Ungarn: Westungarn

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Westungarn: Zwischen wilden Wiesen und schwefligem Schlamm Kuren und schlemmen entlang der West-Ungarischen Bäderstraße

„West-Ungarische Bäderstraße“ wird die Region nordwestlich vom Balaton aufgrund ihres hohen Thermalwasservorkommens auch genannt.  Abgesehen von zahlreichen Kurorten, bietet die idyllische Landschaft jedoch auch für diejenigen, die gerne etwas trockenere Füße behalten möchten, ein breites Erholungsangebot: Radtouren und Schiffsausflüge, Schlösser, Weinberge und Büffelherden –  und überall jede Menge kulinarische Spezialitäten. FERNWEH.de-Redakteurin Birte Kurbjeweit war hier unterwegs und hat alles ausprobiert.

Text und Fotos von Birte Kurbjeweit

Ausblick von Zalakaros

Ungarn hat bei mir immer die Assoziation Steppe, Pferde und feuriges Temperament ausgelöst. Puszta eben. Zumindest die Region westlich vom Balaton, entlang der Zala, sieht da ganz anders aus. Die Landschaft ist grün, auf den hügeligen und mit Mohn bewachsenen Wildwiesen liegen wie spontan verstreut ein paar Dörfer. Am Straßenrand ziehen sich die Strommasten entlang. Nicht selten werden sie besonders an Dorfeingängen von einem Storchennest geziert.

Es heißt, dass Häuser, auf denen Störche brüten, vom Glück begünstigt sind, und gerne überträgt man das hier auch auf das ganze Dorf. Allerdings, so erzählt uns Reiseleiter Péter Balogh, sorgen die romantischen Storchennester auf den Strommästen immer wieder für Stromausfall in den Dörfern.. Damit Glück hier nicht gleichzeitig Dunkelheit bedeutet, werden erhöhte Metallringe auf den Masten angebracht, in denen die Störche ihre Nester bauen können.

Bük, Sárvár, Héviz und Zalakaros: Die Heilbäder Westungarns

Nach einer Region in Norditalien hat Ungarn das zweitgrößte Thermalwasservorkommen Europas vorzuweisen. Man geht davon aus, dass schon die Römer in dem mineralhaltigen Wasser badeten, dem besonders bei Störungen des Bewegungsapparats eine heilende Wirkung nachgesagt wird.

Der Unterschied zwischen Thermal- und Heilwasser ist dabei der Mineraliengehalt, aber auch die Temperatur. Während Thermalwasser mit um die 40 °C entspringt, ist Heilwasser mit über 90 °C fast kochend heiß. Wegen der vielen Mineralien wird für Kinder das Baden in Heilwasser nicht empfohlen. Die Wirkung sei zu stark, heißt es. Doch für die jüngeren Gäste bieten die meisten Kurorte immer größere und attraktivere Spaßbäder an, teilweise mit dem etwas neutraleren, aber auch sehr wohltuenden Thermalwasser, mit Rutschen und Wellenbecken.

Eine Heilkur sollte, um richtig wirken zu können, mindestens zehn Tage dauern. Neben dem Baden werden in den Kurbädern viele weitere, den Heilungsprozess unterstützende Anwendungen angeboten. Unter anderem gehören dazu Massagen, Krankengymnastik und Schlammpackungen, bei denen der ebenfalls sehr mineralhaltige Bodenschlamm erhitzt auf die entsprechenden Körperpartien aufgetragen wird.

In der Badeanstalt von Zalakaros

Mit Wellnessurlaub ist eine solche Heilkur nicht zu verwechseln. Manche Kurbäder erinnern eher an Krankenhäuser, und nach einem zwanzigminütigen Bad in dem heilenden Wasser ist auch ein gesunder Körper spürbar erschöpft. Es mag auch von Vorteil sein, wenn die Nase etwas beeinträchtigt ist, denn die vielen Mineralien, die das Wasser erst zu dem machen, was es ist, verleihen ihm einen schwefligen Geruch. Doch es scheint Wirkung zu zeigen. Im Kurort Héviz kommen rund 60 Prozent der Gäste regelmäßig wieder. Laura Horvath-Sarrodi vom Tourismusbüro im Kurort Heviz erzählt, dass nach zweiwöchiger Kur bei Patienten beispielsweise eine deutliche Verbesserung der Fähigkeit, sich auf den eigenen Beinen fortzubewegen, zu beobachten ist.

Das Highlight unter den Heilbädern entlang der Bäderstraße ist wohl der Hévizer Thermalsee. Inmitten von Grün und mit Seerosen bewachsen, wirkt er wie ein ganz normaler See. Doch das Badehaus, das sich krakenförmig über ihn spannt, lässt schon die Vermutung aufkommen, dass es sich hierbei um etwas Besonderes handelt. In einer Tiefe von etwa 40 Metern entspringen mehrere Quellen und versorgen den 4,4 Hektar großen See mit heilendem Wasser. Die Quellen haben ein solches Fördervolumen, dass sich das Wasser innerhalb von drei Tagen natürlich austauscht. Das Wasser, das im Sommer um die 35 °C warm ist, kühlt auch im Winter nur auf 22 °C ab.

Hier „schwebt“ man dann in Schwimmreifen und mit Gummitieren zwischen Seerosen und Fischen an der frischen Luft in dem angenehm warmen Wasser und lässt es auf den Körper wirken. Doch Vorsicht: Die wirklich wunderschönen Seerosen, die ihren ganz eigenen Teil zur Entspannung während der Kur beitragen, stehen unter strengem Schutz und wer sich eine als Souvenir mitnehmen möchte, den kann das teuer zu stehen kommen.

Der natürliche Thermalsee von Héviz

Angebote für die „trockenen Füße“

Wer sich schon wieder etwas fitter fühlt, seinem Körper vorbeugend etwas Gutes tun oder einfach nur einen angenehmen Urlaub verbringen möchte, findet entlang der Bäderstraße ein breites Angebot auch an etwas trockeneren Aktivitäten. Die Landschaft bietet viel zu entdecken. Zahlreiche Radwege (http://west-balaton.hu/de/kerekparturak) führen durch das Land. In mehreren Nationalparks gibt es sowohl geschützte Vogelarten als auch Büffelherden zu sehen. Und den Sonnenuntergang vom Weinberg in Héviz über die Täler mitzuerleben, ist etwas ganz Besonderes. Im Kurort Zalakaros besteht zudem neuerdings die Möglichkeit, Stadt und Umgebung auf geländetauglichen Segways zu erkunden. Es sieht zwar sehr gemütlich und einfach aus, aber hier ist etwas Balance und Standkraft gefragt.

Ausblick von Égregy in Héviz

Keszthely, die „Hauptstadt am Balaton“

Bei all den heilenden Gewässern in den Kurorten darf man in Westungarn trotzdem nicht den Balaton, Mitteleuropas größten See, unbeachtet lassen. Als inoffizielle Hauptstadt an seinem Westufer, inmitten der Heilbäder, gilt Keszthely. Das Städtchen mit der langen Uferpromenade ist unter anderem stolzer Standort des Schlosses der Familie Festetics, die eng mit der österreichischen Kaiserfamilie verbunden war. Es ist eines der größten Barockschlösser Ungarns. Das heute verstaatlichte Schloss beherbergt ein Museum, in dem Wohnräume und zahlreiche Porträts einen Einblick in das Leben der  Festetics verschaffen. Die rund 90.000 Werke in der imposanten Schlossbibliothek sind heute ebenfalls der Öffentlichkeit zugänglich.

Der Nostalgiedampfer Csobánc

Abgesehen vom Schloss ist selbstverständlich der Balaton Keszthelys Hauptattraktion. Im Balaton Museum können sich Besucher über das Leben um und in dem See informieren. Die erst 2012 fertig renovierte Uferpromenade ist mit Sicherheit einen Spaziergang wert. Hier finden in der Sommersaison kulturelle und freizeitliche Veranstaltungen statt.

Wer sich gerne noch etwas weiter auf das Wasser vorwagen möchte, kann entweder auf einem der Linienschiffe kreuz und quer über den Balaton schippern. Oder man mietet sich auf einem der Nostalgiedampfer, wie der 1927 erbauten Csobánc, ein. Übrigens sind diese Personenschiffe die einzigen Motorschiffe, die noch auf dem Balaton zu finden sind. Der durchschnittlich nur 3,5 m tiefe See ist für sonstigen Schiffsverkehr zu flach. Umso mehr Angler, Surfer und Segler sind hier unterwegs. Das Highlight im Sommer ist, wenn zwischen 500 und 900 Teilnehmer den See zwischen Révfülöp und Balatonboglár durchchwimmen.

Egészségünkre! – von Strudel, Wein und Aprikosenschnaps

Zu dem lieblichen und romantischen Landschaftsbild tragen auch die zahlreichen Weinberge bei. Tatsächlich kann das doch relativ kleine Ungarn stolze 22 Weinregionen vorweisen, wo in erster Linie Weißweine gekeltert werden. Im Sommer werden diese besonders gerne mit Wasser verdünnt als „Spritzer“ zur Erfrischung getrunken. Die Rolle von Weinen und Schnäpsen zum Anstoßen findet man auch in der Sprache wieder: Auf vier verschiedene Weisen wird hier auf dein, unser, Ihr und euer Wohl angestoßen. Vor dem Essen, das traditionell sehr deftig und fettig ist, wird häufig ein Kräuter- oder Aprikosenschnaps gereicht, um den Magen auf die folgenden genüsslichen Strapazen vorzubereiten.

Mohnfelder prägen das Landschaftsbild

Praktische Reiseinfos:

Amtssprache: Ungarisch
Währung: Forint (HUF)
Telefonvorwahl: +36
Fluganreise:
Budapest Airport
Héviz-Balaton Airport

Ungarisches Tourismusamt:
Wilhelmstr. 61
10117 Berlin
Tel.: 030 / 24 31 460
Fax: 030 / 24 31 4613
berlin@ungarn-tourismus.de
de.gotohungary.com


Von der Autorin ausprobiert:

Spirit Hotel Thermal Spa
Vadkert krt. 5
9600 Sárvár
Tel.: +36 95-889-500
info@spirithotel.hu 
www.spirithotel.eu

Modernes, elegantes Hotel mit schönen Zimmern, großem Spabereich und Wintergarten.


Hotel Lotus Therme Spa
Lótuszvirág u. 1
8380 Héviz
Tel.: +36 83/500 500
Fax: +36 83/500 591
info@lotustherme.net
www.lotustherme.net

Kurhotel am Rande von Héviz mit schönem Außenpool, breitem Kurangebot und gemütlichen Zimmern.

Hunguest Hotel Helios
Vörösmarty Mihály u. 91
8380 Héviz
Tel.: +36 83 342 895
hotelhelios@hunguesthotels.com
www.hunguesthotels.hu

Das Hotel bietet das eigens entwickelte Diätprogramm „Selfness“ an, das leicht verdauliche Speisen mit Bewegung kombiniert.

Danubius Health Spa Resort Héviz
Kossuth Lajos u. 9-11
8380 Héviz
Tel.: +36-83-889-400
heviz.reservation@danubiushotels.com
www.danubiushotels.com

Großes Hotel mit großem Spa- und Kurbereich, darunter mehrere teilweise etwas verstreute Außenbecken und Sauna.

Öregharang Weinstube

Héviz-Egregy, unterhalb der Árpádenkirche
Tel.: +36 30 927 9011
gabca32@gmail.com
www.oregharang.hu

Familiäre und gemütliche Weinstube mit guten, lokalen Speisen und Weinen.

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