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Luzern: Oben ohne aufs Horn

Gewusst wie: Die Schweiz geht auch günstig

Ferien in der Schweiz gehen ins Geld. Ein kleiner Espresso für fünf Euro, ein einfaches 2-Gang-Nachtessen (Abendbrot) mit zwei Glas Bier im Gasthaus für 40 Euro – da ist in der Urlaubskasse schnell Ebbe. Nach den jüngsten Franken/Euro-Kapriolen sind für viele Reisefreunde eidgenössische Urlaubstage (fast) unbezahlbar. Aber: Man kann auch in der Schweiz schlau unterwegs sein und Geld sparen. Zum Beispiel mit touristischen Tages- oder Wochenpässen. Wir haben in Luzern und Umgebung den Tell-Pass auf Herz und Nieren geprüft und sind an drei Tagen maximale Kilometer mit Zug, Bus, Bergbahnen und Schiffen gefahren. Alles für 200 Schweizer Franken (SFr). Wir haben dabei satt Geld gespart und viel erlebt. Auf geht’s!

Luzern: Hafenpromenade mit Blick auf das Grand National Hotel (Foto: Alexander Richter)
Grand National Hotel Luzern Schweiz

Startpunkt ist Luzern, die atmosphärenstarke Schönheit der Brücken, Plätze und 225 Brunnen. Der Blick geht in die Höhe zu einigen 2000er Gipfeln, schweift über den mächtigen Vierwaldstättersee, den sie vor Ort gerne auch als „Lake Lucerne“ vermarkten, weil das von vielen ausländischen Gästen besser verstanden wird. Von den Asiaten und Arabern vor allem, die Tag für Tag in Großverbandsstärke einfallen – und Uhren, die vor allem, aber auch Dessous und Schoki einkaufen, bevor um 20 Uhr am Schwanenplatz Treffpunkt zur Busabreise ist.

In Luzern kann man sich prima treiben lassen… über die hölzerne Kapellbrücke flanieren, den See-Uferweg erkunden und sich z. B. im einzig verbliebenen Zunfthaus der Bäcker und Konditoren „Pfistern“ in der dortigen Stube (Beiz) lecker und in rustikalem Ambiente stärken. Denn am nächsten Tag soll er los gehen – der Erkundungs-Marathon der Umgebung.

Blick auf den achteckigen Wasserturm aus dem 14. Jh. und die Kapellbrücke am Vierwaldstättersee in Luzern (Foto: Alexander Richter)
Achteckiger Wasserturm und Kapellbrücke

Tourtag 1: Mit der Cabrio-Gondel aufs Stanserhorn

Der erste Tourtag beginnt mit dem motorunterstützten Aufstieg aufs Stanserhorn (1900 m über Luzern). Erst der Regiozug, dann eine nostalgische Oldtimer-Standseilbahn (1893 erbaut!), die so ganz im technischen Gegensatz steht zur supermodernen Gipfel-Gondel im Cabrio-Stil (auf dem Kabinendach steht man im Freien). Für den Bau der spektakulären Oben-Ohne-Bahn (Baukosten: 28 Millionen Franken) wurden sogar diverse Murmeltiere erst um- und dann zurückgesiedelt. Der Umzug ist den kleinen Bergbewohnern wohl bekommen – sie posieren putzmunter für die Kameras der Touristen.

Mit der im Juni 2012 eröffneten Cabrio-Luftseilbahn hinauf aufs Stanserhorn (Foto: Alexander Richter)
Cabrio-Gondel Stanserhorn

Das Stanserhorn bietet eine perfekte Rundumsicht auf die Berge und Seen der Zentralschweiz, die wir auch aus dem Drehrestaurant „Rondorama“ bei einem Kurzlunch mit Älplermagronen genießen. Preis für die Tour pro Person: 81.60 Franken.

Zurück am Fuße des Horns in Stans fährt der für die Schweiz so typische gelbe Postbus durch aufgeräumte, fast kitschig cleane Dörfer (5,10 SFr) unserem nächsten Ziel entgegen, das Beckenried heißt, wo’s u. a. raufgeht auf die Klewenalp (39 SFr), unserem Nachtquartier. Die Alp kann durchaus noch als Geheimtipp gelten, ist aber ein starkes Stück Zentralschweiz abseits der touristischen Massenströme. Die Nacht im Berggasthaus lässt sich urig an, beim Pfänndli-Plausch hat jeder Gast ein eigenes Rechaud und eine kleine Bratpfanne und bedient sich am Buffet (Fleisch, Gemüse).

Auf dem Stanserhorn bietet sich eine atemberaubende Rundumsicht auf die Berge und Seen rund um Luzern (Foto: Alexander Richter)
Aussicht Stanserhorn

Tourtag 2: Mit dem Dampfschiff nach Beckenried zur Königin der Schweizer Bergwelt

Zurück von der Alp steigen wir am zweiten Tourtag in Beckenried um aufs Dampfschiff, das Uri heißt (wie sonst!?) und uns gemütlich vor sich hin dampfend nach Vitznau bringt (12 SFr). Es bleibt genügend Zeit für eine kühle Schorle an Bord und einen Blick auf das von Bergen geprägte Seepanorama. Eine Tageskarte für den gesamten Vierwaldstättersee, der seinen Namen übrigens von den vier Urschweizer Wald-Kantonen Uri, Unterwalden, Schwyz und Luzern ableitet, kostet 72 SFr.

Unser Tagesziel ist eine Königin der Schweizer Bergwelt, die Rigi, auf der wir in knapp 1800 m Höhe all unsere asiatischen Uhren-Freunde wiedertreffen. Viele Zeitgenossen sind im Laufe der Jahrzehnte „oben“ gewesen, u. a. im 19. Jahrhundert ein gewisser Mark Twain. Seinen damaligen Aufstieg beschrieb er derart fesselnd, dass in der Folge die Rigi in den USA äußerst populär wurde und dies geblieben ist. Heute fahren stolze neun Bergbahnen hinauf, was als ziemlich rekordverdächtig gelten darf. Unsere Bahn hinauf (68 SFr) ist ein Stück Schweizer Meistertechnik – die Kletterziege aus Eisen und Holz war 1871 die erste Zahnrad-Dampfbahn Europas, wahrscheinlich sogar der Welt: Wer hat’s erfunden…

Beliebtes Fortbewegungsmittel auf dem Vierwaldstättersee: mit dem Dampfschiff von Beckenried bis zur Rigi (Foto: Alexander Richter)
Dampfschiff auf dem Vierwaldstättersee

Der Rummelplatz Rigi, der auch eine beliebte Wanderdestination ist, wird zur Traumkulisse, wenn die letzten Tagesausflügler verschwunden sind und Ruhe einkehrt für spektakuläre Sonnenuntergänge. Das Kulm-Hotel der Familie Käppeli bietet dazu eine ideale Bleibe, die allerdings mit Zimmerpreisen ab 228 SFr auch ins Reisebudget passen muss.

Unterhalb des Gipfels, an der Station Rigi-Kaltbad, wurde und wird mit Kränen und reichlich Handwerkern kräftig investiert – in Ferienwohnungen und Appartements mit Fernblick, in Wellnessbäder mit Tiefgang und in Gastronomie mit Chic-Faktor: Die Rigi hat seit Jahren viele zahlungskräftige Gäste aus Asien, Arabien, den USA und wahrscheinlich demnächst auch wieder aus Russland. Diese Klientel will gepäppelt und verhätschelt werden… Von Kaltbad bringt uns eine Luftseilbahn in Nullkommanichts nach Weggis, wo wir wieder ein Schiff zurück nach Luzern nehmen (19,60 SFr).

Die schweizerische Normalspur-Zahnradbahn Vitznau-Rigi-Bahn wurde 1871 als erste Bergbahn Europas eröffnet (Foto: Alexander Richter)
Vitznau-Rigi-Bahn

Tourtag 3: Aufstieg auf das Pilatus-Massiv

Tag drei unserer Tell-Pass-Power-Tour hat den Luzerner Hausberg zum Ziel, den Pilatus. 20 Minuten sind’s mit der Bahn vom Hauptbahnhof nach Alpnachstad, wo die knallrote Pilatusbahn startet. Sie ist in ihren Ursprüngen ein noch immer putzmunterer Oldie, der seit 125 Jahren seinen Job am Berg versieht. Auf 4,6 Kilometern schafft der „steile Zahn“ eine maximale Steigung von satten 48 Prozent – Weltrekord.

Das Pilatus-Massiv verwirrt durch gleich mehrere 2000er-Gipfel, von denen einer „Esel“ heißt, ein zweiter „Oberhaupt“. Ein dritter erinnert an den Berg der Berge in der Schweiz, das legendäre Matterhorn hoch über Zermatt. Dem kleinen Luzerner Bruder fehlen zwei Buchstaben und mehr als 2000 Meter – das Matthorn (2041 m) bietet dafür den schönsten Pilatus-Blick. Die Bergansicht ist freilich nicht nur die reine Freude – mit Hotels, Gastronomie und allerlei Vergnügungsbauten hat das Pilatus-Plateau Ähnlichkeiten mit einem Rummelplatz. Der Blick hinunter auf die Stadt und den See ist dagegen großartig. Preis für die silberne Rundfahrt ab/bis Luzern: 106 SFr!

Blick auf die Luzerner Altstadt (Foto: Alexander Richter)
Hotel des Alpes in Luzern

Die Tell-Pass-Bilanz:

Wir waren viel unterwegs in drei Tagen, haben Gipfel gestürmt, viele Eindrücke gesammelt und sind reichlich Bus, Bahn(en), Gondeln und Schiff gefahren. Unseren Tell-Pass haben wir an den drei Tagen maximal ausgereizt und deutlich über 100 Schweizer Franken gespart. Unterm Strich hat unser Drei-Tages-Ritt gut 330 Schweizer Franken gekostet, wir haben aber nur 200 Franken bezahlt. Was bedeutet: Gewusst wie, kann man in der teuren Schweiz auch Schnäppchen machen. Der Tell-Pass ist da nur ein Beispiel.

Infos

Günstige Tickets: Mit diversen touristischen Tickets und Ticket-Pässen kann man auf Reisen durch die Schweiz Geld sparen. Zum Beispiel mit dem Swiss Travel Pass (ab 146 Euro)  oder auch mit diversen Regionalpässen wie dem Tell-Pass.

Hotels:

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Buchtipp: „Wo die Schweiz am schönsten ist“ heißt ein komplett neu überarbeiteter Wälzer (fast 500 Seiten) aus der Reihe „Merian live“. Darin findet man über 1000 CH-Ausflugsziele und Reiseideen fürs ganze Jahr. Über 20 Seiten sind der Region Luzern gewidmet. Das Buch ist besonders geeignet für die Reisevorbereitung.  ISBN: 978-3-8342-2054-7, 10 Euro.

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Alles zu Luzern erfährt man hier: www.luzern.com

Test, Text und Fotos: Alexander Richter

Alle Angaben wurden von dem Autor nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Hayit Medien-Redaktion sowie von Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Hinweis der Redaktion
Diese Reisereportage wurde unabhängig recherchiert, fotografiert und geschrieben. Die Reise in die Zentralschweiz wurde organisatorisch unterstützt von Luzern Tourismus. Alle genannten Preise wurden final am 15. März 2015 überprüft.