Spanien: Rioja – geprägt vom Wein

Anzeige

Geprägt vom Wein: Die Rioja

Keine Frage, viele kommen seinetwegen. Tief dunkelrot mit einem leichten Hauch ins Violette - so schimmert er im Glas. Ein leichter Duft von Vanille und ein wenig Zimt, der geneigte Kenner mag noch einen Schimmer von Schokolade erfassen.

Mindestens sechs Monate ist er im Eichenfass gereift, bevor er in Flaschen gefüllt wird und sich nach zwei weiteren Jahren Crianza nennen darf.
Wein ist ein Lebenselixier in der Rioja, einem Landstrich im Norden Spaniens, eingeklemmt zwischen den Provinzen Álava, Navarra, Burgos und Soria. Das eigentliche Weinbaugebiet der Rioja ist kleiner als die autonome Region gleichen Namens, es zieht sich entlang des Ebro zwischen den Gebirgen der Sierra de Cantabria im Norden, der Sierra de la Demanda im Süden und erstreckt sich bis nach Navarra und ins Baskenland.

Wein seit über 2.000 Jahren

Der Rebensaft und seine Kultur spielen hier eine Hauptrolle und sie sind die Gründe für die Besucher, die in die Region kommen. Rund um die Hauptstadt Logroño und die Weinhochburg Haro werden einige der weltbesten Weine produziert und dies – will man den Annalen Glauben schenken – schon seit über 2.000 Jahren.

Angeblich sollen schon die Ureinwohner Spaniens, die Keltiberer, Trauben zu Wein gekeltert haben. Keramikreste, Weinkeller und Zisternen in der Rioja Alavesa belegen, dass auch die nachfolgenden Römer hier die Kultur des Weinbaus betrieben haben. Erst als die Westgoten im 5. Jahrhundert einfielen, ging die Weinproduktion zurück. Auch die Mauren waren nicht sonderlich am Rebensaft interessiert, verbot ihnen doch die Religion den Genuss von Alkohol.

Doch nach Abschluss der Reconquista, der sogenannten Wiedereroberung Spaniens durch die spanischen christlichen Könige, erfuhr auch der Weinbau in der Rioja wieder einen Aufschwung. Zunächst waren es die Zisterziensermönche, später folgten die Bauern ihrem Vorbild und bauten die Früchte für den Rebensaft an. Noch heute findet sich in Avalos eine der ältesten Bodegas der Iberischen Halbinsel, deren Geschichte bis in das 14. Jahrhundert zurückreicht und in der auch heute noch Wein in den für die Region typischen 225-Liter-Fässern aus Eiche produziert wird.

Reserva und Co

Neben dem Crianza, der ein Jahr im Eichenfass und zwei Jahre in der Flasche gereift sein muss, unterscheidet man zwischen Reserva, der mindestens ein Jahr im Eichenholzfass und insgesamt mindestens drei Jahre in Fass und Flasche gereift ist, und dem Gran Reserva. Letzterer wird mindestens zwei Jahre im Barrique und drei weitere Jahre in der Flasche ausgebaut.

Fluss als Lebenselixier

Der Rio Ebro prägt die Landschaft und die Pilger, die auf dem Jakobsweg den beschwerlichen Weg des Camino Frances durch die Pyrenäen gewählt haben, fühlen sich hier wie in einem Garten Eden. Grüne waldbedeckte Berge und Hügel, Wein- Obst- und Gemüsegärten soweit das Auge reicht. Knorrige Rebstöcke in rotbrauner Erde, der Duft von Disteln, trockener Erde und Thymian im Sommer.

Regionale Gerichte mit Geschmack

Doch nicht nur die Hauptstadt der kleinen spanischen Provinzen Logroño oder Haro lohnen einen Aufenthalt, der wahren Rioja begegnet man vor allem auf dem Lande, in den kleinen Dörfern und Landstädtchen. Hier, in den zahlreichen Bodegas und kleinen Restaurants findet man auch noch die typischen Gerichte der Region. Vor allem die schnörkellose Einfachheit prägt die Rioja-Küche. Morcilla dulce – süße Blutwurst – oder der chorizo riojano, leckere Bohnengerichte aus weißen Bohnen, pochas genannt, oder aus den kugelförmigen caparrones, gehören zu den Spezialitäten der Region.

Wiege der Kultur

Es sind nicht die spektakulären Sehenswürdigkeiten, sondern eher die versteckten Kostbarkeiten, die den Reiz der Rioja ausmachen. Etwa das siebentausend Einwohner zählende Städtchen Nájera, an der Najerilla gelegen, die frühere Hauptstadt des Königreichs Navarra-Rioja. Ihr Name stammt aus dem arabischen und bedeutet „Stadt zwischen den Felsen“. Das aus dem 11. Jahrhundert stammende Kloster Santa María la Real, mit einem beeindruckenden Kreuzgang dient als Grabkirche einiger Könige von Navarra, Léon und Kastilien. Der ruhige Ort war die einstige Hauptstadt der Region.
Südlich von Najera liegt San Millan de la Cogolla, mit knapp dreihundert Einwohnern sehr klein. Aber gleich mit zwei Klöstern ausgestattet, die zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärt wurden. Das eine ist das bereits im 11. Jahrhundert gegründete Monasterio de Yuso, dessen heutiger Gebäudekomplex mit mehreren Kreuzgängen aus dem 16. bis 18. Jahrhundert stammt. Lediglich einen Katzensprung davon entfernt liegt das Monasterio de Suso im mozarabischen Stil aus dem 10. Jahrhundert, das auf einem Fels errichtet wurde. Beide Klöster gelten als die Wiege des castillano, der kastilischen Sprache, denn hier wurden die ersten Texte des heutigen Spanisch geschrieben, die noch immer im Kloster archiviert sind.

Moderne Kunst und Architektur

Die Rioja beherbergt jedoch nicht nur alte Klöster und Gemäuer. Auch moderne Architektur prägt das Landschaftsbild. So sollte man in Laguardia die Bodegas Ysios besuchen. Am Fuße der Sierra de Cantabria wellt sich der fast zweihundert Meter lange holzverkleidete Bau des spanischen Stararchitekten Santiago Calatrava. Mitten aus den Reben scheint sich der Mitteilteil des Gebäudes wie ein Gotteshaus zwischen den Rebstöcken in den Himmel zu schieben. Verstärkt wird diese Wirkung durch das Dach, das mit Aluminium verkleidet ist und so die spanische Sonne, aber auch die nahe gelegenen Berge spiegelt. Die Südfassade der Kellerei verkleidete der spanische Architekt mit einer horizontal angeordneten Zedernholzdiele, die an Weinfässer erinnern soll.

Bauten als Markenzeichen

Auch ein weiteres Weingut hat mit einer beeindruckenden Architektur von sich Reden gemacht. Mitten in den sanften Hügeln der Rioja Alavesa in Elciego liegt das Weingut Los Heredos del Marqués de Riscal. Hier errichtete Frank O. Gehry, der in dem etwa 120 Kilometer entfernten Bilbao das Guggenheim Museum verantwortet hat, für die Besitzerfamilie des Weingutes ein Luxushotel. Wie sein großes Vorbild hat der Architekt Titan und Edelstahl als Verkleidung für das Haus genommen. Und als „Brand“, als Markenzeichen, benutzte der Baumeister die Farben Rosa für den Wein, Silber für die Flaschenkapseln und Gold für das Netz, das die Flaschen der Marke Marqués de Riscal umgibt. Angeblich sollen die Besitzer den Architekten bei einer Flasche 1929iger – seinem Geburtsjahrgang – dazu bewegt haben, den Auftrag zu übernehmen. Miteinbezogen wurde in den Bau der erste Weinkeller der Bodega „La Catedral“ in dem alle Jahrgänge des Weingutes seit 1862 lagern.

Moderne Kunst in der Rioja

In Agoncillo gibt es seit einigen Jahren ein Aufsehen erregendes Museum für moderne Kunst: Das Würth Museo La Rioja widmet sich der internationalen zeitgenössischen Kunst des 20. und 21. Jahrhunderts. In dem Gebäude sind Werke aus der deutschen Sammlung Würth für zeitgenössische Kunst zu sehen, die als eine der wichtigsten europäischen Kunstsammlungen gilt. Die Sammlung Würth Spanien legt ihren Schwerpunkt vornehmlich auf die aufstrebende spanische Kunst.
Architektur sowie junge und alte Kunst aus vielen Jahrhunderten haben die Rioja geprägt. Übrigens braucht man nicht unbedingt einen großen Geldbeutel, um in Designerhotels zu nächtigen. Kaum jemand mag ahnen, dass sich im abseits der Hauptstraßen gelegenen Dorf, gegenüber einer Bodega, ein kleines Designerschatzkästlein befindet. Mit viel Liebe zum Detail, einer interessanten Lichtführung und einer sehr dezenten, farblich genauen Zimmerausstattung haben die Besitzer der Casa Marisa eine angenehme Wohlfühlatmosphäre geschaffen, die sich noch steigert, wenn abends im Restaurant die verfeinerten Gerichte der Region auf den Tisch kommen.

Frank Tetzel

Weitere Informationen

Rioja:
Anreise:
Flughafen Logroño-Agoncillo (RJL)
Ctra. Nacional 232, Logroño-Zaragoza
26007 Agoncillo (La Rioja – Spanien)
Tel.: +34 941 277 400

Anfahrt:
Der Flughafen befindet sich rund 14 Kilometer von Logroño entfernt. Taxidienst rund um die Uhr: Tel.: +34 941 505 050

Flüge:
Tägliche Flüge von Madrid und Barcelona
Darüber hinaus gibt es die Möglichkeit, über die Flughäfen Bilbao, Pamplona, Zaragoza oder Barcelona in Kombination mit einem Mietwagen anzureisen.
Fremdenverkehrsbüro: Das zentrale Fremdenverkehrsbüro von La Rioja in Logroño ist auch für telefonische Auskünfte zuständig: www.lariojaturismo.com
Tel. +34 941 291 260; E-Mail: info@lariojaturismo.com

Unterkünfte – Empfehlungen

Laguardia
Hotel Hospedería de los Parajes mit 18 luxuriösen, romantischen Zimmern
C./Mayor 46, Tel. 0034-945-62 11 30; www.hospederiadelosparajes.com
In der Nähe befinden sich die Bodegas Ysios:
www.ysios.com mit der berühmten Calatrava-Architektur.
Hotel Marques de Riscal ,
Calle Torrea, 1, 01340 Eltziego, Álava, Spanien
Tel.: +34 945 18 08 80
www.hotel-marquesderiscal.com

Restaurante Hotel Casa Marisa
C/ Las Cuevas 19, 26340 San Asensio, Spanien
Tel.: +34 941 45 76 21
www.casamarisa.es
 
Hotel Villa de Abalos, 
Plaza Fermin Gurbindo 2, 26339 Abalos, Spanien
Tel.: +34 941 33 43 02
www.hotelvilladeabalos.com 

Museo Würth La Rioja
Pol. Ind. El Sequero, Avda. Cameros pcls. 86-88
26150 Agoncillo-La Rioja
Tel.: +34 941 010 410
museowurth.larioja@wurth.es

comments powered by Disqus
Anzeige

Spanien eBook

Ertay Hayit
Nützliche Reisetipps Spanien
Die schönsten Urlaubsorte, die besten Strände, Ausflüge ins Landesinnere

eBook mit den besten Reisetipps für ganz Spanien.

Hier bestellen:
ISBN ePub: 978-3-87322-198-7
Amazon für Kindle
4,99 EUR

Anzeige