Schöner "Vicky"

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Unser „Vicky" ist der Schönste

Stadtplätze haben für uns Berliner eine ganz besondere Bedeutung. Sie sind Treff- und Kommunikationspunkte in unseren Kiezen: der Kollwitzplatz im Prenzlauer Berg, der Savignyplatz in Charlottenburg, der Boxhagener Platz im Friedrichshain oder der Rüdesheimer Platz in Wilmersdorf. Es gibt auch hässliche Plätze wie der Ernst-Reuter Platz oder der Nollendorfplatz. Aber unser Platz ist überhaupt der Schönste von allen. Liebevoll nennen wir ihn im Kiez „Vicky“ –  denn „Viktoria-Luise-Platz“ zu sagen,  ist uns zu umständlich.

Gesa, Sophie und ich wohnen in Sichtweite dieses Schöneberger Platzes, den der ehemalige Gartenbaudirektor und stellvertretende Landeskonservator, Klaus von Krosigk, einmal neben dem Pariser Platz und dem Gendarmenmarkt zu den drei schönsten Stadtplätzen Berlins zählte.

Unser kleines Dorf
Der Platz ist Mittelpunkt unseres Kiezes zwischen der Martin-Luther-Straße im Osten und der Bundesallee im Westen, zwischen der Hohenstaufenstraße im Süden und der Lietzenburger Straße im Norden. Hin und wieder gestatten wir auch Bewohnern den Zutritt, die jenseits dieser Straßen wohnen. Aber eigentlich wollen wir in unserem kleinen Dorf ungestört bleiben. Neben dem Auto und dem Fahrrad verbindet uns vor allem die U-Bahnlinie U 4 mit dem Rest der Welt. Direkt an der nordöstlichen Seite des Platzes gibt es einen Zugang in den Berliner Untergrund.

Der Viktoria-Luise-Platz bildet das Eingangstor zum Bayerischen Viertel und gilt heute wie damals als „gute West-Berliner Lage“, so der Wortlaut des Marktberichts des Immobilienmaklers Engel & Völkers. Das war zur Entstehungszeit der Anlage nicht anders: Die Berlinische Bodengesellschaft hatte Ende des 19. Jahrhunderts, als Schöneberg noch selbständige Stadt war und nicht zu Berlin gehörte, den Plan entwickelt, an dieser Stelle ein vornehmes Wohngebiet für Besserverdienende zu errichten. Schmuckplätze sollten dieses Viertel auflockern und attraktiv machen. Fritz Encke, ein fortschrittlicher Architekt, gewann die Ausschreibung und gestaltete einen sechseckigen Platz an der Straßenecke Motz- und Regensburger Straße. Heute säumt eine doppelte Lindenreihe die äußeren Wege des Platzes, in dessen Mitte ein Brunnen seine Fontäne etwa acht Meter in die Höhe schießt. Am östlichen Ende ragt eine halbrunde Kolonade empor, an deren Fuß sich ein Buddelkasten befindet.

Kommunikativer Ort
Am Rand des Sandkastens treffen sich die Väter und Mütter aus dem Kiez. Hier entstehen die einen oder anderen Gespräche, Freundschaften und sogar Geschäftskontakte. „Man“ kennt sich halt im Viertel und die Kleinsten, die in den umliegenden Kinderläden oder Kitas versorgt werden, sind ein verbindendes Glied.

Während Platz und Park am 9. Juli 1900 eingeweiht wurden – mit elektrischer Illumination, wie der Chronist zu berichten weiß – herrschte ringsum noch eine rege Bautätigkeit. Doch schon zwei Jahre später umgaben dreizehn vornehme Mietshäuser den Viktoria-Luise-Platz. Der Zweite Weltkrieg hat einige Lücken gerissen, doch repräsentativ sind nahezu alle Häuser, die das Sechseck mit eigener U-Bahnstation umgeben.

Lette-Verein
Eines der markantesten Gebäude ist Sitz des Lette-Vereins, der hier seit 1902 junge Mädchen und Frauen im Kochen und Nähen ausbildete. Gegründet 1866 von Wilhelm Adolf Lette als „Verein zur Förderung der Erwerbstätigkeit des weiblichen Geschlechts“ war diese Einrichtung eine der ersten zur Emanzipation der Frauen in Preußen in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts. Heute bildet man hier neben hauswirtschaftlichen Berufen auch zu Grafikern, Fotografen, Modedesignern und zu medizinisch-technischen  und pharmazeutisch-technischen Assistenten aus.

Interessante Adressen
Fast unverändert hat seit Kaisers Zeiten das Haus Viktoria-Luise-Platz Nummer 7 überstanden. Mit seinen Türmchen setzt es auffällige Akzente. Nebenan im Haus Nummer 9 gab es einst das Restaurant „Zum Spaten“. Dort trafen sich in den zwanziger Jahren die ersten Tischtennisbegeisterten im „Ping-Pong-Club“. Im „Café Regensburger“, das heute nicht mehr existiert, kamen der Maler Max Slevogt, der in der Nähe ein Atelier hatte, Max Liebermann, Franz Werfel und Ernest Hemingway, Gustav Gründgens und Marlene Dietrich zusammen, um nur einige Wenige zu nennen. Egon Erwin Kisch, bekannt als der rasende Reporter, wohnte um die Ecke in der Hohenstaufenstraße, Erich Kästner zwei Straßen weiter. Mit Bert Brecht und Helene Weigel traf man sich zusammen im „Schlichter“ in der Ansbacher Straße 46, nur einen Katzensprung vom Platz entfernt. Claire Waldorf, die bekannte Chansonette, wohnte in der Regensburger Straße 33, ebenfalls nur wenige Meter vom Platz entfernt. In der Nähe unseres „Vickys“ wohnte für kurze Zeit 1925 Wladimir Nabokov, der vor der russischen Revolution aus St. Petersburg geflohen war. Billy Wilder hauste zur Untermiete am Viktoria-Luise-Platz Nummer 11, wo es ihm gelang, sein erstes Filmexposé zu verkaufen. Ebenfalls hier lebte bis zu seinem Tode Ferrucio Busoni, ein Komponist und Wunderkind. Einige Häuser weiter, in Nummer 12a, hatte lange Jahre der Siedler-Verlag seinen Sitz, der großen Einfluss auf das geistige Leben Berlins und die Republik genießt.

Institut für erfahrbaren Atem
Nicht zu vergessen ist außerdem das Eckhaus Viktoria-Luise-Platz 9 an der Motzstraße, in dem sich das „Institut für erfahrbaren Atem“ von Ilse Middendorf befindet. Die 1910 geborene Musikprofessorin hat sich zeitlebens mit Atemtechnik beschäftigt und bildet in ihrem Institut, das im Gartenhaus liegt, Atemtherapeuten aus.
Am schönsten ist der Platz übrigens am Morgen, wenn auf den grünen Rasenflächen ein einsamer Mann Schattenboxen zelebriert, Eltern ihre Kinder in die umliegenden Kindergärten bringen und ein Entenpärchen, das hier jeder kennt, auf der spiegelglatten Oberfläche des Brunnens seine Bahnen zieht. Dieser beginnt nämlich erst um elf Uhr, seine Fontäne in den Himmel zu blasen. Trotz heftiger Spekulationen hat bislang niemand die Antwort auf die Frage gefunden, was das Entenpärchen dann wohl macht.

Institut für erfahrbaren Atem
Nicht zu vergessen ist außerdem das Eckhaus Viktoria-Luise-Platz 9 an der Motzstraße, in dem sich das „Institut für erfahrbaren Atem“ von Ilse Middendorf befindet. Die 1910 geborene Musikprofessorin hat sich zeitlebens mit Atemtechnik beschäftigt und bildet in ihrem Institut, das im Gartenhaus liegt, Atemtherapeuten aus.
Am schönsten ist der Platz übrigens am Morgen, wenn auf den grünen Rasenflächen ein einsamer Mann Schattenboxen zelebriert, Eltern ihre Kinder in die umliegenden Kindergärten bringen und ein Entenpärchen, das hier jeder kennt, auf der spiegelglatten Oberfläche des Brunnens seine Bahnen zieht. Dieser beginnt nämlich erst um elf Uhr, seine Fontäne in den Himmel zu blasen. Trotz heftiger Spekulationen hat bislang niemand die Antwort auf die Frage gefunden, was das Entenpärchen dann wohl macht.

Informationen zum Viktoria Luise Platz
Anreise:
mit der U 4 bis "Viktoria-Luise-Platz"

Vor allem an der nördlichen Seite des Platzes und in den anliegenden Seitenstraßen haben sich eine ganze Reihe Lokale angesiedelt:

Osteria Ribaltone
Motzstraße 54/Ecke Viktoria-Luise-Platz
Tel.: 030–2143655
http://www.ribaltone.de
Offnungszeiten:
Täglich ab 17 Uhr
Ein kleiner Italiener, etwas versteckt. Täglich wechselnde Gerichte, gute Weine zu moderaten Preisen. Das Motto des Patrons: "Hospites sacri sunt“.

Potemkin
Viktoria-Luise-Platz 6
Tel.: 030-21968181
http://www.potemkin-restaurant.de
Öffnungszeiten:
Täglich 8-1 Uhr
Vor allem der Sonntagsbrunch ist legendär. Für einen schmalen Taler, gibt es alles was das Herz begehrt. Mit einem Tagesspiegel versehen, ist der Sonntagmorgen oder Sonntagmittag gerettet. Die Kinder können ja in der Buddelkiste spielen.

New Montevideo
Viktoria-Luise-Platz 6
Tel.:030-2131020
http://www.new-montevideo.de.
Öffnungszeiten:
Täglich 9–24 Uhr
Nette Terrasse sowie weitere Stühle und Tische vor der Tür. Pizza, Pasta und andere Gerichte aus der Cross-Over Küche.

Schöneberger Weltlaterne
Motzstraße 61
10777 Berlin
Tel.: 030-21969861
Schoeneberger_Weltlaterne@yahoo.de (keine Reservierungen per E-Mail)
www.schoeneberger-weltlaterne.de
Öffnungszeiten:
Täglich ab 17 Uhr
Die Schöneberger Weltlaterne kocht das, was es sonst kaum noch gibt in Schöneberg. Deftige deutsche Küche von der Kohlroulade bis hin zu anderen Berliner Gerichten wie Hackepeter oder sonstigem Deftigen bietet die Küche einen guten Querschnitt populärer Berliner Gerichte.

Tomasa
Motzstraße 60
10777 Berlin
Tel.:030-2132345
http://www.tomasa.de/tomasa-schoeneberg
Öffnungszeiten:
Montags bis samstags ab 8 Uhr, sonntags ab 9 Uhr
Das Tomasa in der Motzstraße war das erste, von einer ganzen Reihe von Restaurants gleichen Namens in Berlin. Hier wurde sehr früh schon mit der Cross-Over-Küche – sprich verschiedene Kochstile und Regionen miteinander zu verbinden – experimentiert. So gibt es Maispoularde mit Frühlingszwiebeln und Erdbeeren – köstlich. Besonders beliebt ist das Tomasa wegen des Frühstücks, das es hier in allen Variationen und vor allem rund um die Uhr gibt. Am Wochenende ist es ratsam zu reservieren.

Ilse Middendorf Institut für erfahrbaren Atem
Viktoria-Luise-PIatz 9
10777 Berlin
Tel.: 030 -21479530
helge.langguth@t-online.de
www.erfahrbarer-atem.de/institut-berlin.htm

Lette-Verein
Viktoria-Luise-Platz 6
10777 Berlin
Tel.: 030-219940
info@lette-verein.de
www.lette-verein.de

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