Urlaubserlebnis Mallorca: Versteckspiele. Gefangen in der Drachenhöhle

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Mallorca: Versteckspiele. Gefangen in der Drachenhöhle

Ein Traumurlaub in fernen Ländern ist oft mit spannenden Erlebnissen verbunden. Liebe, Nervenkitzel und Romantik sind die Themen. Unsere Leserin Regina Bechtold erzählt, was ihr vor Jahren auf Mallorca zugestoßen ist

Die Stimmen um mich herum wurden langsam leiser. Ich rieb mir die Hände und grinste lautlos. Geschafft! Ich hatte es mal wieder nicht lassen können...
Schon als kleines Mädchen war ich über jede Absperrung geklettert, um mir das verbotene Gelände aus der Nähe anzuschauen. Dabei war es egal, ob es sich um eine alte Burg, eine Baustelle oder um ein Museum handelte.

Pure Abenteuerlust
Es war nicht das Interesse, das mich auf unerlaubtes Terrain lockte. Nein, es war pure Abenteuerlust. Andere Kinder klauten Süßigkeiten im Laden oder veranstalteten schwierige Mutproben. Für mich hingegen war es der größte Nervenkitzel, mich vor meinen Eltern zu verstecken und mucksmäuschenstill zu verharren, bie sie mich wiederfanden. Das konnte manchmal mehrere Stunden dauern. Einmal mußten sie im Urlaub in Frankreich sogar die Polizei verständigen, bis sie mich in einer unverschlossenen Klosterzelle aufspürten. Für mich war´s ein Mordsspaß, aber meine Eltern hatten natürlich bald die Nase voll davon. Das Ende vom Lied war schließlich, daß sie überhaupt keine Ausflüge mehr mit mir unternahmen.
Inzwischen war ich zwar längst eine erwachsene Frau, aber meine geheime Leidenschaft war mit geblieben. Von Zeit zu Zeit hatte ich das Bedürfnis, mich vor der ganzen Welt zu verstecken. Ich tat es selten – denn ich fand es selbst ziemlich albern. Aber heute hatte es mich wieder gepackt.

Ein Weg in die Tiefe
Ich starrte auf die dolchartigen Tropfsteine vor mir und duckte mich unter einen Felsvorsprung. Ich
befand mich im Urlaub auf Mallorca. Soeben war in der Drachenhöhle das Konzert auf dem unterirdischen See zu Ende gegangen, und die Menschenmassen schoben sich dem Ausgang zu. Ich hatte mich am Ende der Schlange gehalten, und als plötzlich rechterhand ein schmaler Weg in die Tiefe führte, war die Versuchung zu groß gewesen: ich sprang geschickt über das niedrige Gatter, bog um eine Kurve – und da war ich nun.
Vermissen würde mich so schnell niemand. Am Morgen hatte ich mich heftig mit meinem Mann gestritten und war daraufhin wutentbrannt alleine zu dem Ausflug aufgebrochen. Vielleicht war das der eigentliche Grund für mein sonderbares Verhalten. Wollte ich ihn durch mein Ausbleiben in Angst und Schrecken versetzen?
Unsinn, sagte ich mir. Ich würde zwei oder drei Stunden hier sitzen bleiben und nachdenken. Dann würde ich entspannt zurückfahren und mich mit Klaus-Bernhard versöhnen. Ich wollte...

Undurchdringliche Finsternis
Weiter kam ich mit meinen Gedanken nicht. Plötzlich umgab mich undurchdringliche Finsternis. Zuerst war ich überrascht, dann bestürzt, und schließlich beschlich mich leise Panik. Irgendwie hatte ich die Zeit durcheinandergebracht. Die Höhlen wurden gegen 19 Uhr geschlossen. Ich hatte geglaubt, es sei viel früher. Aber tatsächlich hatte ich schon seit einiger Zeit keine Besucher mehr gehört.
„Halt“, rief ich jetzt laut. „Hier ist noch jemand! Nicht abschließen!“
Niemand antwortete. So schnell ich konnte, kletterte ich den schmalen Pfad wieder nach oben. Ich kam jedoch schlecht voran, weil ich mehrmals auf dem Geröll ausrutschte. Endlich erreichte ich den Hauptweg und tastete mich am Geländer entlang zum Ausgang. Eine schwere Stahltür versperrte den Weg. Ich begann wild dagegen zu hämmern, aber es geschah nichts. Kein Zweifel: ich war über Nacht in der Drachenhöhle eingesperrt! Das Herz schlug mir bis zum Halse.
Ganz ruhig, sagte ich zu mir selbst. Keine Panik. Es ist warm in der Höhle und verlaufen kann man sich auch nicht. Am besten wird es wohl sein, zum See zurückzugehen. Dort waren Bänke für die Besucher aufgestellt, die sich das Konzert anhörten. Vermutlich konnte man dort auch schlafen.

Im Schein der Flamme
Der Gedanke beruhigte mich und ich setzte ihn sogleich in die Tat um. Die Bänke waren zwar nicht bequem, aber immerhin besser als der Steinfußboden. Wenn ich schlafen konnte, würde die Nacht schneller vergehen.
Ich hatte ein Feuerzeug dabei und betätigte es nun. Gespenstisch sah der See im Schein der Flamme aus! Erneut wurde ich unruhig und löschte das Licht schnell wieder aus. Dann dauerte es nicht mehr lange, bis ich in unruhigen Schlaf fiel.
Ich weiß nicht, was mich so ruckartig weckte. Im ersten Moment hatte ich keine Ahnung, wo ich mich befand, doch dann war ich schlagartig hellwach. Es war mir, als ob vom See her ein Geräusch zu hören sei. Es klang nach heftigen Wellenbewegungen, die gegen den großen Drachenfelsen schlugen, der der Höhle ihren Namen gab.

Meine Nackenhaare sträubten sich
Obwohl ich sofort zu zittern begann, tastete ich nach meinem Feuerzeug. Das flackernde Licht bestätigte meine Ahnung: die Oberfläche des Sees war unruhig und aufgewühlt. Meine Nackenhaare sträubten sich. Wie konnte das sein? Hier unten gab es doch keinen Luftzug! Es war schlichtweg unmöglich...
Weg hier, war mein einziger Gedanke. Wieder spürte ich meinen Herzschlag. Ich raffte meine Jacke und stolperte so schnell wie möglich den Pfad entlang zur Ausgangstür. Als ich mich noch einmal umdrehte, hatte ich trotz der Dunkelheit den Eindruck, daß sich im See etwas Großes, Schweres bewegte.
Ich hörte erst auf zu rennen, als ich die Tür erreichte. Dort sank ich erschöpft nieder.
Es mochten vielleicht zehn quälende Minuten vergangen sein, als sich die Ausgangstür unvermittelt öffnete. Draußen war es noch dunkel. Vor mir standen ein fremder Mann im Schlafanzug – und Klaus-Bernhard.
Der Gute. Er hatte sich tatsächlich sehr um mich gesorgt. Als er es nicht mehr aushielt, fuhr er mitten in der Nacht los und klingelte den Aufseher aus dem Schlaf.
Es ist mir bis heute ein Rätsel, was ich in jener Nacht gesehen und gehört haben mochte. Vermutlich hat mir meine Phantasie einen Streich gespielt. Aber eines ist sicher: ich habe mich seither nie wieder irgendwo vor irgend jemanden versteckt.

Regina Bechtold

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