Lanzarote - Tanz auf dem Vulkan

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Tanz auf dem Vulkan: Das erleben Sie auf Lanzarote

Lanzarote, die landschaftlich exotischste der Kanarischen Inseln, ist eine Reise wert. Zu jeder Jahreszeit. Damit Sie auf dem Vulkan-Eiland nichts versäumen, bringt FERNWEH.DE Sie mit Hilfe des Insel-Künstlers Cesar Manrique auf die richtige Spur

Das Meer glitzert unter uns, dann taucht die dunkle, wie verbrannte Insel Lanzarote am Horizont auf. So weit gleicht das, was die Urlauber heute erblicken, dem was Cesar Manrique bei seiner Heimkehr nach Lanzarote im Jahr 1966 sah. Heimweh nach dieser unglaublich exotischen Lavainsel war es, das den damals schon weltberühmten Künstler zurück auf dieses gottverlassene, bitterarme Eiland trieb.

Von nun an unterscheidet sich unsere Ankunft von derjenigen Manriques aber enorm. Uns empfängt ein überquellender Flughafen, durch den die Menschen wie Ameisen zu ihren Schaltern und Bussen wimmeln, die sie auf die 90.000 Betten der Insel verteilen. Manrique dagegen landete auf einer kleinen Piste, über die erst eine Handvoll Rucksacktouristen gerollt war.Manrique selbst war es, der beschloß, zahlungskräftige Touristen nach Lanzarote zu holen, um den Menschen dort zu helfen. Sie rangen dem Boden auf der quellenlosen Insel unter größten Mühen geringe Ernten ab, und in manchen Jahren regnete es nur so wenig, daß sie nachts Bettücher draußen ausbreiteten, um morgens den Tau heraussaugen oder -wringen zu können. Lanzarote, die verbrannte Insel, war die bei weitem ärmste der Kanarischen Inseln.

Restaurant „El Diablo” – hier kocht das Magma

Eine von Manriques ersten architektonischen Arbeiten auf Lanzarote war das Restaurant im Nationalpark Timanfaya, der 1730-36 entstand, als an die 100 neue Vulkane förmlich aus der Erde wuchsen und die Kornkammer Lanzarotes im Südwesten in eine bizarre Wüstenlandschaft verwandelten. Manriques Wahrzeichen für den Park, der Feuerteufel mit dem Dreizack, wacht am Eingang und gab auch dem Restaurant den Namen: „El Diablo”, das Teufelchen. Rund und flach wie eine Fliegende Untertasse schmiegt sich „das Teufelchen” zwischen die rot und schwarz schimmernde Vulkanlandschaft. Dazu gehört der wohl einzige vulkanbeheizte Grill der Erde: über einem tiefen Loch von 1,5 bis 2 m Durchmesser brutzeln Steaks, Würstchen und was der Gast sonst noch so wünscht. Gekocht wird direkt aus einer MagmakammerDas Feuer entzündet nicht der Koch, sondern das übernehmen die Drachen und Teufel in der Erde, an die unsere Urahnen einst glaubten. 2-4 km unterhalb des Nationalparks befinden sich kochendheiße Reste einer Magmakammer. Die Fußbodenheizung im Restaurant ist natürlich, und kein Material hält ihr länger als ein paar Jahre stand. Auch die Toilettenspülung darf wohl als die einzig warme der Welt bezeichnet werden. Hinter Glas liegt das Skelett eines kleinen Kamels, in Erinnerung an die Legende vom alten Einsiedler Hilario, nach dem dieser Berg benannt ist und der hier mit seinem Kamel als einzigem Freund gelebt haben soll. Das große Panoramafenster ermöglicht eine fantastische Sicht auf die Vulkanberge. Was zu wünschen übrig läßt, ist für unseren Geschmack die Atmosphäre im Restaurant.

Unsichtbarer Aussichtspunkt

Panoramafenster sind gewissermaßen zum Markenzeichen Manriques geworden. Als wir im Norden Lanzarotes mit dem Schiff unterwegs sind, sehen wir hoch oben mitten in den Felsen über uns etwas aufblitzen – die große Panoramascheibe des Mirador del Río wirft die Sonnenstrahlen zurück. Daneben sind einige bunte Punkte zu sehen: die T-Shirts der Touristen, die auf der in den Fels gebauten Terrasse stehen und den Blick auf die kleine Isleta La Graciosa und das Meer genießen. Gäbe es die T-Shirts und das verräterische Blitzen nicht, so wäre der 480 m über dem Meer gelegene Mirador von dieser Seite absolut unsichtbar.Blick vom Berg Mirardor del RioDer Mirador del Río ist zugänglich von der Straße, die die Orte Guinate und Yé verbindet. Das Gebäude selbst ist in den Berg gebaut. Manrique grub den Berg auf, baute seine Räume hinein und errichtete eine Fassade mit einem runden, unauffälligen Fenster aus Steinen. Heute wächst Gras über die Sache: die bergeigene Flora breitet sich über dem Mirador wieder aus. Innen gibt es wie im „El Diablo” keine Ecken, die Manrique für Raumverschwendung hielt. Dafür eine kunstvolle, um 360 Grad gedrehte, offene Treppe, auf der man kleine Kinder besser an die Hand nimmt. Im altkanarischen Stil getöpferte Gefäße sind in Nischen ausgestellt, und Farne wachsen auf den pilas, jenen porösen Gefäßen aus vulkanischem Gestein, mit denen die Lanzaroteños das aufgefangene Regenwasser filtern konnten. Merkwürdige Metallgespinste hängen von der Decke des Selbstbedienungsrestaurants. Es sind avantgardistische Plastiken Manriques, gefertigt aus Schrottmetall, die vielleicht nicht jedem gefallen. Sie machen aber durchaus Sinn, denn ohne deren viele kleine Plättchen würde sich der Schall in dem großen runden Raum endlos fortsetzen. Der Aufenthalt dort wäre unerträglich. Der Mirador hat größten Anklang bei Architekten in aller Welt gefunden: weil er sich so sehr in die Natur einfügt, daß man das Gebäude kaum noch sieht. Hier wurde Natur ausgestaltet, ohne gelitten zu haben.Genau das, so sagen viele, sei bei den Jameos del Agua, Manriques umstrittenstes Projekt, nicht gelungen. Das freilich macht die Grotte an der Nord-ost-Küste Lanzarotes bei Touristen nicht weniger beliebt.Lavablase bei Jameos del Agua

Münzen für blinde Albino-Krebse

Wir zahlen unsere Eintrittsgebühr an einem im Stein versteckten Kassenhäuschen und verschwinden dann dahinter auf einer Treppe. Sie windet an der Wand entlang, und wir erreichen eine kleine Plattform mit Restaurant-Tischen – wir sind am Boden einer ehemaligen Lavablase. Gleich daran schließt sich die Grotte an: Jameos del Agua ist gewissermaßen eine langgestreckte Höhle, an deren Anfang und Ende die Decke eingestürzt ist bzw. von Lava und heißen Gasen weggesprengt wurde. Unter dem überdachten Teil befindet sich ein kleiner See mit weißen, 2 cm großen blinden Albino-Krebsen, die eigentlich in die Tiefsee gehörten. Erdverschiebungen haben sie vor wer-weiß-wie vielen Jahrtausenden hier heraufgespült. Nun sind sie vom Meer abgegrenzt und haben sich eigenständig weiterentwickelt. Es gibt sie nur hier und nirgends sonst auf der Welt. Dieser Einsamkeit und ihrer Farbe wegen nennt man sie auch Weiße Mönche. Seit es nun dank der Touristen mit der Einsamkeit vorbei ist, haben die Krebse ein hartes Leben. Die Urlauber nämlich warfen als Glücksbringer Münzen in den See. Aber den Weißen Mönchen zumindest brachte der plötzliche Reichtum keinen Segen. Die Korrosion der Münzen setzte ihnen so zu, daß der Bestand der kleinen Tierchen rapide schrumpfte. Schnellstens wurde der Reichtum eingesammelt, und heute weisen Schilder die Besucher darauf hin, daß die Krebse mit Geld nicht „zurechtkommen”. Nur langsam hat sich das kleine Krebsvolk wieder erholt. Dem See schließt sich, nun wieder unter freiem Himmel, eine zweite ehemalige Lavablase an. Einige Tische, eine Theke und eine Tanzfläche gibt es hier, denn in den Jameos del Agua geht’s am Wochenende heiß her. Bei kalten Drinks wird zu heißen Rhythmen getanzt. Gleich dahinter, schön wär’s zum Abkühlen, folgt ein traumhafter Pool – aber leider ist der Sprung ins kühle Naß inzwischen verboten. Zu groß wäre der Andrang.Eine Tür links hinter dem See, die man nur allzu leicht für bedeutungslos hält, führt in ein Auditorium – ein Konzertsaal im Fels. Immer wieder gibt es Aufführungen und Veranstaltungen aller Art in den Jameos del Agua, wobei es nicht einfach ist, die Termine zu erfahren. Am besten an der Hotelrezeption fragen und die deutsch- oder englischsprachigen Touristen-Zeitungen durchblättern.Wohnhaus von Cesar Manrique

Wohnung und Atelier: Haus des Künstlers

Wir verlassen die Jameos del Agua, und eigentlich zieht es uns jetzt eilig zum Strand. Zu einem der weißen Strände im Norden oder zur schwarzen Playa de Janubio in der Nähe der Salinas de Janubio . Aber im Grunde sollte man, wenn man sich für Cesar Manrique interessiert, nicht an seinem einstigen Haus vorüberfahren, auch wenn mit Manrique zusammen alles Persönliche ausgezogen ist. Hier laufen alle Fäden zusammen. In der Stiftung des Cesar Manrique, diesem Mittelding aus Wohnhaus und Atelier, das Manrique kurz vor seinem Tod (1992) verließ und als Stiftung der Öffentlichkeit übergab. Manrique baute sein Haus in das LavagesteinAuf fünf Lavablasen, oder besser in diese hinein baute er sein Haus, indem er die Blasen als Räume erhielt. Im oberen Stockwerk sind zahlreiche Gemälde und Plastiken, aber auch Skizzen und Entwürfe zu sehen. Allererste Entwürfe fehlen aber häufig. Denn Manrique war ein höchst spontaner, kreativer Mensch, dem Schaffensdrang und Ideen plötzlich kamen, wenn er eine Landschaft vor sich sah. Er skizzierte in den Sand, auf leere Zigarettenschachteln und auf Pappdeckel. Häufig wurde nach solchen Skizzen gearbeitet und mittendrin wieder etwas geändert. Erst wenn alles halb fertig war, wurde die offizielle Zeichnung angefertigt.Garten von Manriques Haus

Genie ohne Grenzen

Noch oft begegnen wir Manrique während unseres Urlaubs: das avantgardistische Monumento al Campesino, der Kaktusgarten von Guatiza, die Windspiele an den Kreuzungen, zahlreiche Gemälde in diversen Restaurants, die Gestaltung des Restaurants „La Era” in einer ehemaligen Finca, das Museum für Moderne Kunst im alten Castillo de San José in Arrecife und vieles mehr. Er hatte noch zahllose Pläne, die auch nach seinem Tod keineswegs vom Tisch sind – etwa die Gestaltung eines Aussichtsturms an der grünen Lagune von El Golfo.Der Schaffensdrang dieses Mannes kannte keine Grenzen. Sein Ziel hat er erreicht: mit dem Tourismus kam für seine Heimatinsel ein bescheidener Wohlstand. Bescheiden nur, weil den Rahm natürlich die Tourismus-Industrie aus dem Ausland abschöpft. Dennoch Kaktusgarten von Guatizagewähren die Läden, die Anstellungen als Kellner und Zimmermädchen in den Hotels ein relativ sicheres Einkommen, vom dem die Lanzaroteños vorher nicht einmal zu träumen wagten. Aber dafür fehlt in den traditionellen Berufen der Nachwuchs. Niemand will mehr Bauer oder Fischer werden, und dabei stirbt mit der Tradition die Insel selbst. Das alles hat Manrique selbst schon Ende der 60er Jahre vorausgesehen und angemahnt. Aufhalten freilich konnte er die Entwicklung, die er selbst mit in Gang gebracht hatte, nicht mehr.Aber nicht nur indem er den Tourismus förderte, hat er zur Verfremdung der Insel beigetragen, sondern auch mit seinem Schaffen. Er hielt sich selbst für ein Genie, und zum Glück für Lanzarote war er es wohl auch. Sicher aber ist, daß seine Werke, wenn man sie im einzelnen auch für gelungen befinden mag, in ihrer Gesamtheit der Insel etwas nehmen. Etwas, das nun für immer verloren ist; etwas, das man Naturbelassenheit, Unberührtheit nennen könnte.

 

Lanzarote Infos

Allgemeines
Lanzarote gehört zu den Kanarischen Inseln, einer Inselgruppe im Atlantischen Ozean, die nur wenige Hundert Kilometer von der Westküste Marokkos entfernt gelegen ist. Die Kanarischen Inseln sind spanisches Staatsgebiet.

Lanzarote wird landschaftlich von ausgedehnten Lavafeldern und fast 300 Vulkankegeln geprägt, und zahlreiche schwarze und weiße Strände säumen die Küsten. Auf der Insel leben etwa 65 000 Einwohner; die Hauptstadt ist Arrecife.

Anreise
Lanzarote ist von Deutschland aus täglich per Charter- oder Linienflug direkt oder mit Zwischenlandung auf Teneriffa zu erreichen. Die Flugzeit beträgt ca. 5 Stunden.

Einreisebestimmungen
Bürger der Bundesrepublik Deutschland benötigen für die Einreise lediglich einen gültigen Personalausweis oder Reisepass, sofern sie nicht länger als drei Monate bleiben wollen. Für Haustiere ist ein amtstierärztliches Gesundheitszeugnis mit dem Nachweis einer gültigen Tollwutimpfung erforderlich.

Ärztliche Versorgung / Impfungen
Die ärztliche Versorgung auf Lanzarote ist gut. Neben zahlreichen Arztpraxen gibt es in den größeren Orten und Urlaubszentren gut ausgestattete Kliniken, und in kleineren Ortschaften stehen medizinische Zentren zur Verfügung.

Die Apotheken sind gut sortiert. Medikamente und Behandlungen müssen in der Regel an Ort und Stelle bar bezahlt werden, die heimischen Krankenkassen erstatten die Kosten nur gegen Vorlage detaillierter Rechnungen zurück.

Es besteht keine Impfpflicht. 

Klima / Reisezeit
Die Kanarischen Inseln gelten auch als die “Inseln des ewigen Frühlings”, wegen der das ganze Jahr über eher milden und ausgeglichenen Temperaturen: Die Wassertemperaturen sind bis in den frühen Winter hinein mild und betragen im Januar / Februar immerhin noch 18-19 °C; im Sommer liegen sie bei ca. 23 °C. Im Sommer muss man sich tagsüber auf Temperaturen zwischen 23 und 30 °C einstellen, und auch in den Wintermonaten liegen die Temperaturen noch bei durchschnittlich 20 °C. Regenfälle kommen nur sehr selten vor.

Sprache / Verständigung
Auf Lanzarote wird Spanisch gesprochen. In den Urlaubszentren wird man sich auch mit Deutsch oder Englisch verständlich machen können.

Zeit
Auf den Kanarischen Inseln gilt mitteleuropäische Zeit (MEZ) minus einer Stunde.

Und während der Sommerzeit werden auch hier die Uhren um eine Stunde vorgestellt.

Weitere Infos
Weitere Informationen gibt es bei den Spanischen Fremdenverkehrsbüros:

Deutschland

Kurfürstendamm 180, D-10707 Berlin, Tel. +49 30/8826936, Fax +49 30/8826661, mailto:berlin@tourspain.es

Grafenberger Allee 100, D-40237 Düsseldorf, Tel. +49 211/6803980, Fax 0211/6803985 mailto: mailto:dusseldorf@tourspain.es 

Myliusstr. 14, D-60323 Frankfurt/Main, Tel. +49 69/725038, Fax +49 69/725313, mailto:frankfurt@tourspain.es

Schubertstr. 10, D-80336 München, Tel. +49 89/5307460, Fax +49 89/5328680, mailto:munich@tourspain.es

Österreich:
Walfischgasse 8, A-1010 Wien 1, Tel. +43 1/5129580, +43 1 5129581, mailto:viena@tourspain.es

Schweiz:
Seefeldstr. 19, CH-8008 Zürich, Tel. +41 1/2527930, +41 1/2526204, mailto:zurich@tourspain.es

Alle Angaben wurden von Hayit Medien und fernweh.de nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Reisebericht: Monika Reckmann
Reise-Infos: Ertay Hayit
Fotos:Ertay Hayit

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