Gedruckte Reiseführer wird es weiterhin geben. Interview mit Cornelia Camen, Buchmarkt

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Gedruckte Reiseführer wird es in den nächsten Jahren weiterhin geben

Cornelia Camen beschäftigt sich seit über 20 Jahren auch beruflich mit Reiseführern
Cornelia Camen, Fachredakteurin bei der Zeitschrift BuchMarkt

Fernweh.de im Gespräch mit Cornelia Camen, Redakteurin bei der Fachzeitschrift BuchMarkt, über Reiseführer in der Zeit des medialen Umbruchs. Und über ihre Ansichten zu Reiseführern.

 

 

Cornelia Camen ist seit 27 Jahren Redakteurin bei der Branchenzeitschrift „BuchMarkt“. Seit 20 Jahren betreut sie dort u. a. den Bereich Touristik und beschäftigt sich regelmäßig mit Reiseführern, Reiseführer-Verlagen und dem Thema Reiseführer im Buchhandel. Sie ist auch seit  zehn Jahren Mitglied in der Jury für den ITB-Buch-Award. Während der Internationalen Tourismusbörse in Berlin, die jeweils im März stattfindet, werden die besten Reiseführer des Vorjahres prämiert.

Frau Camen, Sie beschäftigen sich eine kleine Ewigkeit als Branchen-Journalistin beruflich mit Reiseführern. Benutzen Sie während Ihres eigenen Urlaubs privat auch Reiseführer?

Ja, selbstverständlich. Seit vielen Jahren bereise ich mit meinem Mann und Freunden u. a. auf eigene Faust die griechischen Inseln. Wobei wir immer nur einen Flug buchen und uns dann mithilfe eines Reiseführers über die teilweise noch recht untouristischen, ursprünglichen Inseln treiben lassen. Klassisches Insel-Hüpfen also. 

Wir reisen aber ebenso gerne in die USA, nach Kanada, in die Karibik oder zu Zielen im Indischen Ozean. Und da habe ich dann mehr als einen Reiseführer dabei.

Was macht denn für Sie ein guter Reiseführer aus?

Pauschal kann man nicht sagen, wie ein „guter“ Reiseführer sein soll. Das hängt von der Zielgruppe und der Art und Weise der Reise ab. Ich persönlich lege Wert auf viele praktische Informationen. Wo finde ich passende Unterkünfte oder gute Restaurants. Oder, was mittlerweile immer wichtiger wird: Wo gibt es einen kostenlosen Internet-Zugang?

Wichtig sind natürlich auch Infos zu Land und Leuten. Und unbedingt sollte eine gute Übersichtskarte dabei sein. Am besten zum Herausschneiden oder gar lose beigelegt. Auch sollten nützliche Weblinks nicht fehlen, damit man sich vor Ort noch tiefergehend informieren kann.

Web ist das Stichwort. Eigentlich macht doch die Vielzahl an Reise-Informationen im Internet einen Reiseführer überflüssig?

Es ist richtig, dass man sehr viele Reise-Informationen im Internet erhält. Aber es sind zu viele Informationen. Reiseführer sollte es immer geben, um die Überfülle der Informationen zu kanalisieren, zu bündeln und auch zu bewerten. So dass man als Leser einen guten Überblick erhält.


Cornelia Camen
reist selbst gerne und ist Fachredakteurin bei der Zeitschrift BuchMarkt. Hier im Gespräch während der Frankfurter Buchmesse 2013 mit Ertay Hayit, Chefredakteur Fernweh.de.

Aber dieses Bündeln von Informationen muss doch nicht zwangsweise auf Papier geschehen, also als gedruckter Reiseführer?

Das ist grundsätzlich richtig. Aber mir persönlich sind beispielsweise Apps auf dem Smartphone allein von der Größe des Bildschirms zu klein. Das Lesen ist mir da zu mühsam. Als E-Book könnte ich mir Reiseführer recht gut vorstellen. Bei lediglich 20 kg Freigepäck, die jede Airline erlaubt, würde es sich schon bemerkbar machen, wenn ich den 900-Seiten-Wälzer über Thailand oder die griechischen Inseln auf einem Tablet lesen könnte, zumal ich ja auch noch jede Menge belletristische Bücher dabei habe.

Aber da ist die Technik noch nicht ganz ausgereift: Die herkömmlichen E-Reader, die sich gut auch draußen bzw. bei Sonneneinstrahlung lesen lassen, können momentan nur schwarz-weiß darstellen. Das macht bei einem Reiseführer mit vielen Fotos und Karten keinen Spaß. Und Tablets wie das iPad etc. sind auf gutes Licht angewiesen. Das funktioniert z. B. am Strand nicht wirklich.

Außerdem benötigt das Hochladen von Farbfotos zu viel Energie, da wäre der Urlauber ständig auf der Suche nach einer Steckdose. Und für Städtereisen wie New York oder Barcelona sind die gedruckten Reiseführer sowieso viel handlicher, weil die besser in die Handtasche passen. Hier hat die Print-Version eindeutig einen Vorteil.  

Aus Ihrer Sicht als Fachredakteurin: Halten Sie das gegenwärtige Angebot der Reiseführer-Verlage für marktgerecht?

Die Reiseführer-Verlage haben die gegenwärtigen und zukünftigen Marktgegebenheiten alle erkannt. Aber die Entwicklung einer Reiseführer-App oder eines -E-Books ist sehr kostenaufwändig. Da kann man verstehen, dass die Verlage abwägen, ob sich so etwas überhaupt lohnt.

Die Erlöse aus digitalen Reiseführern stehen im Moment noch nicht im gesunden Verhältnis zu den Programmier- und Produktionskosten. Das heißt aber nicht, dass sich das in naher Zukunft nicht ändern könnte.

Sind denn die gedruckten Reiseführer in ihrer jetzigen Form marktkonform?

Das kann ich nur bejahen. Die Verlage tun für ihre Reihen was sie können. Es wird aktualisiert, renoviert und aufgefrischt, was das Zeug hält. Was sich im Markt widerspiegelt. Im letzten Jahr z. B. wurden mehr Reiseführer verkauft als im Jahr davor. Also ein eindeutiger Aufwärtstrend im digitalen Zeitalter.

Wo sehen Sie den Reiseführer in den nächsten fünf Jahren?

Natürlich  ist der digitale Fortschritt nicht aufzuhalten. Aber in den nächsten fünf Jahren sehe ich den Reiseführer immer noch da, wo er jetzt ist. Ich glaube, dass es innerhalb dieses Zeitrahmens ein Nebeneinander von gedruckten und digitalen Reiseführern geben wird.

Print- und digitale Ausgaben werden sich nicht kannibalisieren, sondern ergänzen. Vielleicht mit unterschiedlicher Gewichtung bei einigen Reisezielen. Gedruckte Reiseführer werden aber vorerst auf dem Markt bleiben.

Das Interview führte Ertay Hayit während der Frankfurter Buchmesse 2013

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