen. „Die Antwort“, so Özdemir, „auf die Fragen im Freundes- und Bekanntenkreis, warum wir diesen Schritt ‚wagen’ – als ob wir auswanderten –, fällt uns nicht schwer: Kreuzberg ist ein lebenswerter Stadtbezirk. Auch und gerade in Kreuzberg gibt es gute und innovative Kindertagesstätten. In einem vergleichsweise kinderunfreundlichen Land ist Kreuzberg außerdem nahezu eine Insel der Glückseligen, ein Ort, wo wir uns nicht ständig rechtfertigen müssen, warum das Kind sich eben wie ein Kind verhält, und warum man als junge Eltern gelegentlich etwas Unterstützung und Verständnis braucht.“ Sucht man in der Onlinebibliothek Wikipedia einen Eintrag zu SO 36, erhält man über diesen folgende Information: „So ist SO 36 in den Augen seiner Einwohner lebenswerter als sein Ruf in der Öffentlichkeit. Geprägt ist der Kiez von einem starken Zusammenhalt der Bevölkerung. Einwohner von 36 zu sein, ist in hohem Maße identitätsbildend." Im Gegensatz zu Neukölln und Wedding gibt es den viel beschworenen Mythos Kreuzberg mit seinen alternativen Lebensentwürfen tatsächlich – trotz Hartz IV, der Drogenszene am Kottbusser Tor und sonstigen sozio-ökonomischen Verwerfungen.

Informationen zu Kreuzberg 36
Mit öffentlichen Verkehrsmitteln gelangt man am besten mit der U 1 oder der U 15 sowie der U 8 Richtung Kottbusser Tor. Dieser scheußliche Platz, wo die Drogenkriminalität blüht, ist eine städtebauliche Sünde, aber auch der beste Ausgangspunkt für Touren durch den kleinen Teilbezirk. Das Künstlerhaus Bethanien, die Eisenbahnermarkthalle Pücklerstraße 43/44 bzw. in der Eisenbahnstraße 42/43 sowie die Oberbaumbrücke am Schlesischen Tor sind Stationen, die man auf der Tour besuchen sollte.

Restaurantempfehlungen:

Weltrestaurant Markthalle
Pücklerstraße 34
Tel: 030-6175502
www.weltrestaurant-markthalle.de
Öffnungszeiten:
Täglich ab 10 Uhr
„Am frühen Morgen ist es immer am schönsten im Weltrestaurant Markthalle in Kreuzberg 36. Häufig kam ich schon kurz nach neun und genoss die stille, zurückhaltende Schönheit dieses Raumes; die Ruhe, die schlichten Tische und Stühle, die 100 Jahre alten, ehrwürdigen Holzpaneele an den Wänden, das Geräusch der Kaffeemaschine und das immer freundliche Lächeln der Bedienung. Keine Musik lenkt die Gedanken. Ich komme immer wieder gern hierher. Nach Reisen in der Welt oder schlaflosen Nächten in meiner Kreuzberger Wohnung. Jetzt sind über zehn Jahre vergangen, das Weltrestaurant ist zeitlos und trendlos geblieben. Alles beim Alten. Ein ganzer Tisch für meine Zeitung, einen Kaffee und später kommt noch mehr. So manches Mal ertappe ich mich dabei, dass ich schon um 6 Uhr in der alten Markthalle nebenan am Kaffeestand bei Inge einen kleinen Weissen bestelle und nur so da stehe, gedankenlos, aber irgendwie neugierig, was in unmittelbarer Nähe geschieht. Mich begeistert diese kleine Marktatmosphäre. Ein paar Gestalten und die Schrippen." So heißt es auf der Internetseite des weit über die Grenzen Berlins hinaus bekannten Lokals.

Anhalt
Vor dem Schlesischen Tor 2
Tel.: 030-61202360
www.anhalt-berlin.de
Öffnungszeiten:
Täglich 12-16 Uhr
In einer alten Tankstelle kurz vor der Grenze zum Bezirk Treptow gelegen wird hier eine preisgünstige und leckere Küche geboten.

Mama Su
Oranienstraße 193
Tel.: 030-61107216
Öffnungszeiten:
Täglich 12-24 Uhr
Wenn es um Essen aus dem Wok und um Sushi geht, ist das Mama Su eine gute Adresse.

Hasir
Adalbertstr. 10
Tel.: 030-6142373
http://www.hasir.de
Öffnungszeiten:
Rund um die Uhr an allen Wochentagen
Das Hasir in der Adalbertstraße ist so etwas wie die Mutter aller türkischen Restaurants in Berlin. Mit seinen Grillgerichten und Suppen ist es sowohl in der deutschen als auch in der türkischen Gemeinde bekannt. In diesem Restaurant wird rund um die Uhr an jedem Tag in der Woche gekocht und bedient.

Jolesch
Moskauer Straße 1
Tel.: 030-6123581
http://jolesch.de
Öffnungszeiten:
Montag bis Freitag 11.30–24 Uhr
Samstags 17–24 Uhr
Sonntags 11.30–24 Uhr
Angenehmes Ambiente. Es wird österreichische Küche in einem guten Preis-Leistungsverhältnis offeriert.

Café Morena
Wiener Straße 60
Tel.: 030-24375331
kontakt@morena-berlin.de
https://www.morena-berlin.com
Öffnungszeiten:
Täglich 9 bis open end
Das Morena eröffnete 1990 und ist seit dieser Zeit ein beliebter Treffpunkt. Das Ambiente wird insbesondere von den spanischen Fliesen geprägt. Damit verbunden ist auch der spanische Name. Bunt gemischtes Publikum. Von Sonntag bis Donnerstag wird Musik aufgelegt. Außer Techno wird fast alles geboten. Das spanische Frühstück mit Pfannkuchen und Obst sowie das englische mit Speck und Bohnen werden am häufigsten bestellt. Der Lammfleisch-Burger mit Pommes und Salat ist der Renner am Abend.

Weitere interessante Adressen und Treffpunkte in Kreuzberg:
Friedrichshain-Kreuzberg-Museum
Adalbertstr. 95 A
Tel.: 030-50585233
info@fhxb-museum
https://www.fhxb-museum.de

Öffnungszeiten:
Dienstags bis freitags 12-18 Uhr
Samstags und sonntags 10–18 Uhr
Hier befindet sich im Hochparterre die Historische Buchdruckerei Schneider, die einst in der Ritterstraße angesiedelt war. 1928 von Otto Schneider gegründet, zog sie 2001 hierher. Heute betreuen ehrenamtlich tätige Buchdrucker und Maschinensetzer zusammen mit Gerd Schneider, dem Sohn von Otto Schneider, die Druckerei. Diese verfügt über eine umfangreiche Ausstattung mit historischen Bleischriften, einen Heidelberger Tiegel und eine Automatic-Frontex-Schnellpresse.

Alevitisches Kulturzentrum
Anadolu Alevileri Kültür Merkezi
Waldemarstr. 20
10999 Berlin
Tel: 030-61658394

Ballhaus Naunynstraße
Naunynstr. 27
10997 Berlin
Tel: 030-25886646 

Bona Peiser-Bibliothek
Oranienstraße 72
10997 Berlin
Tel.: 030-50586411 

Familiengarten des Kotti e.V.
Aile Bahçesi
Oranienstr. 34 Hinterhaus
10999 Berlin
Tel.: 030-6143556 

Jugendkulturetage Mosaik
Oranienstr. 34 Hinerhaus
10999 Berlin
Tel.: 030-6156493 

Merkez Moschee
Merkez Camii
Wiener Str. 12
10999 Berlin
Tel.: 030-6186510 

St. Simeon-Gemeinde
Wassertorstr. 21a
10969 Berlin
Tel.: 030-6146794 

St. Thomas-Kirche am Mariannenplatz
Bethaniendamm 23-29
10997 Berlin
Tel.: 030-6123722

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