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Das perfekte Wochenende in Zagreb

Kunst, Kurioses und Kulinarisches in der Stadt der Herzen  
Man kennt das: Eine Beziehung, eine Freundschaft, eine Liebe geht auseinander. Und irgendwann will und kann der eine die Hinterlassenschaften des anderen nicht mehr sehen – raus damit! Vieles fliegt auf den Sperrmüll, anderes wird verhökert. In Zagreb landen viele dieser „Dinge vom Ex“ in einem Haus mit dem passenden Titel: Museum of Broken Relationships. Eine Schau der zerbrochenen Herzen mit den entsprechenden Geschichten – sehens- und erlebenswert! Wie überhaupt die kroatische Hauptstadt, die mindestens 90 Fahrminuten von den Sehnsuchts-Stränden der Adria entfernt liegt, eine überschaubare Destination für ein munteres City-Break am Wochenende ist. Auf geht’s! 

Zagreb – „Stadt der Herzen” genannt, aufgrund der beliebten Mitbringsel Zagreber Herzen (Foto: Alexander Richter)

Schlendern über die Ilica-Einkaufsstraße und Ausflug in die Gornji Grad (Oberstadt)

Freitag: Die Zahnradbahn (Uspinjaca) fährt in genau 64 Sekunden für schlappe vier Kuna (rund 50 Cent) von der lebhaften Unter- in die eher schläfrige Oberstadt. Der Einstieg liegt direkt an der belebten Ilica-Einkaufsstraße unweit des Hauptplatzes, der leider meist mit irgendwelchen Eventzelten und -bühnen zugestellt ist. Bevor es hinauf geht, lernen wir im Salon Croata, der in der ältesten Einkaufspassage Zagrebs („Oktagon“) um Kunden wirbt, schnell noch etwas über die Krawatte. Von der behaupten die Kroaten, sie erfunden zu haben. Das Wort „Krawatte“ gehe nämlich auf das Französische à la cravate (nach kroatischer Art) zurück. Denn einst sollen die Franzosen kroatische Soldaten, die ein Damentuch am Hals als Zeichen der Liebe zur Angebeteten trugen, schlichtweg als „Krawatten“ verunglimpft haben. Heute ist man in Zagreb stolz, dass Männer auf der ganzen Welt mit feinsten Seidenkrawatten aus der kroatischen Hauptstadt gekleidet sind.

In Gornji Grad (Oberstadt) steppt im Sommer der Bär – am „Strossmatre“ gibt’s jeden Abend Livemusik, Tanz, viele Getränke und noch mehr gute Laune. Jetzt, in der zweiten Jahreshälfte, kann man von hier eigentlich nur die Aussicht genießen und schöne Fotos schießen, z.B. von der Kathedrale am Kaptol. Lohnend ist ein Rundgang: Täglich um 12 Uhr mittags wird vom Lotrscak-Turm ein Kanonenschuss abgefeuert, den man aus nächster Nähe für zehn Kuna (rund 1,25 Euro) erleben darf. Um die Ecke fällt die Markuskirche vor allem wegen eines Dachziegelbildes in Form zweier Wappen ins Auge. Direkt nebenan sitzt die Regierung und tagt das Parlament. Ein paar Sch ritte laufen muss man zum Steinernen Tor (kamenita vrata) als verbliebener Teil der alten Stadtbefestigung. Der Legende nach zerstörte ein Großfeuer 1731 fast alle Nachbarhäuser und  nur ein Bildnis von Maria mit Jesuskind blieb heil. Die Zagreber deuteten dies als „Zeichen von oben“ und bauten das Steinere Tor zu einer kleinen Kapelle um – fast immer trifft man hier Gläubige und Betende. Einige Museen laden hier oben zu einem Besuch ein – ein halber Tag vergeht wie im Flug. Tipp: Das „Zerbrochene- Freundschaften-Museum“ hat bis spätabends geöffnet (www.brokenships.com).

Fallen von weitem ins Auge: Das heutige Wappen Zagrebs (rechts) und das historische Wappen des Dreieinigen Königreichs Kroatien, Slawonien und Dalmatien auf dem Dach der Markuskirche (Foto: Alexander Richter)

Vorbei an traditionellen Handwerksgeschäften und schlemmen auf dem Dolac-Markt

Samstag: Zagreb ist berühmt für seine kleinen Handwerksgeschäfte. Schauen wir uns um. Hutmacher Zlatko Cahun (73) formt in seinem Werkstatt-Atelier unweit des Hauptplatzes (offiziell: Ban-Josip-Jelacic´-Platz) formschöne Herrenhüte, z.B. aus tschechischem Hasenfell. Man kann ihm bei der Arbeit zuschauen und ihn befragen – Zlatko spricht hervorragend deutsch. Er würde gerne den Traditionsladen, den heute seine Tochter Josipa führt und der seit bald 80 Jahren existiert, in Eigenregie übernehmen – die Bürokratie Kroatiens steht dem noch im Wege, erzählt er, „aber ich gebe die Hoffnung nicht auf.“

Auf Herrenschuhe spezialisiert ist Strugar Shoes auf der Ilica-Straße – bei der Maßarbeit (rund 200 Euro für ein Paar) darf man auch hier den Schuhmachern über die Schulter schauen. In vielen kleinen Familienbetrieben werden zudem seit dem 16. Jahrhundert die berühmten roten Zagreber Herzen gefertigt, die ein beliebtes Mitbringsel sind. Das ursprünglichste Herz ist mit drei Blümchen und einem kleinen Spiegel geschmückt und wird der Liebsten übergeben mit den Worten: „Schau mal, wen ich liebe?“

Rund um Olivenöl und Kräuter geht es im Kaptol Center bei Uje – das kroatische Olivenöl gehöre zu den besten der Welt, heißt es im Shop. Ganz in der Nähe lädt die Bornstein-Vinothek zu einer zünftigen Weinprobe im Gewölbekeller. Ein vollmundiger und sonnenverwöhnter Plavac von 2008 mit 14,3 % alc. ist dabei mein Favorit – gut, dass es vorher ölhaltige Häppchen gab…

Zagreb, mit umliegenden Dörfern eine Millionenstadt, liegt an der Save – und tut es doch wieder nicht. Der Fluss, der mehrere Kilometer später bei Belgrad in die Donau mündet, findet im öffentlichen Stadtleben der mit sozialistischem Wohnungsbau beglückten Neustadt kaum statt. Schade eigentlich!

Zu Gast bei Hutmacher Zlatko Cahun: In den kleinen Handwerksgeschäften kann man den Meistern bei der Arbeit zu sehen (Foto: Alexander Richter)

Zurück in der City ist der „Bauch von Zagreb“ ein genussreicher Abschluss des Vormittags: auf dem Dolac-Markt wetteifern Duft und Geschmack manchmal auch lautstark miteinander. Obst und Gemüse, Fisch und Fleisch, Käse, Teigwaren und süße Kuchen – die frische Vielfalt ist beinahe grenzenlos. Probieren sollte man hier Mlinci, eine Spezialität aus Frischkäse und Quark im Strudelteig – köstlich! Satt ist man nach dieser Vorspeise nicht, aber das feine Restaurant Vinodol schafft da unter vielen anderen leckeren Küchen Abhilfe.
Ein Muss ist die mächtige Kathedrale am Kaptol-Platz, Bischofssitz und größte Kirche Kroatiens. Das ursprünglich barocke Wahrzeichen Zagrebs wurde in seiner Geschichte immer wieder von Erdbeben beschädigt und zuletzt 1880 zu einem großen Teil zerstört. Heute bestimmen die beiden neogotischen Türme – ähnlich wie in Köln der Dom – das City-Bild. Zufall oder nicht, es war dann auch u.a. der Kölner Architekt Hermann Bollé, der den Wiederaufbau der Kathedrale vorantrieb. Witterungseinflüsse und wenig Interesse an der Instandhaltung im kommunistischen Jugoslawien setzten aber dem Bauwerk weiter zu, sodass bis heute an ihr gewerkelt wird. So sieht man die Türme fast nie ohne irgendein Gerüst – auch hier ist die Parallele zum rheinischen Dom auffallend. Innen präsentiert sich die Kirche wohltuend schlicht, einzig zwei ebenso wuchtige wie kitschige Kronleuchter stören die Harmonie der Ruhe.

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Buchtipp Zagreb

Die kroatische Hauptstadt ist touristisch noch ziemlich unbeleckt. Man könnte auch sagen: Zagreb gilt immer noch als mitteleuropäischer Geheimtipp, der zu besuchen sich lohnt. Mit auf die Reise – die Stadt ist ideal für ein langes Wochenende – sollte  auf alle Fälle gehen der der jetzt in 3. Auflage aktualisierte Zagreb-Führer aus dem Trescher-Verlag. Autor Uwe Mauch hat einen gut informierten und launig geschriebenen Stadtbegleiter geschrieben, der Spaß macht. ISBN: 978-3-89794-317-9, 15,95 €.

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Wer nach so viel Stadt mal eine Pause zum Luftholen braucht, der sollte hinaus fahren. Zum Beispiel nördlich zum 1000 Meter hohen Medvednica-Gebirge, wo sich jährlich im Januar der Ski-Weltcup-Zirkus trifft – wenn denn Schnee liegt (was 2014 nicht der Fall war). Auf der 30-minütigen Fahrt ins bergige Grün ist ein Stopp am burgähnlich ummauerten Zentralfriedhof Mirogoj eine willkommene Gelegenheit, durch die Gräbergassen zu schreiten und berühmte Namen (u.a. Kroatiens ersten Präsidenten Franjo Tudjam) zu entdecken. Das Hauptgebäude des Friedhofs hat wiederum der Kölner Bollé gestaltet.

Samstagabend ist Zeit für Kultur. Entweder klassisch im Nationaltheater, einem wuchtigen Bau mit gelber Fassade, wo es unter www.ulaznice.hr Karten auch für kleines Geld (ab 60 Kuna = acht Euro) gibt. Angesagt sind aber auch junge Hotspots wie die Rock Bar oder der Pepermint Club.

Die Stadt der Herzen: Wo Kapellen sonntags in Pavillons zum romantischen Open-Air-Tänzchen aufspielen

Die anregenden Duftaromen, die Zagreb durchziehen, haben ihren Ursprung in den berühmten Kaffeehäusern (Foto: Alexander Richter)

Sonntag: Zagreb präsentiert sich mittendrin und am Rand erstaunlich grün. Unweit vom zentralen Hauptplatz beginnt eine Kette aus Plätzen und Parks, die zusammen eine Art grünes Hufeisen bilden. Sonntags am Vormittag ist es hier besonders nett, wenn Kapellen in Pavillons zum Open-Air-Tänzchen aufspielen und sich verliebte Paare tief in die Augen schauen. Wir bummeln durch kleine Gassen und finden ruhige Ecken mit vielen Cafés und Bistros. Gemütlich! Was Zagreb nicht mehr bieten kann, jedenfalls nicht mehr im großen Stil, sind die alten ehrwürdigen Kaffeehäuser nach Wiener Vorbild, die einst in der k.u.k.-Zeit mit ihrem anregenden Duftaroma die City durchzogen. Am Hauptplatz, auch am Theater, ist die glorreiche Kaffeezeit noch lebendig. Dafür lebt eine neue (alte) Tradition wieder auf: Zur Weihnachtszeit ist die ganze Stadt ein Lichter- und Farbenmeer mit vielen stimmungsvollen Märkten. Ein Grund mehr wiederzukommen. Dovidenja (auf Wiedersehen) in Zagreb!

Infos

www.zagreb-touristinfo.hr

Anreise: Germanwings fliegt von Köln, Croatian Airlines von Frankfurt und München mehrmals in der Woche direkt nach Zagreb.

Hotel-Tipps: Das Hotel Jägerhorn (3 St., 18 Zi.) liegt mittendrin und doch ruhig an der Ilica. Tolle Gartenterrasse, sehr freundliches Personal. Das Hotel Dubrovnik (4 St.) liegt sehr zentral unmittelbar am Hauptplatz. Unbedingt nach einem renovierten neuen Zimmer fragen. Das Hotel Esplanade (5 St.) liegt in Bahnhofsnähe und wurde 1920 speziell für Übernachtungsgäste des Orient-Express gebaut. Auch mehrere preisgünstige Hostels bieten Bett und Frühstück für den kleinen Geldbeutel.

Zagreb-Card: Die Zagreb-Karte gibt es für 24 und 72 Stunden – sie bietet zahlreiche Vergünstigungen. Preise: 60 bzw. 90 Kuna. Die beliebten City-Touren per Bus (Hop on- hop off) fahren auf zwei Linien (Preis ab 70 Kuna).

Buchtipp: Einblicke hinter kroatische Kulissen bietet exzellent und spannend geschrieben das Buch „Typisch Kroatien“ von Friederun Pleterski und tollen Fotos von Arnold Pöschl. Ein Buch mit Tiefgang. ISBN: 978-3-7012-0158-7, 24,99 Euro.

Text und Fotos: Alexander Richter

Alle Angaben wurden von dem Autor nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Hinweis der Redaktion
Diese Reisereportage wurde unabhängig recherchiert, fotografiert und geschrieben. Die Reise nach Zagreb wurde organisatorisch unterstützt von Zagreb-Tourismus.