Oman – Kultur entlang der Weihrauchstraße

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Oman – Kultur entlang der Weihrauchstraße

Erholung im kühlen Schatten eines Pavillons in der Hauptstadt Maskat

Oman zählt zu den wenigen weißen Flecken der Erde, die es noch zu erkunden gibt. Eine Reise von Dubai durch den Norden Omans vermittelt Eindrücke in das mysteriöse Land an der früheren Weihrauchstraße

Im Bus, der in der Nähe von Dubais Flughafen parkt, drängen sich die Leute. Anscheinend gibt es zu wenige Plätze, doch wer klug ist, hat sein Ticket schon am Tag zuvor gekauft und daher nichts zu befürchten. Auch der Busfahrer scheint die Auseinandersetzungen der Pendler mit Gelassenheit hinzunehmen. Eindeutig – er ist ein Omani, denn seine traditionell-arabische Kleidung und sein dunkelhäutiges Gesicht verraten seine Herkunft. Westliche Passagiere, vor allem Touristen, sind selten in diesen lokalen Transportmitteln anzutreffen, die in ca. 5 Stunden die Strecke von Dubai nach Maskat, Omans Hauptstadt, zurücklegen. Ganz nach dem Motto der „orientalischen Gelassenheit“ werden daraus oft ein, zwei Stunden mehr. Weshalb man in dieses Land reist, ohne dort Geschäfte erledigen zu müssen oder Freunde zu besuchen – diese Frage wird dem Individualtouristen oft im Oman gestellt. Doch Kultur, Tradition, eine reiche Geschichte sowie abwechslungsreiche Landschaften sind nur einige Antworten, die man darauf entgegnen könnte.

Karge Ausläufer der Arabischen Wüste
Die Vereinigten Arabischen Emirate verlässt man in Richtung Südwest. Diese ländlichen Ausläufer sind nicht weniger modernisiert als der Rest des Landes, doch man kann vom Fenster aus die Wüsten-Rallyes der reicheren Araber verfolgen, für die das Auf und Ab über Sanddünen wohl einer Bergtour in unserem Sinn gleichkommt. In der Großen Arabischen Sandwüste verbringt so manche arabische Familie ihren Nachmittag mit Picknick, Kameltouren und diversen traditionellen Festen. Doch kurz darauf erheben sich schon die ersten Felsformationen und die Grenze zum Oman rückt näher. Am Zollamt von Dubai werden alle Reisenden und Pendler das erste Mal gebeten auszusteigen, um einen Ausreisestempel in ihre Pässe zu bekommen. Die richtige Prozedur beginnt aber erst am zweiten Grenzpunkt: das Ausladen des gesamten Gepäcks und die Durchsuchung der Koffer. Der omanische Grenzposten ist  ein imposantes weißes Gebäude mit Marmorboden. In der Regel ist die Einreise in den Oman für europäische Touristen kostenlos, das Visum gilt für drei Wochen.

Maskat – Verschmelzung von Tradition und Moderne
Die Hauptstadt des Omans, Maskat, bezeichnet eigentlich die gesamte Greater Capital Area, also auch die umliegenden Kleinstädte. Maskat (Muscat) selbst ist nur ein kleiner Teil, der zur Besichtigung des Sultanpalastes einlädt, allerdings nur von außen. Empfehlenswerter ist es jedoch, in Mutrah zu bleiben, dem wohl schönsten und allabendlich lebhaftesten Viertel von Maskat. Entlang der ruhigen Bucht von Mutrah verläuft auch die malerische Küstenstraße Corniche, an der sich die meisten Familienhotels zu recht günstigen, aber steigenden Preisen befinden. Ab 30 Euro ist es allerdings möglich, ein Zimmer mit Frühstück zu buchen. In der Nähe des Fischmarkts legen auch Kreuzfahrtschiffe an. Deren Gäste nutzen den Aufenthalt zur Besichtigung des großen Marktviertels. Die Märkte im Oman, sogenannte Souqs, könnten nicht traditioneller sein. Fast ausnahmslos wird omanisch-arabische Kleidung getragen. Die Männer stechen durch ihr langes weißes Gewand (dischdascha) und ihre bunte Kopfbedeckung (kummah) hervor, während sich die Frauen in schwarzes, oft mit Gold besticktes Tuch hüllen. Das ganze Marktviertel duftet nach Weihrauch, den man im Süden des Oman aus Sträuchern gewinnt und dann als Granulat verkauft. Das Land hat also seine Funktion als Weihrauchhändler beibehalten und seine Bewohner sind stolz, ihre Tradition bewahrt zu haben – trotz moderner Infrastruktur und ansteigendem Tourismus. Spaziert man von hier die ca. 4 Kilometer lange Corniche entlang vorbei an prächtigen Grünanlagen und goldenen Pavillons, so erreicht man den Sultanspalast Al Alam in Maskat, der von zwei Festungen, Fort Jalali und Fort Mirani, begrenzt wird. Die eine steht auf einer Insel und dient Sultan Qaboos als Privatmuseum, die andere ist Stützpunkt des Militärs und daher ebenfalls unzugänglich. Die Wachposten verstehen wie die meisten Omanis leider kein Englisch und können daher keine näheren Auskünfte über den Palast geben. Der Wohnungs- und Herrschaftskomplex wurde 1970 nach einem Regierungswechsel erbaut und von Sultan Qaboos im neo-orientanlischen Stil renoviert. Ansonsten gibt es in Maskat außer dem Haus des französischen Konsuls aus dem 19. Jahrhundert wenig zu besichtigen.

Fischerhafen und Altstadt von Mutrah

Shopping Malls und Nightlife im Oman
Wer ein Nachtleben im westlichen Stil erwartet, ist im Oman fehl am Platz. Alkohol ist nach islamischer Tradition, die auch von den eher liberalen Ibaditen im Oman streng befolgt wird, im ganzen Land verboten. Man verbringt die Abende mit Shopping – entweder in den traditionellen Souqs und Märkten oder in den westlichen Einkaufszentren, die sich außerhalb des Stadtkerns befinden. Da das öffentliche Verkehrsnetz im Oman noch nicht ausgebaut und organisiert ist, muss man sich mit Taxis ohne Taxometer begnügen und die Preise jedes Mal aufs Neue verhandeln. Oft werden 5 Omani Rial (ca. 10 Euro) für die Fahrt in einen anderen Stadtteil verlangt, während man für die Rückfahrt auf selber Strecke unter 1 Omani Rial bezahlt. Daher sollte man den Preis immer vorher erfragen und herunter handeln. Für Sammeltaxis zahlt man grundsätzlich immer weniger.

Nizwa – Oasenstadt mit Kultur
Ungefähr zweieinhalb Stunden dauert die Busfahrt von Maskat ins Landesinnere nach Nizwa. Die Autostraßen sind stark befahren und von guter Qualität. Das Al-Akhdar-Gebirge erstreckt sich über den Norden des Omans und macht die Landschaft abwechslungsreich, die Dörfer wirken verschlafen. Unweit der Oasenstadt Nizwa findet sich auch Omans Reichtum: die Ölquellen. Die Stadt selbst war früher eine blühende Handelsstadt und das Zentrum der Ibaditen, einer islamischen Untergruppierung. Sehenswert ist hier eine typisch omanische Festungsanlage aus dem 17. Jahrhundert, von der man einen herrlichen Ausblick über die Palmenhaine und Gebirgszüge genießt, sowie die Sultan-Qaboos-Moschee. Ansonsten ist Nizwa eine ruhige und nicht besonders abwechslungsreiche Stadt. Hotels wird man im Zentrum von Nizwa vergeblich suchen. Sie befinden sich 10 Kilometer außerhalb, sind nur mit einem Taxi zu erreichen und teurer als in Maskat. Indische und arabische Restaurants findet man sowohl im Zentrum als auch in den Randbezirken von Nizwa.

Bahla – eine Oasenstadt wie aus 1001 Nacht

Bahla – Stadt der Dschinn und Weltkulturerbe
Bahla ist eine Oasenstadt, die ca. 40 Kilometer von Nizwa entfernt liegt. Man sagt, die Befestigungsmauer der Stadt sei nur in einer Nacht von arabischen Geistern, sogenannten Dschinn, erbaut worden. Historikern zufolge stammt die Mauer, die sich über die vegetationslosen Hügel schlängelt, noch aus der Zeit der persischen Hochkultur, die auch an Oman nicht spurlos vorbei zog. Wie auch immer: Bahla befindet sich in der Liste des UNESCO-Kulturwelterbes und ist immer einen Besuch wert. Die Festung ist umgeben von verschachtelten Sandsteinbauten und Labyrinthen aus engen Wegen, die teilweise auch noch bewohnt sind. Den Bewohnern von Bahla werden bis heute magische Kräfte nachgesagt, vor denen die meisten Omanis großen Respekt hegen. Auch Kinder leben in der um die Mittagszeit so leeren Stadt. Sie laufen den seltenen Besuchern aus dem Westen entgegen und haben oft noch nie eine Kamera gesehen. Im romantischen Bahla scheint die Zeit tatsächlich stehen geblieben zu sein und man erlebt den Oman von seiner traditionellen Seite. Aber Vorsicht mit Urlaubserinnerungen: Alte Menschen und vor allem Frauen lehnen es ab, von Touristen fotografiert zu werden!

Rückreise von Nizwa nach Dubai
Zweimal täglich verkehren Busse von Nizwa in die Hauptstadt Maskat. Will man jedoch von der Oasenstadt auf kürzerem Weg über das Landesinnere zurück in die Vereinigten Arabischen Emirate, so ist das kein leichtes Unterfangen. Am Stadtrand von Nizwa befinden sich Verkehrsbüros, wo man Auskünfte zu den Fahrplänen erhält und auch das Ticket bar kaufen kann. Einmal in der Nacht fährt ein Bus nach Dubai, der um Mitternacht von Salala aus dem Süden kommt. Wählt man diese Variante der Rückreise, muss man sich keine Gedanken machen, allein in der Dunkelheit auf den Bus warte zu müssen, der oft verspätet eintrifft. Die meisten Restaurants und Cafés sind bis 2 Uhr morgens geöffnet und der Oman zählt nach wie vor zu den sichersten Golfstaaten mit einer geringeren Kriminalitätsrate als in manch anderen europäischen Ländern. Das sollte Touristen aber nicht zu Leichtsinn verleiten – Wertsachen sicher aufbewahren und nicht zu große Geldbeträge bei sich haben zählen  auch im Oman zu den Grundregeln.  An der Grenze der Vereinigten Arabischen Emirate werden alle Einreisenden mit ausländischem Pass noch einem harmlosen Augen-Screening unterzogen. Erst danach kann es unbeschwert über Al Ayn in Richtung Dubai weitergehen. Eine Exkursion in den Oman ist durchaus abwechslungsreich und ein Abenteuer für sich. Als Individualreisender sollte man allerdings immer die Sprachbarrieren und das kaum vorhandene Verkehrsnetz kalkulieren, bevor man eine Reise in das Land beginnt, dessen Kultur und Natur die Menschen seit Jahrhunderten in Staunen versetzt.

Stefan Haderer

Der imposante Sultanspalast Al Alam in Maskat behält seine Geheimnisse für sich

Praktische Infos zum Oman (Norden)

Anreise:
Täglich werden Flüge nach Maskat-Seeb, dem Flughafen in Maskat, von zahlreichen Fluglinien angeboten: Oman Air, Lufthansa, KLM, British Airways u.a. Der Flughafen befindet sich 40 Kilometer außerhalb der Stadt. Es fahren rund um die Uhr Taxis in die Stadt (Fahrdauer ca. 30 Minuten). Die Flugzeit Frankfurt-Maskat beträgt 7 Stunden.
Von Dubai (Busbahnhof Dinata/Nähe Flughafen) kann man auch mit dem Bus nach Maskat reisen. Das Ticket kostet ca. 20 Euro, die Fahrzeit beträgt mindestens 5 Stunden.

Einreise:
Für den Oman gilt Visumpflicht – es kann ein kleiner Betrag (zwischen 10 und 20 Euro) für die Einreise je nach Zollamt verlangt werden. Das Touristenvisum gilt für 3 Wochen, kann allerdings verlängert werden.

Klima/Reisezeit:
Von einer Omanreise in den Sommermonaten Juni-September ist abzuraten, da die Temperaturen zwischen 40 und 45 Grad Celsius liegen. Der Winter ist eine geeignete Reisezeit, die Temperaturen betragen dann ca. 26 Grad Celsius.

Websites:
Länderinformation des Auswärtigen Amts
Online-Reiseführer Lonely Planet (englisch)
Offizielle Website des omanischen Informationsministeriums (englisch)

Deutsche Botschaft in Maskat, Oman
www.maskat.diplo.de/Vertretung/maskat/de/Startseite.html
Ruwi, PO Box 128, PC 112  
Tel: +968 24 77 32 48 2
Email:diplofrg@omantel.net.om

Botschaft des Sultanats Oman in Berlin
Clayallee 82, 14195 Berlin
Tel: 030-84 41 69 70
Fax: 030-81 00

Österreichische Botschaft in Maskat, Oman

Moosa Complex, Building No. 477, 2nd Floor,Way 3109, Ruwi, PC 112.
Tel: +968 24 79 31 35, 24 79 31 45
Email: maskat-ob@bmaa.gv.at


Botschaft des Sultanats Oman in Wien
Währingerstraße 2-4/24-25, A-1090 Wien
Tel.: +43 (01) 310 86 43/44
Fax: +43 (01) 310 72 68