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Türkei: Göcek – die schöne Unbekannte

Traumziel nicht nur für Segler: Göcek an der türkischen Ägäisküste
Göcek / Türkei

Göcek, der hübsche kleine Ort an der türkischen Ägäisküste, liegt abseits des Massentourismus, ist aber durch die Nähe des Flughafens Dalaman gut erreichbar. Göcek ist ideal für Segler und auch für Urlauber, die das gewisse Etwas schätzen.

„Mick Jagger, Sting, Prinz Charles, Julia Roberts, Lady Gaga – alle waren sie hier“, erzählt Matt. Ich wundere mich, denn mir ist Göcek ehrlich gesagt nicht geläufig. Matt lacht. „Gerade das Unbekanntsein ist die Geheimwaffe von Göcek!“

Ein Ort für Insider, Reiche und Schöne? Und Amerikaner, folgere ich beim Anblick der vielen Bigboats unter „Stars and Stripes“ und registriert in Delaware. Matt schüttelt den Kopf: „Das hat in der Regel lediglich finanzielle Gründe. Wer seine Yacht im steuerbegünstigten Delaware angemeldet hat, spart.“

Das Mittelmeer heißt auf türkisch Akdeniz, das weiße oder reine Meer. Im Gegensatz zum Karadeniz, dem Schwarzen Meer
Segelparadies Göcek / Türkei

Das „Unbekanntsein“ von Göcek hat sicherlich auch mit der Größe des Ortes zu tun: Mit 4.500 Einwohnern ein Dorf; im Gegensatz zum benachbarten Fethiye mit 68.000 Einwohnern. Beide liegen aber in dem wohl schönsten Segelrevier der türkischen Ägäis.
 
Göcek punktet zudem mit einer zentralen Lage für Segeltörns: Nach Westen in Richtung Marmaris, gen Osten nach Fethiye, und südlich liegt Rhodos. Der internationale Flughafen von Dalaman ist nur etwa 22 Kilometer entfernt, was die Anreise schnell und bequem macht. Deshalb chartern Matt und seine Frau Christina seit 17 Jahren in Göcek, und heute bin ich dort zu Besuch.

D-Göcek-Marina: Liegeplätze wie im Garten...
D-Marina in Göcek/Türkei
... und mit eigenem Strand
D-Marina Strand

Es gibt hier insgesamt sechs Marinas, mit etwa 900 Liegeplätzen. Matt bevorzugt die neue D-Marina. Weil man hier schön, geschützt und ruhig liegt. Seine Frau favorisiert allerdings das 5-Sterne-D-Resort. „Das ist unser Kompromiss“, sagt Matt. „Christina segelt tagsüber gerne mit, möchte aber kein Camping auf dem Wasser“.

Matt und ich  gehen in den Ort, der etwa 500 Meter entfernt ist. In Anbetracht der vielen großen Yachten hatte ich hier Schickimicki erwartet. Aber nix da: Kein Catwalk der Eitelkeiten, keine Flagstores von Gucci, Chanel und wie sie alle heißen. Dafür ein paar Supermärkte, Cafés, Restaurants, Autovermietungen, sonstige kleine Läden, Apotheken, Ärzte und Schiffsausrüster. Alles geht gemächlich, ruhig und bodenständig vonstatten, zumindest in der Vor- und Nachsaison. Von Mitte Juni bis Mitte September – den türkischen Sommerferien – ist auch hier, wie überall an der Küste, der Teufel los.

Alles geht hier gemächlich, ruhig und bodenständig vonstatten, zumindest in der Vor- und Nachsaison.

Wir schlendern zum D-Resort am Rande des Hafens. Das moderne Luxushotel besticht durch Understatement: Die eleganten, zweistöckigen Gebäude (höher darf man im Ort nicht bauen), verteilen sich auf dem Gelände mit gepflegten Gärten, zwei Swimmingpools sowie dem einzigen Spa im Ort.

Im hoteleigenen Hamam
Hamam / Türkei

Viel Wasser, Schaum und geschrubbte Haut: Erfahrungen im Hamam
Nun, man ist nie zu alt für eine neue Erfahrung. Ich habe keine Ahnung, was auf mich zukommen wird: Etwa eine als Wellnesstempel deklarierte Folterkammer, und ich im starken Griff einer stämmigen Bademeisterin. Doch statt dessen begrüßt mich Noppi, eine kleine, zierliche Balinesin. Sie führt mich in einen feuchtwarmen, marmorgefliesten Raum. Dort soll ich mich auf ein beheiztes Marmorpodest legen. Vorher ziehe ich aber meinem Bademantel aus – und Noppi ist entsetzt. „Where are your underwear?“ Ein kultureller Crash, den ich eiligst behebe, indem ich mir einen Bikini überziehe, den ich zum Glück dabeihabe. Dann beginnt Noppi ihr Werk: Gießt mich mit Wasser ab, schrubbt meine Haut, gießt mich mit Wasser ab, verhüllt mich komplett mit Schaum, massiert, gießt mich mit Wasser ab.
Wasser muss bei der Körperreinigung nach muslimischer Tradition stets fließen. Badewannen sind entsprechend verpönt – aalt man sich doch „im eigenen Dreck“. 

Çay muss sein
Nach dem Hamam serviert Noppi mir noch einen Çay, den obligatorischen Tee. Die Türkei zählt heute, zusammen mit Sri Lanka, zu den bedeutendsten Teeanbaugebieten der Welt. Nach der Zerschlagung des osmanischen Reiches fiel 1922 der Jemen als Lieferant für das damalige Nationalgetränk Kaffee weg. Aus dieser Not heraus gab der neue Präsident Atatürk den Auftrag, einen Ersatz zu suchen. Bei dieser Aktion wurden die günstigen Bedingungen für den Anbau von Tee an der Küste des Schwarzen Meeres entdeckt. Seither ist Çay das türkische Nationalgetränk.

Die karischen Felsengräber von Dalyan – das größte Grab blieb allerdings unvollendet
Felsengräber von Dalyan

Während ich im Hamam war, hat Christina über das D-Resort für uns einen Ausflug organisieren lassen, nach Dalyan. Dort warten gleich drei Attraktionen: Die karischen Felsengräber, der Iztuzu-Strand mit Schildkröten sowie das weitläufig verzweigte Dalyan-Delta. Dieses kam 1951 zu Hollywoodehren, als dort eine Szene des Films „African Queen“ gedreht wurde.

In Dalyan selbst ist richtig was los. Unzählige Ausflugsboote fahren Touristen zu den Highlights. Als erstes schippern wir an den berühmten Felsengräbern vorbei, die hoch über uns in Granit gehauen sind. Viel ist darüber nicht bekannt. Es handelt sich um Tempelgräber, die jedoch alle geplündert wurden. Lediglich etwas Keramik und Glas wurden gefunden, die zumindest  für die Datierung der Gräber – 4. Jahrhundert v. Chr. – ausreichten. 

Schilflandschaft im Dalyan-Delta
Dalyan-Delta / Türkei

Caretta Caretta am Iztuzu-Strand
Nach etwa 20 Minuten Fahrt durch das Schilf-Labyrinth erreichen wir den Sandstrand von Iztuzu: Urlaub pur, aber nur bis 18 Uhr. Dann wird hier für Besucher geschlossen und der eigentliche Star kommt zur Vorschein:  Caretta Caretta. Nur im Schutz der Dunkelheit trauen sich die scheuen Meeresschildkröten an Land, um dort im Sommer bis zu 100 Eier – sehen aus wie Tischtennisbälle – abzulegen.

Nach 50 bis 80 Tagen unter heißem Sand schlüpft der etwa 6 Zentimeter kleine Nachwuchs und krabbelt ins Meer, angezogen vom Mondlicht, das auf dem Wasser leuchtet. Bereits auf dem Weg dorthin lauern diverse Fressfeinde, und diese biologische Nahrungskette setzt sich im Wasser fort. Etliche verenden zudem später durch Hunger, Krankheiten oder in Schleppnetzen. Von 1.000 Schildkrötenbabys erreichen nur ein bis zwei das Erwachsenenalter. Deswegen ist die Gattung unter Schutz gestellt.

Mehr bekommen wir am Iztuzu-Strand von der scheuen Caretta Caretta nicht zu sehen
Türkei: Iztuzu-Strand
Nur noch selten ist das Konterfei von Atatürk zu sehen, dafür umso mehr Minarette
Minarett in Göcek

Für die überlebenden Schildkröten beginnen nun die „verlorenen 20 Jahre“, da niemand weiß, wo sie sich dann herumtreiben. Nach zwei Jahrzehnten sind die Tiere geschlechtsreif und die Weibchen kehren genau an den Strand zurück, an dem sie geboren wurden, um dort ihre Eier abzulegen. Wieso, weshalb, warum das so ist, bleibt bis heute ein Rätsel.

Erdogan vs. Atatürk
Zurück in Göcek gönnen wir uns ein erfrischendes Bad im Meer und anschließend einen Sundowner am Strand. Den haben wir Christinas „Luxusfimmel“ zu verdanken, denn dieser einzige Sandstrand in Göcek gehört zum D-Resort. Und das heißt: Hier darf Alkohol getrunken werden. In der Öffentlichkeit – wozu auch Strände zählen – ist das ansonsten in der Türkei verboten und wird bestraft.

Matt sagt, dass das seit 2011 geltende Gesetz hier kontroverse Diskussionen ausgelöst hat. Der Alkoholkonsum in dem muslimischen Land sei traditionell gering, und so sehen die Gegner darin eine schleichende Islamisierung. „In Schweden und den USA gelten ähnliche Gesetze“, entgegne ich. Matt kontert. „Aber dort hat das Verbot keinen religiösen Hintergrund. Nein, der islamisch orientierte Erdogan hält stramm Kurs, und der Kemalismus wird immer mehr zurückgedrängt.“

Beschauliches Leben in Göcek, abseits vom Massentourismus
Göcek / Türkei

Nachtleben: Laue Luft und Easy Living
Zum Abendessen bleiben wir in der Marina und besuchen das Restaurant „The Breeze“: Nomen est omen, denn das luftige Open-Air-Lokal liegt direkt am Meer.

Später gehen wir noch auf einen Drink in den Ort. Es ist Vorsaison und die Restaurants und Bars sind nur spärlich besucht. Aber es herrscht eine sehr angenehme Atmosphäre: Laue Luft, Easy Living, keine laute Musik, keine Hektik. Um es kurz zu sagen: Hat was!

Abendlicher Ausklang im Openair-Restaurant „The Breeze"
Openair-Restaurant in Göcek

„Serefe!“, wir prosten uns zu und trinken auf Göcek, die schöne Unbekannte. Und ich staune, was man hier an einem Tag so alles erleben kann.

Imke Feddersen

Text und Fotos: Imke Feddersen

 

Alle Angaben wurden von der Autorin nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Vertrauenshinweis:
Dieser Reisebericht wurde von der Autorin unabhängig recherchiert, fotografiert und geschrieben. Allerdings diente als Grundlage eine Einladung zur Pressereise von D-Resort Göcek, Cumhuriyet Mahallesi, 48310 Göcek/Fethiye/Mugla, Tel:  +90 252 661 09 00.

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