Zwischenstopp in Panama City

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Zwischenstopp in Panama – zwischen Tradition und Aufbruch in Panama-City

Überwältigend: die Skyline von Panama-City (Foto: Philip Duckwitz)
Skyline Panama City

von Philip Duckwitz

Eine Reise nach Mittelamerika beinhaltet nicht selten einen Zwischenstopp in Panama. Diesen Stoppover zu einem echten Kurz-Aufenthalt von mehr als fünf Stunden auszubauen, ist ein lohnendes Unterfangen, dass bereits bei der Flugbuchung berücksichtigt werden sollte. Ich nutze diese Flugunterbrechung nicht nur, um die Hauptstadt des angesagtesten Landes auf dem mittelamerikanischen Kontinent kennen zu lernen. Die Pause hilft mir auch, den Jetlag zu bewältigen und dem Thrombose-Risiko nach langen Flügen vorzubeugen.

Das kleine und junge Land am Zipfel Mittelamerikas präsentiert sich als das Land des Kanals und der Gratwanderung zwischen Tradition und explosivem Aufstieg zum Wirtschafts- und Finanzzentrum. Dieses einzigartige Erlebnis gönne ich mir als Kurz-Erlebnis einer Mittelamerika–Reise und erkunde die Hauptstadt Panama-City.

Panama hat den geographischen Vorteil, dass man beide Ozeane, den Pazifik und den Atlantischen Ozean mit der Karibik sehr leicht erreichen kann. Panama-Stadt liegt auf der atlantischen Seite zur Karibik und bietet dabei einen traumhaften Anblick, der sich mir gleich beim Verlassen des 25 Kilometer vor der Stadt gelegenen Flughafens bietet.

Doch nicht nur die Szenerie einer azurblauen See ist es, die mich als Reisenden auf Anhieb begeistert. Die skurrile Wolkenkratzer-Kulisse des jungen Zentrums erweckt den Eindruck einer pulsierenden Metropole, wie sie in Mittelamerika ihresgleichen sucht. Von weitem erkenne ich auch die „Puente de las Americas“, jene markante Brücke, die über den Kanal führt und beide Teile des Landes miteinander verbindet.

Die Brücke „Puente de las Americas" führt über den Panama-Kanal (Foto: Philip Duckwitz)
Puente de las Americas

Junges Land mit bewegter Vergangenheit
Das Land ist jung. Erst 1821 erklärte es seine Unabhängigkeit vom spanischen Kolonialherrn und schloss sich Großkolumbien an. Doch erst 1903 wurde es vollständig unabhängig, bis auf eine kleine Ausnahme. Denn die USA erhielten das Recht, den Kanal zu bauen und erlangten dadurch auch die Hoheitsrechte um das Kanalgebiet. Panamanesen war es streng verboten, dieses Gebiet zu betreten.

Erst 1999 erhielt Panama diese US-Militär-Distrikte zurück. Vorausgegangen war dem noch eine Bombardierung von Panama-City im Jahr 1989, bei der die USA versuchten, den damaligen Diktator Manuel Noriega zu stürzen.

Auf meinem Weg in die Stadt sehe ich deutlich noch das Viertel, in dem Ende der 80er die Bomben einschlugen. Vergangen sind diese Zeiten, vergessen dagegen nicht. Auch die Bauweise der ehemaligen US-Militärzone ist noch deutlich sichtbar und unterscheidet sich klar von der Architektur Panamas damals wie heute.

Panama hat sich im Laufe der letzten Jahrzehnte rasant entwickelt. Die heutige Skyline ist gerade einmal 20 Jahre alt. Banken, Kasinos, Hotels oder Boutiquen findet man im neuen Zentrum von Panama-Stadt. Wesentlich kleiner, so erkenne ich auf meiner Tour durch die Stadt, ist die Bauweise der 70er Jahre, denn die Häuser hatten damals höchstens 20 Stockwerke, heute sind 100 Etagen und 200 Meter Höhe keine Seltenheit.

An Skurrilität mangelt es den neuen Wolkenkratzern nicht. So sticht besonders die sogenannte „Schraube“ hervor, ein gewindeartig gebautes Hochhaus. Aber auch der Tower des derzeitigen US-Präsidenten Donald Trump, der sich ganz an der Spitze der Stadt zur See hin befindet, ist deutlich erkennbar durch seine segelförmige Bauweise. Dieses Gebäude beherbergt ein Hotel und Büros.

Panama-City erlebte in den 1970er Jahren einen gewaltigen Bauboom (Foto: Philip Duckwitz)
Hypermodernes Panama

Zeitreise in Panama-City
Doch Panama hat auch eine sichtbare Geschichte, die bis in die frühe Kolonialzeit des Landes zurückreicht. So ist das Ruinengelände der ehemaligen, vom Piraten Henry Morgan 1671 zerstörten Stadt – genannt Panamá la Vieja – im Norden an der Pazifikküste noch recht gut erhalten und gehört zum Unesco Welterbe. In Panama-City selbst sieht man ebenfalls noch zahlreiche Stätten der ehemaligen Kolonialherren. Die Ruinen des alten spanischen Forts sind deutlich sichtbar und lohnen einen Besuch. Mich zieht es in Richtung Altstadt Casco Viejo Hier wurde 1673 die Stadt nach der Zerstörung durch die Piraten neu gegründet. Der Weg dorthin führt über eine achtspurige Straße, die panamerikanische Autobahn.

Ich erlebe eine Zeitreise auf dem Weg in die Altstadt. Und die ist wahrlich noch nicht lange in so gutem Zustand wie heute. Wurde dieser Stadtteil im 18. Jahrhundert durch einen Stadtbrand zerstört, stammen die meisten Gebäude aus dem 19. Jahrhundert.

Doch bis in die 70er Jahre des 20. Jahrhunderts war das Viertel ein Moloch, geprägt durch Kriminalität und Armut. Erst mit der Aufnahme des Stadtteils Casco in die Unesco-Welterbeliste 1997 begann man zu restaurieren und zu sanieren.

Ich schlendere durch malerische Gassen mit sauber renovierten Kolonialgebäuden. Kleine Galerien und Kunsthandwerkerläden reihen sich an gemütliche Cafés und touristische Souvenirshops.  Hier ticken die Uhren langsamer als in der pulsierenden Neustadt. Ich besuche am Plaza Simón Bolivar die  „Catedral Metropolitana“, das wichtigste katholische Gotteshaus der Stadt. Hier wird 2018 das Zentrum des Weltjugendtags sein.

Auch die La-Merced- Kirche zeigt eindrucksvoll die Verbindung von Alt und Neu, denn ähnlich wie bei der Kathedrale Metropolitana wurde an den alten Mittelbau der neu aufgebaute Turm direkt angesetzt. Beeindruckend kommen auch die Ruinen der ehemaligen Klosterschule „Iglesia de la Compania de Jesuso“ daher, die in der renovierten Altstadt wie ein Mahnmal wirken. Auch der berühmte Gold-Altar der Kirche San José begeistert mich. Immer wieder entdecke ich zwischen den neu renovierten Gebäuden Reste der alten Fassaden. Die Symbiose des Wandels ist verblüffend. Nicht fehlen dürfen mir bei einem Stadtbummel natürlich Eindrücke, wie die Menschen hier leben.

Altes und Neues in Panama-City (Foto: Philip Duckwitz)
Altes und neues Panama City
Noch längst nicht alle Gebäude wurden in Panama-City renoviert (Foto: Philip Duckwitz)
Verfallendes Gebäude Panama City

Doch wo leben die Einheimischen? Mein Stadtführer führt mich südlich der Altstadt in ein Viertel mit schmucklosen Fassaden, El Chorrillo. Vorbei geht es an Graffities, die an die Revolution der indigenen Bevölkerung im Jahr 1925 erinnern.

Damals kämpften die Angehörigen der sieben in Panama lebenden Stämme für ihre Gleichberechtigung. Ich begegne auf meinem Weg durch die Stadt allerorts indigen gekleideten Frauen und Männern. Ohnehin ist Panama ein Kessel aus vielen Kulturen. Vor allem aus Kolumbien und Venezuela kommen viele Einwanderer. Auch Karibik-Bewohner sind hier zahlreich vertreten. Dieser Kultur-Mix prägt auch die Musik des Landes.

Neben Salsa wird der aus Kolumbien stammende Cumbia getanzt, Reggae ist mindestens so populär wie der aus Haiti stammende Haitano. Panama ist ein pulsierender Kessel Buntes, in dem es viel zu erleben gibt. Auf dem Rückweg von der Altstadt Casco Vieja besuche ich noch den Fischmarkt Mercado de Mariscos, nahe der Altstadt und direkt am Ufer des Stadtteils San Miguel. Hier bietet sich mir eine Augenweide des quirligen Lebens. Da wird gefeilscht, gehandelt und gekauft. Fische und Meeresfrüchte aller Art füllen die Tische, dass sich die Balken biegen.

Es riecht zu meinem Erstaunen gar nicht nach Fisch, das liegt wahrscheinlich an der Fangfrische an diesem Morgen. Rund um den Fischmarkt bieten Gastronomen die Fänge des Meeres in köstlicher Zubereitung an, dass einem das Wasser im Munde zusammenläuft. Das Wort Panama bedeutet nicht umsonst „Überfluss an Fischen“. Und Ceviche, das traditionelle kalte Fischgerichte auf Limonen-, Zwiebel- und Korianderbasis, gehört hier einfach auf jeden Tisch.

Frischen Fisch gibt es auf dem Fischmarkt „Mercado de Mariscos" (Foto: Philip Duckwitz)
Fischmarkt Panama City
(Foto: Philip Duckwitz)
Bus Panama City

Mehr Panama
Mehr könnte ich erleben in Panama-City, zum Beispiel die Besteigung des Hausbergs „Cerro Ancón", der nicht mehr befahren werden darf. Von dort eröffnet sich ein traumhafter Blick über die Stadt. Oder der nahegelegene Nationalpark Parque Nacional Camino de Cruces, in dem ich tropischen Regenwald und eine artenreiche Fauna vorfinde.

Auch den „Calzado de Amador" entlang spazieren ist ein Erlebnis. Das ist der palmengesäumte Damm, der die Metropole bei einem Unfall im Kanal schützen soll. Hier sieht man auf der einen Seite Schiffe vor der Silhouette von Panama auf ihre Passage warten. Auf der anderen Seite fahren diese dann in den Kanal ein und aus.

Doch ein Stoppover in Panama-City währt nicht ewig und bei hohem Verkehrsaufkommen muss man durchaus 30 Minuten von und bis zum Flughafen rechnen. Ich genieße bei der Abfahrt aus der Metropole noch einen letzten Blick auf die sagenhafte Skyline und freue mich auf einen intensiveren Besuch in Panama, bei dem ich auch das natur- und artenreiche Umland von Panama-City erkunden will. Panama lohnt sich, ist stylisch und originär zugleich. Auf engstem Raum finden sich zahlreiche Aktivitäten und Kulturen, die reichhaltige Erlebnisse versprechen.

Maritimer Ausblick in Panama-City (Foto: Philip Duckwitz)
Maritimer Ausblick Panama City

Panama – wie kommt man hin?

Flüge ab Deutschland in Richtung Panama gibt es ab Düsseldorf, Frankfurt, Berlin und München. Da der Flughafen Panama Tocumen das mittelamerikanische Drehkreuz für Flüge ist, führen die meisten Verbindungen in Länder nördlich des Landes über diese Destination. Ab Deutschland fliegt zum Beispiel die spanische Fluglinie iberia dorthin www.iberia.com

Bei einem Stoppover in Panama von mehr als 5 Stunden lohnt eine City-Tour. Von Touren auf eigene Faust ist abzuraten, da die Verkehrslage von Nicht-Einheimischen oft falsch eingeschätzt werden kann. Das kann zum Verpassen des Anschlussflugs führen.

Touranbieter: Der lokale Anbieter Panama Roadtrips ist ein kleiner und junger Touranbieter, der individuelle Touren ab 2 bis 10 Personen bietet. Er ist absolut seriös und zuverlässig und geht auf die Kundenwünsche direkt ein. Ansprechpartner: Miguel Ibarra

Einreise: Reisepass mit 6 Monaten Gültigkeit. Bei der Einreise werden i.d.R. 5 US-Dollar Touristen-Gebühr fällig, bei Weiterreise am selben Tag werden diese aber nicht selten erlassen, wenn man sein Weiterreise-Ticket vorzeigt.

Zeitverschiebung: Minus 6 Stunden gegenüber der MEZ

Währung: Es gilt der Balboa, der aber 1:1 an den US-Dollar gekoppelt ist. Die Zahlung mit US-Dollar ist ratsam und sehr verbreitet.

Restaurant in der Altstadt: Café Unido

Typische Masken aus Bast, hergestellt von der indigenen Bevölkerung Panamas findet man in der Altstadt (Foto: Philip Duckwitz)
Masken als Souvenir in Panama City

Text und Fotos: Philip Duckwitz

Hinweis der Redaktion
Dieser Reisebericht wurde unabhängig recherchiert, fotografiert und geschrieben. Die City-Tour wurde vom Autor selbst finanziert und initiiert. Die Flugkosten von und nach Deutschland wurden im Rahmen einer Nicaragua-Reise vom Tourismusamt Nicaragua bezahlt. Der Aufenthalt in Panama ist im Rahmen eines Stoppover während ebendieser Flüge entstanden.

Alle Angaben wurden von dem Autor nach bestem Wissen und Gewissen zusammengestellt und von der Redaktion von Hayit Medien und Fernweh.de überprüft. Allerdings kann keine Gewähr oder Haftung für einen etwaigen Schaden übernommen werden.

Über den Autor

Philip Duckwitz

Der „Journeylist“ Philip Duckwitz arbeitet als freier Journalist und Autor in Köln. Auf seinen Reisen um den Erdball, die er am liebsten in wenig bekannte Länder und Regionen unternimmt, öffnet er seinen Lesern Türen zu unerschlossenen Blickwinkeln. Bekanntes neu entdecken und Neues bekannt zu geben, unter dieser Prämisse reist der Journeylist auf der Suche nach den Schätzen dieser Welt.

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