Island: Reykjavik - Unterirdisch gut

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Reykjavik – unterirdisch gut!

Eine Insel, bedeckt von ewigem Eis, Dunst und Nebel? Falsch! Island ist eine Insel der Superlative. Und Reykjavik, die Hauptstadt, hat geradezu einen Kult-Status!

Aus dem naßkalten Hamburg haben wir uns bei null Grad Mitte März Richtung Island aufgemacht. Bei strahlendem Sonnenschein und südländisch grellem Licht schweben wir hinunter zur Landung auf dem internationalen Flughafen Keflavik, keine Autostunde von der Inselhauptstadt entfernt. Bei mildem Wind und sieben Grad plus verlassen wir die Maschine – unser erster positiver Schock.

Insel der Superlative

Nicht wenige Zeitgenossen stellen sich unter Island eine Insel vor, deren lange nordische Nacht und grauen Tage nur mit Bollerofen und brennivin (Branntwein) zu ertragen sind. Richtig ist: Vatnajökull ist Europas größter Gletscher, Geysir der „Vater aller Geysire“, Gullfoss der schönste und Dettifoss der wasserreichste Wasserfall, der Jökulsá á Fjöllum-Canyon eine der größten Schluchten Europas.

Nicht zu vergessen: die robusten Islandpferde; Hekla, einer der aktivsten Vulkane, im Volksmund auch Tor zur Hölle genannt, und der sagenumwobene Snaefellsjökull – magischer Ort durch Jules Vernes „Reise zum Mittelpunkt der Erde“ (1864). Island – das sind auch 6000 km Küste!

Richtig ist auch, daß dies die sturmreichste Ecke Europas ist. Aber Island ist Grün- und Sonnenland und bietet das einmaligste Licht des Nordens, ein Licht, wie mal jemand gesagt hat, für das viele Fotografen ihren rechten Arm hergeben würden.

Viel gesunde Luft

Eines der Klischees von Island betrifft das angeblich so rauhe, ungestüme und verregnete Klima. Das widerlegt man im Handumdrehen: In Frankfurt liegt die Sonnenscheindauer im Jahresschnitt um 20 % unter der Reykjaviks, und in Essen regnet es um ein Spürbares mehr als hier.

Tatsächlich ist die Kälte eine völlig andere, angenehmere, und auch der Regen ist nur von kurzer Dauer. Schnell ändert sich der Wind, und damit ist auch die Chance gegeben, daß schlagartig die Sonne wieder ihr unglaublich helles Licht in dieser vergleichsweise gnadenlos gesunden Luft verströmt. Mögen auch fast 150.000 Pkw über Islands Straßen und Gletscher düsen, der Wind, der mitunter bis zur Orkanstärke aufbrausend sein kann und auch im Regelfalle munter daherkommt, fegt Stickoxide und was Autos oder Schlote sonst so herauspaffen, im Nu weg. Ein winterfestes Auto – am besten ein breitreifiger Geländewagen –  braucht man in diesem schroff-wilden Land, um Ausflüge ins Landesinnere zu den historischen und Naturhighlights unternehmen zu können. Z.B. ins Laxness-Tal, in dem der Nobelpreisträger wohnt, zum legendären Thingvellir, wo 930 der isländische Freistaat ausgerufen und von da ab alljährliche Versammlungen der verschiedenen „Stämme“ abgehalten wurden. Eine Ringstraße (Nummer 1) führt rund um Island – nicht weniger als 1400 km lang! Erst 1974 wurde sie vollendet.

Zur Begrüßung ein Bad

Kaum sind wir auf isländischem Boden nur ein paar Kilometer um die Grindavikhalbinsel gefahren, ist der Zwischenstop an einer der Insel- Attraktionen fällig: ein Bad in der „Blauen Lagune“. Hier, wo heiße Wasser aus dem Boden sprudeln, haben die Isländer ein Kraftwerk gebaut, das sie mit Wärme versorgt. Die vom Kraftwerk geschaffene Lagune dient als Badesee. 1999 wurde die neue Blaue Lagune eröffnet: In einen Gebäude aus rund 65000 Lavaplatten befinden sich Umkleidekabinen, ein Restaurant, ein Café und eine Bar. Schwefelig riecht der Nebel, schmeckt das Wasser, das intensive Heilkraft besitzt. Länger als 20 Minuten halten wir’s nicht aus; der Schwefeldampf setzt uns zu und ständig sind wir damit beschäftigt, plötzlich auftauchenden, kraß kalten oder kochend heißen Unterwasserströmungen auszuweichen.

Ermattet, aber auf merkwürdige Weise fit bis in die Finger- und Zehenspitzen, erreichen wir die Stadt mit dem Namen „Rauch über der Bucht“ – Reykjavik; der Sage nach so getauft von Ingolfur Arnarson, jenem Wikinger, der das Schicksal der Strömung darüber entscheiden ließ, wo er an Land gehen sollte. Da die Norweger damals das Wort Wasserdampf nicht kannten, mußten sie das, was sie sahen, für Rauch halten. Es war der Dampf heißer Quellen, die aus dem Boden sprudeln. In ihnen konnte man herrlich baden und sich aufwärmen. Erst in diesem Jahrhundert wurde das größte geothermische Bad Islands daraus. Ein volksnahes Vergnügen trotz aufwendiger Whirlpools und Ruhebecken, zwischen 25 und 40 Grad warm, in die wir jetzt zum ersten, aber nicht letzten Mal steigen. Ein Badegenuß, der jenen in der Blauen Lagune noch übertrifft, weil die Fluten eine gleichbleibende Wärme aufweisen und weil Schwefeldunst und -geschmack fehlen. Laugardalslaug – das Bad im Tal der Bäder.

Kunst, Shopping, Nachtleben

Island – und besonders Reykjavik – ist betont weltoffen, erstaunlich bunt international geprägt und äußerst modisch orientiert, das Gegenteil einer Hinterwäldlerinsel. Mit einer schillernden, eigenwilligen Theater-, Kunst-, Design-, Musik- und besonders einer Filmszene von Format!

Mutig und schillernd ist auch die Architektur der Stadt: Wuchtig-elegant erscheint die Domkirche Hallgrimskirka, jener 75 m hohen „Himmelsrampe“, aus deren Kopf sich der unbeschreiblichste Ausblick bietet und die nach endlos langer Bauzeit 1986 eingeweiht wurde. Mit in den Himmel aufsteigenden Basaltstämmen ist sie eine der eigenwilligsten Kirche, die ich kenne.

Oder die grandios mit einer Glaskuppel verzierten Heißwassertanks auf dem Öskjuhlid, genannt „Perle“, bis hin zum Nordischen Haus, das der Finne Alvar Aalto entwarf. Dazu die unglaubliche Vielfalt an „Kunst im öffentlichen Raum“: Reykjavik ist die Stadt der Skulpturen – mal ästhetisch, mal historisch. Besonders sehenswert sind die Arbeiten des berühmten Dänen Thorwaldsen. Oder das Denkmal des berühmten Wikingers Leifur Eirikssons, das an Zeiten der großen Entdeckerfahrten erinnert, bis hin zur frühen Entdeckung Amerikas. Oder der Skulpturengarten der Asmundur Sveinsson Gallery ...

Wer heute durch die Altstadt zwischen Hafen und Rathaus wandert, kann es kaum fassen – angesichts der zahllosen modernen Shops, der (Schnell-) Restaurants, Cafés, pylsur-Stände (Hot dogs), Pubs, lettöl-Tankstellen (Light-Bier ), Schmuck- und Kunsthandwerk-Läden, Juwelier- oder Lebensmittelgeschäfte, Museen und Galerien – sich in der nördlichsten Hauptstadt der Erde zu befinden. Mancher, der schon viele Pubs dieser Erde kennen gelernt hat, schwärmt noch lange vom Gaukur á Stöng (siehe Info-Kasten).

Abschied von Reykjavik

Noch einmal pilgern wir durch die Altstadt. Vorbei an den Wollshops mit den zahllosen handgestrickten Pullovern, den Handschuhen aus Lopi, der isländischen Natur-Wolle.

In der Thingholtstraeti 5 ist ein neues Kunstgewerbezentrum – das Eldgamla Isafold (Uraltes Island) eröffnet worden, in dem sich mehr als 30 verschiedene Künstler präsentieren, u.a. G. Antons, eine der bekanntesten Modedesignerinnen Islands.

Der Kopf der wunderbaren Basalt-Domkirche leuchtet weithin, und auch in der riesigen Glaskuppel der „Perle“ wird noch – bei einem der besten Köche Skandinaviens – getafelt.

2010 wurden laut "Statistics Iceland" rund 170000 Übernachtungen deutscher Hotelgäste verbucht. Die Zahl hat sich in den letzten 10 Jahren mehr als verdoppelt. Und immer mehr Reisende nutzen das Sprungbrett Island zu einem (Kurz-)Trip nach New York, Washington, Orlando usw. Bei Jugendlichen in einigen mitteleuropäischen Ländern hat Reykjavik im Augenblick gar einen Kult-City-Status. Die finden die Stadt „echt unterirdisch gut“.

 

Norbert Ney

 

 

Praktische Infos zu Island

Isländisches Fremdenverkehrsamt
Rauchstraße 1
D-10787 Berlin
Tel.: 030 – 50504200, Fax: 030 – 50504280
mailto:info@icetourist.de
http://www.icetourist.de

Fremdenverkehrsamt in Reykjavik
City of Reykjavik
Adalstraeti 6
IS-101 Reykjavik
Tel: (00354) 563-2250

 

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