USA: Vermont - So erleben Sie die einzigartige Landschaft Vermonts

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USA / Vermont

Naturparadies Neuengland/USA
So erleben Sie die einzigartige Landschaft Vermonts

Ein Naturparadies in Neuengland / USA

Vermont, im Osten der USA, ist ein Naturparadies. Besonders Wanderer kommen auf den ausgedehnten Trails voll auf ihre Kosten. Höhepunkt im Jahr ist der Indian Summer. Wer in dieser Zeit reist,  sollte rechtzeitig reservieren, denn dann ist Hochsaison in Neuengland

Auf dem Highway sind wir ein paar Mal kurz davor, einen größeren Unfall zu verursachen. Zu oft haben wir, kleine Begeisterungsschreie ausstoßend, lieber links und rechts auf die Berge gestarrt statt geradeaus auf die Straße. Es ist das verlängerte Wochenende vor dem „Columbus Day“ (11. Oktober), und wir fahren durch Connecticut und Massachusetts in Richtung Vermont. Indian Summer nennt man in den Neuengland-Staaten der USA die Zeit, in der sich das Laub der Bäume verfärbt und die Wälder in bunter Pracht förmlich zu explodieren scheinen. Schließlich können wir uns auch nicht mehr beherrschen und fahren auf den nächsten Parkplatz, wo wir uns den zahlreichen anderen Autofahrern anschließen, die mit ihren Kameras begeistert in die bunte Landschaft links und rechts des Highways hineinknipsen. Wenn mir vorher jemand erzählt hätte, daß ich mal auf einer Autobahnraststätte stehe und voller Freude Landschaftsfotos mache...

Naturparadies Vermont
Als wir uns etwas beruhigt haben, fahren wir die Interstate 91 weiter hoch nach Norden. Unmittelbar hinter der Staatsgrenze liegt das „Vermont Welcome Center“, wo wir uns mit Karten und Informationen eindecken. Vermont ist der einzige der Neuengland-Staaten ohne Zugang zum Atlantik, doch als Besucher wird man mehr als entschädigt durch den Reichtum an Bergen, Seen, Flüssen und Wäldern, der diesen Staat zu einem Naturparadies macht. Hinzu kommt, daß hier auf über 9,5 Millionen Quadratmeilen gerade mal – wenn man großzügig schätzt – knapp 600.000 Menschen leben. Tourismus und Landwirtschaft sind die beiden wichtigsten Erwerbszweige. Der bekannteste Vermonter ist noch immer Calvin „Silent Cal“ Coolidge, Präsident der USA in den Goldenen Zwanzigern und geschickt genug, sich wenige Monate vor dem Beginn der großen Weltwirtschaftskrise aus dem Amt zu verabschieden und den Schlamassel seinem Nachfolger zu überlassen.

Alles ausgebucht!
Am „Welcome Center“ frage ich auch, ob ich für dieses Wochenende noch gut ein Hotelzimmer reservieren kann. Amerikaner sind höfliche Leute, und so bekomme ich eine Antwort gespickt mit „Sirs“, „Maybes“ und „Perhaps“, doch an dem entgeisterten Blick, der mir zugeworfen wird, erkenne ich, daß mich der Mann auf der anderen Seite der Theke für einen kompletten Vollidioten hält. Ohne vorherige Reservierung nach Vermont zu fahren, wo doch am Columbus Day ungefähr jede zweite Familie an der Ostküste hierhin düst, um den Indian Summer zu genießen!
Vor dem Welcome Center gibt es eine große Schautafel, auf der fast alle Hotels im südlichen Vermont angegeben sind, daneben ein kleines rotes Lämpchen, das „Vacancy“ anzeigt. Die Zahl der kleinen Lichter stimmt uns hoffnungsvoll, doch schon nach wenigen Anrufen müssen wir feststellen, daß wohl nur irgendjemand vergessen hat, die Lampen auszuschalten – alle Hotels sind belegt. Beim allerletzten Anruf erfahren wir schließlich, daß auch dieses Hotel ausgebucht ist, aber gerüchteweise habe man erfahren, daß es beim Nachbarhotel einige kurzfristige Absagen gegeben habe ... So kommen wir dann tatsächlich noch zu einer Unterkunft: ein gutes Hotel in sehr guter Lage, und das alles noch zum Vorzugspreis.

Wandern auf dem Appalachian Trail
Die Route 9 führt zwischen den Städtchen Brattleboro und Bennington in Ost-West-Richtung quer durch das südliche Vermont. Ungefähr auf halber Strecke führt die Route 100 nach Norden, hinein in die Berge. Diese beiden Straßen, selbst schon voller fantastischer Ausblicke, erschließen den großen Green Mountain National Forest, eine dicht bewaldete, fast unbesiedelte Bergkette, deren höchste Gipfel sich bis ungefähr 1300 Meter erheben. Im Winter befinden sich hier einige Ski- und Langlaufgebiete, vor allem rund um den Mount Snow. In den anderen Jahreszeiten läßt es sich hier wunderbar wandern, in Amerika „Hiking“ genannt. Wir rumpeln mit unserem Ford den euphemistisch Recreation Highway getauften, unbefestigten Feldweg Nummer 71 entlang, der von der Route 9 nach Norden abzweigt und zum Somerset Reservoir führt, einem Stausee mitten in den Green Mountains. Wir halten irgendwo, ziehen uns Wanderschuhe an und stürzen uns hinein in den Wald. Es gibt keine richtigen Wege, wohl aber markierte Pfade, die, je nach Länge, teils in wenigen Stunden, teils in einem oder mehreren Tagen bewältigt werden wollen. Wer Lust, Zeit und das entsprechende Schuhwerk hat, der wende sich von hier aus nach Westen, bis er nach wenigen Meilen auf den Appalachian Trail trifft, einen markierten Pfad, der sich die ganzen Appalachen entlangzieht. Von Kanada im Norden bis tief hinein in die amerikanischen Südstaaten, wo dieser Gebirgszug Blue Ridge Mountains (Virginia), beziehungsweise Smoky Mountains (Kentucky) genannt wird. Wir bescheiden uns heute damit, einen Tag lang zu wandern und grüne, gelbe, braune, orange und knallrote Blätter zu fotografieren. Außerdem versuche ich – zumeist erfolglos – Chipmunks zu knipsen, kleine, scheue und in diesem bunten Laub extrem gut getarnte Streifenhörnchen.

Schüsse im Wald
Es ist alles in allem eine sehr erholsame Hiking-Tour. Nur einmal geht unser Adrenalinspiegel nach oben: wir hören Schüsse, dann Hundegebell. Eine Jagd? Eine Treibjagd gar mit Jagdhunden, die alles hetzen, was größer ist als ein Chipmunk – also uns zum Beispiel? Wir sehen uns schon mal nach geeigneten Fluchtbäumen um und unterhalten uns extra laut, damit uns ein wackerer Waidmann nicht zufällig für Rehe hält und niederknallt. Sind wir vielleicht deswegen die einzigen auf diesem Pfad, weil jetzt gerade Jagdsaison ist? Dann ist es für einige Zeit still. Und plötzlich kommen uns drei Männer entgegen mit angeleinten Jagdhunden, geschulterten Gewehren und – Motorsägen. Was immer sie irgendwo vor uns im Wald angestellt haben mochten, sie hatten nichts dagegen, uns hier zu sehen. „Hi!“ und „Have a nice day!“ ist das einzige was wir zu hören bekommen, dann sind diese drei modernen Trapper auch schon wieder verschwunden.
Berühmte Aussteiger
Vermont hat wegen seiner schönen Natur, aber auch seines zwar etwas hinterwäldlerischen, dafür aber liberalen intellektuellen Klimas schon früh „gemäßigte Aussteiger“ angezogen. In den 20er und 30er Jahren waren es von New York entnervte Intellektuelle, die sich hier einfanden. Der bekannteste war der Autor Sinclair Lewis, der erste amerikanische Gewinner des Literaturnobelpreises, der mit seiner Frau, der bekannten Journalistin Dorothy Thompson, ein Haus kaufte.
Eine zweite Welle gab es um 1970, als viele Hippies, denen Kalifornien zu voll, zu warm oder schlicht zu weit war, hier Farmen, Kommunen und kleine, selbstverwaltete Betriebe gründeten.
Die „Flower Power“-Zeit ist längst vorbei, doch viele von ihnen sind hiergeblieben. Wer Vermont einmal selbst gesehen hat, der versteht, warum.

Cay Rademacher

 

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