Türkei1

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Türkei: Der Flug nach Izmir (Folge 1)

Glauben Sie, dass so etwas passieren kann: Man trifft sich im Flugzeug und erlebt eine rauschende Nacht in der Türkei?

Liebes Fernweh-Team, euren Leserinnen und Lesern scheint ja jedesmal irgend etwas während einer Zugfahrt zu passieren. Nun, ich hasse Zugfahrten, sie sind total langweilig und mir ist dabei noch nie etwas Aufregendes passiert. Und dies obwohl ich vor langer Zeit mit dem Inter-Rail-Ticket durch ganz Europa gedüst bin. Das einzig Spannende waren die regelmäßigen Verspätungen der Züge. Ganz anders geht es mir beim Fliegen. Fliegen schafft bei mir so ein angenehmes Kribbeln im Bauch. Ich fühle mich dann als Mann von Welt und alles scheint mir zu Füßen zu liegen.
Seit ich den Film „Emanuelle“ gesehen habe, hat Fliegen für mich auch eine erotische Bedeutung. Die leidenschaftliche Liebesszene in diesem Film, die sich auf dem Flug nach Bangkok abspielt, hat sich fest in meiner Phantasiewelt eingeprägt. Leider ist mir nichts Vergleichbares passiert. Aber von einem folgenreichen Flug möchte ich hier berichten. Es ist schon einige Zeit her, deshalb habe ich keine Scham mehr darüber zu schreiben.

Ich studierte damals in München Jura. Eigentlich bin ich eher ein schüchterner Typ. Zwar bin ich sportlich, durchtrainiert und gut gebaut. Mit Frauen hatte ich nie Probleme, obwohl ich kein „Bagger-Typ“ bin. Ich hasse es, in Diskotheken stundenlang eine Frau anzustieren, dann mit ihr zu tanzen, um mich in Kürze mit ihr im Bett wiederzufinden. Eher führe ich anregende Gespräche, denn ich bin vielseitig interessiert. Dies möchte ich nur vorwegschicken, damit kein falscher Eindruck von mir entsteht.

Sehnsucht!
Meine Eltern und Geschwister lebten damals in Düsseldorf. Die Schulferien in Nordrhein-Westfalen begannen vor den Semesterferien in Bayern. Ich hatte noch zwei Klausuren zu schreiben. Meine Familie flog deshalb vor mir nach Marmaris in die Türkei. Meine Eltern hatten dort eine traumhafte 15 m-Yacht liegen. Als Student wollte ich mir so einen tollen Urlaub nicht entgehen lassen und nahm gerne das Geld für die Flugtickets entgegen, um meiner Familie nachzureisen. Kaum war das Semester zu Ende, machte ich mich auf den Weg. Ich flog München – Istanbul und stieg dort in den Flieger nach Izmir. Es war ein kleineres Flugzeug mit 2er-Sitzreihen. Ich hatte einen Gangplatz erhalten. Als ich meine Nachbarin am Fensterplatz erblickte, stockte mir der Atem. Es war eine ausgesprochen attraktive Türkin, braunes langes Haar, ca. 170 groß, schlank und etwa gleich alt wie ich. Als sie mich mit einem freundlichen Lächeln als Sitznachbarn begrüßte, fielen mir sofort ihre schönen brauen Augen, ihre feinen Gesichtszüge und ihr hellrot geschminkter Schmollmund auf. Mein Gott, dachte ich, welch ein Glück, diesen Sitzplatz zugewiesen bekommen zu haben.
Das Flugzeug startete sofort, nachdem alle Passagiere Platz genommen hatten. Türkische Piloten sind oft ehemalige Militärflieger und manchmal geht es etwas schwungvoller in die Kurve als wir es in Deutschland gewohnt sind. Kaum hatte die Maschine den Boden des Flughafens Istanbul verlassen, zog der Pilot das Flugzeug in eine harte Rechtskurve. Peinlich, peinlich, denn ich wurde ganz nahe an meine Sitznachbarin gedrückt. Ich roch ihr dezentes Parfum und spürte ihre Arme und Beine. Hoffentlich endet diese Kurve nie, dachte ich. Gut erzogen wie ich war entschuldigte ich mich in Englisch dafür, dass ich meiner Nachbarin so nahe gekommen war. Sie war aber keineswegs böse, und es entwickelte sich ein angeregtes Gespräch zwischen uns. Samira, so hieß meine Nachbarin, sprach hervorragendes Englisch und war recht nett und aufgeschlossen. Leider wurde unser Gespräch durch eine Ansage des Piloten unterbrochen. Wir konnten den Gesprächsfaden auch nicht mehr aufnehmen. Samira hatte ihren Sitz zurückgelehnt und entspannte sich. Doch ich glaubte nicht richtig zu sehen: Alle paar Minuten strich sie sich mit ihren langen, feingliedrigen Händen über die Innenseite ihrer Oberschenkel und atmete dabei tief durch.

Bauchtanz und romantische Lieder
In Izmir gelandet traf ich sie an der Gepäckausgabe wieder. Sie nahm meine Hand und fragte mich ohne lange Umschweife, ob ich mit ihr zum Abendessen gehen wollte. Ich willigte nur zu gerne ein, weil mein Bus nach Marmaris erst am nächsten Morgen fuhr. Sie bestand darauf, dass sie mich einlud, weil ich ja Gast in einem fremden Land sei. Wir fuhren ins Büyek Efes Hotel, ein Luxushotel, und nahmen dort an der Hotelbar, am Swimmingpool, einen Aperitif. Gespeist haben wir dann in einem tollen Restaurant am Meer. Wir aßen Fisch, tranken türkischen Wein. Wir unterhielten uns über Gott und die Welt. Über das Verhältnis Türken – Deutsche, über Amerikaner in der Türkei, über die Liebeskunst der Franzosen, über Demokratie und die Diktatur der Konsumgesellschaft. Ich war schon über alle Ohren verliebt, als wir spät nachts zu einem noblen Nachtclub aufbrachen. Dort schien man Samira zu kennen. Wir wurden freundlich begrüßt und erhielten gleich eine etwas separierte, kuschelige Sitzecke. Kaum hatten wir uns gesetzt, da öffnete Samira die ersten Knöpfe ihrer Bluse, gab mir heiter einen leichten Kuss auf den Mund und hauchte mich an: „Findest Du mich schön?“ Ich wurde abwechselnd rot und weiß, mir schien ein Kloß im Hals zu stecken. Ich konnte nicht antworten, sondern nickte nur recht linkisch. Dies schien Samira zu genügen. Sie bestellte fröhlich eine Flasche Weißwein. Wir genossen die Show des Nachtclubs mit türkischem Bauchtanz und romantischen Liedern. Etwa 1 Stunde alberten wir herum und tranken. Plötzlich stand Samira auf, entschuldigte sich , sie müsse kurz etwas erledigen. Nach langen 10 Minuten ihrer Abwesenheit kam sie debattierend und diskutierend mit einem verärgert dreinblickenden Türken wieder. Sie standen vor unserer Sitzecke und stritten sich offensichtlich. Der Mann sah immer grimmiger aus, doch auf einmal erhellte sich sein Gesicht. Samira und der fremde Mann gaben sich auf die Wangen die türkischen Höflichkeitsküsschen . Der gut gekleidete Herr verschwand so schnell wie er gekommen war. Samira schien es auf einmal sehr eilig zu haben: Sie winkte mit dem Schlüssel, den ihr der Herr gegeben hatte und lächelte mich so süß an, dass mir schon wieder die Beine weich wurden.
Wie von einer fremden Macht gesteuert, stand ich auf und folgte ihr. Es stellte sich heraus, dass der fremde, grimmige Herr ihr Cousin war und uns sein Apartment im Nachbarhaus für den Rest dieser Nacht überlassen hatte. Mehr brauche ich wohl nicht zu erzählen. Es wurde eine Nacht der orientalischen Leidenschaft, der immer wiederkehrenden Lust. Eine Nacht der Hingabe, des Rhythmus. Samira war der Inbegriff der Verführung, sie weckte unendliche Begierde in mir. Ich genoss ihren über alle Maßen wohl geformten Körper, genoss jede Berührung, jede Zärtlichkeit. So sehr ich mich auch anstrengte, ihr all ihre Leidenschaft wieder zurückzugeben, sie war mir immer einen Schritt voraus. Die Stunden mit ihr waren wie ein Rausch jenseits von Zeit und Raum.
Ich weiß nicht mehr, wie lange ich mit ihr zusammen war, ich weiß nicht mehr, wie wir uns verabschiedeten, ich weiß nur noch, dass ich irgendwann in glühender Hitze mit meinem Koffer am Busbahnhof von Izmir stand und mir die Tränen vor Sehnsucht nach Samira nur so über die Wangen rannen.

Günther Mahl

>> Folge 2: Hier lesen Sie, was Herr Mahl beim Segeltörn erlebte und unter welchen Umständen er Samira wiedertraf

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