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Süd-Marokko: Trekkingtour mit Kamelen durch die Wüste

„Timbuktu 52 Tage“ verkündet das Kultbild, welches in jedem Marokko-Reiseführer zu finden ist. Es erinnert an die Ära der großen Karawanen, die zwischen dem 8. und 15. Jahrhundert auf Handelswegen quer durch die Sahara gezogen sind. Diese Zeiten sind längst Geschichte, lebendig geblieben aber ist die Faszination für das Nomadenleben in der Wüste. Doch die kann man auch heute noch hautnah erleben – auf einer Trekkingtour mit Kamelen.

Auf dem Weg nach M´hamid, dem „Tor der Sahara”, sieht man die schneebedeckten Gipfel des Atlasgebirges (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Blick auf Atlasgebirge

Mit dem Geländewagen durch das „Tor zur Sahara”

Der Weg bis dahin ist jedoch weit. Von Deutschland beispielsweise mit der Royal Air Maroc ab Frankfurt nach Casablanca und von dort weiter nach Ouarzazate, der 100.000 Einwohner-Metropole im Süden Marokkos. Von hier aus sind es dann noch etwa 260 Kilometer bis M´hamid, dem 7.500 Seelen zählenden „Tor zur Sahara“. Die Fahrt wird im Geländewagen zurückgelegt und dauert einen ganzen Tag. Langeweile kommt aber nicht auf, denn die zweispurige asphaltierte Straße führt durch traumhaft schöne Landschaften; schneebedeckte Gipfel des Atlasgebirges gehen in üppige Oasen entlang des  Flusses Draa über.

Die Oasen entlang des Flusses Draa sind üppig und fruchtbar (Foto: Imke Feddersen
Marokko Sahara im Draatal

Ab M´hamid verlässt man dann die so genannte Zivilisation. Hier beginnen die ersten Ausläufer der Sahara. Kilometerweit geht es durch eine nahezu menschenleere Steinwüste: ockerfarbene Kiesel soweit das Auge reicht und mittendrin eine berühmte Schotterpiste, die ehemalige Rallyestrecke Paris – Dakar.

Unterwegs auf der ehemaligen Rallyestrecke Paris – Dakar (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Paris-Dakar Piste in der Sahara

Es ist bereits dunkel, als die Geländewagen inmitten der Einsamkeit anhalten. Endstation. Alle steigen aus und auch das Gepäck wird entladen. Für die Autos ist das Gefälle eines ausgetrockneten Flussbettes, das jetzt überquert werden muss, zu steil. Darum soll von Pferde- auf Kamelstärken umgesattelt werden. Aber von denen ist samt dem Nomaden-Guide, der die Gruppe von hier aus ins Camp führen soll, nichts zu sehen. Wird überhaupt jemand in dieser Einöde auftauchen? Selbst die Fahrer scheinen ratlos, sogar ein wenig nervös: Kein ortskundiger Nomade weit und breit, und die Handys sind ohne Empfang.

Warten auf den Guide inmitten der Einsamkeit (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Sahara getrocknetes Flussbett

Ankunft im Camp und erster Abend

Doch dann tauchen aus dem Dunkel Schatten auf. Wenige Augenblicke später wird ein leibhaftiges Kamel erkennbar, nein, es sind vier Tiere und schließlich ist auch ein Mensch zu sehen: der Guide!

Überlebenskünstler in der Wüste

Kamele kommen zwar aus einer Säugetierfamilie, es wird aber unterschieden zwischen Dromedar (ein Höcker) und Trampeltier (zwei Höcker). Trampeltiere trifft man vor allem in Asien an, während Dromedare einst von den Römern aus dem Vorderen Orient nach Nordafrika eingeführt wurden. Das machte Sinn, denn sie sind ideale Wüstentiere: Ein Dromedar kann bis zu 17 Tage ohne Wasser auskommen, selbst bei bis zu 50 Grad Celsius. Dank der besonderen Beschaffenheit des Blutes können sich die roten Blutkörperchen um das 200-Fache ihres Volumens aufblähen, um Wasser aufzunehmen.

Des Weiteren wird das in der Atemluft enthaltene Wasser vor dem Ausatmen gleich wieder von den Nasenschleimhäuten aufgenommen. So können die Überlebenskünstler einen Feuchtigkeitsverlust von bis zu 40 Prozent ihres Körpergewichts ausgleichen. Bei Menschen ist bereits bei 14 Prozent Schluss. Das Dromedar ist zudem in der Lage, die eigene Körperwärme dem Temperaturgefälle der Wüste anzupassen, indem es bei Hitze weniger schwitzt und damit Wasser spart, das sonst zur Stabilisierung der Körpertemperatur vergeudet werden würde.

Sein dichtes lockiges Fell schützt vor Hitze und Kälte und die langen Augenwimpern die Augen vor Sand. Die breiten Füße sind mit einer dicken Hornhaut gepolstert, sodass es bestens auf heißem Wüstensand laufen kann. Das Tier bewegt sich im Passgang: Beide Beine einer Körperhälfte werden gleichzeitig bewegt, wodurch der schaukelnde Gang zustande kommt.

Beim Futter sind Dromedare äußerst genügsam. Ihre robuste wie effektive Verdauung schafft selbst Gestrüpp, Dattelkerne oder Holz. Man sagt, ein Dromedar könnte sich sogar von Telefonbüchern ernähren. Der Höcker ist nicht wie oft irrtümlich angenommen ein Wasserspeicher, sondern dort befinden sich die Fettreserven für schlechte Zeiten.

Das etwa 500 Kilogramm schwere Tier kann Lasten bis zu 150 Kilogramm über eine Strecke von bis 50 Kilometern am Tag tragen. Erst all diese Attribute des zähen Dromedars ermöglichten einst den Karawanenhandel in der Sahara.

Doch ein Dromedar ist sehr nachtragend. Wird das Tier vom Besitzer einmal geschlagen, so sollte er es am besten verkaufen: Denn eines ist sicher, die Rache wird folgen!

Bei Kamelen unterscheidet man zwischen Dromedar (ein Höcker) und Trampeltier (zwei Höcker) (Foto: Imke Feddersen)
Kamele in Marokko

Das Gepäck wird auf die Kamele geladen und das letzte Stück Weg bis ins Lager zu Fuß zurückgelegt. Nach einer guten halben Stunde ist das Camp erreicht. Geschützt zwischen hohen Dünen stehen zwei größere Berberzelte sowie eine Handvoll Einpersonenzelte. Drei weitere Guides warten bereits und begrüßen die Neuankömmlinge zurückhaltend und respektvoll. Dann sucht sich jeder Teilnehmer ein Zelt aus, und nachdem die Siebensachen darin verstaut sind, folgt die offizielle Begrüßung im „Wohnzimmer“ unter freiem Himmel. Die jetzt leeren Packtaschen der Kamele sind um einen großen Teppich drapiert und dienen als Rückenlehnen, davor liegen zusammengefaltete Wolldecken als Sitzpolster. Licht und Wärme spendet ein kleines Lagerfeuer. Es wird süßer Tee serviert, dazu gibt es Erdnüsse und Kekse zum Knabbern.

Nach der Ankunft im Camp servieren die Guides süßen Tee und Kekse am Lagerfeuer (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Sahara Camp

Die Guides stellen sich vor: Mohammed, Houssine, M´Barak und Achmed sind hier geboren und aufgewachsen, kennen das Terrain aus dem Effeff. Sie gehören zum Volksstamm der Berber, bezeichnen sich aber selbst als Imazighen, was „freie Menschen“ bedeutet. Das Wort Berber stammt von den Römern, die abfällig alle Menschen so nannten, die die damalige „Weltsprache“ Latein nicht beherrschten. Ihre Väter zogen noch mit den Familien als Nomaden durch die Sahara. Doch die nachfolgende Generation ist größtenteils sesshaft geworden und oft in der Landwirtschaft oder im Tourismus tätig.

Die Guides gehören zum Volksstamm der Berber, bezeichnen sich selbst aber als Imazighen, was „freie Menschen” bedeutet (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Sahara Trekkingtour

Es folgt das Abendessen: Eine heiße Nudelsuppe als Vorspeise, zum Hauptgang gibt es Huhn mit Gemüse vom Grill und zum Abschluss wird Obst gereicht.

Gegen 22 Uhr sind fast alle Teilnehmer in ihren Zelten verschwunden. Bis auf die Romantiker, die in ihren Schlafsäcken im Freien nächtigen. Das Firmament flimmert, der Mond scheint hell, und ab und an grummelt ein Kamel durch die Stille.

Die Nacht ist kalt, die Morgenstunden sind sogar eiskalt. Wer keinen superwarmen Schlafsack mitgebracht hat, muss nun frieren. Und das, obwohl gegen die Bodenkälte Schaumstoffmatten verteilt wurden sowie dicke Wolldecken zum Zudecken. Die Matten erweisen sich als hilfreich, die Decken schützen aber nicht wirklich gegen die eisigen Morgentemperaturen: Im Winter fallen sie bis zu minus 15 Grad Celsius.

Frühstück mit Panoramablick

Gegen 8.30 Uhr geht die Sonne auf und es wird sofort wärmer. Zähneputzen mit etwas Wasser, Katzenwäsche mit Feuchttüchern, und ab geht es zum Frühstück, das auf einer Düne angerichtet ist. Der Wohnzimmerteppich dient jetzt als Tisch und darauf befinden sich Fladenbrot, Margarine, Schmelzkäse und Marmelade. Als Teller bekommt jeder eine Papierserviette. Houssine schenkt süßen Tee und auf Wunsch ungesüßten Kaffee – auch mit Milch – aus. Das Frühstück an sich ist kontinental, die Lokation hingegen bringt es auf ein 5-Sterne-Niveau: Panoramablick auf ein ockerfarbenes Dünenmeer, stahlblauer Himmel, glasklare Luft und dazu das liebliche Zwitschern einiger Wüstensperlinge.

Frühstück mit Panoramablick auf das Dünenmeer (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Sahara Camp Frühstück auf Düne

M´Barak holt währenddessen die Dromedare aus dem Nachtlager, das sich hinter einer Düne befindet. Ein wenig lustlos folgen ihm die Tiere ins Camp. Hier sind die anderen Guides damit beschäftigt, das Lager abzubauen. Ein Zelt nach dem anderen wird zusammengelegt und auf die Dromedare verfrachtet, zusammen mit Küchenutensilien, Schlafmatten, Decken, Lebensmitteln und etlichen Wasserflaschen. Obwohl Dromedare an Gepäck gewöhnt sind – und bis zu 150 Kilogramm problemlos tragen können – fangen einige laut an zu meckern, als die „Arbeitszeit“ beginnt. Dromedare wurden zwar schon ab dem 4. Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung domestiziert, haben aber bis in die heutige Zeit ihren eigenen Kopf behalten. Da werden sie auch mal laut, wenn ihnen etwas nicht passt.

Dromedare können bis zu 150 Kilogramm Gepäck problemlos tragen (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Sahara Dromedare

Nachdem das Camp komplett auf den Rücken der Tiere verstaut ist, zieht die kleine Karawane los: Guides und Dromedare voran, die Gruppe zu Fuß hinterher. Es geht sich bequem, denn der Wüstenboden ist steinhart und flach wie die norddeutsche Tiefebene. Aber man muss schon stramm hinterher, denn die Dromedare sind flott unterwegs und können stattliche 32 km/h erreichen.

Das komplette Camp kann auf den Rücken der Dromedare verstaut werden (Foto: Imke Feddersen)
Sahara Marokko Trekkingcamp Dromedare

Mittlerweile ist es angenehm warm geworden, etwa 20 Grad. Jetzt, Anfang Februar, ist Frühling in der Sahara und die Temperaturen sind mediterran. In den Sommermonaten wird man es hier um diese Tageszeit nicht mehr aushalten können. Dann klettert das Thermometer auf 50 bis 60 Grad bei durchschnittlich elf Sonnenstunden am Tag.

Das Ziel ist heute der Erg Smar. Als Erg werden hier die Gebiete mit hohen Sanddünen bezeichnet. Obwohl diese als Sinnbild der Wüste gelten, macht ihre Fläche nur etwa 20 Prozent der Sahara aus.

Bei milden 20 Grad geht es zum ersten Erg – so werden Gebiete mit hohen Sanddünen genannt (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Sahara Dünen zum Erg Chegaga

Sahara: Wüste voller Leben

Übersetzt bedeutet Sahara Wüste, und das steht wiederum für „Ort ohne Leben“. Entweder irrt das Lexikon oder es ist ein Wunder geschehen, denn wir befinden uns geradezu in Allahs Garten: Violett blühen die endemische Foleyole und die Lupinen, gelb die Laugenblume, dazwischen haben sich Gräser ihren Platz erobert und die Öl-Rauke begrünt gar ganze Flächen kniehoch.

Die Wüste lebt: die kniehohe Öl-Rauke begrünt gar ganze Flächen (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Karawane durch Sahara

Der Grund dafür ist simpel: Wasser! Normalerweise herrscht hier mit 0 bis 25 Millimeter Niederschlag im Jahr extreme Trockenheit. Doch nach Jahren fast ohne Regen ergossen sich vor einigen Monaten über den Süden Marokkos sintflutartige Regenfälle. Das Wasser drang tief ins Erdreich, sodass die „wartenden“ Samen keimen konnten und zu einem blühenden Pflanzenteppich heranwuchsen.

Kurze Perioden mit sintflutartigem Regen reichen aus, um Teile der Wüste erblühen zu lassen (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Karawane durch die Sahara

Auf dem Rücken eines Dromedars

Nach einem etwa einstündigen Marsch wird eine Pause eingelegt. Die Dromedare stärken sich mit frischem Grün, die Menschen mit saftigen Mandarinen. Außer Mohammed, denn er schiebt einen Mandarinenspalt nach dem anderen in die gespitzten Lippen seines Dromedars. Zuletzt landet die Schale im Magen des Wiederkäuers, dem die kleine Zwischenmahlzeit offensichtlich mundet. Als der Snack verzehrt ist, reibt das Dromedar liebevoll seinen Kopf an Mohammeds Schulter. Ist das etwa ein Dankeschön?

Innige Beziehung zwischen Mensch und Dromedar (Foto: Imke Feddersen)
Sahara Marokko Dromedar

Nach der Pause wird es ernst. Es geht aufs Kamel: Freiwillige vor! Nur zögerlich melden sich Erstbesteiger – die Tiere sind immerhin bis zu 2,30 Meter groß. Die Guides bringen die Tiere in Sitzposition, denn Steigbügel gibt es nicht. Einen Sattel im eigentlichen Sinn ebensowenig. Um den Höcker liegt eine dicke, etwa 30 Zentimeter hohe Ledermanschette, an der links und rechts eine prall gefüllte Packtasche befestigt ist. Abgedeckt wird das Ganze mit einer zusammengefalteten Wolldecke. Darauf sitzt dann der Reiter. Zum Glück gibt es aber einen stabilen Griff zum Festhalten.

Angelika, Katrin, Wolfgang und Peter trauen sich schließlich auf die Rücken der Dromedare, die sich dann gekonnt erheben und im Schaukelschritt auf den Weg machen. Es gibt Geschichten, denen zufolge Leute auf dem schwankenden Wüstenschiff seekrank geworden sein sollen. Nun, vielleicht hat sich hier das Seemannsgarn bis in die Wüste gesponnen. Guckt man sich nämlich besagte Reiter an, so gibt es das Glück der Erde offensichtlich nicht nur auf dem Rücken der Pferde.

Rauf aufs Dromedar: Im Schaukelschritt, auch Passgang genannt, geht die Reise weiter (Foto: Imke Feddersen)
Südmarokko Sahara Öl-Raukenfeld

Drei-Gänge-Menü mitten in der Wüste

Nach einer weiteren Stunde ist Mittagspause. Die Dromedare werden abgeladen und ihr Interesse gilt sogleich der Öl-Rauke, die hier überall wächst. Bevor es aber ans Grasen geht, wird ihnen jeweils ein Bein über dem Kniegelenk hochgebunden. Denn neben dem Futter suchen sie auch gerne mal das Weite. Humpelnd laufen die Wüstentiere nun zu den Büschen, um sich ihr Mittagessen einzuverleiben.

Unterdessen wird ruckzuck ein Küchenzelt aufgebaut und ein weiteres zum Schutz gegen die Sonne. Diese schafft jetzt 24 Grad, also eine durchaus angenehme Wärme für die wintergeprüften Trekking-Germanen.

Das Abladen der Dromedare geht dank der tiefen Sitzposition einfach und schnell (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Sahara Dromedar

Für das leibliche Wohl der Gruppe sorgt Achmed, der im neun Quadratmeter kleinen Küchenzelt hockt und ein Drei-Gänge-Menü für insgesamt 13 Personen zubereitet: Bunter Salat mit Oliven, Gemüseomelett und Obstplatte. Während des Essens schwärmen Angelika, Katrin, Wolfgang und Peter immer wieder von ihrem Ritt durch die Wüste. Die Begeisterung steckt an, denn als nach der Pause Reiterwechsel ansteht, können die anderen es kaum erwarten, auf ein Kamel zu steigen.

Das Lager wird wieder komplett abgebaut und auf die Tiere verstaut. Die Reiter besteigen die Dromedare, und die Guides teilen sich auf: Houssine bleibt bei den Wanderern, die anderen führen die Kamele samt Reitern.

Ganz schön hoch – der Rücken des Dromedars (Foto: Imke Feddersen)
Dromedar in der Sahara Marrokos

Endspurt über Dünen bis zum Erg Chegaga

Die Karawane zieht weiter und die Sahara wechselt ihr Bild. Der karstige Boden wird jetzt sandig, nur vereinzelte Grasbüschel finden noch ihr Auskommen und natürlich die unverwüstliche Tamariske. Dieser knorrige Baum hat weitverzweigte Wurzeln, die sich ihr Wasser aus den Speichern der Dünen holen: Kaum zu glauben, aber Regen, der es schafft 30 Zentimeter tief zu versickern, ist unter dem Sand vor Verdunstung sicher.

Die Tamariske überlebt dank ihrer weitverzweigten Wurzeln auch in den extrem sandigen Regionen der Sahara (Foto: Imke Feddersen)
Tamariske in der Sahara

Die Dünen werden nun größer und erstrecken sich bis zum Horizont. Die sanften Höhen und Täler changieren in Gelb-orange und heben sich ab vom Blau des Himmels: Komplementärfarben, die powern und Schönheit pur abliefern.

Zu Beginn der Reise noch recht flach, werden die Dünen im Laufe der Reise größer und erstrecken sich bald bis zum Horizont (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Sahara Erg Chegaga

Davon bemerken die Fußgänger der Gruppe allerdings nicht viel, denn sie haben andere Sorgen. Es ist Wind aufgekommen, und der peitscht abertausende Sandkörnchen in ihre Gesichter. Jetzt wird klar, warum die Berber den Cheche tragen. Das lange, zum Turban geschlungene Tuch, ist ein wichtiges Kleidungsstück, das den Kopf gegen Sonne, Kälte und auch Sand schützt. Dazu wird das Tuch so gebunden, dass nur noch ein Sichtschlitz für die Augen bleibt. Schnell machen es die Wanderer wie die schlauen Berber und wickeln sich notdürftig  ihren Cheche.

Doch die fliegenden Sandkörnchen sind nicht das einzige Problem, das Laufen wird stetig beschwerlicher. Bei jedem Schritt sinken die Füße bis zum Knöchel in den weichen Sand. Erste Erschöpfung macht sich bemerkbar, das Tempo wird langsamer und die Dromedare entfernen sich weiter und weiter. Zwar ist das Ziel, die alles überragenden Dünen des Erg Chegaga, am Horizont sichtbar, aber wie sollen die Kräfte bis dahin reichen? Und dann dieser peitschende Sand. Beklommene Gesichter in der Gruppe.

Auf den Rücken der Dromedare sind die Reiter vor dem peitschenden Sandsturm geschützt (Foto: Imke Feddersen)
Sandsturm und Dünen in der Sahara

Doch Houssine ist ein erfahrener Guide und kennt seine Pappenheimer. Er rudert mit den Armen Richtung Vorhut und gibt seinen Kollegen ein Zeichen. Daraufhin stoppt der vordere Teil der Karawane, und die Nachzügler können aufholen. Als diese völlig kaputt eintrudeln, wartet dort eine freudige Überraschung: Sie dürfen wieder aufs Kamel.
Bei den Tieren, die bis jetzt ohne Mensch huckepack unterwegs waren, wird das Gepäck umgelagert. Überglücklich krabbeln die Wanderer auf die Dromedare. Und siehe da: Oben ist vom peitschenden Sand in Bodennähe nichts mehr zu spüren, von den Strapazen des Marsches ganz zu schweigen. Die Karawane ist wieder komplett und zieht weiter.

Vereinzelt wachsen Oscherbäume mitten in der Sandwüste (Foto: Imke Feddersen)
Oscherbaum Sahara Marokko

Die letzte Nacht unter freiem Himmel

Kurz vor Sonnenuntergang ist das zweite Camp im Erg Chegaga erreicht. Die Dünen sind hier bis zu 100 Meter hoch und strahlen erhaben in Rot-orange im Licht der sich verabschiedenden Sonne. Die Gruppe erklimmt die höchste Düne, um von dort das grandiose Farbenspiel zu erleben. Die Gespräche verstummen nach und nach angesichts dieser Schönheit – und der Stille, die von den Nomaden auch „Musik der Wüste“ genannt wird. Nahezu magische Momente, die man nicht so schnell vergisst. Darüber sind sich später am Lagerfeuer alle einig.

Bei Sonnenuntergang leuchtet das Dünenmeer im kräftigen Rot-orange (Foto: Imke Feddersen)
Dünen bei Sonnenuntergang in der Sahara

Richtig dunkel wird es in dieser Nacht nicht. Ein leuchtender Dreiviertelmond und Millionen Sterne ergießen ihr Licht, das vom hellen Sand reflektiert wird: 50 shades of grey! Mindestens, von Dunkel- über Mittel- und Hellgrau bis hin zu silberfarben.

Und auch diese Nacht hat es wieder in sich was die Kälte betrifft. Wohl dem, der einen warmen Schlafsack hat.
Das Open-Air-Frühstück am nächsten Morgen wird abermals gekrönt mit einem Fünf-Sterne-Panoramablick über das golden in der Sonne leuchtende Dünenmeer.

Ein letztes Frühstück in der Abgeschiedenheit und Stille des Dünenmeers (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Sahara Erg Chegaga

Abschied und Rückreise

Danach heißt es Abschiednehmen vom Nomadenleben und von Gastgebern, die nur schwer zu übertreffen sind, was Freundlichkeit, Höflichkeit und Hilfsbereitschaft angeht.

Die Reise wird jetzt wieder zeitgemäß fortgesetzt im Geländewagen. Kurz hinter den Dünen des Erg Chegaga zeigt die Sahara eine weitere Facette ihrer landschaftlichen Vielfalt. Es geht über den ausgetrockneten See Lac Iriki, eine kilometerweite flache, lebensfeindliche Einöde, an deren Horizont eine Fata Morgana das Glitzern von Wasser vorspiegelt.

Über den ausgetrockneten Lac Iriki geht es zurück ins 260 km entfernte Ouarzazate (Foto: Imke Feddersen)
Marokko Lac Iriki Salzsee

Praktische Tipps

Da in der Sahara extreme Temperaturschwankungen auszugleichen sind, ist eine mehrlagige Kleidung zu empfehlen. Diese kann dann schnell den jeweiligen Bedingungen angepasst werden. Lange Hosen und langärmelige Oberteile, weit geschnitten, sind tagsüber luftig und schützen abends, kombiniert mit warmer Unterwäsche, gegen die Kälte. Eine Daunenjacke dazu, und den kalten Temperaturen ist getrotzt.

Feste, möglichst atmungsaktive Wanderschuhe- und socken sind elementar, hier bitte nicht sparen. Die Schuhe sollten mindestens knöchelhoch sein, damit möglichst wenig Sand eindringen kann.
Eine Kopfbedeckung muss unbedingt ins Gepäck. Zu empfehlen ist ein langes Tuch, das zum Turban geschlungen werden kann. Eine gute Sonnenbrille, wie auch ein Sonnenschutzmittel LF 30 und höher nicht vergessen.

Die Priorität in der Ausrüstung hat jedoch ein guter warmer Schlafsack. Mit bis zu 5 Grad minus kommt man nicht aus. Es nützt auch wenig, wenn der Schlafsack jahrelang zusammengerollt im Keller gelegen hat. Dann ist die Füllung so komprimiert, dass die Wärmeisolierung nicht mehr gut funktioniert. Darum den Schlafsack ein paar Tage vor der Reise locker aufhängen.

Ein weiteres Muss ist eine LED-Taschenlampe, um sich nachts draußen und vor allem im Zelt zurechtzufinden. Hier tut eine zusätzliche LED-Lampe zum Hinstellen (z. B. aus dem Baumarkt) gute Dienste.

Eine spezielle Trinkflasche ist nicht unbedingt nötig, eine herkömmliche Plastikflasche reicht völlig.

Da man während der Trekkingtour aus der Reisetasche oder dem Rucksack lebt, schafft es Ordnung, wenn T-Shirts, Unterwäsche, Hosen, Hemden etc. getrennt in wiederverschließbaren Plastiktüten verpackt und entsprechend beschriftet werden. Hier eigenen sich am besten 8-Liter-Tüten, für Kleinkram reichen 1-Liter-Beutel.

Wichtig: Der richtige Schutz für die Kamera. Der Wüstenstaub ist fein wie Puder und dringt in die kleinsten Öffnungen des Fotoapparats. Ohne Schutz halst man sich anschließend die Kosten einer Generalreinigung auf, z. B. bei einer Spiegelreflexkamera zirka ab 300 Euro. Daher sollte man sich vor Antritt der Reise im Fachhandel beraten lassen und sich eine entsprechende Schutzhülle zulegen.

Erfahrener und langjähriger Veranstalter für Sahara-Trekkingreisen ist:
TRH-Reisen
Rudolf Hoffmann
Im Schnepfenflug 20
67147 Forst
Tel. 06326 - 96 757 53
Fax 06326 - 96 757 56
www.trh-reisen.de

Literatur:
Die Sahara hat vor allem eines zu bieten: Natur in den verschiedensten Facetten.
Das Buch „Sahara – Tiere, Pflanzen, Spuren“ (Verlag Kosmos Naturführer ) von den Autoren Verena Schatanek und Houcine Elkharassi ist für die Reise zu empfehlen, da hier Pflanzen und Tiere detailliert und mit Fotos beschrieben sind.

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Kamel und Halter in der Sahara im Süden Marokkos (Foto: Imke Feddersen)

Dromedare können eine Last bis zu 150 kg über eine Strecke von 50 km am Tag tragen (Foto: Imke Feddersen)

52 Tage bis Timbuktu (Foto: Imke Feddersen)

Abends leuchten die Dünen in Richtung von Erg Chegaga rot-orange (Foto: Imke Feddersen)

Mit dem Geländewagen geht es von Ouarzazate zunächst ins 260 km entfernte M´hamid (Foto: Imke Feddersen)

Damit das Dromedar nicht Reißaus nimmt, wird ihm ein Bein hochgebunden (Foto: Imke Feddersen)

Öl-Rauken wachsen in großer Fülle auf dem Karawanenweg und sind bei den Kamelen sehr beliebt (Foto: Imke Feddersen)

Dromedare und Guides sind ein eingespieltes Team (Foto: Imke Feddersen)

Mittagessen in der Sahara (Foto: Imke Feddersen)

Auf dem ausgetrockneten See Lac Iriki warten die Fahrer auf die Reisenden (Foto: Imke Feddersen)

Aufbruch nach Erg Smar (Foto: Imke Feddersen)

Der Wüstensand ist fein wie Puder und kann in die kleinsten Öffnungen eindringen (Foto: Imke Feddersen)

Obwohl die Wüste als ein „Ort ohne Leben” gilt, gibt es viele blühende Pflanzen (Foto: Imke Feddersen)

Das Mittagessen besteht aus drei Gängen und wird von den Guides selbst zubereitet und serviert (Foto: Imke Feddersen)

Zu Beginn der Reise ist der Sand noch brüchig wie Tonscherben (Foto: Imke Feddersen)

Der erste Ritt auf einem Kamel ist etwas ganz Besonderes (Foto: Imke Feddersen)

Kamele sind angenehme Reittiere in der Wüste (Foto: Imke Feddersen)

Die Nomaden sind sehr auf ihre Kamele angewiesen und pflegen sie deshalb gut (Foto: Imke Feddersen)

Das Essen wird auf der Reise stets frisch zubereitet (Foto: Imke Feddersen)

Imke Feddersen

Text und Fotos: Imke Feddersen

 

Alle Angaben wurden von der Autorin nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Hinweis der Redaktion
Diese Reisereportage wurde unabhängig recherchiert, fotografiert und geschrieben. Die Reise nach Marokko wurde organisatorisch unterstützt von TRH Reisen Rudolf Hoffmann und dem Marokkanischen Fremdenverkehrsamt.