Mallorca Höhlenwelten

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Höhlenwelten auf Mallorca

Ob im unterirdischen der "Coves del Drach" wirklich einmal ein Drache gelebt hat? Und wie schnell wächst eigentlich ein Tropfstein? Wahrheit und Legende: ein Besuch in Mallorcas Unterwelt. 

Langsam und fast lautlos bewegen sich die beleuchteten Boote auf die Mitte des Sees zu. Eine weibliche Stimme singt, dazu ertönen sanfte Klänge auf der Violine. Die Zuhörer starren nahezu lautlos auf das ungewöhnliche Schauspiel. Obwohl einige hundert Menschen in dem großen unterirdischen Gewölbe Platz genommen haben, geht die Atmosphäre nicht verloren.

Das klassische Konzert auf dem größten unterirdischen See der Welt gehört fest ins Programm einer Drachenhöhlen-Besichtigung. Die "Coves del Drach" gelten als die schönsten Höhlen Mallorcas und scheuen auch den globalen Vergleich nicht. Dementsprechend hoch sind die täglichen Besucherzahlen – und zwar zu jeder Jahreszeit.

Naturphänomen Tropfstein
Alle fünf Besucher-Höhlen auf Mallorca sind Tropfsteinhöhlen. Die Entstehung dieser bizarren Gebilde ist ein langwieriger Prozess. Ursprung ist eine chemische Reaktion, die man Versinterung nennt. Ein Tropfstein "wächst" äußerst langsam. Die Geschwindigkeit schwankt zwischen 2 mm und 2 cm pro Jahr.

Man unterscheidet die Tropfsteine nach ihrer Wachstumsrichtung: Stalaktiten wachsen von der Decke nach unten, Stalakmiten hingegen ragen vom Boden aufwärts. Viele Tropfsteine verfügen über eine hübsche Färbung, die sie mineralischen Einlagerungen im Sintermaterial verdanken.

Von den oft kitschigen Beleuchtungssystemen in manchen Höhlen mag man halten was man will – Tatsache ist jedoch, dass Tropfgestein seine Schönheit ohne Licht gar nicht entfalten kann!

Höhlenforschung auf Mallorca
Die größte der Baleareninseln ist von einem weitverzweigten Höhlennetz durchzogen. Wissenschaftler haben auf Mallorca fast 300 Höhlen entdeckt und katalogisiert. Zusätzlich ist die Anzahl der Grotten und Spalten beachtlich. Von diesen vielen Höhlen sind jedoch nur fünf für Besucher und Urlauber zugänglich. Die anderen sind nicht erschlossen oder ausgebaut, und somit den Höhlenforschern vorbehalten.

Eine echte Höhlenexpedition ist ein aufregendes Abenteuer. Es gibt vieles zu entdecken, aber man muss auch viel wissen und sehr vorsichtig sein. Eine umfangreiche Ausrüstung sowie Erfahrung im Klettern oder Tauchen sind wichtige Voraussetzungen.

Höhlen sind nicht nur für Abenteurer interessant, sondern vor allem auch für Archäologen, Geologen und Biologen. Oft haben sich endemische Insektenarten entwickelt. In den Drachenhöhlen lebt zum Beispiel eine Assel-Art, die weltweit nur hier vorkommt.

Von der Entdeckung zur Vermarktung
Zwischen der Erforschung einer beeindruckenden Tropfsteinhöhle und ihrer Vermarktung lagen auf Mallorca wie auch anderswo oft nur wenige Jahre. Denn Höhlen sind für Urlauber ohne Frage sehr attraktiv!

Die Drachenhöhlen sind beispielsweise schon seit der Antike bekannt. Im Jahr 1896 unternahm dann der Franzose Edouard Alfred Martel eine erste Expedition ins Höhleninnere. Nach ihm ist heute der See benannt. 1921 wechselte die Höhle ihren Besitzer. Der neue Eigentümer begann schon wenige Jahre später mit dem Ausbau und der Erschließung seiner Höhle. Wege und Treppen wurden angelegt, und 1929 installierte man das Beleuchtungssystem. Bereits 1937 wurden die Drachenhöhlen als Ausflugsziel für Urlauber eröffnet. Damals ahnte freilich noch niemand, wieviele Besucher die Coves del Drach tatsächlich bis heute alljährlich anlocken sollten!

Zwischen Kitsch und Schönheit
Eine Führung allein schien bald nicht mehr ausreichendes Lockmittel für die Urlauber zu sein. So installierte man immer aufwendigere und buntere Lampen und schuf zusätzliche Attraktionen. Auf den unterirdischen Seen in der Drachenhöhle sowie in den Coves del Hams finden heute klassische Konzerte statt. Dazu rudern die Musiker in hell erleuchteten Booten auf den See hinaus. Das ist nicht jedermanns Geschmack!

Aber gleichgültig was man von solchen Inszenierungen halten mag – die ursprüngliche Schönheit des Naturphänomens Tropfsteinhöhle bleibt bestehen.

Die 5 Besucherhöhlen im Einzelnen

Coves del Drach
Die Hauptattraktion ist der größte unterirdische See der Welt. Er hat eine Ausdehnung von 177 mal 30 Meter und ist 14 Meter tief. Auf beleuchteten Booten wird hier ein klassisches Konzert dargeboten. Zuschauerraum ist ein großes, saalartiges Gewölbe, dem man den passenden Namen "Amphitheater" verliehen hat. Nach der Vorstellung kann man den See über eine Brücke oder – mit ein wenig Geduld – auch per Boot überqueren.

Coves dels Hams
Nur einen Kilometer von Porto Cristo entfernt liegen an der Straße nach Manacor die Coves dels Hams. Sie wurden 1905 entdeckt und locken ähnlich große Besucherströme an wie die Drachenhöhlen. Auch hier gibt es einen unterirdischen See mit einer effektvollen Inszenierung. Die Höhlen haben eine Länge von 350 Metern.

Coves de Artà
Eingang bei Canyamel, direkt am Meer. Die Höhlen von Artà beeindrucken durch ihre Ausmaße. Die einzelnen Räume tragen wohlklingende Namen. Die Höhlen sind jedoch nicht unumstritten: Ein extrem buntes Beleuchtungssystem sowie die musikalische Untermalung der Führungen mutet vielen Besuchern als zu kitschig an.

Coves de Campanet
Echte Höhlenkenner sind sich einig: diese Höhlen sind die attraktivsten der Insel. Klein aber sehr ursprünglich und ohne zu viel technischen Firlefanz. Entdeckt wurden die Höhlen erst 1945, ein Maurer war bei der Suche nach Wasser auf sie gestoßen.

Coves de Génova
Die kleinsten öffentlich zugänglichen Höhlen Mallorcas sind auch die unspektakulärsten. Zwar gibt es auch hier klangvolle Namen und bunte Beleuchtung, aber die Formen- und Frabenpracht der Tropfsteine ist nicht so groß wie in den anderen Höhlen.

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