Brasilien

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Brasilien: Tanze Samba mit mir

Heiße Nächte in Rio de Janeiro

Richtig gerne denkt unser Leser Dieter Glanzmann nicht an seine Brasilienreise zurück. Aber mit einer gehörigen Portion Selbstironie erzählt er, was ihm beim Karneval in Rio widerfuhr

Mein Kumpel Herbert schlug sich mit freudiger Erwartung auf die Schenkel. Auch die anderen drei Jungs aus unserer Junggesellenrunde grinsten voller Vorfreude.Unsere 2-wöchige Brasilienreise näherte sich dem Höhepunkt: dem Karneval in Rio. Das bunte, schrille Straßentreiben war der eigentliche Grund unserer Tour gewesen. Der graue Winter in Stuttgart hatte unsere Reiselust geweckt. An einem der langen Skat-Abende, die einmal pro Woche stattfanden, stellten wir fest, daß unsere Kasse erstaunlich prall gefüllt war. Wenn jeder von uns fünf nochmal einen Tausender drauflegte, dann könnten wir uns tatsächlich eine Reise nach Rio de Janeiro leisten. Das war doch wirklich mal etwas anderes als Mallorca! Und es versprach mindestens genausoviel Spaß und Erotik. All diese hübschen, rassigen Sambatänzerinnen! Eine Augenweide für unseren Junggesellenverein – und vielleicht sogar mehr als das..

Ein Plan entsteht
Als die Idee langsam konkrete Züge annahm und der Abend feucht-fröhlicher wurde, ließen wir uns zu einer Wette hinreißen. Das heißt, eigentlich war es mehr ein Wettkampf. Wir beschlossen, dass sich jeder von uns eine Sambatänzerin angeln sollte.Natürlich waren wir nicht so naiv zu glauben, das würde einfach sein. Zwar waren wir alle fünf – vielleicht mit Ausnahme von Herbert – attraktiv, jung und voller Tatendrang. (Herbert neigte leider ein wenig zur Fettsucht und zu einer frühen Glatze). Aber der Straßenkarneval in Rio war ein Medienereignis ersten Ranges. Als durchschnittlicher Zuschauer kam man an die Tänzerinnen gar nicht ran. Erst nach der offiziellen Show hatte man vielleicht eine klitzekleine Chance.“Heute schlägt die Stunde der Wahrheit!” grinste Klaus, und Herbert rieb sich ein zweites Mal die Schenkel. “Da bin ich ja mal neugierig, was wir uns morgen zu erzählen haben!” meinte Tobias, unser “Vorsichtiger”. Ich sagte nichts zu alledem, denn mein Selbstbewußtsein war übergroß. Ich war mir ganz sicher, daß eine herrliche Nacht vor mir lag. Mein strohblondes Haar, die braungebrannte Haut und eine gewisse Lässigkeit öffneten mir normalerweise Tür und Tor bei den Frauen. Warum sollte das heute hier in Rio anders sein?

Die Traumfrau mit der Federkrone
Wir nahmen unsere Plätze inmitten der Menge ein – und hatten uns recht schnell aus den Augen verloren. Es war fast unmöglich, in dem Gedränge zusammenzubleiben.Ich vermisste meine Kumpels nicht, denn schon bald nahm mich die Show völlig in Anspruch. Die prächtigsten Kostüme mit Federn, Pelzen und Glimmerkram zogen an mir vorüber. Unter dem prunkvollen Schmuck waren die Frauen nur spärlich bekleidet, und sie bewegten sich ekstatisch zum Samba-Rhythmus. Ein Fieber ergriff mich, und ich merkte, wie auch ich mich zur Musik bewegte und mitgerissen wurde. Plötzlich befand ich mich nicht mehr auf meinem Zuschauerplatz, sondern irgendwo mitten im Geschehen. Auf der Nebenstraße, in die ich so unvermittelt geraten war, tobte das Leben. Die Trommelwirbel waren mal leiser, und dann wieder so laut, dass die Ohren davon schmerzten.Irgendjemand drückte mir ein Glas Champagner in die Hand. Verwundert blickte ich mich um. Hinter mir stand eine der Tänzerinnen und zwinkerte mir amüsiert zu. Mir stockte der Atem. Eine Traumfrau! Sie trug einen knappen, schwarzen Bikini, der mit glitzernden Perlen und Straßsteinen besetzt war. Den Kopf schmückte eine rot -schwarze Federkrone, die bis zu den Hüften reichte. Die Fremde wiegte sich anmutig zur Musik. Sie warf lachend ihre langen, schwarzen Haare zurück und entblößte dabei ein Reihe strahlend weißer, ebenmäßiger Zähne. Dann spitzte sie ihre vollen, roten Lippen zu einem fiktiven Kuss und verschwand in der Menge.Ich holte tief Luft und versuchte, mir einen Weg durch die Menschenmassen zu bahnen. Das war sie! Das war meine Chance, und die Möglichkeit, eine traumhafte Nacht mit einer dunkelhäutigen Schönen zu verbringen. Gab es eine eindeutigere Aufforderung als diesen Kuss? Hatte sie nicht sogar eine lockende Geste mit der Hand vollführt? Ihr ganzes Gehabe mir gegenüber war eine einzige Einladung gewesen! Ich musste sie nur wiederfinden. Das war mein einziges Problem!Plötzlich sah ich ganz in der Nähe ihren Federschmuck aufblitzen. Und wieder drehte sie sich zu mir um und lockte mich. Nun war ich nicht mehr zu bremsen. Die Sache war glasklar. Sie spielte ihre Spielchen mit mir, doch wir wussten beide, wie das Spiel enden würde. Ganz kurz dachte ich sogar an meine Kumpels, und dass sie ganz bestimmt kein solches Glück hatten wie ich. Die würden am nächsten Morgen Augen machen!

Gefährliches Pflaster
Meiner Sache ganz sicher folgte ich der schokoladenbraunen Schönheit wo immer sie mir zuwinkte. Nur unmerklich wurden die Straßen menschenleerer und enger. Wir mußten uns inzwischen in einem Viertel von Rio de Janeiro befinden, das ich auf früheren Streifzügen noch nicht erkundet hatte. Doch noch immer waren Tänzer und fröhliche Menschen auf den Straßen, und das Trommeln war nicht allzu fern.Die Fremde tauchte immer wieder in der Ferne auf, lachte , und tanzte dann um eine Straßenecke herum. Es mochten mindestens 20 Minuten vergangen sein, als ich sie auf einmal nicht mehr sah.Ich blieb stehen und blickte mich um. Es war unheimlich still, und weit und breit war keine Menschenseele zu sehen. Ich befand mich in einer engen und ziemlich heruntergekommenen Gasse.“Verdammt”, dachte ich. Meine Schöne war vermutlich nur ein Lockvogel gewesen. Hatte ich nicht mehrfach gehört und gelesen, dass Rio ein gefährliches Pflaster war? Viel konnte man bei mir zwar nicht rauben, aber ich wollte doch möglichst schnell weg von hier!

Böses Erwachen
Ich stolperte in die nächstbeste Gasse – und blieb abrupt stehen. Ich war zu misstrauisch gewesen! Dicht vor mir stand die Fremde und streckte ihre Arme nach mir aus. “Vamos”, hauchte sie mit heiserer Stimme und umschlang meinen Körper. Voller neu erwachter Gier griff ich nach ihren Brüsten. Sie gaben unter meinen Händen mit einem unschönen Geräusch nach. “Oh, Sweetheart”, hörte ich meine Schöne seufzen und nahm erst jetzt den männlichen Klang ihrer Stimme und die ungewöhnliche Ausbuchtung ihrer Bikinihose wahr.“Oh, mein Gott!” murmelte ich und ließ von dem Kerl ab. Wie hatte ich nur so blind sein können? Der junge Mann lachte noch einmal heiser auf, warf mir eine Kusshand zu und verschwand in einem der schäbigen Häuser.Ich zog kleinlaut zum Hotel zurück und war heilfroh, dass meine Kumpels noch nicht da waren oder auch schon schnarchten. Vielleicht hat diese Lehre meiner Selbstgefälligkeit einen kleinen Dämpfer versetzt. Schaden konnte das nicht!Herbert war übrigens der einzige, der wirklich eine heiße Liebesnacht mit einer Sambatänzerin verbrachte. Sie war wunderschön und humorvoll, und sie besuchte Herbert in den verbleibenden drei Urlaubstagen so oft sie konnte.

Dieter Glanzmann

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